{"id":23281,"date":"2023-07-13T15:22:59","date_gmt":"2023-07-13T13:22:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21045-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:02","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:02","slug":"21045-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21045-01\/","title":{"rendered":"Detektierung und Konservierung infolge von Umwelteinfl\u00fcssen hohlstehender Wandmalereien am Beispiel der national wertvollen mittelalterlichen Kirchen in Battaune und Bad Schmiedeberg (Sachsen\/Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Kunsthistorisch wertvolle Wandmalereien sind h\u00e4ufig infolge von Umwelteinfl\u00fcssen stark gef\u00e4hrdet. Durch eindringende Feuchtigkeit und Schadstoffbelastung bilden sich zwischen der Malschicht und der dahinter liegenden Wand oder innerhalb des Putzaufbaus hohl stehende Bereiche, die f\u00fcr die Wandmalereien eine sehr gro\u00dfe Gefahr darstellen. Die Detektierung ihrer Ausdehnung sowie der Umgang mit ihnen bei der Konservierung der Wandmalereien stellen den ausf\u00fchrenden Restauratoren und den untersuchenden Naturwissenschaftler vor gro\u00dfe Herausforderungen.<br \/>\nMit Hilfe der zerst\u00f6rungsfreien Technologie aktive Infrarot-Thermografie sollte eine innovative Messmethode entwickelt werden, mit der die Hohlstellen ber\u00fchrungslos entdeckt und untersucht werden k\u00f6nnen und &#8211; nach ihrer Hinterf\u00fcllung &#8211; die Konservierung der Wandmalereien \u00fcberpr\u00fcft werden kann.<br \/>\nDie f\u00fcr die Anwendbarkeit der akiven Infrarot-Thermografie zur Lokalisierung von Hohlstellen an Wandmalereien n\u00f6tige Grundlagenuntersuchungen sollten im Projekt mit geleistet werden.<br \/>\nZiel des Projektes war es, mit der ausgearbeiteten Messmethode einen entscheidenden Beitrag zu Konservierung und langfristigem Erhalt der mittelalterlichen Wandmalereien zu leisten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs sollten wichtige Ausgangsuntersuchungen zu Material- und Hohlraumgr\u00f6\u00dfen durchgef\u00fchrt werden. Die Einflussgr\u00f6\u00dfe Material sollte bzgl. der Emission von Infrarotstrahlung in Testreihen eingehend un-tersucht werden. Im Plan war vorgesehen unterschiedliche Putzzusammensetzungen, teilweise mit unterschiedlichen Pigmenten und Bindemittelsystemen bemalt auf ihr Emissionsverhalten zu testen.<br \/>\nNeben der Materialart hat auch die St\u00e4rke einer abgel\u00f6sten Schicht sowie die Gr\u00f6\u00dfe des zu detektierenden Hohlraums einen Einfluss auf das Messsignal. Um die Einflussgr\u00f6\u00dfen von Materialst\u00e4rke und Hohlraumgr\u00f6\u00dfe bei aktiver Infrarot-Thermografie zu ermitteln, sollten daher in weiteren Versuchsreihen Pro-bek\u00f6rper ausgew\u00e4hlter Verputze mit unterschiedlich gro\u00dfen Hohlr\u00e4umen untersucht werden.<br \/>\nDetektion von Hohlr\u00e4umen an verwitterten Oberfl\u00e4chen<br \/>\nIn diesem Arbeitsabschnitt sollten stellvertretend nicht denkmalgesch\u00fctzte Mauern bzw. Geb\u00e4udeteile, die aber in Aufbau und Zusammensetzung mit den o.g. Baudenkmalen vergleichbar sind, mit der Infrarot-Thermografie analysiert werden. Diese Untersuchungsobjekte erlauben nach der Messung Eingriffe ins Mauerwerk, die die mit der Infrarottechnik gewonnenen Ergebnisse verifizieren.<br \/>\nDetektierung der Hohlr\u00e4ume an den Wandmalereien in Battaune und Bad Schmiedeberg<br \/>\nDie in ersten Untersuchungsabschnitten gewonnenen Erkenntnisse sollten in einem dritten Forschungsabschnitt auf die denkmalgesch\u00fctzten Wandmalereien angewandt werden. In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und den zust\u00e4ndigen Restauratoren k\u00f6nnen die mittels der Infrarot-Thermografie gewonnenen Ergebnisse anschlie\u00dfend durch zerst\u00f6rungsarme Messungen \u00fcberpr\u00fcft werden.<br \/>\nVerf\u00fcllung der Hohlr\u00e4ume und ihre \u00dcberpr\u00fcfung<br \/>\nDie mit Hilfe der Thermografie ermittelten Hohlr\u00e4ume sollten mit unterschiedlichen Materialien verf\u00fcllt werden. Welche Hinterf\u00fcllstoffe im konkreten Fall eingesetzt werden, ist von den jeweiligen Hohlraumgr\u00f6\u00dfen sowie vom Baumaterial, in dem die Hohlr\u00e4ume vorkommen, abh\u00e4ngig. Die Hinterf\u00fcllstoffe sollten bzgl. ihres thermischen Verhaltens charakterisiert werden. Nach der Verf\u00fcllung der Hohlr\u00e4ume wurden diese Bereiche erneut mit aktiver Infrarotthermografie untersucht, um die Emission der Infrarotstrahlung zu ermitteln, vorher und nachher zu vergleichen und den Erfolg der Ma\u00dfnahme zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die