{"id":23075,"date":"2023-09-17T10:32:01","date_gmt":"2023-09-17T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17400-25\/"},"modified":"2023-09-17T10:32:04","modified_gmt":"2023-09-17T08:32:04","slug":"17400-25","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17400-25\/","title":{"rendered":"Demonstration umweltgerechter Ver- und Entsorgungssysteme f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Berg- und Schutzh\u00fctten am Beispiel der Weidener H\u00fctte auf 1.801 m \u00fc. NN in den Tuxener Voralpen\/\u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Demonstrationsprojektes war die Planung und Umsetzung einer \u00f6kologisch vertr\u00e4glichen und \u00f6konomischen Energieversorgung der Weidener H\u00fctte. Im ersten Schritt wurde der Ist-Zustand der Energieversorgung auf der H\u00fctte durch die FH Amberg-Weiden aufgezeigt. Nach Auswertung der gewonnenen Daten und m\u00f6glicher Einsparpotenziale wurden verschiedene Energieversorgungs-Varianten betrachtet. Das entwickelte zukunftsf\u00e4hige Konzept sah die Erstellung einer Kleinwasserkraftanlage \u00fcber den Nafingbach zur Stromversorgung der Weidener H\u00fctte mit Abzweigungen zu mehreren Almbauern vor. Bei Installation einer Kleinwasserkraftanlage bot es sich an, auch die Nafing-Alpe, die etwa 100 m von der Weidener H\u00fctte entfernt ist, und die etwa 1.500 m entfernte Grafenz-Alpe, die von 10 Alm-Landwirten bewirtschaftet wird, ebenfalls mit Energie zu versorgen. Die installierte Gesamtleistung belief sich bis dato auf insgesamt 29 kW (9 kW Dieselaggregat der Weidener H\u00fctte und 10 Benzinaggregate mit je 2 kW f\u00fcr Melkmaschinen der 10 Almlandwirte). K\u00fcnftig sollte mit der Kleinwasserkraftanlage eine Gesamtleistung von insgesamt bis zu 90 kW installiert werden (15 &#8211; 20 kW f\u00fcr die Weidener H\u00fctte und 70 kW f\u00fcr die Almlandwirte f\u00fcr den Betrieb von Melkmaschinen, K\u00fchlungen, Warmwasserbereitung). Die Ausbauwassermenge f\u00fcr die Kleinwasserkraftanlage belief sich auf maximal 75 l\/s bei einer Nutzfallh\u00f6he von 190 m.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach Vorlage des Finanzierungsplans und der Kostenaufstellungen war im Mai 2007 Baubeginn. Die Ma\u00dfnahmen wurden im November 2007 abgeschlossen. Zun\u00e4chst musste der Erdaushub f\u00fcr die Fallleitungen vom Nafingbach bzw. vom R\u00fcckhaltebecken bis zum geplanten Generatorgeb\u00e4ude bewerkstelligt werden. Die Erdarbeiten erfolgten getrennt nach Deckschicht (Grasnarbe) und Erdaushub. Das Generatorhaus wurde unterhalb der Weidener H\u00fctte am Nafingbach (ca. 150 H\u00f6henmeter Differenz) errichtet. Zur Schonung der Umwelt setzte die Sektion auf Hubschraubertransporte bzw. Versorgungsfl\u00fcge (Anlieferungen von Beton, Schalungen usw. sowie des Wasserkraft-Generators). Die \u00f6kologische Bauaufsicht wurde durchgef\u00fchrt \u00fcber die staatlich befugte und beeidete Ingenieurkonsulentin f\u00fcr Biologie in \u00d6sterreich, Frau Mag.Traute Schreiber, in 6175 Kematen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>2007 wurden im ersten Abschnitt die Druckrohrleitung und ein Steuerkabel vom Krafthaus Richtung Wasserfassung verlegt. Die Bettung der Rohre erfolgte durch vor Ort gesiebtes Material. Es wurden 780 lfd. m Druckrohre (PE\/250 mm) eingebaut. Nach den erfolgten Tiefbauarbeiten wurde der Beginn der Baumeisterarbeiten auf September festgelegt. Ein erster Wintereinbruch verz\u00f6gerte den Start um eine Woche. Durch exakte Planung und Koordination zwischen Baufirma und Hubschrauber-Unternehmen konnte innerhalb von sieben Tagen der 150 m\u00b3 gro\u00dfe Wasserspeicher und der Entsander errichtet werden.