{"id":23209,"date":"2023-07-13T15:22:46","date_gmt":"2023-07-13T13:22:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20791-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:48","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:48","slug":"20791-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20791-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Schadensanalyse und Entwicklung eines Restaurierungskonzeptes zur Beseitigung der Umweltsch\u00e4den an den mittelalterlichen Glasfenstern der Marienkirche in Frankfurt\/Oder (Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Nach der R\u00fcckkehr der ca. 60 Jahre ausgelagerten Glasmalereien erfolgte zun\u00e4chst der Werkstattaufbau. Das Ziel der ersten Arbeitsphase war die Erstellung eines modellhaften Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes f\u00fcr die mittelalterlichen Glasmalereien unter Ber\u00fccksichtigung der umweltbedingten Sch\u00e4den an der Glassubstanz, am Blei und an der Bemalung. Daf\u00fcr ist eine ausf\u00fchrliche Bestands- und Zustandsaufnahme, eine Schadensanalyse sowie die Dokumentation der Felder erforderlich.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Verwitterungsgrad der Glasfenster, besonders der Au\u00dfenseiten, zeigt unterschiedliche Schadensauspr\u00e4gungen. Gezielte mikroskopische und makroskopische Untersuchungen der Oberfl\u00e4chen erm\u00f6glichten eine Klassifikation und Einordnung des Schadenspotentials in unterschiedliche Verwitterungsstadien. Laboruntersuchungen zeigten, inwieweit es sich bei den Bel\u00e4gen auf der Glasoberfl\u00e4che um ausschlie\u00dflich durch starke Umweltbelastung hervorgerufene Verwitterung der Glassubstanz selbst oder um aus der Luft extern angelagerte Auflagerungen handelt. Des Weiteren wurde das Ph\u00e4nomen der auf der r\u00fcckseitigen Glasoberfl\u00e4che partiell aufliegenden, gl\u00e4nzenden Schicht durch analytische Untersuchungen in seiner Zusammensetzung definiert. Durch die exakte mikro- und makroskopische Be- und Zustandsanalyse konnte der Sch\u00e4digungsgrad der Glasfenster in dem speziell auf die Sch\u00e4den ab-gestimmten graphischen Dokumentationsschema erfasst werden. Der f\u00fcr alle Korrosionsstadien und sonstigen Schadensph\u00e4nomene angelegte fensterspezifische Schadenskatalog b\u00fcndelt alle Informationen. Unterst\u00fctzend zu diesen Vorarbeiten fand am 10.\/11. April 2003 ein Restauratorentreffen in der St. Marienkirche statt. Gemeinsam wurden mit den Kollegen die Problematiken und Sonderph\u00e4nomene diskutiert. F\u00fcr die sp\u00e4tere Restaurierung ist die summarische Erfassung und die Aufstellung einer Statistik der zahlreichen fehlenden Glasst\u00fccke innerhalb der einzelnen Felder von besonderer Bedeutung. Ein weiterer Punkt war die Frage der Erg\u00e4nzung der sechs fehlenden Glasfelder. Zur Entscheidungsfindung konnte ein Treffen mit Experten in Zusammenarbeit mit dem BLDAM beitragen. Elektronenmikroskopi-sche Untersuchungen von Reinigungsproben konnten den Restauratorinnen Anhaltspunkte f\u00fcr die Intensit\u00e4t von Reinigungsma\u00dfnahmen geben.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Abschlusskolloquium konnte dem Beirat und den Fachkollegen das Konservierungs- und Restaurierungskonzept vorgestellt werden. Durch Materialanalysen einzelner Oberfl\u00e4chenproben konnte nachgewiesen werden, dass fr\u00fchere Restaurierungsma\u00dfnahmen, wie das \u00dcberglasungsverfahren, die Behandlung mit Wachs, mit \u00f6ligen Substanzen oder Wasserglas an den Frankfurter Glasmalereien nicht durch-gef\u00fchrt worden sind. Die auff\u00e4llig gl\u00e4nzenden Oberfl\u00e4chen, sowohl auf den Vorderseiten als auch insbesondere auf den R\u00fcckseiten der Gl\u00e4ser, wurden vorwiegend als Glassubstanz und Glaskorrosion identi-fiziert. Dabei handelt es sich ausschlie\u00dflich um Gipsbel\u00e4ge, bestehend aus Calciumsulfat mit geringen Mengen von Gelglaspartikeln. Durch die elektronenmikroskopische Auswertung der Reinigungsproben lie\u00dfen sich gezielte Aussagen \u00fcber den Reinigungserfolg &#8211; im Zusammenhang mit der Abtragungsintensit\u00e4t bzw. der sch\u00e4digenden Wirkung der verschiedenen mechanischen Reinigungsmethoden &#8211; auf die unter der Korrosionsschicht liegende empfindliche Gelschicht vornehmen. Daraus ergab sich, dass bei den inhomogenen und empfindlichen Gl\u00e4sern der Frankfurter Glasmalereien, die Reinigungsma\u00dfnahmen mit gr\u00f6\u00dfter Zur\u00fcckhaltung durchzuf\u00fchren sind und die besonders dicken por\u00f6sen Wettersteinkrusten auf den R\u00fcckseiten nur dort vorsichtig ausged\u00fcnnt werden k\u00f6nnen, wo dies ohne Sch\u00e4digung der darunter liegenden Gelschicht und des Kernglases m\u00f6glich ist. Bei der Bestandserfassung stellte man \u00fcberdies fest, dass sich auf den R\u00fcckseiten au\u00dfergew\u00f6hnlich viele Bemalungsreste befinden, die keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen werden sollten. Reinigungsproben zeigten, dass die Schmutzkrusten auf den Vorderseiten der Gl\u00e4ser, insbesondere in den Sprungkanten, mechanisch abgenommen bzw. reduziert werden k\u00f6nnen.