{"id":23200,"date":"2023-09-21T10:32:02","date_gmt":"2023-09-21T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18364-02\/"},"modified":"2023-09-21T10:32:05","modified_gmt":"2023-09-21T08:32:05","slug":"18364-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18364-02\/","title":{"rendered":"Durchf\u00fchrung systematischer Untersuchungen zur Konzeption funktionsgerechter Wanderhilfen im Bereich von Wasserkraftanlagen am Beispiel der Wasserkraftanlage Camburg\/D\u00f6britschen (Th\u00fcringen) &#8211; 2. Phase"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In Camburg\/D\u00f6britschen an der Saale (Th\u00fcringen) erfolgten bereits umfassende Untersuchungen hinsichtlich der Restwassermenge und dem Orientierungsverhalten von Fischen im Bereich der Wasserkraftanlage. Diese schlossen Fischauf- und -abstieg und turbinenbedingte Fischsch\u00e4den einer Kleinwasserkraftanlage ein (vgl. Bericht zur ersten Phase, DBU-Projekt Az 18364\/01). Bei diesen Untersuchungen stellte sich heraus, dass der Bau einer zweiten Fischaufstiegsanlage (FAA) am Turbinenkanal f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der Durchg\u00e4ngigkeit des Standortes zwingend notwendig ist. Im Rahmen der hier dokumentierten 2. Projektphase wurde die FAA errichtet und auf ihre Funktionsf\u00e4higkeit hinsichtlich Fischauf- und -abstieg \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Fr\u00fchjahr und Sommer 2009 erfolgte der Bau der FAA durch den Bewilligungsempf\u00e4nger. Die FAA wurde in Form eines Schlitzpasses errichtet, dessen Auslauf im Kraftwerkskanal unterhalb der Turbine liegt und dessen Einlauf dem Rechen benachbart ist. Diese, derzeit noch nicht h\u00e4ufig angewendete Kombination wird besonders f\u00fcr den Fischabstieg neue Erkenntnisse erbringen. Alle neuen Erkenntnisse zur Einordnung, zur Beckengestaltung und zur Leitstr\u00f6mung wurden beachtet. Eine spezielle  Leistr\u00f6mungseinrichtung wurde installiert, um die Auffindbarkeit im Unterwasser zu verbessern.<br \/>\nNach Errichtung der FAA begannen die Kontrollen im Herbst 2009 durch den Kooperationspartner. Dies umfasst folgende Vorgehensweise: Hydraulisches Aufma\u00df; Exposition von Makrozoobenthosbesiedlungsk\u00e4sten (8 Wochen); parallele Reusenkontrollen in beiden FAA (Fischauf- und -abstieg) \u00fcber 8 Wochen w\u00e4hrend der Hauptwanderzeiten im Herbst 2009 und \u00fcber 12 Wochen w\u00e4hrend der Hauptwanderzeiten im Fr\u00fchjahr 2010. Parallel erfolgten w\u00e4hrend der Reusenkontrollzeiten Hamenf\u00e4nge unterhalb der Turbine und Abstiegskontrollen am Wehr in den Neumondwochen, um die Nutzung der FAA f\u00fcr den Abstieg quantifizieren zu k\u00f6nnen. Je einmal w\u00e4hrend der jeweiligen Reusenkontrollzeiten erfolgen Elektrobefischungen im Unterwasser des Turbinenkanals und des Mutterbettes. Der methodische Teil wurde im Juni 2010 abgeschlossen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der neu errichtete Schlitzpass wurde nach Fertigstellung einem baulich-hydraulischen Aufma\u00df unterzogen, welches nur geringe Abweichungen von den Vorgaben aufzeigte. W\u00e4hrend der Reusenkontrollen im Herbst 2009 und im Fr\u00fchjahr 2010 wurden insgesamt 679 Fische aus 9 Arten erfasst. Ca. 80 % dieser Tiere sind als str\u00f6mungsliebend zu bezeichnen. Die Funktionsf\u00e4higkeit der Leitstr\u00f6mungsverst\u00e4rkung konnte nicht best\u00e4tigt werden. Dennoch waren unterhalb der Turbine keine verirrten Fische festgestellt worden. Der Einstieg wurde also auch mit geringerer Flie\u00dfgeschwindigkeit aufgefunden. Der Schlitzpass wurde auch durch bodenlebende Fischarten gut angenommen. W\u00e4hrend der zeitgleichen Kontrolle des 2005 errichteten Borstenfischpasses wurden 2233 Fische aus 16 Arten erfasst, von denen nur 43,7 % dem rheophilen Artenspektrum zugerechnet werden k\u00f6nnen. Es wurde deutlich, dass beide FAA an ihrem jeweiligen Standort einem bestimmten Teil des in D\u00f6britschen auftretenden Fischartenspektrums den Aufstieg gew\u00e4hrleisten. W\u00e4hrend im Borstenfischpass insgesamt deutlich mehr Fische aufstiegen, konnten im Schlitzpass vermehrt Arten wie Barbe und Bachforelle erfasst werden, die den Weg in das str\u00f6mungsberuhigte Mutterbett nicht finden konnten. Arten wie die eher schwimmschwache Elritze wurde demgegen\u00fcber fast ausschlie\u00dflich beim Aufstieg im Borstenfischpass beobachtet. