{"id":23206,"date":"2023-07-13T15:22:46","date_gmt":"2023-07-13T13:22:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20767-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:48","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:48","slug":"20767-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20767-01\/","title":{"rendered":"Chemiepolitische Workshopreihe"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Eingebettet in Diskussionen \u00fcber den grunds\u00e4tzlichen Umgang mit Risiken und Gefahrenmanagement in modernen Industriegesellschaften sowie \u00fcber den grundlegenden \u00f6kologischen Strukturwandel in wichti-gen Konsumfeldern, wie Textil, Bauen\/Wohnen, Elektronik, Automobil, standen in der Legislaturperiode 2002 bis 2006 wichtige Weichenstellungen im Bereich der Chemiepolitik an. Hieraus erwuchsen Herausforderungen an die kritische \u00f6ffentliche Begleitung des parlamentarischen Prozesses, nicht allein durch die einschl\u00e4gig profilierten Umweltverb\u00e4nde; zugleich \u00f6ffneten sich zum Beispiel auch ganz neue Ge-sch\u00e4ftschancen f\u00fcr innovative Unternehmen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenMit vier Workshops, je einem in den Jahren 2003 bis 2006 haben wir den Diskussionen \u00fcber neue chemiepolitische Konzepte ein Forum geboten. Anhand theoretischer Studien und praktischer Umsetzungsbeispiele aus unterschiedlichen Unternehmen und Bed\u00fcrfnisfeldern wurden Perspektiven f\u00fcr einen innovativen Umgang mit den Roh- und Abfallstoffen sowie den Erzeugnissen der chemischen Industrie aufgezeigt (Stichwort sanfte oder gr\u00fcne Chemie).<br \/>\nInsgesamt vier Workshops konnten wir durchf\u00fchren:<br \/>\n1)\tVorsorgende Chemiepolitik<br \/>\nvon Freitag, den 24. bis Sonntag den 26. Januar 2003<br \/>\n2)\tVorsorgende Strategien in der chemischen Industrie:<br \/>\nWie lassen sich die Innovationsanreize der EU-Richtlinie aufgreifen?<br \/>\nvon Freitag, den 16. bis Sonntag den 18. Januar 2004<br \/>\n3)\tVorsorgende Chemikalienpolitik in der erweiterten EU:<br \/>\nWieviel Fortschritt bringt die REACh-Verordnung?<br \/>\nvon Freitag, den 21. bis Sonntag den 23. Januar 2005<br \/>\n4)\tREACh &#8211; outreach?  Herausforderungen f\u00fcr die<br \/>\nChemikalienpolitik nach dem EU-Kompromiss<br \/>\nvon Sonntag, den 12. bis Dienstag den 14. November 2006<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aufgrund starker Resonanz gerieten die Tagungen streckenweise eher zu Vortrags- und Dialog-Veranstaltungen als zu intensiven Workshops, mit \u00fcberwiegend kurzen Impulsreferaten und viel Zeit f\u00fcr die Arbeit in kleineren Gruppen. Allerdings korrespondierte diese Aufwertung im Anspruchsniveau mit der fachlichen, der industriellorganisatorischen und der politischen Komplexit\u00e4t der Materie und wurde in Anbetracht des von der EU-Kommission aufgebauten akuten Handlungsdrucks f\u00fcr die politischen Akteure wurde jedoch von den Beteiligten ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dft. Entt\u00e4uschend war allerdings immer wieder die relativ geringe Pr\u00e4senz von Vertretern der mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, deren besondere N\u00f6te, M\u00f6glichkeiten und Interessen dessen ungeachtet in den Diskussionen immer wieder breiten Raum einnahmen.<br \/>\nDas erkl\u00e4rte Ziel der Auftaktveranstaltung hatten wir noch sehr im Allgemeinen gelassen: die Diskussion \u00fcber neue chemiepolitische Konzepte stimulieren und ihr zugleich eine Plattform bieten, die allen involvierten Interessengruppen offen steht. Da wollten vor allem erkunden, welche Einzelthemen f\u00fcr den REACh Prozess als besonders konflikttr\u00e4chtig anzusehen waren und auf welchen Feldern sich Lager \u00fcbergreifende Interessen an der Formulierung von so etwas wie einer gemeinsamen nationalen Strategie im Rahmen der Europ\u00e4ischen Chemiepolitik abzeichneten.