{"id":23279,"date":"2023-07-13T15:22:55","date_gmt":"2023-07-13T13:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20904-06\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:56","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:56","slug":"20904-06","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20904-06\/","title":{"rendered":"Sofortprogramm Hochwasserschutz:\nNikolaikirche Eilenburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Eilenburger Nikolaikirche war durch das Augusthochwasser 2002 schwer gesch\u00e4digt. Es handelte sich um unmittelbare Wassersch\u00e4den, Sch\u00e4den durch die Aktivierung des enormen Salzgehaltes im historischen Gem\u00e4uer und um durch die permanente extrem hohe Luftfeuchtigkeit in den R\u00e4umen hervor-gerufene Sch\u00e4den (z. B. pl\u00f6tzlich auftretender, gro\u00dffl\u00e4chiger starker Schimmelbefall).<br \/>\nZiel des Vorhabens war einerseits die unmittelbare Schadensbeseitigung und andererseits eine nachhaltige Verbesserung des Geb\u00e4udezustandes durch Reduzierung des Salzgehaltes im Mauerwerk im Zusammenspiel mit weiteren Ma\u00dfnahmen zur Trockenlegung des Geb\u00e4udes.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Sanierung der hochwassergesch\u00e4digten Eilenburger Nikolaikirche erfolgte in den Jahren 2003 (Chor und Sakristei) und 2004 (Halle und Turm).<br \/>\nNach einer Phase der Trocknung wurden Fu\u00dfboden und Wandputz in Chor und Sakristei vollst\u00e4ndig erneuert. Dabei kamen vornehmlich klassische Baustoffe wie Kalk und keramische Platten zum Einsatz. W\u00e4hrend der Sanierungsarbeiten kam es zu dem o.g. pl\u00f6tzlichen und \u00e4u\u00dferst starken Schimmelbefall auf der gesamten Rauminnenfl\u00e4che. Eine Bek\u00e4mpfung des Schimmels und eine vorbeugende Behandlung der Gew\u00f6lbe- und Wandfl\u00e4chen wurde unumg\u00e4nglich.  Dies geschah unter Einsatz umweltvertr\u00e4glicher und f\u00fcr den Menschen ungef\u00e4hrlicher Mittel.<br \/>\nWichtigstes Element der Gesamtsanierung der Kirche war die Reduzierung des Salzgehaltes in der Sockelzone der Kirche mittels Entsalzungskompressen im Verein mit dem Einbau einer neuen Vertikalsperrung (Tonpackung), realisiert aus Mitteln eines anderen F\u00f6rderprogramms, im Jahr 2004. Dieses, auch durch gl\u00fcckliche Umst\u00e4nde bef\u00f6rderte, Zusammenspiel verschiedener Ma\u00dfnahmen entspricht den Erkenntnissen aus dem derzeitigen wissenschaftlichen Diskurs im Bereich der Geb\u00e4udetrockenlegung insbesondere stark salzbelasteter historischer Gem\u00e4uer.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Sanierung der Hochwassersch\u00e4den an der Eilenburger Nikolaikirche konnte in der Hauptsache im Jahre 2004 abgeschlossen werden. 2005 kommt es noch zu einigen abschlie\u00dfenden Arbeiten im Bereich der T\u00fcren und Tore. Alle Mauerwerks- und Putzsch\u00e4den sowie Sch\u00e4den im Bereich der Natursteinteile wurden nach den Re-geln des  traditionellen Handwerks saniert. In Vorbereitung der Arbeiten f\u00fchrten verschiedene Baustofflabors im Auftrag der Kirchengemeinde Analysen an Mauerziegeln, M\u00f6rtel und Natursteinteilen durch, die in Planung und Ausf\u00fchrung jeweils ber\u00fccksichtigt wurden.<br \/>\nBeteiligt waren folgende Einrichtungen:<br \/>\n&#8211;\tInstitut f\u00fcr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt, Dipl. Ing. Stefan Weise<br \/>\n&#8211;\tMaterialforschungs- und Pr\u00fcfanstalt Leipzig, Dipl.-Ing. M. Becker und Dipl.