{"id":23113,"date":"2023-07-13T15:22:24","date_gmt":"2023-07-13T13:22:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20307-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:27","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:27","slug":"20307-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20307-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Forschungen und Erhaltungsma\u00dfnahmen an der umweltgesch\u00e4digten glasierten Ziegelfassade des L\u00fcbecker Rathauses (Weltkulturerbe) unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von Glasurersatzmaterialien (Schleswig-Holstein)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der als Kriegsstube bezeichnete Erweiterungsbau des L\u00fcbecker Rathauses ist ein bedeutendes Denkmal der Stadt. Das Geb\u00e4ude zeichnet sich durch die auf der Marktseite komplett aus glasierten Ziegeln aufgebaute Fassade aus. Diese Marktfassade ist heute durch Umwelteinwirkungen stark gesch\u00e4digt und daher dringend sanierungsbed\u00fcrftig. Hier stehen vor allem Glasursch\u00e4den im Zentrum des Interesses. Da zum Thema Glasurersatzmaterialien bisher ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen fehlen, sollen in diesem Vorhaben geeignete Produkte und Applikationstechniken f\u00fcr die Behandlung der glasierten Ziegel, insbesondere unter Ber\u00fccksichtigung der spezifischen L\u00fcbecker Situation (Brandsch\u00e4den), entwickelt werden. Die Umsetzung der Forschungsergebnisse im Rahmen einer Erhaltungsma\u00dfnahme am Objekt ist integraler Bestandteil des Vorhabens.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAufbauend auf Erfahrungen aus einem laufenden DBU-Vorhaben zum Thema Glasierte Baukeramik werden unterschiedliche Beschichtungsstoffe f\u00fcr den Einsatz als sch\u00fctzendes Deckmaterial bei abge-sprengten Glasurbereichen getestet. Dabei ist folgende Vorgehensweise vorgesehen: Charakterisierung des Glasurmaterials und des keramischen Untergrundes der aus unterschiedlichen Bau- und Instandsetzungsperioden stammenden Ziegel in L\u00fcbeck; Identifizierung der spezifischen Schadensfaktoren und Schadensabl\u00e4ufe; Auswahl (aufbauend auf den oben gewonnenen Erkenntnissen) von geeignetem gesch\u00e4digten Probenmaterial als Tr\u00e4ger f\u00fcr Beschichtungstests (Labor, Exposition als Einzelproben, Testfl\u00e4chen an der Fassade); Belastungstests (Laboruntersuchungen) auf diesen Proben mit verschiedenen Glasurersatzstoffen (organ. Polymeren, ORMOCERen) sowie darauf aufbauend Tests an der Fassade; Bewertung der Schutzwirkung und Dauerhaftigkeit der verschiedenen Beschichtungsmaterialien sowie der eingesetzten Applikationstechniken; Auswahl des am meisten Erfolg versprechend Systems; Umsetzung der Forschungserkenntnisse in die Restaurierungsma\u00dfnahme der L\u00fcbecker Fassade.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die mittelalterlichen Glasuren waren erwartungsgem\u00e4\u00df viel inhomogener als die der mechanisch hergestellten Ziegel des 19. Jh. Sie wiesen zum Teil aber weniger dramatische Glasurverluste auf. Die chemische Zusammensetzung der Glasuren schwankte in beiden Materialien. Schadensbilder: Absch\u00e4len der Oberfl\u00e4che mit starkem Materialverlust, Blasenbildung mit deutlichen Abplatzungen, Craquel\u00e9, Lochfra\u00df, Flinsenbildung, Glanzverlust, Wei\u00dfschleier. Starke Sch\u00e4den traten meist an Ziegeln des 19. Jh. auf.