{"id":23190,"date":"2023-07-14T10:33:02","date_gmt":"2023-07-14T08:33:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20725-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:33:04","modified_gmt":"2023-07-14T08:33:04","slug":"20725-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20725-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben zur Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an vulkanischem Gestein des Klosters Tepl\u00e1 (Tschechien) im Braunkohle-Industriegebiet Egertal (deutsch-tschechisches Forschungsvorhaben)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das bedeutende Pr\u00e4monstratenser-Stift Tepl\u00e1 in Tschechien liegt etwa 35 km von den emissionsreichen Zentren der Braunkohlegewinnung und Verarbeitung des sog. Egergrabens entfernt. F\u00fcr den Bau der romanisch-gotischen Stiftskirche sowie der Konvents- und Pr\u00e4laturgeb\u00e4ude sowie zahlreicher Wirtschaftsgeb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler im Umfeld wurde v. a. das helle vulkanische Gestein Trachyt verwendet. Die Objekte aus Trachytstein weisen aufgrund der rauen Hochland-Witterung sowie der erheblichen Schadstoffbelastung durch die Braunkohleverbrennung und -Verarbeitung vor 1990 erhebliche Sch\u00e4digungen auf. Im Rahmen des Projektes sollen die Umweltsch\u00e4den klassifiziert und hinsichtlich ihrer Ursachen untersucht werden. Daraus sollen modellhafte Konservierungs- und Restaurierungskonzepte entwickelt werden. Eine Umsetzung der gewonnenen Kenntnisse und entwickelten Verfahren sollen bei konkreten Restaurierungsma\u00dfnahmen umgesetzt werden. Die Basis stellt die genaue Kenntnis der Ge-steinsvarianten und deren nat\u00fcrliche Verwitterungsformen dar. Dazu sollen die Rohstoffquellen identifiziert werden, auch in Hinblick auf Ersatzmaterialien. Des Weiteren soll die Einbindung der Trachytobjekte in den architektonischen Kontext untersucht werden, um f\u00fcr nachfolgende Restaurierungsma\u00dfnahmen eine denkmalpflegerische Entscheidungsgrundlage zu haben.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchungen beginnen mit einer Aufnahme der verwendeten Baugesteine und Bindemittel. Parallel dazu werden Archivrecherchen zur Baugeschichte und zur Gewinnung der Rohmaterialien durchgef\u00fchrt. Des weiteren werden die Schadensbilder aufgenommen und klassifiziert, sowie Testobjekte und Testfl\u00e4chen f\u00fcr die weitere restauratorische Behandlung ausgew\u00e4hlt. In der zweiten Phase werden die Gesteine mineralogisch klassifiziert und ihre physikalischen Eigenschaften bestimmt. Daneben werden zusammen mit einem parallel laufenden Projekt in Xanten und K\u00f6ln Untersuchungen zu den Konservierungs- und Restaurierungsverfahren getestet und daran anschlie\u00dfend ein Konzept f\u00fcr das Vorgehen in der Klosteranlage von Tepl\u00e1 entwickelt. Der dritte Abschnitt umfasst die Anlage von Testfl\u00e4chen in Berei-chen mit gravierenden Verwitterungsph\u00e4nomenen und die Durchf\u00fchrung erster Restaurierungsarbeiten.<br \/>\nDie vierte Phase umfasst die \u00dcberpr\u00fcfung der Ergebnisse der Konservierungsma\u00dfnahmen und die darauf aufbauende Entwicklung eines erweiterten Restaurierungskonzeptes sowie die R\u00fcckkoppelung der Resultate in bereits laufende Konservierungsarbeiten. In der letzten Phase werden die Arbeitsergebnisse in geeigneter Form publiziert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die im Projektantrag vorgesehenen Ma\u00dfnahmen konnten fast ausnahmslos durchgef\u00fchrt werden. Die Lokalisierung der Rohstoffe konnte gekl\u00e4rt und die Verwitterungsformen von Trachyt in der Natur und als Werkstein beschrieben werden. Die Verwitterung des Trachyts beruht auf schadstoffinduzierter und nat\u00fcrlicher chemischer Silikatverwitterung, auf Spannungssprengung durch Frost und Hitzeeinwirkung bei Br\u00e4nden, sowie auf bearbeitungsbedingten Mikrorissen. Nat\u00fcrliche Inhomogenit\u00e4ten tragen zur Schw\u00e4chung des Gesteins bei. Versuche ergaben eine gute Eignung von KSE-Systemen zur Festigung, Ver-bindung und Erg\u00e4nzung von gesch\u00e4digten Trachytwerksteinen. Daneben wurden Systeme auf Metakaolinit-Basis mit Erfolg erprobt. Die zahlreichen restaurierten Steinobjekte und Fassadenfl\u00e4chen stellen Pilotprojekte der Steinsanierung in Tschechien dar, die auch als Grundlage der denkmalpflegerischen Konzeption in der Zukunft sein werden. Eine l\u00e4ngerfristige Beobachtung und Dokumentation des Verhaltens der restaurierten Versuchsobjekte ist deswegen unabdingbar. Die gesamtarchitektonische Einbindung der Trachytobjekte und deren Farbfassungen wurden ermittelt. Zur Vermeidung von Sch\u00e4den wurden auch geeignete Fugenm\u00f6rtel entwickelt und appliziert. Die Wasserbest\u00e4ndigkeit wird an einer restaurierten Brunnenanlage modellhaft erprobt. Es ist gelungen, den Modellcharakter der Studie durch die vielf\u00e4ltigen Einsatzbereiche zu erreichen, obwohl eine endg\u00fcltige Beurteilung der Ergebnisse und deren prakti-sche Anwendung bei gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfnahmen erst nach einem l\u00e4ngeren Zeitraum zu beurteilen sein werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde der \u00d6ffentlichkeit durch Artikel in den westb\u00f6hmischen Tageszeitungen vorgestellt.