{"id":23243,"date":"2023-07-13T15:22:46","date_gmt":"2023-07-13T13:22:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20845-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:49","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:49","slug":"20845-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20845-01\/","title":{"rendered":"Vorsorgema\u00dfnahmen zur Reduzierung des Schadstoffeintrages und Unterbrechung der Transportmechanismen bausch\u00e4dlicher Salze im Kreuzgangbereich des Merseburger Doms (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Reduzierung des Schadstoffeintrages und damit verbundenen Schadensmechanismen in \u00e4u\u00dferen und inneren Bauwerksbereichen des Merseburger Doms. Chemische und hygrische Untersuchung der betroffenen Bauteile sowie des im Kreuzgang vorgelagerten Erdreichs. Erfassung und Ableitung schadstoffbelasteter Feuchtestr\u00f6me. Durch die Auswahl geeigneter Vor- und Nachuntersuchungsverfahren soll an eingrenzenden Referenzfl\u00e4chen die Nachhaltigkeit der getroffenen Ma\u00dfnahmen langfristig kontrolliert werden. Damit kann ein modellhaftes und \u00fcbertragbares Beispiel f\u00fcr ein auszubauendes Qualit\u00e4tsmanagement im Bereich der Denkmalpflege erprobt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Mittelpunkt der chemischen Analysen werden die Substanzen stehen, die zur Bildung der wichtigsten bausch\u00e4dlichen Salze und zu den Sch\u00e4den an den Dombauteilen f\u00fchrten. Im Vorfeld muss daher eine Untersuchung der gesch\u00e4digten Bauwerksteile auf ihren Gehalt an bausch\u00e4dlichen Substanzen und ihren Feuchtegehalt stehen. Im Bereich des Kreuzganghofs werden zu diesem Zeitpunkt zerst\u00f6rungsfreie Georadarmessungen das Erdreich auf Bodenanomalien, wie sie in Zusammenhang mit Grablegen, Gr\u00fcften oder Leitungskan\u00e4len auftreten, in einer \u00dcbersichtsaufnahme untersuchen. Die hierbei gewonnenen Hinweise stellen eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr befundschonende Probenahmen und notwendige Schachtarbeiten im Bereich des Kreuzganghofes dar. In einem zweiten Schritt soll in Form einer Rasteruntersuchung das bauwerksnahe Erdreich des Kreuzganges bis in eine Tiefe von maximal 1m auf Schadstoff- und Feuchtegehalte analysiert werden. In einer dritten Phase werden die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Sammlung und Ableitung der schadstoffbelasteten Feuchtestr\u00f6me vom Dom erarbeitet und praktisch ausgef\u00fchrt.<br \/>\nIm Ergebnis der Schadensuntersuchung und umgesetzten Schutzvorkehrungen werden Referenzfl\u00e4chen festgelegt, die eine langfristige Nachkontrolle der getroffenen Ma\u00dfnahmen zulassen. Dies beinhaltet vor allem die Beobachtung, Messung und Analyse von Schadstoffen sowie deren Transportmedium, die Materialfeuchtigkeit. Langfristig soll weiterhin die Auswirkung des reduzierten Feuchteeintrags in den Dom und angrenzende R\u00e4ume \u00fcberwacht werden. Die daf\u00fcr geeignetsten Untersuchungstechniken auszuw\u00e4hlen und zu modifizieren ist neben der praxisnahen Probleml\u00f6sung f\u00fcr diesem sensiblen Denkmalbereich ein wichtiger  Projektinhalt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die vorliegenden Sch\u00e4den im Kreuzgang sowie im Dom haben ihre wesentliche Ursache im Transport bausch\u00e4dlicher Salze durch eindringende Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit stammt zum einen aus der Befeuchtung der Fassade direkt, aber zum gr\u00f6\u00dften Teil aus dem Baugrund, aus dem sie \u00fcber das Mauerwerk aufsteigt. In Verbindung mit den Feuchtetransportvorg\u00e4ngen werden bausch\u00e4dliche Salze gel\u00f6st und in den Verdunstungsbereichen abgeschieden. Hierbei kommt es zur Anreicherung bausch\u00e4dlicher Salze, die als Umwandlungsprodukte aus eingetragenen Luftschadstoffen entstanden sind. