{"id":23088,"date":"2023-07-13T15:22:24","date_gmt":"2023-07-13T13:22:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20232-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:25","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:25","slug":"20232-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20232-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Entwicklung und Optimierung umweltvertr\u00e4glicher Verfahren zu Monitoring, Pr\u00e4vention und Bek\u00e4mpfung von Sch\u00e4dlingen in historischen Baukonstruktionen aus Holz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Sch\u00e4dlingsbefall an h\u00f6lzernen Konstruktionen ist ein zentrales Problem der Bauunterhaltung von historischen Geb\u00e4uden. Die Optimierung und Neuentwicklung wirksamer und umweltschonender Nachweis- und Bek\u00e4mpfungsverfahren stellte ein sinnvolles Forschungsziel dar. Der Ausgangspunkt f\u00fcr das Modellvorhaben im LWL-Freilichtmuseum Detmold (FM Detmold) war ein umfangreicher Befall der Eichenfachwerk-Konstruktionen durch den Gescheckten Nagek\u00e4fer (Xestobium rufovillosum [De Geer]). Dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben wurde das Konzept der Integrierten Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung (Integrated pest management = IPM) zugrunde gelegt, das damit erstmals in diesem Objekte- und Zeitumfang bez\u00fcglich holzzerst\u00f6render Insekten in historischen Bauten eingesetzt wurde.<br \/>\nDas IPM im FM Detmold kombiniert die drei Arbeitsfelder Monitoring, Bek\u00e4mpfung und Pr\u00e4vention. Mit dem Monitoring wurden die Lebensbedingungen und die Aktivit\u00e4t von Holzinsekten sowie auch die Befallsintensit\u00e4t in den historischen Geb\u00e4uden untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten es erm\u00f6glichen, auf spezifische Befallssituationen abgestimmte, energiesparende und umweltschonende Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen festzulegen und einzuleiten. Im Arbeitsbereich Pr\u00e4vention wurden Kenntnisse gesammelt wie durch bautechnische Ma\u00dfnahmen die Lebensbedingungen f\u00fcr die Insekten nachhaltig verschlechtert werden k\u00f6nnen, so dass ein Neubefall unwahrscheinlich wird. F\u00fcr die Bek\u00e4mpfung wurden zwei technikgest\u00fctzte Verfahren f\u00fcr die Weiterentwicklung ausgew\u00e4hlt: Die feuchtegeregelte Hei\u00dfluftbehandlung f\u00fcr ganze H\u00e4user oder gro\u00dfe Teilbereiche und die Mikrowellenbehandlung f\u00fcr lokale Befallsbereiche. F\u00fcr beide Verfahren ging es darum, mittels Erw\u00e4rmung auf 55\u00b0C an den ung\u00fcnstigsten Stellen (gem. DIN 68800) deren Wirksamkeit zu erh\u00f6hen und eine Messbarkeit des Erfolgs schon unmittelbar w\u00e4hrend der Anwendung zu erm\u00f6glichen. Weiterhin wurde die Absenkung der Energieverbr\u00e4uche f\u00fcr eine bessere Umweltbilanz angestrebt. Die im Vorhaben zusammenarbeitenden Institutionen BFH Hamburg und FM Detmold und Unternehmen Thermo Lignum und Kohler Automation brachten das erforderliche Fachwissen mit und erg\u00e4nzten sich in idealer Weise.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas FM Detmold war und ist mit seinem umfangreichen historischen Geb\u00e4udebestand ein geeigneter Ort f\u00fcr die Forschung, weil hier auf vergleichsweise kleiner Fl\u00e4che viele Varianten von Insektenbefall im verbauten Holz untersucht und behandelt werden k\u00f6nnen. Vereinzelt wurden andere Lokalit\u00e4ten auf ihre Eignung f\u00fcr Versuche gepr\u00fcft, wie das Freilichtmuseum in Tittling, die D\u00e4cher des Aachener Doms sowie weitere Freilichtmuseen und verschiedene Kirchen in Deutschland und anderen L\u00e4ndern.