<br \/>\nDas Schadensbild an der Fassade wei\u00dft deutlich auf eine vom Fensterbereich herr\u00fchrende Schadenseinwirkung hin. Eine Korrelation zwischen Ziegeltyp (Verbauungszeitpunkt) und Schadensintensit\u00e4t wurde nicht beobachtet. Damit ist das kriegsbedingte Brandgeschehen eine wahrscheinliche Schadens-ursache. Proben mit dem Schadensbild Flinsenbildung wiesen eine ausgepr\u00e4gte oberfl\u00e4chenparallele Porentextur mit oberfl\u00e4chenparallelen Rissen im Ziegel selbst auf. Schadensursache: vermutlich Frosteinfluss. Der Einfluss eines Brandes konnte aber nicht ausgeschlossen werden. Beim Lochfra\u00df wurde keine Sch\u00e4digung des Ziegels selbst festgestellt. sondern regelose Risse in der Glasur (Fr\u00fchstadium), die zum Abplatzen kleiner Glasurbruchst\u00fccke (Finalstadium) f\u00fchren. Dieses Schadensbild deutet auf eine Vorsch\u00e4digung der Glasur (evtl. durch den Brand) hin. Ein Brandversuch mit gezieltem Abl\u00f6schen an einer kleinen Testmauer brachte jedoch keine Schadensform wie die Flinsenbildung oder den Lochfra\u00df. Damit wird eine Kombinationswirkung (Vorsch\u00e4digung und nachfolgende regelm\u00e4\u00dfige Frosteinfl\u00fcsse) in einem langsam voranschreitenden Prozess vermutet. Bei umfangreichen Poreradienanalysen wurde daher die Frostempfindlichkeit untersucht. Eine Reihe von Proben liegt unter dem kritischen Wert von 1 \u00b5m Porenradius, eine klare Korrelation zum Schadenbild konnte jedoch nicht festmacht werden. Fazit: Richtwerte, ermittelt an unglasierter Keramik, k\u00f6nnen nicht direkt auf glasierte Ziegel \u00fcbertragen werden.<br \/>\nAls Glasurersatzmaterialien wurden verschiedene Pr\u00e4parate auf Polyvinylacetat-, Cellulosenitrat und Silicon-Basis im Vergleich zu OROMCERen getestet. Im Labor erwies sich dabei der Typ OR-G50 (f\u00fcr die Glaskonservierung eingesetztes ORMOCER) als bestes Produkt. OR-G50 sowie der Typ OR-B30 (be-reits fr\u00fcher in kleinen Testfl\u00e4chen appliziert) wurden in einer gr\u00f6\u00dferen Testfl\u00e4che auf der Fassade aufgebracht. Nach 14 Monaten wurde eine Begutachtung und mikroskopische Untersuchung durchgef\u00fchrt. Der visuelle Eindruck war bei allen Fl\u00e4chen sehr positiv. Mikroskopisch sind allerdings Problemzonen fest-stellbar. Sowohl bei ORMOCER B30 wie auch beim ORMOCER G50 sind teilweise, jedoch nicht systematisch gro\u00dfe innere Blasen in der ORMOCER-Schicht zu erkennen, die sich z. T. zu Hohlr\u00e4umen verbunden haben. Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses Verhalten (Untergrundbeschaffenheit, Applikation?) wurde in der Projektlaufzeit noch nicht gefunden und muss Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.<br \/>\nDie erzielten Ergebnisse wurden mit dem Objekteigent\u00fcmer der Stadt L\u00fcbeck besprochen, eine weitere, nun konservierungsorientierte Ma\u00dfnahme nach der Erhaltungsma\u00dfnahme 2003 wurde vorgeschlagen und begr\u00fcndet. Eine endg\u00fcltige Entscheidung ist derzeit noch nicht gefallen, wird auch von den Antwor-ten auf die noch offenen Fragen zu den Konservierungsmitteln abh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Da die Arbeiten zur Kriegsstubenbau-Fassade in engem Kontext zum DBU-Hauptvorhaben Entwicklung von modellhaften Restaurierungsmethoden f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte glasierte Ziegel und Terrakotten an national bedeutenden Kulturdenkmalen Norddeutschlands standen, wurden in den Zwischen- und Endpr\u00e4sentationen zu diesem Vorhaben auch die entsprechenden L\u00fcbecker Ergebnisse der Fach\u00f6ffentlichkeit vorgestellt. Eine ausf\u00fchrliche Ver\u00f6ffentlichung der Projektergebnisse ist in der Publikationsreihe Metalla des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zum Ende des Jahres 2008 beabsichtigt. Die projektbezogenen Ergebnisse werden dabei um Umfeldarbeiten (z. B. Kartierungsanleitung f\u00fcr Ziegelmaterial) erweitert werden. F\u00fcr die L\u00fcbecker \u00d6ffentlichkeit soll eine Kurzpr\u00e4sentation (Flyer mit entsprechenden allgemein verst\u00e4ndlichen Texten) erstellt werden und ebenfalls zum Jahresende 2008 erscheinen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>: Richtwerte, ermittelt an unglasierter Keramik, k\u00f6nnen nicht direkt auf glasierte Ziegel \u00fcbertragen werden.