{"id":23290,"date":"2023-07-14T10:34:01","date_gmt":"2023-07-14T08:34:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21082-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:34:03","modified_gmt":"2023-07-14T08:34:03","slug":"21082-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21082-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und modellhafte Anwendung eines digitalen Dokumentationssystems zur Erfassung von Umweltsch\u00e4den als Teil eines umfassenden Pflege- und Vorsorgesystems an der Passauer Domkirche (Bayern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Laufe der Geschichte hat sich f\u00fcr historische Baudenkmale eine Vielzahl von Dokumenten angesammelt. Die Archivierung der schriftlichen, fotografischen oder digitalen Quellen wird aufgrund der Informationsf\u00fclle und der Verschiedenartigkeit der Datentr\u00e4ger zunehmend schwieriger. Auch sind Informationen zum Fortschreiten umweltbedingter Sch\u00e4den h\u00e4ufig nicht mit den davon betroffenen Bauteilen zu korrelieren. Das zu entwickelnde digitale Geb\u00e4udearchiv (DGA) soll als multifunktionales Informationssystem die Dokumentation, Archivierung und Verwaltung geb\u00e4uderelevanter Daten strukturieren und k\u00fcnftige Projektierungen unterst\u00fctzen. Das DGA soll ein wichtiger Baustein eines pr\u00e4ventiven Pflege- und Vorsorgekonzeptes sein, das umweltrelevante Geb\u00e4udesch\u00e4den fr\u00fchzeitig erkennen l\u00e4sst und ein gezieltes Eingreifen erm\u00f6glichen soll. Die Einzelkomponenten des Systems sind eine zentrale Archivierungssoft-ware mit einem am Bauwerk orientierten Inventarisationssystems sowie ein<br \/>\nKartierungs-Tool auf der Basis mobiler Endger\u00e4te.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Erstellung der kombinierten Dokumentations- und Archivierungsl\u00f6sung erfolgte durch parallele Entwicklung digitalen Archivierungssystems und des Kartierungstools. Beide Einheiten wurden einem kontinuierlichen Praxistest unterzogen und fortw\u00e4hrend den Bed\u00fcrfnissen der Anwender angepasst. Schwerpunkte der Entwicklung waren die Optimierung der Archivfunktion mit Einrichtung einer semantischen Informationssuche und der Gew\u00e4hrleistung der Datensicherheit sowie die Erstellung einer Software zur fortschreibbaren kartographischen Dokumentation am Objekt. Die Arbeitsschritte gliederten sich in mehrere Stufen. Nach der Festlegung von Muster- und Testfl\u00e4chen f\u00fcr die Datenermittlung des Schadensverlaufes wurde die Kartierungsstruktur am Objekt aufgestellt. Zur Aufbereitung und Auswertung bereits vorhandener Daten wurden in dem Informationssystem s\u00e4mtliche Datens\u00e4tze auf einer gemeinsamen Plattform eingelesen und bearbeitet. Die Strukturierung der Daten erfolgte durch ein hierarchisches Anlagen-kennzeichnungssystem, das auf Planunterlagen des Geb\u00e4udes basiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Auf der Grundlage des von H\u00fcttenmeister Michael Hauck und Prof. Drewello erstellten Gesamtkonzepts entwickelten zwei Arbeitsgruppen an den Universit\u00e4ten Passau und Bamberg eine neuartige Software f\u00fcr die Dokumentation und Archivierung von Baudenkmalen. Durch gekoppelte Programme eines Archivierungssystems und einer Kartierungssoftware k\u00f6nnen nun s\u00e4mtliche Daten, die bei der Untersuchung von Bauwerken entstehen, systematisch aufgenommen, verwaltet und anwenderfreundlich genutzt werden.<br \/>\nIm Passauer Team des Instituts f\u00fcr Informationssysteme und Softwaretechnik (IFIS) wurde unter Leitung von Professor Freitag das Digitale Archivsystem erstellt. Dieses erm\u00f6glicht die systematische Verwaltung s\u00e4mtlicher Informationen und Dokumenten zu Bauwerken, die von Bauh\u00fctten, Staatsbauverwaltungen und vergleichbaren Institutionen gepflegt werden. Der Leitgedanke der Entwicklung war, eine ansprechende und f\u00fcr den Anwender intuitiv zu bedienende Oberfl\u00e4che bereitzustellen, die einen unkomplizierten Zugang erlaubt und gleichzeitig alle Arbeitsabl\u00e4ufe optimal unterst\u00fctzt. Ein zentrales Element des Archivsystems ist die frei definierbare hierarchische Ordnungsstruktur des zu verwaltenden Geb\u00e4udes. Die Navigation im Archiv erfolgt entweder \u00fcber die herk\u00f6mmliche Baumstruktur oder Geb\u00e4udepl\u00e4ne, am besten Grund- und Aufrisse. Zu archivierende Dokumente k\u00f6nnen einzelnen Geb\u00e4udeteilen gezielt zugeordnet und mit Metadaten versehen werden. Zus\u00e4tzlich verf\u00fcgt das Archiv \u00fcber eine semantische, das hei\u00dft inhaltsbasierte Suchfunktion. F\u00fcr den Neuaufbau oder die \u00dcbernahme von Daten aus bestehenden Systemen besitzt die Software zudem Unterst\u00fctzungsfunktionen. So k\u00f6nnen Dokumente per Maus mit Drag &#038; Drop- Funktionen eingef\u00fcgt werden &#8211; die zugeh\u00f6rigen Metadaten werden dabei automatisch erfasst.