<br \/>\nDem F\u00f6rderverein Freunde von Stift Tepl in Esslingen e.V. wurde die Projektergebnisse bei den j\u00e4hrlichen Mitgliederversammlungen aktuell und mit Exkursionen und F\u00fchrungen vermittelt.<br \/>\nEbenso fanden F\u00fchrungen zum Projektinhalt im Rahmen von Tagung des Arbeitskreises der Egerl\u00e4nder Kulturschaffenden (AEK) sowie des Deutschen Heilb\u00e4derverbandes statt.<br \/>\nDie Ergebnisse wurden aber auch in zahlreichen anderen F\u00fchrungen Fachkollegen, Studenten und sonstigen Interessenten vorgestellt. Um die zahlreichen Besucher im Kloster Tepl\u00e1 \u00fcber die Aktivit\u00e4ten und Fortschritte des DBU-Projektes zu informieren, wurden Poster zu ausgew\u00e4hlten Projektthemen in deutscher und tschechischer Sprache im Eingangsbereich zu den Klosterf\u00fchrungen und auch in \u00f6ffentlich-keitswirksamen R\u00e4umen der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen aufgeh\u00e4ngt.<br \/>\nAuf der im Juni 2004 in Prag veranstalteten internationalen Tagung \u00fcber Naturwerksteine wurde das Projekt mit einem Vortrag vorgestellt. Im Begleitbuch der Tagung mit dem Titel Dimension Stones erschien der Beitrag LEHRBERGER, G. &#038; GILLHUBER, S. (2004): Types of dimension stones in the Tepl\u00e1 monastery in Western Bohemia.- In: P?ikryl, R. (ed.): Dimension Stone 2004, Proc. Intern. Conf. on Dimension Stone in Prague, 73-78, Leiden (Balkema Publ.).<br \/>\nBei der Tagung Umwelt &#8211; Naturstein &#8211; Denkmal. Konservierung und Restaurierung umweltgesch\u00e4digter Baudenkm\u00e4ler aus Naturstein am 19. und 20. April im Zentrum f\u00fcr Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabr\u00fcck wurde das Projekt mit dem Vortrag Verwitterung und Kon-servierung von Trachyt des Klosters Tepl\u00e1 vorgestellt. Eine erweiterte Fassung des Vortrages erschien als Fachpublikation in dem Sonderheft Geowissenschaften und Denkmalpflege der Zeitschrift der Deut-schen Geologischen Gesellschaft (Band 156, Heft 1).<br \/>\nIm Rahmen der 10. Internationalen Tagung der Intern. Ges. f. Ingenieurgeologie in Nottingham wurden 2006 aktuelle Ergebnisse unter dem Titel Tepl\u00e1 trachyte weathering phenomena and physical properties of a rare volcanogenic building stone vorgestellt. Der ausf\u00fchrliche Beitrag wurde in schriftlicher Form in Form einer Tagungs-DVD ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Baugeschichtsrecherche zeigte, dass Trachyt im Kloster Tepl\u00e1 seit sp\u00e4testens 1193 verbaut wird und somit eine Langzeitstudie des Verhaltens m\u00f6glich ist. Gute Trachytsteine sind seit der Romanik ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den eingebaut, aber es finden sich auch junge Bl\u00f6cke aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jh. Die unterschiedlichen Sch\u00e4den bed\u00fcrfen sehr angepasster Restaurierungsma\u00dfnahmen. Die Rolle von Bear-beitungs-induzierten Vorsch\u00e4digungen der Gesteinsoberfl\u00e4che liegt nach vergleichenden Studien zur mechanischen Gebirgsl\u00f6sung und konkreten Bearbeitungsversuchen an Trachytgestein nahe.<br \/>\nBei den Festigungs- und Konservierungsmaterialien konnten erstmals Systeme auf Kiesels\u00e4ure-Ester-Basis an den Trachytobjekten in Tschechien eingesetzt werden. Die durch die umfangreichen konkreten Restaurierungsma\u00dfnamen m\u00f6glichen Applikationsversuche tragen dazu bei, dass der Bericht zum Projekt zu einem Handbuch f\u00fcr die Steinrestaurierung im Bereich der Trachyte des Tepl\u00e1-, Westerwald- und Euganeen-Typus werden sollte. Die beim Drachenfels-Trachyt auftretenden Schadensmechanismen wurden parallel in einem weiteren DBU-Projekt untersucht und unterscheiden sich wesentlich davon.<br \/>\nDer Endbericht wird zweisprachig publiziert, erm\u00f6glicht somit den grenz\u00fcberschreitenden Erfahrungsaustausch, zeugt aber auch von einer ausgezeichneten und produktiven internationalen Zusammenarbeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das bedeutende Pr\u00e4monstratenser-Stift Tepl\u00e1 in Tschechien liegt etwa 35 km von den emissionsreichen Zentren der Braunkohlegewinnung und Verarbeitung des sog. Egergrabens entfernt. 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