f\u00fcr aktive Thermographie notwendige Aktivierungsmethode wurde nach zahlreichen Tests ausge-w\u00e4hlt in ein angepasster Versuchsaufbau entwickelt. Auch aufgrund der Empfindlichkeit und Wertigkeit der historischen Wandmalereien lag ein Schwerpunkt der Studie auf der Untersuchung von speziellen Probek\u00f6rpern im Labor. Mit drei Probek\u00f6rpern aus Leichtbeton wurde der Einfluss der Pigmente in den Farbfassungen, der Einfluss der unterschiedlichen eingesetzten M\u00f6rtel und Oberfl\u00e4chenrauhigkeiten ermittelt, sowie die Aufl\u00f6sungsgrenzen der Methode eingesch\u00e4tzt. In der Stadtkirche St. Nikolai in Bad Schmiedeberg, Sachsen-Anhalt, gibt eine generelle \u00dcbereinstimmung der Perkussionskartierung an den Wandmalereien aus der 2. H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts mit auff\u00e4lligen Aufheizungen bei der aktiven IR-Thermographie. Zudem zeigen die IR-Aufnahmen ein weitaus differenzierteres Bild von Inhomogenit\u00e4ten nahe der Oberfl\u00e4che.<br \/>\nDie kunsthistorisch wertvollen, romanischen Wandmalereien in der Dorfkirche in Battaune sind in die Apsis eingebettet. Die konkave Geometrie, auf der die Malerei in der Apsis liegt, hat einen sehr starken Einfluss auf die Versuchsanordnung der aktiven Thermografie. Die gleichm\u00e4\u00dfige Aufheizung der zu untersuchenden Fl\u00e4che ist ein wichtiger Parameter f\u00fcr zuverl\u00e4ssige Ergebnisse. F\u00fcr die konkave Geometrie konnte aber keine angepasste IR-Strahlungsquelle zur Aufheizung gefunden werden. Die Ergebnisse der Thermographie am mittelalterlichen Wandmalereizyklus von 1430 in der evangelischen Pfarrkirche in K\u00fchren haben eine gute \u00dcbereinstimmung mit der Kartierung mittels Perkussionsmethode. Das thermographische Abzeichnen der Hohlstellen erfolgt \u00fcber ein Zeitintervall der Aktivierung. Insbesondere an d\u00fcnn geputzten Stellen paust sich w\u00e4hrend der Untersuchung das Bruchsteinmauerwerk deutlich im Thermographiebild durch. Das Zeitfenster f\u00fcr die Detektierung von Hohlstellen wird daher sehr eng. Hohlstellen, die festgestellt werden, lassen sich in ihrer Lage und Gr\u00f6\u00dfe sehr genau zuordnen. Die \u00dcberpr\u00fcfung der verf\u00fcllten Hohlstellen zeigt, dass die Anbindung nicht an allen Stellen gleichm\u00e4\u00dfig ge-w\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Schon im Verlauf des Projektes wurden mittels aktiver Infrarotthermographie an mehreren anderen hochrangigen Wandmalereien Hohlstellenuntersuchungen in den L\u00e4ndern Sachsen und Sachsen-Anhalt durch das IDK durchgef\u00fchrt. Die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Projektuntersuchungen lassen sich gut auf \u00e4hnliche Fragestellungen \u00fcbertragen. Zudem wurden die Ergebnisse vorgestellt: in den Landes\u00e4mtern f\u00fcr Denkmalpflege und auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr zerst\u00f6rungsfreie Pr\u00fcfung (DGZfP) Thermografiekolloquium vom 27.-28. September 2007 in Stuttgart. Der Bericht wird \u00fcber das Hornemann-Institut \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich und recherchierbar gemacht. Weitere Ver\u00f6ffentlichungen und Pr\u00e4sentationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und Konferenzen sind vorbereitet: Natursteinsanierung Stuttgart am 14.03.2008, STONE2008 Torun 15-20.09.08 u. a..<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hat gezeigt, dass die zerst\u00f6rungsfreie aktive IR-Thermographie sehr gut in dem sehr sensiblen Feld der Restaurierungsuntersuchungen eingesetzt werden kann. Aktive IR-Thermographie ist eine ausgezeichnete Chance, die Risiken der Perkussionsuntersuchung zu umgehen. Die Randbedingungen durch unterschiedliche Adsorptionseigenschaften unterschiedlicher Pigmente und unterschiedliche M\u00f6rtel in den Wandmalereien, sowie die Grenzdefinitionen der abgel\u00f6sten Schollen stellen den Anwender aber vor Herausforderungen. Der erfolgreiche Einsatz der ber\u00fchrungslosen Messmethode ist durch ge-schultes Personal an anderen gef\u00e4hrdeten Wandmalereien im Innen- und Au\u00dfenbereich nun gut m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Kunsthistorisch wertvolle Wandmalereien sind h\u00e4ufig infolge von Umwelteinfl\u00fcssen stark gef\u00e4hrdet. Durch eindringende Feuchtigkeit und Schadstoffbelastung bilden sich zwischen der Malschicht und der dahinter liegenden Wand oder innerhalb des Putzaufbaus hohl stehende Bereiche, die f\u00fcr die Wandmalereien eine sehr gro\u00dfe Gefahr darstellen. 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