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass der Schlitzpass in Zeiten geringeren Durchflusses, wenn das Wehr nicht \u00fcberstr\u00f6mt wird, als Aufstiegspfad bevorzugt wird.<br \/>\nDie Kontrolldaten wurden der Bewertung nach dem 2006 erschienenen BWK-Methodenstandard f\u00fcr die Kontrolle von FAA unterzogen. Dabei stellte sich heraus, dass beide FAA-Standorte getrennt betrachtet nur eine m\u00e4\u00dfige Funktionsf\u00e4higkeit f\u00fcr den Fischaufstieg aufwiesen. Erst die Gesamtbetrachtung beider Standorte zusammen ergab eine gute Passierbarkeit des Standortes. Diese Ergebnisse belegen die Notwendigkeit, insbesondere bei WKA mit Wasserausleitung alle m\u00f6glichen Wanderungsrichtungen mit Aufstiegshilfen auszustatten. Dies wird umso wichtiger je artenreicher und vielf\u00e4ltiger hinsichtlich ihrer \u00f6kologischen Anspr\u00fcche die jeweilige Fischfauna ist.<br \/>\nDer Schlitzpass konnte aufgrund seiner rechennahen Lage auch eine Funktion als Fischabstieg erf\u00fcllen. Er wies die gleiche Wirksamkeit wie der bodennah beginnende Fischabstiegsbypass auf. An diesen beiden Standorten konnten je 4 % der absteigenden Fische registriert werden. 66 % der Fische w\u00e4hlten den Weg durch die Turbinen, 24 % stiegen \u00fcber das Wehr ab und nur 2 % im Borstenfischpass. Im Schlitzpass und im Abstiegsbypass wurden sowohl gr\u00f6\u00dfere Tiere, die aufgrund ihrer K\u00f6rperma\u00dfe den Rechen nicht passieren konnten, als auch kleinere Exemplare erfasst. Es ist demnach von einer aktiven Wahl der Abstiegsm\u00f6glichkeit auszugehen. Das Wehr wurde \u00fcberwiegend von sehr kleinen Jungfischen genutzt. Im Vergleich zu den 2005 an gleicher Stelle durchgef\u00fchrten Abstiegsuntersuchungen konnte durch die Installation des Schlitzpasses und durch eine ge\u00e4nderten \u00d6ffnungsmodus eine deutliche Verbesserung des gefahrlosen Fischabstieges in D\u00f6britschen erreicht werden. (2005 folgten 86 % der Fische dem Weg durch die Turbine.)<br \/>\nDie erfolgreiche Besiedlung des Schlitzpasses durch Makrozoobenthosorganismen wurde nachgewiesen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Durch mehrere Vortr\u00e4ge auf Fachtagungen und einen Beitrag im Fernsehsender mdr wurde die Pr\u00e4sentation des Projektes gew\u00e4hrleistet. In den Schlitzpass wurde eine Sichtscheibe integriert, die von den Besuchern des Rastplatzes an der WKA sehr gut angenommen wird. An dieser Stelle informiert auch ein Plakat \u00fcber Ziele und Hintergr\u00fcnde der Untersuchungen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die These der Notwendigkeit einer zweiten FAA an diesem Standort konnte in vollem Umfang best\u00e4tigt werden. Nur so war der Aufstieg f\u00fcr alle anstehenden Fischarten gew\u00e4hrleistet. F\u00fcr den Fischabstieg spielt die FAA ebenfalls eine Rolle, auch wenn sich die anf\u00e4ngliche Erwartung einer h\u00f6heren Ableitrate nicht erf\u00fcllt hat. Derzeit wird an der WKA ein weiteres DBU-gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt (DBU Az 26632) zur Verbesserung der Wirkung des Abstiegsbypasses durchgef\u00fchrt. Dabei wird auch der Schlitzpass nochmals in die Untersuchungen einbezogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In Camburg\/D\u00f6britschen an der Saale (Th\u00fcringen) erfolgten bereits umfassende Untersuchungen hinsichtlich der Restwassermenge und dem Orientierungsverhalten von Fischen im Bereich der Wasserkraftanlage. Diese schlossen Fischauf- und -abstieg und turbinenbedingte Fischsch\u00e4den einer Kleinwasserkraftanlage ein (vgl. Bericht zur ersten Phase, DBU-Projekt Az 18364\/01). 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