<br \/>\nEin Schwerpunkt der nachfolgenden Workshops wurde auf die M\u00f6glichkeiten und wo m\u00f6glich zu \u00fcberwindenden Hemmnisse f\u00fcr eine offensive unternehmerische Umsetzung der politischen Zielvorgaben f\u00fcr die Chemieindustrie der Zukunft gelegt<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Insgesamt vier Workshops konnten wir dank der finanziellen Unterst\u00fctzung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie die Bundeszentrale f\u00fcr Politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Umweltchemikalien\/Toxikologie im BUND e. V. durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Als wohl gr\u00f6\u00dftes ungel\u00f6stes Problem, vor dem die Europ\u00e4ische Union als Gesetzgeberin unter dem Eindruck vieler dieser Stellungnahmen stand, galt die wirtschaftspolitische Absicherung ihres in der Anwendung des Vorsorgeprinzips sehr anspruchsvollen Konzeptes. Zwar standen in offizieller Sch\u00e4tzung den insgesamt zu erwartenden direkten und indirekten Kosten von ca. 15 bis 33 Mrd. Euro w\u00e4hrend der kommenden 30 Jahre vermiedene Krankheitskosten von ca. 18 bis 54 Mrd. Euro gegen\u00fcber. In aus der Sicht der Branche defensiver Perspektive lautete aber dennoch die dringlichste Frage: Wie lassen sich die durch aufw\u00e4ndige Pr\u00fcfungen der neu zu registrierenden Altstoffe verursachten Kosten so minimieren, verteilen und\/oder kompensieren, dass nicht im gro\u00dfen Stil Produktionsverlagerungen ins nicht europ\u00e4ische Ausland bzw. Verdr\u00e4ngung durch entsprechende Billigimporte resultieren. (Insbesondere China, In-dien, Russland und auch die USA wurden in diesem Zusammenhang erw\u00e4hnt; und eine vom BDI beauf-tragte Studie sprach von insgesamt \u00fcber 2 Millionen Arbeitspl\u00e4tzen, die durch den Ansatz des EU-Wei\u00dfbuchs gef\u00e4hrdet seien. Eine Zahl allerdings, die der Pr\u00e4sident des Umweltbundesamtes umgehend als weit \u00fcbertrieben brandmarkte).<br \/>\nEbenso weit gehen aber auch in der aus der Branchensicht offensiven Perspektive die Einsch\u00e4tzungen dar\u00fcber auseinander, in welchem Ma\u00dfe sich mittel- und l\u00e4ngerfristig neue Gesch\u00e4ftschancen f\u00fcr innovative Unternehmen er\u00f6ffnen. Um diese Frage zu beantworten, bedurfte es &#8211; und bedarf es auch in Zukunft noch &#8211; konkreter, detaillierter Betrachtungen des Stoffstrom-Managements in zahlreichen Prozess- und Produktketten.<br \/>\nIm Gro\u00dfen und Ganzen bestand durchaus Einigkeit dar\u00fcber, dass das REACh-Verfahren auch gro\u00dfe Chancen f\u00fcr die Wirtschaft mit sich bringen kann, und dass dem entsprechend die Unternehmen und ihre Verb\u00e4nde gut beraten waren, im Hinblick auf dessen konkrete Ausgestaltung die konstruktive Zusammenarbeit mit der EU-Kommission zu suchen.<br \/>\nEine Unzahl von Teufeln steckt in den Details der Implementierung des REACh-Verfahrens. Und dennoch liegt eine erfolgreiche Durchf\u00fchrung der EU Initiative offenkundig im Interesse des Gemeinwohls. Allerdings muss mit der Gefahr gravierender ungewollter industriepolitischer bzw. \u00f6konomischer Nebenwirkungen so lange gerechnet werden, wie nicht ein eleganter Einstieg (A. Ahrens) in das System gefunden und dessen permanente Lernf\u00e4higkeit durch geeignete Kontrollschritte gew\u00e4hrleistet ist.<br \/>\nAussichtsreiche Innovationsstrategien auf deren Bef\u00f6rderung REACh abzielt, bauen eher auf Qualit\u00e4tsdifferenzierung als auf reine betriebswirtschaftliche Kostenminimierung. Hierbei werden die Gesundheits- und umweltbezogenen Eigenschaften von Chemikalien als besonders relevante Qualit\u00e4tsmerkmale betrachtet und daran die Hoffnung gekn\u00fcpft, vermittels der zukunftweisenden europ\u00e4ischen Standards in der Chemiebranche weltweit Marktf\u00fchrerschaft zu erlangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Eingebettet in Diskussionen \u00fcber den grunds\u00e4tzlichen Umgang mit Risiken und Gefahrenmanagement in modernen Industriegesellschaften sowie \u00fcber den grundlegenden \u00f6kologischen Strukturwandel in wichti-gen Konsumfeldern, wie Textil, Bauen\/Wohnen, Elektronik, Automobil, standen in der Legislaturperiode 2002 bis 2006 wichtige Weichenstellungen im Bereich der Chemiepolitik an. 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