{"id":23232,"date":"2023-07-13T15:22:50","date_gmt":"2023-07-13T13:22:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20902-03\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:53","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:53","slug":"20902-03","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20902-03\/","title":{"rendered":"Beseitigung der Hochwassersch\u00e4den an der Klosterkirche St. Heinrich in Pirna (Teil des Soforthilfeprogramms zur Beseitigung von Hochwassersch\u00e4den an national wertvollen Kulturg\u00fctern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Elbehochwasser \u00fcberflutete die Klosterkirche bis in eine H\u00f6he von ca. 2,50 m.Das dabei gesch\u00e4digte Kunstgut SP\u00c4TGOTISCHER FL\u00dcGELALTAR, HOLZGESTALTUNG VON FRIEDRICH PRESS F\u00dcR DEN ALTARRAUM DER KLOSTERKIRCHE, FRESKEN DES 15. JH. Ist res-tauratorisch zu bearbeiten und dabei wieder in einen dem Kunstwerk angemessenen Zustand zu versetz-ten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZus\u00e4tzlich zu den notwendigen Arbeiten am Kunstgut selbst wurde der Auftrag zur sicheren Feststellung von Klimadaten in der Klosterkirche an das IDK erteilt.<br \/>\nDie Restaurierungen werden im Sommer 2003 begonnen und bis August 2004 abgeschlossen<br \/>\nSp\u00e4tgotischer Fl\u00fcgelaltar<br \/>\nAus dem Bericht der Restauratoren:<br \/>\nRestaurierungskonzept<br \/>\nAnliegen der Restaurierung war es, nach der massiven St\u00f6rung und Gef\u00e4hrdung des Objektes durch das Hochwasser zun\u00e4chst die erhaltene Substanz wieder zu sichern, um sie langfristig erhalten zu k\u00f6nnen. Dazu waren folgende Arbeitsschritte erforderlich:<br \/>\n&#8211;\tKonservierung der Fassung, Schimmelbek\u00e4mpfung, Konservierung des Tr\u00e4gers und Sicherung der konstruktiven Verbindungen<br \/>\nDar\u00fcber hinaus sollte die Restaurierung genutzt werden, um mit dem gewachsenen Bestand wieder eine gepflegtere, klar ablesbare Erscheinung des Kunstwerkes zu erreichen.<br \/>\nPredella<br \/>\nBei dem Neubau der durch das Hochwasser v\u00f6llig zerst\u00f6rten Predella wurde eine ver\u00e4nderte der Entstehungszeit (um 1510 in Th\u00fcringen) angepasste Form der Predella mit Farbfassung ausgef\u00fchrt.<br \/>\nWandmalerein in der Klosterkirche<br \/>\nAus dem Bericht des Restaurators:<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich befand sich das untere Drittel der S\u00fcdwandmalerei und die an den W\u00e4nden eingeritzten Weihekreuze unter Wasser.<br \/>\nMit dem Beginn des Auftrages zur Konservierung der Wandmalerei konnten keine nennenswerten Sch\u00e4den beobachtet werden.<br \/>\nNach \u00fcber einem Jahr, w\u00e4hrend der Arbeiten wurde pl\u00f6tzlich massive Salzkrustenbildung festgestellt, die zur \u00c4nderung des vereinbarten einfachen Restaurierungskonzeptes zwangen.<br \/>\nDer 1952 aufgebrachte Erg\u00e4nzungsputz im unteren Drittel des Bildes war fest, konnte jedoch die Ursache f\u00fcr die sp\u00e4te Salzablagerung sein. Die Auswertung der entnommenen Putzproben ergaben die Notwendigkeit der Putzentfernung und des Neuputzens mit einem traditionellen Kalkm\u00f6rtel. Das Wandbild wurde in Abstimmung und nach den Festlegungen des LfD Sachsen ausgef\u00fchrt und abgenommen.<br \/>\nAltargestaltung von Friedrich Press<br \/>\nDer Zustand im Mai 2003 nach dem weitgehendem Abtrocknen war gekennzeichnet durch etwa 60 Einzelteile allein von Ambo und Mensa. Die mit Melaminharzklebstoff (Leuna-Leim) verleimten Holzteile sind durch das starke Quellen aufgeleimt, gerissen und verworfen.