<br \/>\nEntwicklung neuer Methoden beim Monitoring: Eine Voraussetzung f\u00fcr die Ausarbeitung eines Bek\u00e4mpfungskonzeptes ist die genaue Kenntnis der Sch\u00e4dlinge und der aktuellen Befallssituation in Art und Umfang. Die Kl\u00e4rung geschieht durch das Monitoring wobei verschiedene Methoden angewendet wurden: Lichtfallen, Klebefallen, Papierabklebungen, Aufsammlungen lebender K\u00e4fer, Bohrmehlanalysen, Pheromon- und Lockstofffallen. In w\u00f6chentlichen Zeitintervallen wurden die Ver\u00e4nderungen und Ereignisse an befallenen Konstruktionsh\u00f6lzern und den Monitoringeinrichtungen w\u00e4hrend der Ausschlupfphase der K\u00e4fer dokumentiert. Aussagen zur Biologie und zum Verhalten der Insekten sollten auf einer breiten Datenbasis getroffen werden. Aus den Jahresg\u00e4ngen 2004-2006 &#8211; erweitert um Voruntersuchungen der Jahre 2000-2003 und den Untersuchungen aus 2007 &#8211; ergaben sich dazu die bis dato umfangreichsten Erhebungen. Begleitendes Monitoring zu den Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen diente der Erfolgskontrolle, hat zur technischen Optimierung der Verfahrenstechnik und der Einsparung von Energie gedient.<br \/>\nForschungen zur Pr\u00e4vention: Die Holzfeuchte hat einen ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen der Insekten. Um die Korrelation zwischen spezifischer Holzfeuchte und Insektenaktivit\u00e4t zu kl\u00e4ren, wurden erstmals im Langzeitversuch station\u00e4re Holzfeuchtemessungen in einem historischen Geb\u00e4ude vorgenommen und die Daten mit den Ergebnissen des Insektenmonitorings abgeglichen. Zugleich bot sich die Gelegenheit, die M\u00f6glichkeiten einer Pr\u00e4vention des Holzes gegen Sch\u00e4dlingsbefall mit den Mitteln einer vorhandenen Geb\u00e4ude-Temperierung unter Praxisbedingungen zu pr\u00fcfen.<br \/>\nOptimierung der feuchte-geregelten Hei\u00dfluftbehandlung: Gegen\u00fcber der herk\u00f6mmlichen Hei\u00dflufttechnik (max. 120\u00b0C) arbeitete das feuchte-geregelte Hei\u00dfluftverfahren schon vor Beginn des Projektes mit niedrigeren Einblastemperaturen (max. 90\u00b0C) und einer zus\u00e4tzlichen Feuchtzugabe, woraus eine geringere Schwundrissbildung im Holz resultierte. Es wurde eine nochmalige Optimierung der Verfahrenstechnik angestrebt durch die Neuentwicklung eines BUS-Datensystems zur exakten Erfassung und Kontrolle von Prozessabl\u00e4ufen, Entwicklung einer Steuerungstechnik f\u00fcr die gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung der W\u00e4rme und Feuchte im ganzen Geb\u00e4ude, Entwicklung einer W\u00e4rmeisolierh\u00fclle f\u00fcr die Einhausung und der Weiterentwicklung des Befeuchtungssystems.<br \/>\nErprobung der Mikrowellentechnik. Die Mikrowellentechnik hat kurze R\u00fcstzeiten, ben\u00f6tigt geringe Einwirkzeiten und vergleichsweise wenig elektrische Energie. Das schon fr\u00fcher f\u00fcr die Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung eingesetzte Verfahren (mit Hornantenne) wurde von der Kohler Automation auf einer vollkommen neuen Ger\u00e4tebasis mittels Schlitzantenne erprobt. Ein Entwicklungsbedarf bestand auch hier in der Temperaturkontrolle im Holz w\u00e4hrend der Behandlung. Es war vorgesehen: Erstellung von Nomogrammen zur Berechnung von Temperaturen und Erprobung des normierten Verfahrens an befallenen H\u00f6lzern in Labor- und