<br \/>\nAls Glasurersatzmaterialien wurden verschiedene Pr\u00e4parate auf Polyvinylacetat-, Cellulosenitrat und Silicon-Basis im Vergleich zu OROMCERen getestet. Im Labor erwies sich dabei der Typ OR-G50 (f\u00fcr die Glaskonservierung eingesetztes ORMOCER) als bestes Produkt. OR-G50 sowie der Typ OR-B30 (be-reits fr\u00fcher in kleinen Testfl\u00e4chen appliziert) wurden in einer gr\u00f6\u00dferen Testfl\u00e4che auf der Fassade aufgebracht. Nach 14 Monaten wurde eine Begutachtung und mikroskopische Untersuchung durchgef\u00fchrt. Der visuelle Eindruck war bei allen Fl\u00e4chen sehr positiv. Mikroskopisch sind allerdings Problemzonen fest-stellbar. Sowohl bei ORMOCER B30 wie auch beim ORMOCER G50 sind teilweise, jedoch nicht systematisch gro\u00dfe innere Blasen in der ORMOCER-Schicht zu erkennen, die sich z. T. zu Hohlr\u00e4umen verbunden haben. Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses Verhalten (Untergrundbeschaffenheit, Applikation?) wurde in der Projektlaufzeit noch nicht gefunden und muss Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.<br \/>\nDie erzielten Ergebnisse wurden mit dem Objekteigent\u00fcmer der Stadt L\u00fcbeck besprochen, eine weitere, nun konservierungsorientierte Ma\u00dfnahme nach der Erhaltungsma\u00dfnahme 2003 wurde vorgeschlagen und begr\u00fcndet. Eine endg\u00fcltige Entscheidung ist derzeit noch nicht gefallen, wird auch von den Antwor-ten auf die noch offenen Fragen zu den Konservierungsmitteln abh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Da die Arbeiten zur Kriegsstubenbau-Fassade in engem Kontext zum DBU-Hauptvorhaben Entwicklung von modellhaften Restaurierungsmethoden f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte glasierte Ziegel und Terrakotten an national bedeutenden Kulturdenkmalen Norddeutschlands standen, wurden in den Zwischen- und Endpr\u00e4sentationen zu diesem Vorhaben auch die entsprechenden L\u00fcbecker Ergebnisse der Fach\u00f6ffentlichkeit vorgestellt. Eine ausf\u00fchrliche Ver\u00f6ffentlichung der Projektergebnisse ist in der Publikationsreihe Metalla des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zum Ende des Jahres 2008 beabsichtigt. Die projektbezogenen Ergebnisse werden dabei um Umfeldarbeiten (z. B. Kartierungsanleitung f\u00fcr Ziegelmaterial) erweitert werden. F\u00fcr die L\u00fcbecker \u00d6ffentlichkeit soll eine Kurzpr\u00e4sentation (Flyer mit entsprechenden allgemein verst\u00e4ndlichen Texten) erstellt werden und ebenfalls zum Jahresende 2008 erscheinen. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Forschungsvorhaben hat eine Reihe von Fragen zum Schadensbild der vollst\u00e4ndig mit glasierten Ziegeln verkleideten Kriegsstubenbau-Fassade des L\u00fcbecker Rathauses beantwortet. Die Schadensformen konnten charakterisiert, wenn auch noch nicht endg\u00fcltig einem verbindlichen Mechanismus zugeordnet werden. Die Auswahl und Pr\u00fcfung der m\u00f6glichen Glasurersatzmaterialien ist soweit vorangetrieben, dass mit abschlie\u00dfenden Optimierungen eine Grundlage f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer Konservierungsma\u00dfnahme stattfinden kann. Die Durchf\u00fchrung der Ma\u00dfnahme ist der Stadt dringend angeraten, da das vorliegende Schadensbild ein Voranschreiten des Schadensausma\u00dfes erwarten l\u00e4sst und durch die entwickelte Konservierungstechnologie einged\u00e4mmt werden k\u00f6nnte. Damit hat die Entwicklung f\u00fcr L\u00fcbeck auch exemplarischen Charakter f\u00fcr andere Objekte, allerdings m\u00fcssen die ausgew\u00e4hlten Konser-vierungsmittel (ORMOCERe) ihren Testprodukt-Status \u00fcberwinden und dann in gr\u00f6\u00dferen Mengen zu marktf\u00e4higen Preisen verf\u00fcg- und einsetzbar sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der als Kriegsstube bezeichnete Erweiterungsbau des L\u00fcbecker Rathauses ist ein bedeutendes Denkmal der Stadt. Das Geb\u00e4ude zeichnet sich durch die auf der Marktseite komplett aus glasierten Ziegeln aufgebaute Fassade aus. 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