{"id":23278,"date":"2023-07-13T15:22:55","date_gmt":"2023-07-13T13:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20904-05\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:56","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:56","slug":"20904-05","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20904-05\/","title":{"rendered":"Sofortprogramm Hochwasserschutz:\nD\u00f6belner Mirakelmann in der Nicolaikirche"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anla\u00df: Die in Bezug auf ihre k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t, ihr Alter und ihre konstruktive wie auch herstellungs-technologische Perfektion weltweit wohl einzigartige Passionsspielfigur, sog. D\u00f6belner Mirakelmann, wurde bei der \u00dcberflutung D\u00f6belns durch das Hochwasser der Mulde zwischen dem 12. und dem 14. August 2002 schwer besch\u00e4digt.<br \/>\nZielsetzung: Konservierung und Restaurierung der hochwassergesch\u00e4digten Skulptur<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAls Hauptarbeitsschritte sind vorgesehen:Konservierung der Farbfassung sowie der originalen Leinwandbeklebungen mit einem geeigneten Prote-inleim, Reinigung aller gefassten und ungefassten Oberfl\u00e4chen, Entrestaurierung der gesamten Figur, d.h. Abnahme von Kittungen, Retuschen, Entfernen der Nagelungen im H\u00fcftbereich, Abl\u00f6sen der er-g\u00e4nzten Lederteile zumindest an en Hand- und Ellbogengelenken, Ansetzen abgel\u00f6ster Holzteile, Sichern und Schlie\u00dfen ge\u00f6ffneter Fugen sowie Aussp\u00e4nen von Rissen (ggf. Versuch des R\u00fcckformens bei Verwerungen des Holzes) unter Verwendung eines geeigneten Proteinleimes, konservatorische Behandlung aller originalen Metallteile, soweit dies ohne Gef\u00e4hrdung der Originalsubstanz m\u00f6glich ist, Wiederherstellung des anatomischen Gesamtzusammenhanges der Figur, dazu insbesondere Reinigung, Gl\u00e4ttung, Stabilisierung und Neuverleimung der originalen Lederfragmente sowie Erg\u00e4nzung der Fehlstellen analog der letzten Restaurierung mit wei\u00dfgegerbten S\u00e4mischleder, Goldschl\u00e4gerhaut und Pergamentleim, Kittung der Fehlstellen in der Fassung mit Leim-\/Kreidegrund und Retusche, Instandsetzung oder Neufertigung der Holzlade, ausf\u00fchrliche Dokumentation aller Arbeiten in Wort und Bild.<br \/>\nDie Bearbeitung der Skulptur erfolgt in den Restaurierungsateliers des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen. Alle Arbeitsschritte sowie die zum Einsatz kommenden Materialien und Technologien sind vorher mit dem betreuenden Restaurator des Landesamtes abzustimmen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Verz\u00f6gerung bez\u00fcglich des Projektendes resultiert daraus, dass die Skulptur mehrere Tage im Wasser lag und und zun\u00e4chst langsam und kontrolliert austrocknen musste, ehe mit Konservierungsma\u00dfnahmen begonnen werden konnte. Die Arbeiten an der schwerst gesch\u00e4digten wertvollen Figur wa-ren sehr kompliziert, da au\u00dferdem s\u00e4mtliche Gelenkverbindungen gel\u00f6st waren und neben einer Reihe von holztechnischen Ma\u00dfnahmen zus\u00e4tzlich noch Leder- und Textilarbeiten notwendig wurden. Hinzu kam, dass die Gr\u00f6\u00dfe der Skulptur eine gleichzeitige Bearbeitung durch mehrere Restauratoren nicht erlaubte.<br \/>\nDa in der St. Nicolaikirche auch erst im Fr\u00fchsommer des Jahres 2005 alle Bauarbeiten im Kircheninneren abgeschlossen werden konnten, kam es zu Verz\u00f6gerungen bei der R\u00fcckf\u00fchrung des Mirakelmanns. Man wollte die Skulptur nicht dem Putzstaub und den durch die Bauarbeiten herrschenden Klimaschwankungen aussetzen.<br \/>\nNach Vorlage aller Rechnungen des Restaurierungsateliers ergibt sich eine Gesamtsumme von 89.668 \u0080. Der Spielraum zwischen der Kostensch\u00e4tzung von 112.000 \u0080 und der tats\u00e4chlichen Abrechnung, resultiert daraus, dass zweimal ausgeschrieben werden musste und die letzte Ausschreibung deutlich unter der Kostensch\u00e4tzung lag.<br \/>\nMit der Restaurierung dieser Skulptur ist die Kirchgemeinde und nicht zuletzt die Stadt D\u00f6beln um ein einzigartiges Kulturgut reicher. Der Mirakelmann ist ein herausragendes Kunstwerk der Sp\u00e4tgotik, welcher hoffentlich noch kommenden Generationen als Zeugnis des Fr\u00f6mmigkeitsverst\u00e4ndnisses vergan-gener Epochen dient.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Seit der Flut 2002 und den damit verbundenen Berichterstattungen stand der Mirakelmann besonders im \u00f6ffentlichen Interesse. Nicht nur in der regionalen Presse wurde regelm\u00e4\u00dfig und sehr ausf\u00fchrlich berichtet, sondern auch in Kirchen- und Fachpresse erschienen h\u00e4ufig Beitr\u00e4ge \u00fcber die Restaurierung. Funk und Fernsehen berichteten mehrfach \u00fcber den Fortgang der Arbeiten.<br \/>\nZur R\u00fcckf\u00fchrung des Mirakelmannes im Juli 2005 wurde eine Pressekonferenz in der St. Nicolaikirche mit den Restauratoren angesetzt, welche von den verschiedensten Berichterstattern sehr gut angenommen wurde. Zu den \u00d6ffnungszeiten der Kirche kann die Figur besichtigt werden und es liegen noch zus\u00e4tzlich bebilderte Pr\u00e4sentationsmappen aus.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nach Beendigung der Restaurierung kann von sehr guten Ergebnissen ausgegangen werden. Die Figur befindet sich  in einem qualitativ hochwertigem Zustand, welcher sich von dem Zustand vor dem verheerenden Hochwasser kaum unterscheidet. Einzig die K\u00f6rperform hat sich aufgrund des Wasserschadens ver\u00e4ndert und die Ledergelenke sind durch die Schrumpfung nun v\u00f6llig unbeweglich. Die wertvolle Christusfigur wurde dank der Restaurierung wieder f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Die Grabtruhe mit der Figur steht jetzt allerdings auf der Orgelempore, um einer neuerlichen Besch\u00e4digung durch ein eventuell auftretendes Hochwasser  vorzubeugen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anla\u00df: Die in Bezug auf ihre k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t, ihr Alter und ihre konstruktive wie auch herstellungs-technologische Perfektion weltweit wohl einzigartige Passionsspielfigur, sog. D\u00f6belner Mirakelmann, wurde bei der \u00dcberflutung D\u00f6belns durch das Hochwasser der Mulde zwischen dem 12. und dem 14. August 2002 schwer besch\u00e4digt. 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