{"id":23257,"date":"2025-04-10T10:32:16","date_gmt":"2025-04-10T08:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20956-01\/"},"modified":"2025-04-10T10:32:17","modified_gmt":"2025-04-10T08:32:17","slug":"20956-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20956-01\/","title":{"rendered":"S\u00fcdseetr\u00e4ume, Pflanzensammler und Entdecker &#8211; Erarbeitung einer Umweltausstellung zum Thema Biodiversit\u00e4t tropischer und exotischer Pflanzen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Ausstellung in der Orangerie veranschaulicht die Themen Biodiversit\u00e4t, Ressourcenschonung sowie Vermarktung und Konsum von Pflanzen. Sie zeigt, wie viele Arten noch gar nicht bekannt sind, und f\u00fchrt in den Reichtum und die Vielfalt der Welt tropischer und exotischer Pflanzen ein. Dadurch entsteht Wertsch\u00e4tzung der Biodiversit\u00e4t, Freude an dem Reichtum der Natur, an ihrer Vitalit\u00e4t und Anpassungsf\u00e4higkeit &#8211; eine wichtige Grundvoraussetzung f\u00fcr Achtung und Schutz der Umwelt. Am Beispiel der Baumkronenforschung erschlie\u00dfen sich die Besucher, wie durch schadensfreie Untersuchung ein H\u00f6chstma\u00df an Ressourcen ermessen werden kann. Zudem wird gezeigt, wie Pflanzen als Massenware produziert, verpackt, transportiert, verkauft und nach kurzem Gebrauch weggeworfen werden. Sowohl die Produktions- und Vermarktungsformen als auch unser Konsumverhalten werden kritisch \u00fcberpr\u00fcft. Es wird deutlich, dass die Vermarktungsstrukturen den eigentlichen Wert der Pflanze zerst\u00f6ren, und dass der Verbraucher daran ma\u00dfgeblich beteiligt ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAu\u00dferhalb des Orangeriepavillons bedient eine S\u00fcdsee-Traumwelt bewusst Klischees. Im Anschluss daran wird im Inneren des Pavillons drastisch der Umgang mit der Pflanze als Konsumware vorgef\u00fchrt. Dazu bedient sich die Ausstellung audiovisueller und illusionistischer Mittel, die zeigen, wie weit die heutige kommerzielle Pflanzenwelt von den Grundwerten, die wir an der Natur sch\u00e4tzen, entfernt ist. Der Rundgang ist durch den Wechsel sinnlicher Erlebnisse in der exotischen Pflanzeninszenierung der O-rangerie und der wissenschaftlich-didaktischer Beitr\u00e4ge gepr\u00e4gt. In den Themenkapiteln werden einzelne Anliegen exemplarisch aufgearbeitet. Essentielle Fragestellungen, wie die Herkunft unserer Kulturpflanzen und ihr wechselvolles Schicksal bis in unsere Wohnzimmer, werden einpr\u00e4gsam vermittelt und bei den Besuchern ein Denkprozess angesto\u00dfen. Die Besucher werden zudem in die Methoden der Beobachtung tropischer Baumkronen eingef\u00fchrt, die wirkungsvolle Argumente zum Erhalt unserer Natursch\u00e4tze liefern. Die Spannung aus konkreter, greifbarer Pflanzenwelt und der virtuellen High-Tech-Welt der Pavillons vermittelt etwas von der Faszination, welche die Pflanzenj\u00e4ger vor 200 Jahren antrieb. Das Nebeneinander von einfachen sinnlichen Eindr\u00fccken und wissenschaftlich fundierten Informationen erf\u00fcllt alle Anspr\u00fcche der Umweltkommunikation und -didaktik. Dabei wird vor allem mit dem Wechsel von Variation, Kontrast, Geheimnis und \u00dcberraschung gearbeitet. Die audiovisuellen Inszenierung der Meuterei auf der Bounty weist auf die kommerzielle Grundlagen dieses Ereignisses hin. Auch hier werden illusionistische Malerei und Video-Reproduktionen eingesetzt. Insgesamt erschlie\u00dft die Zeitreise der Ausstellung die verschiedenen Ebenen wissenschaftlicher, kultureller und kommerzieller Werte von Natursch\u00f6nheiten.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit der Ausstellung S\u00fcdseetr\u00e4ume. Pflanzensammler und Entdecker betrat die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen in vielerlei Hinsicht Neuland. Sie vermittelte fachwissenschaftliches Wissen auf einer leicht zug\u00e4nglichen Weise mit einfachen und visuellen Mitteln. Dazu kombinierte sie Facetten einer Kulturgeschichte der Botanik und des Pflanzensammelns mit aktuellen Debatten zur Biodiversit\u00e4t tropischer und exotischer Pflanzen. Wenngleich sich einige geplante Aspekte wie die Replik des 1753 entstandenen Agaven-Turmes nicht realisieren lie\u00dfen, entstand insgesamt eine f\u00fcr Museen und Kultureinrichtungen neuartige Schau, keineswegs eine textreiche Vitrinenausstellung. Sie schlug den Bogen von den Anf\u00e4ngen der