{"id":23155,"date":"2023-07-13T15:22:38","date_gmt":"2023-07-13T13:22:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20575-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:38","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:38","slug":"20575-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20575-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Erhaltung umweltgesch\u00e4digter sp\u00e4tbarocker Putze an historischen Funktionsgeb\u00e4uden des Klosters Marienthal\/Sachsen unter Anwendung hydraulischer Kalke und alter Handwerkstechniken"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Es ist die Zielsetzung des Vorhabens ,die historischen, wertvollen ,noch erhaltenen, sp\u00e4tbarocken Putze zu reinigen, zu festigen, ihre Hohlstellen zu sichern und somit diese weitestgehend zu erhalten. Anlass des Vorhabens ist die Unterbindung der fortschreitenden Zerst\u00f6rung der historischen Putzsubstanz, durch Salze und andere sch\u00e4digende Umweltprodukte, die im Laufe der Jahrhunderte, durch Bewitterung , Hochwassersch\u00e4den und in den letzten Jahrzehnten durch die Braunkohlenindustrie, entstanden und in die Putze eingetragen wurden. Der Wegfall eines Teiles der Braunkohlenkraftwerke und den neuen Hochwasserschutz mindert diese Gefahren jetzt. Die im Mauerwerk verbleibenden Salze sorgen jedoch, durch ihre Hygroskopie, weiter f\u00fcr Putzsch\u00e4digungen. Im Interesse der Erhaltung der historischen Bausubstanz, werden durch die Anwendung handwerklich- restauratorische Techniken und den Einsatz hydraulischer Kalke die Fehlstellen ersetzt, die Fassade in ihrer Oberfl\u00e4che wieder geschlossen und nach Befund gefasst und gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDurch diplomierte Restauratoren wurde eine fotogrammetrische Aufnahme, entsprechend dem neuesten Stand der Technik erstellt. Es erfolgt eine Bestands- und Schadensanalyse, eine Salzanalyse, Materialanalyse mit Putzuntersuchungen. Entsprechend der vor Beginn vorgestellten Probleme, wurde eine Bestandsdokumentation, und Farbarch\u00e4ologie zu den S\u00fcdfassaden des Konventes, wie dem B\u00e4ckereian-bau, B\u00e4ckereifl\u00fcgel, Refektorium und dem Refektoriummittelrisalit, als Grundlage f\u00fcr die Fassadenrestaurierung, in schriftlicher Form erstellt. Bei den Farbbefunduntersuchungen nach restauratorischen Gesichtspunkten. wurden schichten weise Suchgr\u00e4ben durchg\u00e4ngig zu den einzelnen Fassungen gelegt. Nach der \u00dcberarbeitung des Ma\u00dfnahmenkonzeptes erfolgte, nach Erkenntnissen der Befunduntersuchung, eine Verdichtung der gewonnen Erkenntnisse und deren Einarbeitung in den Restaurierungsplan. Die Putzfl\u00e4chen wurden in haltbare und nicht haltbare historische Putze, sowie in j\u00fcngere haltbare und nicht haltbare Putze unterschieden. Dann wurde wie folgt verfahren: Nicht mehr haltbare Putze wurden restlos abgenommen, das darunter liegende Fugenwerk und das schon freiliegende Fugenwerk, muss bis zu 3 cm tief ausger\u00e4umt werden. Da ein Opferputz nur geringe Chancen in diesem Bereich hat, wurde ein Sanierputzsystem bis 4 mm unter das historische Putzniveau vorgelegt. Darauf folgte eine Reinkalkputzschicht, im Duktus der historischen Putzoberfl\u00e4che, identisch in K\u00f6rnung und Zusammensetzung mit der historischen Oberputzausf\u00fchrung unter strenger Einhaltung der Siebkurve. Die restauratorisch haltbaren Putze werden wie folgt behandelt: Abtasten und Absuchen der Putzfl\u00e4chen auf Hohlstellenquartiere, vorsichtiges \u00d6ffnen derselben, Feinstaub und lose Putzpartikel aussaugen, einspritzen von Festigungsmitteln, nach einer Abdunstung der im Festigungsmittel enthaltenen leicht fl\u00fcchtigen Verd\u00fcnner (ca. 20 Tage) werden die Hohlr\u00e4ume mit Klebem\u00f6rtel injiziert, der im Bindemittel die gleichen Spannungseigenschaften hat, wie der Originalputz. Nach der Hohlstellenfestigung, wurden die j\u00fcngeren zementhaltigen Reparaturputzplomben entfernt, da diese im historischen Putzumfeld falsche Spannungen aufbauen. Die gehaltenen Putzoberfl\u00e4che wurden vorsichtig gereinigt und gefestigt. Die Fehlstellen werden mit einem auf der Baustelle, nach historischen Rezepten hergestellten Reinkalkputz nach Befund erg\u00e4nzt. Es folgt die Kittung kleiner Fehlstellen mit L\u00f6schkalkm\u00f6rtel und gr\u00f6\u00dferer mit Rein-kalkm\u00f6rtel unter Zusatz von Trasskalk. Haltbare Fassungsreste wurden entsprechend konserviert mit einem Vlies reversibel abgedeckt und mit einem Gesamtanstrich mineralisch \u00fcberfasst und dauerhaft gesch\u00fctzt. Die Farbtonwahl erfolgte entsprechend den ermittelten Befunden. Alle Leistungen wurden in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege &#8211; Kirchenmalerfirma Heinz Rentsch und ABM &#8211; Besch\u00e4ftigten ausgef\u00fchrt. Die Arbeiten werden im Restaurierungsbericht ausf\u00fchrlich beschrieben.