{"id":23237,"date":"2023-07-13T15:22:55","date_gmt":"2023-07-13T13:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20902-09\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:55","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:55","slug":"20902-09","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20902-09\/","title":{"rendered":"Beseitigung der Hochwassersch\u00e4den an der F\u00fcrstenkirche St. Bartolom\u00e4i in Dessau-Waldersee (Teil des Soforthilfeprogramms zur Beseitigung von Hochwassersch\u00e4den an national wertvollen Kulturg\u00fctern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Hochwasser vom Sommer 2002 verursachte Sch\u00e4den an Bausubstanz und Grabmal des anhaltischen F\u00fcrstenpaares des im Turmbau untergebrachten Mausoleums der Kirche Waldersee im Dessau-W\u00f6rlitzer Kulturbereich.<br \/>\nZiel des Vorhabens ist die wissenschaftliche Untersuchung der Sch\u00e4den und ihre Auswirkungen auf die Umwelt, um unter wissenschaftlicher Methodik eine Wiederherstellung dieses bedeutenden Kulturdenkmals zu realisieren.Weiterhin soll eine Dokumentation der baulichen Anlage Aufschluss \u00fcber die Bauweise geben und Auswirkungen der Feuchtebelastung durch das Hochwasser erkl\u00e4ren. M\u00f6gliche Baufehler sollten erkannt werden, um daraus resultierend und unter Wahrung des Denkmalschutzes eine L\u00f6sung zu erarbeiten, die nachhaltigen Bestand hat.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchung der Sch\u00e4den bezog sich auf eine hygrische Untersuchung im Mauerwerk sowie auf eine mikrobiologische Untersuchung im Grabmal. Daraus resultierend wurde die \u00d6ffnung der Grabkammer beschlossen u. in Teilabschnitten eine denkmalgerechte Reparatur veranlasst.<br \/>\nDie Feuchtemessungen wurden im Mauerwerk im Abstand von 30 cm so gew\u00e4hlt, da\u00df der gesamte Mauerwerksquerschnitt erfa\u00dft werden konnte. Der Feuchtezustand wurde \u00fcber die Ausmessung des Feuchtefeldes mittels einer Neutronen-Stabsonde ermittelt.<br \/>\nDie Untersuchungen erfolgten in der 48. und 49. Kalenderwoche 2002 und sollten wiederholt werden, damit die Austrocknung prognostiziert werden konnte.<br \/>\nGleichzeitig erfolgte eine Entnahme von Bohrmehlproben f\u00fcr bautechnische Analysen, um Kenntnisse \u00fcber die erkennbare Belastung mit bausch\u00e4dlichen Salzen zu erhalten.<br \/>\nDie mikrobiologischen Untersuchungen wurden hinsichtlich der Schimmelpilzbelastung in der Raumluft durchgef\u00fchrt. Dabei wurde eine definierte Menge der Raumluft in einem geeigneten Sammelger\u00e4t \u00fcber feste N\u00e4hrb\u00f6den geleitet. Keimf\u00e4hige Zellen werden so auf den N\u00e4hrb\u00f6den abgeschieden und wachsen zu Kolonien aus, die in mehreren Schritten isoliert werden.<br \/>\nDiese Isolate wurden zu einem Speziallabor in den Niederlanden zur Diagnostik weitergeleitet.<br \/>\nDie Beprobung erfolgte am 21.11.02 an 3 Standorten; im Innenraum des Mausoleums, im Kirchenschiff und \u00fcber einen Ansaugschlauch aus der Sargkammer heraus.<br \/>\nAuf Grund der Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Untersuchungen wurden weitere Schritte zur S\u00e4uberung und Wiederherstellung eingeleitet. Die auf diese Weise offenzulegenden Bauteile wurden eingemessen und dokumentiert, um eine Bestandsunterlage zu erhalten, die Aufschluss \u00fcber Bauweise, Material und Verarbeitung gibt.Nach Beschluss zur \u00d6ffnung der Grabkammer wurden die S\u00e4rge des F\u00fcrstenpaares geborgen und visuell \u00fcberpr\u00fcft.