-Min. E. Maul<br \/>\n&#8211;\tLandesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen, Diplom-Restaurator Torsten Niemoth,<br \/>\n&#8211;\tIngenieurb\u00fcro f\u00fcr Bauwerkserhaltung Weimar, Dipl.-Ing. Toralf Schmidt<br \/>\nEines der haupts\u00e4chlichen Probleme bei der Sanierung war die extrem hohe Salzbelastung des Mauerwerks. Diese Erscheinung ist typisch f\u00fcr mehrere Jahrhunderte alte Bauwerke, die im Verlaufe der Geschichte einer hohen Belastung durch F\u00e4kalien ausgesetzt waren. Die im Mauerwerk gespeicherten Salze k\u00f6nnen einen Feuchtetransport im Mauerwerk bis in betr\u00e4chtliche H\u00f6hen verursachen. In der Nikolaikirche sind es f\u00fcnf bis sechs Meter. Das Augusthochwasser hat die gesamte im Mauerwerk enthaltene Salzmenge aktiviert und den bekannten Sch\u00e4digungsmechanismus enorm beschleunigt.<br \/>\nDas beschriebene Ph\u00e4nomen kann nachhaltig nur durch eine Entsalzung des Mauerwerkes beseitigt oder zumindest gemildert werden. Gleichzeitig muss die Feuchtezufuhr zum Mauerwerk unterbunden oder entscheidend eingeschr\u00e4nkt werden. Beides ist im Rahmen der Sanierung durch den gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz von Entsalzungskompressen und den Einbau einer neuen Vertikalsperrung (Tonpackung) geschehen. Aus denkmalpflegerischen Gr\u00fcnden musste sich der Einbau neuer Sperrebenen auf die Vertikalsperrung beschr\u00e4nken; nach dem heutigen Wissensstand ist dies jedoch der Hauptzugangsweg von Bodenfeuchte in das Mauerwerk, sodass mit einer starken Verbesserung der Gesamtsituation gerechnet werden kann. Die Entsalzungskompressen wurden in zwei Zyklen aufgebracht. Weitere Zyklen waren aus bauzeitlichen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Es ist zu empfehlen, bei k\u00fcnftigen Sanierungsarbeiten an der Kirche weitere Entsalzungen vorzunehmen, da eine Entsalzung des Mauerwerkes nur schrittweise und mit zeitlichen Zwischenr\u00e4umen sinnvoll ist. Wegen der Inhomogenit\u00e4t von Konzentration und Verteilung der Salze im Mauerwerk lassen sich praktisch keine umfassenden quantitativen Aussagen zur Salzbe-lastung des gesamten Mauerwerkes formulieren. Der Entzug eines gewissen Teiles der belastenden Salze ist jedoch durchaus ein qualitativer Erfolg.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Der Verlauf und die Ergebnisse der Sanierungsarbeiten sind in der Tagespresse ver\u00f6ffentlicht worden  und werden in verschiedenen Publikationen der Gemeinde und der Evangelischen Kirche dargestellt. \u00d6ffentlich aufgestellte Baustellentafel.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Zuge der Behebung der Hochwassersch\u00e4den an der Eilenburger Nikolaikirche wurde neben den \u00fcblichen handwerklichen Verfahren eine Entsalzung des Mauerwerkes durch Kompressen vorgenommen. Dieses verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig aufwendige Verfahren konnte auch dank der F\u00f6rderung seitens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt angewendet werden.<br \/>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich der Schluss ziehen, dass der Einsatz von Entsalzungskompressen mit anschlie\u00dfendem Kalkputz und eine Wiederholung dessen in gewissen zeitlichen Abst\u00e4nden auf lange Sicht dem Zustand historischer Bauwerke zutr\u00e4glicher ist als der Einsatz der ebenfalls teuren Sanierputze, da bei dieser, empfohlenen, Vorgehensweise die Schadensursache nachhaltig verringert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Eilenburger Nikolaikirche war durch das Augusthochwasser 2002 schwer gesch\u00e4digt. 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