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um Kalzium- und Sulfatverbindungen. Auff\u00e4llig, aber von weit aus untergeordneter Bedeutung sind Magnesium-, Kalium-, und Chloridverbindungen.<br \/>\nAus den Bodenproben wird deutlich, dass bauwerksnah ein deutlich erh\u00f6hter Gehalt an Sulfatverbindungen als Umwandlungsprodukt des Luftschadstoffes Schwefeldioxid im Erdreich gespeichert ist. Bei weiterem Feuchtetransport in Folge der defekten Dachentw\u00e4sserung am Dom bzw. der fehlenden Wasserf\u00fchrung im Kreuzganghof, ist von einem weiteren Ansteigen der Schadsalzbelastung im Natursteinmauerwerk des Doms und Kreuzganges auszugehen. Jede restauratorische Anstrengung hinsichtlich einer Reduzierung der Salzsch\u00e4den an den Naturstein- und M\u00f6rtelmaterialien ist nur von befristetem Erfolg, wenn die eigentlichen Schadensursachen die Feuchtetransportvorg\u00e4nge nicht unterbrochen oder zumindest reduziert werden. Die Instandsetzung bzw. der Neubau einer ausreichend dimensionierten und dichten Regenwasserabf\u00fchrung war somit f\u00fcr die Nachhaltigkeit aller zuk\u00fcnftigen Instandsetzungs- und Restaurierungsanstrengungen von ausschlaggebender Bedeutung.<br \/>\nUm die Schadensursachen nachhaltig zu reduzieren, erfolgte eine umfassende Instandsetzung der Dachentw\u00e4sserung und Wasserabf\u00fchrung im Bereich des Kreuzganges. In diesem Zusammenhang erwies sich die Erkundung von Bodenanomalien im Kreuzgang- und Kapitelhof mit Hilfe der Georadartechnik als ausgesprochen hilfreich und substanzschonend f\u00fcr die arch\u00e4ologischen Voruntersuchungen sowie die Planung und Ausf\u00fchrung der notwendigen Schachtarbeiten. \u00dcber die Projektlaufzeit hinaus wird die Auswirkung des reduzierten Feuchteeintrages auf die S\u00fcdwand des Doms mit Hilfe der zerst\u00f6rungsfreien Mikrowellen-Feuchtemesstechnik mehrj\u00e4hrig \u00fcberwacht werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>F\u00fcr die abschlie\u00dfende Dokumentation des Projektes wurden die Projektergebnisse in einem Untersuchungsbericht zusammengestellt, der in dreifacher Ausfertigung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in gebundener Form \u00fcbergeben wurde. Die Zusammenfassung der chemischen und physikalischen Untersuchungsergebnisse wurde dar\u00fcber hinaus als PDF-Datei erstellt, um sie bei Bedarf in elektronischer Form verbreiten zu k\u00f6nnen. Das vorliegende Projekt der DBU unterst\u00fctzte das erfolgreiche Bem\u00fchen, das Untersuchungs- und Restaurierungsprogramm im Rahmen einer F\u00f6rderung durch das Land Sachsen-Anhalt weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit der Analyse der Schadensursachen und der konstruktiven Verbesserung der Feuchtigkeitssammlung und Abf\u00fchrung aus dem Kreuzgang- und Kapitelhof wurde ein wichtiger Beitrag zur Verringerung des Schadstoffeintrages in die Bauh\u00fclle des Merseburger Doms sowie in die mit der Bauh\u00fclle verbundenen Bauzier geleistet. Eine erste Nachuntersuchung im Januar 2005 gibt einen Hinweis auf die zunehmende Trocknung und damit Funktionst\u00fcchtigkeit der konstruktiven Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Reduzierung des Schadstoffeintrages und damit verbundenen Schadensmechanismen in \u00e4u\u00dferen und inneren Bauwerksbereichen des Merseburger Doms. Chemische und hygrische Untersuchung der betroffenen Bauteile sowie des im Kreuzgang vorgelagerten Erdreichs. Erfassung und Ableitung schadstoffbelasteter Feuchtestr\u00f6me. 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