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der vorgesehene Bauabschnitt konnte zur Zufriedenheit des Klosters und der Denkmalpflegeorgane, entsprechend den vorgegebenen Ma\u00dfgaben und den vorgesehenen Terminen fertiggestellt werden. Alle Bauschritte wurden durch die Denkmalfachbeh\u00f6rde verfolgt. Der Denkmalbetrieb war st\u00e4ndig mitarbeitend und anleitend vor Ort. Die Untersuchungsergebnisse der Restauratoren des B\u00fcros f\u00fcr Bauforschung und Denkmalpflege bildeten die Grundlage der Arbeiten. Diese wurden in kleineren Bauberatun-gen im 14-t\u00e4gigen Rhythmus diskutiert und alle 4 Wochen mit der Denkmalfachbeh\u00f6rde abgestimmt. Weiterf\u00fchrende Diskussionen \u00fcber diesen Rahmen hinaus gab es noch nicht.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Da die Geb\u00e4ude im Klausurbereich des Klosters liegen, sind die zu bearbeitenden Fassadenteile nicht jederzeit zug\u00e4ngig. Durch gezielte F\u00fchrungen konnten jedoch interessierten Besucherkreisen, aber auch insbesondere dem Generalsekret\u00e4r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Herrn Dr. Brickwedde, und Herrn Dr. Weinmann anl\u00e4sslich der internationalen Sommerakademie, die vom 13.07. bis 18.07.2003 in Marienthal stattfand, Arbeitsstand und Ergebnisse entsprechend pr\u00e4sentiert werden. Dabei wurde der Stand der Arbeiten, deren Verlauf und die erzielten Ergebnisse erl\u00e4utert. F\u00fcr weitere Pr\u00e4sentationen und Ver\u00f6ffentlichungen bestand bisher noch keine Gelegenheit, da die Umgebung der restaurierten Fassaden weiterhin im Sichtbereich der sich anbindenden Restaurierung des K\u00fcchenhofes liegt. Der beigef\u00fcgte Bericht geht n\u00e4her auf die Gesamtleistung ein .<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Arbeiten wurden nach den Kriterien der Charta von Venedig durchgef\u00fchrt. Sie sind eine Gemein-schaftsarbeit mit Restauratoren, aus gebildeten Denkmalpflege &#8211; Kirchenmalern und Restauratoren im Handwerk sowie ABM &#8211; Arbeitern. Die Besonderheit der Ma\u00dfnahme bestand darin, dass arbeitslose Handwerker, in Zusammenarbeit mit obengenannten Fachleuten, eine Erweiterung ihres fachprakti-schen und fachtheoretischen Kenntnisstandes erhielten, die es Ihnen wieder erm\u00f6glicht, sich auf dem ersten Arbeitsmarkt entsprechend zu pr\u00e4sentieren und bewerben zu k\u00f6nnen. Aus diesem Grunde war die ABM in eine zus\u00e4tzliche Bildungsma\u00dfnahme eingebunden. Das vom Arbeitsamt zugewiesene Arbeitskr\u00e4ftepotenzial hatte einen sehr unterschiedlichen Qualifizierungsstand und nicht mit allen konnte man das gesteckte Ausbildungsziel erreichen bzw. die geplanten Leistungen erbringen. Wie vorgesehen, konnte jedoch die Gesamtma\u00dfnahme aus dem Lehrcharakter profitieren, der die besondere Akribie in der Ausf\u00fchrung schulte und anerzog. Handwerker, die vorher nie mit der Denkmalpflege Kontakt hatten, wurden zu einem gef\u00fchlvollen Umgang mit der Denkmalsubstanz erzogen. Sie wurden im Umgang mit historischen Rezepturen, handwerklichen Techniken und F\u00e4higkeiten vertraut gemacht. Dabei war nat\u00fcrlich viel von der Bereitschaft des Einzelnen, etwas hinzulernen zu wollen, abh\u00e4ngig. Diese Bereitschaft war unterschiedlich und auch dem entsprechenden Bildungsgrad des Einzelnen geschuldet. Aber auch f\u00fcr die weniger Begabten konnte ein Programm f\u00fcr Vorarbeiten erstellt werden. Trotz der Unterschiedlichkeit des heranzubildenden Arbeitskr\u00e4ftepotenziales wurden alle Leistungen in geforderter restauratorischen Qualit\u00e4t erbracht. Aufgrund der Grundberufe der ABM musste die Aufteilung der Arbeit und die Verteilung der Einsparungen gegen\u00fcber der Planung ver\u00e4ndert werden. Im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtleitung wurde das Kloster finanziell geringf\u00fcgig mehr belastet. F\u00fcr das Kloster wurde jedoch die einmalige M\u00f6glichkeit geschaffen, die durch die Umwelt gesch\u00e4digten, historischen Fassaden im Sinne des Denkmalschutzes beispielgebend zu erhalten. Aus handwerklicher Sicht kann als positiv bewertet werden, dass handwerkliche Techniken, die schon fast in Vergessenheit geraten sind, an einen weiteren Personenkreis vermittelt werden konnten. Das Kloster St. Marienthal kann sich zugute schreiben, mit Hilfe eines Denkmalpflegebetriebes, seiner angestammten Aufgabe, der Bildungsvermittlung gerecht ge-worden zu sein. Die Deutsche Bundesstiftung hat mit ihrer finanziellen Hilfe erheblich dazu beigetragen, dass diese Ma\u00dfnahme \u00fcberhaupt durchf\u00fchrbar wurde. Ohne die Hilfe der Stiftung w\u00e4re diese Bausubstanz dem weiteren Verfall ausgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Es ist die Zielsetzung des Vorhabens ,die historischen, wertvollen ,noch erhaltenen, sp\u00e4tbarocken Putze zu reinigen, zu festigen, ihre Hohlstellen zu sichern und somit diese weitestgehend zu erhalten. 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