Pflanzensammler und Entdecker bis in die Gegenwart, sie warf kritische Fragen in bezug auf die Nachhaltigkeit, die Erhaltung der Biodiversit\u00e4t und die Schonung der Ressourcen auf und sprach die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an. Dabei wurde jedoch kein vorwurfsvoller Zeigefinger erhoben. Vorrang hatten \u00e4sthetische und sinnliche Mittel; die Ausstellung war didaktisch durchdacht, aber nicht \u0082verkopft. Dennoch wurden keine \u0082einfachen L\u00f6sungen angeboten, es wurde im Gegenteil deutlich gemacht, das die Verantwortung nicht nur auf \u0082Gro\u00dfkonzerne, H\u00e4ndler oder Garten-m\u00e4rkte geschoben werden kann, sondern dass sie auch bei uns, dem Verbraucher, zu suchen ist. Dieser stille, subtile Appell l\u00e4sst sich auf alle Bereiche \u00fcbertragen, die sich mit der Produktion, dem Handel und dem Verbrauch von lebender Materie besch\u00e4ftigen und vermag dadurch Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr nachhaltiges Handeln in der Landwirtschaft, der Medizin, dem Tourismus u. a. mehr zu geben. Ein Appell, der gerade in der aktuellen Diskussion \u00fcber die Discount-Mentalit\u00e4t weiterf\u00fchrend sein kann.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Interesse wurde das Rahmenprogramm zur Ausstellung vom Publikum aufgenommen. W\u00e4hrend des viert\u00e4gigen Festivals der Weimarer Gartenlust hielt Prof. Morawetz einen Vortrag zum Thema Pflanzenj\u00e4ger &#8211; Legende und Zauberei. Autorenlesungen von Kej Hielscher und Renate H\u00fccking aus ihrem Buch Pflanzenj\u00e4ger. In den fernen Welten auf der Suche nach dem Paradies oder von Anita Albus aus ihrem Buch Paradies und Paradox gaben einen literarischen Einblick in die Welt der Pflanzenj\u00e4ger. Dar\u00fcber hinaus fanden w\u00e4hrend der gesamten Laufzeit der Ausstellung (3. 7.-20. 9. 2003) F\u00fchrungen zur Hauptausstellung, zum davon r\u00e4umlich getrennten Ausstellungsteil Goethes Metamorphose der Pflanze sowie zu den Schaug\u00e4rten statt. Ein gro\u00dfer Erfolg war zudem die Aufstellung eines Beobachtungskrans im Schlo\u00dfpark Belvedere. Zahlreiche Besucher standen an, um in die Personenkabine zu steigen und den Park, die Th\u00fcringer Landschaft, aber auch die Baumkronen mit der darauf lebenden Flora und Fauna zu beobachten.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Ausstellung S\u00fcdseetr\u00e4ume. Pflanzensammler und Entdecker kann mit all ihren Konzeptionsver\u00e4nderungen als ein interessantes, vielf\u00e4ltiges Ausstellungsprojekt bewertet werden. Die Ausstellung mit ihren drei Teilen &#8211; dem Kernbereich in der Orangerie, dem Kapitel Der Wardsche Kasten im Neuen Design und Goethes Metamorphose der Pflanzen &#8211; bot als Gesamtprojekt den Besuchern einen facettenreichen Einblick in die Welt der Pflanzensammler und Entdecker. Trotz des unterschiedlichen Duktus der ein-zelnen Abteilungen, der verschiedenen K\u00f6pfe und Macher, der unterschiedlichen Ausstellungsarchitektur und -grafik, erg\u00e4nzten sich die Teile auf spannende Weise. Ebenso spannten die einzelnen Ausstellungsbereiche einen Bogen von den Anf\u00e4ngen der Pflanzenjagd, des Pflanzenentdeckens und des Pflanzensammelns bis in die Gegenwart &#8211; j\u00fcngste Gedanken zu diesem Thema manifestierten sich in den neuentworfenen, transportablen Minigew\u00e4chsh\u00e4usern. Jeder Besucher des viert\u00e4gigen Festivals Weimarer Gartenlust (3.-7.7.2003) konnte die Ausstellung besuchen. Ihr Inhalt sollte f\u00fcr jedermann interessant und zug\u00e4nglich sein, f\u00fcr den Botaniker wie f\u00fcr das Schulkind, f\u00fcr den Senior wie f\u00fcr den Gar-tenliebhaber und den Kunstinteressierten. Die geplanten Besucherzahlen der Ausstellung wurden w\u00e4hrend der dreimonatigen Laufzeit erreicht &#8211; 10 000 Besucher haben die Schau gesehen. Bis auf wenige Ausnahmen war die inhaltliche Resonanz der Besucher positiv &#8211; sie bewerteten die aufgeworfenen Fra-gen als provokant und beeindruckend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Ausstellung in der Orangerie veranschaulicht die Themen Biodiversit\u00e4t, Ressourcenschonung sowie Vermarktung und Konsum von Pflanzen. Sie zeigt, wie viele Arten noch gar nicht bekannt sind, und f\u00fchrt in den Reichtum und die Vielfalt der Welt tropischer und exotischer Pflanzen ein. 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