<br \/>\nUm den f\u00fcr den Bau des Tiroler-Wehrs kritischen Betonierarbeiten im Bachbett auszuweichen, entwickelte die Sektion Weiden das Wehr als Fertigteil. Dieses wurde mittels Bagger zur Entnahmestelle gebracht und an Ort und Stelle versetzt und verankert. Anschlie\u00dfend wurden die Nutzwasser-, \u00dcberlauf und Entleerleitungen verlegt. Bei den Hinterf\u00fcll- und Rekultivierungsarbeiten im Fassungsbereich wurde besonderes Augenmerk auf den optischen Eindruck gelegt. Entsander und Wasserspeicher sind durch die erfolgte Einsch\u00fcttung praktisch unsichtbar in die bestehende Landschaft eingeflossen. Parallel zu den Erdarbeiten wurde mit der Errichtung des Kraftwerksgeb\u00e4udes begonnen. Bereits Anfang Oktober konnte die Sektion die Baumeisterarbeiten mit der Fertigstellung der Betondecke abschlie\u00dfen. Das errichtete Krafthaus steht zur G\u00e4nze in einer nat\u00fcrlichen Waldlichtung und ist von der Zufahrtsstra\u00dfe sowie den umliegenden Wanderwegen nicht einsehbar.<br \/>\nZur Ausf\u00fchrung kam eine zweid\u00fcsige Peltonturbine. Die Ausbauwassermenge der Anlage betr\u00e4gt 70 l\/sec. Bei einer Nettofallh\u00f6he von 128 m betr\u00e4gt die maximale elektrische Abgabeleistung  65 kW. Die Nenndrehzahl betr\u00e4gt 1.500 min-1. Die prim\u00e4re Regelung der Anlage geschieht \u00fcber die D\u00fcsenverstellung. Als \u00fcbergeordnete Abstelleinrichtung wird ein Strahlablenker eingesetzt. Hauptabsperrorgan ist ein handbet\u00e4tigter Keilschieber. Da das Wasserkraftwerk im Inselbetrieb l\u00e4uft, wird von der Anlage nur die Menge elektrischer Energie erzeugt, die von den Verbrauchern ben\u00f6tigt wird. Die verbrauchsabh\u00e4ngige Stromerzeugung erfolgt durch die entsprechende D\u00fcsen\u00f6ffnung. Das hei\u00dft, die \u00d6ffnung der D\u00fcsen wird \u00fcber den Regler, je nach angeschlossenen Verbrauch, ge\u00e4ndert, so dass die Drehzahl immer konstant bleibt.<br \/>\nIn eineinhalb Tagen wurde die komplette Anlage einschlie\u00dflich Maschinenhaus, Installation und Energieverteilung, auf der Weidener H\u00fctte montiert. Am 15. November wurde das E-Werk nach 15 Wochen Bauzeit in Betrieb genommen.<br \/>\nDas eingesetzte Lastmanagement gew\u00e4hrleistet, dass abh\u00e4ngig vom Wasserstand im Wasserspeicher der momentan erzeugten Leistung und der Uhrzeit, eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Energiemenge f\u00fcr die Brauchwasser Aufbereitung und Heizung der H\u00fctte verwendet werden kann, die Energie aber prim\u00e4r den wichtiger eingestuften Verbrauchern zur Verf\u00fcgung steht. In den Morgen- und Abendstunden wird hier speziell auf die Nafingalm R\u00fccksicht genommen. Zu den Melkzeiten gibt es hier einen erh\u00f6hten Energiebedarf seitens der<br \/>\nAgrargemeinschaft. Besonderes Augenmerk wurde auf die Betriebssicherheit der Anlage gelegt. So geschieht die Energieversorgung der Weidener H\u00fctte und der Almgemeinschaft Nafing \u00fcber zwei parallele Erdkabel. Im Nebengeb\u00e4ude der Weidener H\u00fctte, in dem fr\u00fcher das Dieselaggregat betrieben wurde, geschieht die Energieverteilung und Verbraucherz\u00e4hlung. F\u00fcr die Agrargemeinschaft Nafing sowie f\u00fcr die Weidener H\u00fctte wurde je ein Arbeitsz\u00e4hler eingebaut.<br \/>\nIm Gesamtergebnis sieht der H\u00fcttenwirt die im Projekt umgesetzten Ma\u00dfnahmen angesichts des reibungslosen, effektiven H\u00fcttenbetriebes sehr positiv. Die Tages- und \u00dcbernachtungsg\u00e4ste zeigen sich mit der Energieversorgung ebenfalls sehr zufrieden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211; Schautafel am H\u00fcttengrundst\u00fcck<br \/>\n&#8211; Der Bau des Wasserkraftwerkes wurde im Rahmen des 8. Internationalen Fachseminars im<br \/>\n   Kloster Benediktbeuern im Februar 2008 dargestellt.<br \/>\n&#8211; \u00d6rtliche Tagespresse \/ Zeitung; Der Neue Tag<br \/>\n&#8211; Artikel im Panorama<br \/>\n&#8211; Infostation am 13.- 14.11.09 in Kempten bei der DAV Jahreshauptversammlung<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das neue Konzept zur Energieversorgung der Weidener H\u00fctte durch eine Wasserkraftanlage wurde unter Betrachtung mehrerer technischer Varianten unter \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Kriterien in vorbildlicher Weise umgesetzt.<br \/>\nDie Ergebnisse des Projektes wurden im Rahmen des 8. Internationalen Fachseminars Umweltgerechte Ver- und Entsorgungskonzepte f\u00fcr Berg- und Schutzh\u00fctten am 29. Februar und 01. M\u00e4rz 2008 im ZUK Benediktbeuern von der Sektion Weiden gemeinsam mit den Partnern\/ Planungsb\u00fcros pr\u00e4sentiert. Das Demonstrationsprojekt ist im Tagungsband des ZUK auf den Seiten 258 &#8211; 276 ausf\u00fchrlich dargestellt.<br \/>\nDas am 11.08.2008 erschiene Begleitbuch Umwelttechnik f\u00fcr alpine Berg- und Schutzh\u00fctten der DBU zur F\u00f6rderinitiative enth\u00e4lt das H\u00fcttenportrait des Friesenberghauses auf den Seiten 179 ff.<br \/>\nEin neues Faltblatt, in dem die Sektion Weiden die von der DBU und der \u00f6sterreichischen Kommunalkredit gef\u00f6rderten Ma\u00dfnahmen dargestellt hat, liegt vor.<br \/>\nIngesamt hat sich der gro\u00dfe Aufwand an zumeist ehrenamtlich geleisteter Arbeit f\u00fcr die Mitglieder der Sektion Weiden und die H\u00fctteng\u00e4ste gelohnt. Die gef\u00f6rderten Ma\u00dfnahmen in dem Energieversorgungsbereich wurden vorbildlich umgesetzt. Eine umweltgerechte Weiternutzung der H\u00fctte ist auf Jahrzehnte gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Demonstrationsprojektes war die Planung und Umsetzung einer \u00f6kologisch vertr\u00e4glichen und \u00f6konomischen Energieversorgung der Weidener H\u00fctte. Im ersten Schritt wurde der Ist-Zustand der Energieversorgung auf der H\u00fctte durch die FH Amberg-Weiden aufgezeigt. Nach Auswertung der gewonnenen Daten und m\u00f6glicher Einsparpotenziale wurden verschiedene Energieversorgungs-Varianten betrachtet. 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