Freilandversuchen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Methoden des Monitorings wurden verfeinert, durch neu entwickelte Verfahren erheblich erweitert und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile in der Praxis des FM Detmold evaluiert. Ergebnisse des Monito-rings &#8211; insbesondere Langzeituntersuchungen \u00fcber viele Jahre &#8211; wurden anhand der umfangreichen Datenmengen besser analysiert. Eine differenzierte Schadenskartierung f\u00fcr die Geb\u00e4ude im gesamten FM Detmold &#8211; als ein Ergebnis des Monitoring &#8211; erm\u00f6glichte die Planung von angemessenen Bek\u00e4mp-fungsma\u00dfnahmen und den effizienten Einsatz von Geldmitteln. Monitoring ist im Rahmen der Integrierten Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung der unverzichtbare erste Schritt, um das weitere Vorgehen zu planen.<br \/>\nDas feuchte-geregelte Heissluftverfahren konnte im Rahmen des Projektes zum feuchte-geregelten Warmluftverfahren optimiert werden. Es gelang eine Reduzierung der Einblastemperaturen auf max. 80\u00b0C bei einer gleichzeitigen Aufrechterhaltung der Luftfeuchte auf mind. 20%. Die Daten-BUS-Technik erlaubt mit bis zu 80 Messsonden eine exakte Verfolgung und Steuerung der Prozessabl\u00e4ufe. Statt der W\u00e4rmeisolierh\u00fclle wurden Heizaggregate mit Umlufttechnik entwickelt, die Energieeinsparungen von bis zu 30% erm\u00f6glichen. Das neue feuchte-geregelte Warmluftverfahren ist eine vollwertige Alternative zum Einsatz von Begasungen und bek\u00e4mpfenden Holzschutzmitteln.<br \/>\nBei der Mikrowellentechnik stellte sich das Vorhaben, Nomogramme f\u00fcr die Berechnung der Temperaturen zu erstellen, als in der Praxis nicht umsetzbar heraus. Die Temperaturmessung musste auch hier \u00fcber Sonden erfolgen. Kontrollversuche mit Lebendlarven durch die BFH belegen, dass mit Mikrowellen eine Bek\u00e4mpfung von Holzsch\u00e4dlingen gelingt. Das Verfahren ist eine gute Behandlungsalternative f\u00fcr lokal begrenzte Befallsstellen. Die erfolgreiche und sichere Handhabung der Technik ist von der genauen Einhaltung von Betriebsanweisungen abh\u00e4ngig.<br \/>\nBei den Versuchen zur Pr\u00e4vention ist nach mehr als zweij\u00e4hriger Laufzeit der Holzfeuchtemessungen als Zwischenergebnis festzuhalten, dass man mit Temperierung eine pr\u00e4ventive Wirkung erzielt, wenn die Holzfeuchte nachhaltig auf einem Niveau nicht gr\u00f6\u00dfer als 14% gehalten werden kann. Pr\u00e4ventionsstrategien gegen Befall sollten dazu aber immer auch Geb\u00e4udehygiene und Postmonitoring beinhalten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Vorgehensweise und die Zwischenergebnisse der Untersuchungen und Versuche wurden vom FM Detmold und der BFH Hamburg insbesondere durch Vortr\u00e4ge auf Fachtagungen und Museumsf\u00fchrun-gen bekannt gemacht. Ver\u00f6ffentlichungen sind in den entsprechenden Fachzeitschriften der Museumskunde, der Denkmalpflege und der Holzwirtschaft erfolgt und noch weiterhin vorgesehen. Das Forschungs- und Entwicklungprojekt umfasste im Jahre 2006 eine Fachtagung und wurde mit einem Tagungsband und Abschlussbericht in 2007 beendet<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Sch\u00e4dlingsbefall an h\u00f6lzernen Konstruktionen ist ein zentrales Problem der Bauunterhaltung von historischen Geb\u00e4uden. Die Optimierung und Neuentwicklung wirksamer und umweltschonender Nachweis- und Bek\u00e4mpfungsverfahren stellte ein sinnvolles Forschungsziel dar. 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