<br \/>\nAus dem Bereicht des Restaurators<br \/>\nSomit formuliert sich das restauratorische Ziel, alle Teile von Schimmel zu reinigen, die teilweise ge\u00f6ffneten Leimfugen noch komplett zu \u00f6ffnen, eine Abreinigung der Leimreste vorzunehmen, wenn m\u00f6glich, eine R\u00fcckformung von verworfenen Holzteilen zu erreichen und eine Wiederverleimung durchzuf\u00fchren.<br \/>\nAltartisch und Ambo<br \/>\nEin weitere gravierender Schaden ist ein biologischer Befall (Schimmelpilze). &#8230; Der Pilz ist aber nur oberfl\u00e4chlich in das Holz hineingewandert. Oft ist das feine Netz der Myzelstr\u00e4nge erkennbar. Alle Sch\u00e4den wurden kartiert und bildeten den Rahmen f\u00fcr die  Restaurierung.<br \/>\nDer alte Leim wurde entfernt, die Pilze wurden mit 70%igem Alkohol abget\u00f6tet und alle Teile neu verleimt (Bindan &#8211; P Holzleim Propellerleim B3 &#8211; Leim, BINDULIN-WERK).<br \/>\nDie noch vorhandenen offenen Fugen der zusammengesetzten Arme wurden mit Lindensp\u00e4nen ausgesetzt. Ganz feine Fugen, besonders im Hirnholzbereich wurden aus konservatorischen Gr\u00fcnden gekittet.<br \/>\nRaumschale<br \/>\nDie mit hoher Salzbelastung gekennzeichneten Bereiche des betroffenen Innenputzes an der Ostseite wurden mit einer Calsitherm belegt. Die in dieses Material wandernden Salzionen werden gespeichert und nach dem Entfernen mit entsorgt.<br \/>\nDieser Versuch zeigte positive Ergebnisse was die Entsalzung hochbelasteter Bereiche betraf.<br \/>\nDie besonders stark gesch\u00e4digten Putzbereiche wurden entfernt und mit einem Kalkputz neu geputzt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die erreichten Ergebnisse haben die Erwartungen weit \u00fcbertroffen.<br \/>\nDie vielen freiwilligen unbezahlten Stunden, die von den Gemeindegliedern und Helfern zur Schlammbeseitigung, Bergung aller durch das Wasser betroffenen Teile des Kunstgutes geleistet worden sind haben sich in besonderer Weise gelohnt. Mit der Restaurierung des Kunstgutes wurde diesem historischen sakralen Raum die W\u00fcrde wiedergegeben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Dokumentationen der Restauratoren zur Erhaltung des Kunstgutes sind sowohl im Archiv der Katholischen Pfarrei St. Kunigunde in Pirna als auch im Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege einzusehen.<br \/>\nDer Architekt nutzt seine Position als Professor f\u00fcr Baukonstruktion und Bausanierung zur detaillierten Weitergabe der beschriebenen Ergebnisse an die zuk\u00fcnftigen Architekten und Bauingenieure.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Neben der f\u00fcr die katholische Pfarrei, f\u00fcr Pirna und alle Besucher wichtigen erfreulichen Wiederherstellung aller vom Hochwasser betroffenen Bereiche der Kirche sind Fachdiskussionen und die Arbeit an neuen L\u00f6sungen zur Entfeuchtung und Entsalzung von Mauerwerk und Putzen aufgenommen worden, die verallgemeinert \u00fcber den Rahmen der Schadensbeseitigung durch Hochwasser hinausgehen.<br \/>\nF\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Soforthilfeprogramm zur Beseitigung von Hochwassersch\u00e4den an national wertvollen Kulturg\u00fctern sei an dieser Stelle besonders gedankt. \u00dcber die vielf\u00e4ltigen gezielt eingesetzten Hilfen konnte der entstandene Schaden an der Klosterkirche ohne nennenswerte Verluste beseitigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Elbehochwasser \u00fcberflutete die Klosterkirche bis in eine H\u00f6he von ca. 2,50 m.Das dabei gesch\u00e4digte Kunstgut SP\u00c4TGOTISCHER FL\u00dcGELALTAR, HOLZGESTALTUNG VON FRIEDRICH PRESS F\u00dcR DEN ALTARRAUM DER KLOSTERKIRCHE, FRESKEN DES 15. 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