<br \/>\nMakroskopische Untersuchungen ergaben, dass die vorderseitige Bemalung relativ gut erhalten ist und nicht gefestigt werden muss. Lose Partien der r\u00fcckseitigen Bemalungsreste sollen dagegen mit einem Konservierungsmaterial gesichert werden. In der wichtigen Frage der Erg\u00e4nzung fehlender St\u00fccke und im Umgang mit den zu hellen Erg\u00e4nzungen aus dem 19. Jahrhundert konnte nach intensiven Diskussionen ein gemeinsamer Weg gefunden werden. Diese Erg\u00e4nzungsgl\u00e4ser aus der Restaurierungsphase unter Schinkel (ca. 1830) sollen als technisches Zeugnis einer fr\u00fchen Restaurierungsma\u00dfnahme aus dem 19. Jahrhundert weitgehend erhalten bleiben. Die zu hellen Erg\u00e4nzungen sollen m\u00f6glichst durch einen der Umgebung angepassten Farbton ver\u00e4ndert werden. Die vielen zu erg\u00e4nzenden Bereiche, bei denen weder der Farbton noch die Zeichnung nachvollziehbar sind, sollen m\u00f6glichst neutral geschlossen werden.<br \/>\nDas Erg\u00e4nzungskonzept sieht vor, die fehlenden St\u00fccke mit Gl\u00e4sern zu erg\u00e4nzen, die mit einem der Umgebung angepassten Mischton versehen und durch ein Punktraster gekennzeichnet sind. Bei der Vielzahl von Erg\u00e4nzungen kann dadurch eine einheitliche Linie, eine Systematik eingehalten werden. Ist durch ein Restst\u00fcck die Farbigkeit des zu erg\u00e4nzenden Glases bekannt, sollen das Punktraster und der Mischton auf ein farblich angepasstes Glasst\u00fcck aufgebracht werden. Nach ausf\u00fchrlichen Diskussionen und dem Abw\u00e4gen der Standpunkte mit Experten der Kunstgeschichte entschied man sich bei Fehlstellen, deren einstige Bemalung durch die Fotos von 1943 belegt ist, die Schwarzlotbemalung zu rekonstruieren, um so diese Informationen weiterzugeben. In Bereichen, deren Zeichnung nicht klar und eindeutig nachgewiesen ist, soll die Bemalung nicht rekonstruiert werden. In der Frage der Rekonstruktion der sechs fehlenden Felder wurden verschiedene Modelle angefertigt. In der Frage der Neuordnung der Felder ist man bisher noch zu keinem Ergebnis gekommen. Vielmehr schlug der Beirat vor, die bisherigen Recherchen und Versuchsreihen weiterzuf\u00fchren und diese Fragen zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt erneut in einer gesonderten Veranstaltung aufzugreifen und zu diskutieren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die interessierte \u00d6ffentlichkeit kann sich in einer fortlaufenden Ausstellung, in der jeweils vier mittelalterliche Glasfelder zu sehen sind, \u00fcber den Zustand der Felder informieren. Die Ausstellung wird in einem Rhythmus von ca. 8 Wochen regelm\u00e4\u00dfig gewechselt. Zudem konnte die \u00d6ffentlichkeit durch die \u00fcberregionale und die regionale Presse, durch Rundfunk- und Fernsehanstalten wie z. B. ZDF, MDR, Rundfunk Berlin-Brandenburg und durch das Stadtfernsehen Frankfurt (Oder) am aktuellen Geschehen teilhaben und wurde z.B. \u00fcber die Ergebnisse aus den Restauratorentreffen und dem Fachgespr\u00e4ch zum Thema Erg\u00e4nzungen informiert. Schlie\u00dflich wurden die Ergebnisse der Voruntersuchungen und das vom Beirat best\u00e4tigte Restaurierungs- und Konservierungskonzept auf einer Pressekonferenz im Rathaus der Stadt Frankfurt (Oder) durch einen Vortrag von Frau M\u00f6hrle am 25. September vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Dank der ausf\u00fchrlichen Voruntersuchungen konnte ein fensterspezifisches Restaurierungs- und Konservierungskonzept erarbeitet werden, welches f\u00fcr alle 111 Felder angewendet werden kann. Dies dient als Grundlage f\u00fcr die Restaurierung der Frankfurter Glasmalereien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Nach der R\u00fcckkehr der ca. 60 Jahre ausgelagerten Glasmalereien erfolgte zun\u00e4chst der Werkstattaufbau. Das Ziel der ersten Arbeitsphase war die Erstellung eines modellhaften Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes f\u00fcr die mittelalterlichen Glasmalereien unter Ber\u00fccksichtigung der umweltbedingten Sch\u00e4den an der Glassubstanz, am Blei und an der Bemalung. Daf\u00fcr ist eine ausf\u00fchrliche Bestands- und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[59,47,2425,52,53],"class_list":["post-23209","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-brandenburg","tag-klimaschutz","tag-kulturgueter","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"20791\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-20791.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"40.000,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Stadt Frankfurt (Oder)","dbu_projektdatenbank_strasse":"Marktplatz 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"15230","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Frankfurt","dbu_projektdatenbank_p_von":"2002-08-08 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2003-08-08 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr","dbu_projektdatenbank_telefon":"0335\/552-1300","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Brandenburg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"96","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36212,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23209\/revisions\/36212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}