<br \/>\nProfessor Schlieder vom Bamberger Lehrstuhl f\u00fcr Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften war f\u00fcr die Entwicklung des Kartierungstools verantwortlich (Mobile Mapping System, MMS). Das MMS ist eine Software zur mobilen Kartierung am Objekt, mit der Bestands-, Schadens- und Ma\u00dfnahmenkartierungen durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die wichtigste Anforderung an das Kartierungssystem war, neben dem mobilen Arbeiten, die Flexibilit\u00e4t, die hier gleichzusetzen ist mit der Anpassung an die Gewohnheiten des Nutzers, was eine einfache Bedienbarkeit der Software implizierte.<br \/>\nDie Flexibilisierung wurde auf dreifache Weise erreicht: a) Durch die Anreicherung der Kartierung mit den f\u00fcr den Nutzer relevanten Sachdaten (semantische Kartierung), b) die Modellierung der Terminologien und Kennzeichnungssysteme (Glossare, r\u00e4umliche Bezugssysteme), c) die vom Nutzer gesteuerte Selbstbeschreibung der digitalen Karten (Metadatenerzeugung). Mit dem MMS steht f\u00fcr eine Kartierungsl\u00f6sung zur Verf\u00fcgung, deren Funktionsumfang &#8211; Kartierung von Geometrie- und Sachdaten, Modellierung von Terminologien und Glossaren, automatische Generierung von Metadaten &#8211; bislang unerreicht war.<br \/>\nEine besondere Eigenschaft der kombinierten Dokumentations- und Archivierungsl\u00f6sung, des von uns so genannten Digitalen Geb\u00e4udearchivs (DGA), ist die \u00dcberwindung der Beschr\u00e4nkung von CAD-Systemen, die auf die Erstellung von Pl\u00e4nen jeglicher Art spezialisiert sind und denen bei der Vorauswahl bewusst der Vorzug vor GIS-gest\u00fctzten Systemen gegeben wurde. CAD-Systeme erm\u00f6glichen jedoch keine semantischen Auszeichnungen und keine karten\u00fcbergreifenden Suchanfragen. Erst die Kombinati-on der Passauer Archivierungsl\u00f6sung mit dem Bamberger Mobile Mapping System bietet diese M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nZwei Anwendergruppen, die Dombauh\u00fctte Passau und das Bamberger IABD evaluierten das Programm w\u00e4hrend der Entwicklung am Beispiel des Passauer Doms, des S\u00fcdquerhauses des Bamberger Doms und des Rathaus von Neuburg an der Donau. Die zur Projektlaufzeit aktuelle Beta-Version wurde zus\u00e4tzlich von anderen Anwendern getestet (N\u00fcrnberg, Salzburg, Wien), wobei die Anregungen der Nutzer kontinuierlich in die Entwicklung einflossen.<br \/>\nZusammenfassend ist zu sagen, dass das DGA eine Software f\u00fcr Baudenkmale darstellt, die in ihrer Art bisher einmalig ist. Durch die gezielte Zuordnung von Dokumenten zu Geb\u00e4udebereichen und die M\u00f6glichkeit der thematischen Suchanfrage \u00f6ffnen sich g\u00e4nzlich neue Wege der Recherche, die den Nutzwert von Archivdaten enorm vergr\u00f6\u00dfert. Die positive Resonanz des Fachpublikums und der erfolgreiche Ein-satz an den Objekten unterstreichen das Potenzial der entwickelten L\u00f6sung.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde dem Fachpublikum auf zwei Workshops pr\u00e4sentiert und in der Fachpresse publiziert (siehe Abschlussbericht). Die Nachfrage war ausgesprochen gro\u00df, ebenso das Medieninteresse.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Resonanz auf das DGA \u00fcbertraf alle Erwartungen, was den Bedarf an einer digitalen Software f\u00fcr Monumentalbauten unterstreicht. Das DGA wurde den Mitgliedern der Vereinigung der Dombaumeister von der Vorstandschaft im Jahr 2005 empfohlen. An einem Testlauf haben alle gro\u00dfen zentraleurop\u00e4ischen Bauh\u00fctten ihr Interesse bekundet. Von den Experten wurde dar\u00fcber hinaus der Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, die bislang nicht zug\u00e4nglichen Archive generell zu erschlie\u00dfen und f\u00fcr \u00fcberregionale Anfragen zu \u00f6ffnen. Nach unserem Daf\u00fcrhalten ist das Projekt ausgezeichnet verlaufen. Es ist ein f\u00fcr die Sicherung von Kunst- und Kulturgut und die Praxis der Baudenkmalpflege exquisites Produkt entstanden, das Ma\u00dfst\u00e4be setzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Laufe der Geschichte hat sich f\u00fcr historische Baudenkmale eine Vielzahl von Dokumenten angesammelt. Die Archivierung der schriftlichen, fotografischen oder digitalen Quellen wird aufgrund der Informationsf\u00fclle und der Verschiedenartigkeit der Datentr\u00e4ger zunehmend schwieriger. Auch sind Informationen zum Fortschreiten umweltbedingter Sch\u00e4den h\u00e4ufig nicht mit den davon betroffenen Bauteilen zu korrelieren. 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