<br \/>\nDie Exhumierung musste auf Grund der engen Geometrie der Grabkammer mit besonderer Vorsicht durchgef\u00fchrt werden. Bergungss\u00e4rge wurden beigestellt und die Hebevorrichtung installiert. Das Personal wurde gesondert eingewiesen. Eine Arbeitsschutzbelehrung wurde mit allen anwesenden Personen durchgef\u00fchrt. Mit Arbeitsschutzkleidung und Atemmasken (P3-Filter) erfolgte die Begutachtung der Grabkammer durch Blickpr\u00fcfung. Zuerst wurden die Sargoberteile, dann die Sargunterteile an der Grabkammer geborgen. Die Gebeine wurden in den beigestellten Bergungss\u00e4rgen im Krematorium Dessau f\u00fcr ca. 4 Wochen eingelagert. Danach erfolgte die \u00dcberf\u00fchrung nach Frankfurt\/Main zur Gefriertrocknung. 2 Wochen sp\u00e4ter erfolgte die R\u00fcck\u00fcberf\u00fchrung nach Dessau.<br \/>\nAm 05.08.2003 wurden die Gebeine im St\u00e4dtischen Klinikum \u00fcber Computertomografie zur wissenschaftlichen Dokumentation erfasst. Am 06.08.2003 erfolgte das Einl\u00f6ten der Gebeine in die vorbereiteten Zinks\u00e4rge. Hierzu wurde eine Abnahme durch die Beh\u00f6rden herbeigef\u00fchrt. Die Wiederbeisetzung fand am 07.08.2003 statt. Anschlie\u00dfend wurde mit der baulichen Restauration des Mausoleums begonnen.<br \/>\nDurch eine 2. endoskopische Untersuchung wurde der Hohlraum unter der Grabkammer gesichtet. Auf Grundlage der Aufnahmen konnte eine Zeichnung der \u00f6rtlichen Situation angefertigt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Nach den einzelnen Arbeitsschritten wurden in gemeinsamen Beratungen mit den Gutachtern und Fachplanern die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet. Dabei wurden in der Arbeitsgruppe L\u00f6sungen disku-tiert, welche den Grundstein f\u00fcr das weitere Vorgehen bildeten. Auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse konnten somit weitere Schritte der Wiederherstellung eingeleitet werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Arbeiten wurden mit den entsprechenden Fach\u00e4mtern der oberen und unteren Denkmalbeh\u00f6rde abgestimmt und Entscheidungen gemeinsam getragen. Zum gro\u00dfen Teil fanden die Arbeiten unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit statt, um einerseits falscher Berichterstattung u. Sensationstourismus vorzubeugen, andererseits den Belangen der F\u00fcrstenfamilie von Anhalt mit Diskretion zu begegnen.<br \/>\nDie Presse wurde im Nachgang \u00fcber die abgelaufenen Aktionen informiert.<br \/>\nF\u00fcr die Dokumentation der durchgef\u00fchrten Arbeiten wurden s\u00e4mtliche Protokolle, Videos und Bilder der Landeskirche \u00fcbertragen und dort so archiviert, dass sie zu weiteren Forschungszwecken zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit der Wiederherstellung des Mausoleums konnte eine der bedeutendsten Kulturdenkm\u00e4ler in der Region Anhalt bewahrt werden. Die Grabst\u00e4tte des Anhaltischen F\u00fcrstenpaares steht heute wieder f\u00fcr Touristen offen.<br \/>\nDurch die wissenschaftliche Arbeitsmethodik u. die zur Verf\u00fcgung gestellten finanziellen Mittel ist es gelungen, das Weltkulturerbe mit hoher fachlicher Unterst\u00fctzung denkmalgerecht zu restaurieren.<br \/>\nDer Erinnerung an das Hochwasser 2002 dient eine gespendete Tafel im Inneren des Kirchenschiffes.<br \/>\nDie Kirche in Dessau-Waldersee nimmt durch Ihre Eigenheit eine Sonderstellung in der Dessau-W\u00f6rlitzer Kulturlandschaft ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Hochwasser vom Sommer 2002 verursachte Sch\u00e4den an Bausubstanz und Grabmal des anhaltischen F\u00fcrstenpaares des im Turmbau untergebrachten Mausoleums der Kirche Waldersee im Dessau-W\u00f6rlitzer Kulturbereich. 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