{"id":23070,"date":"2023-07-13T15:22:21","date_gmt":"2023-07-13T13:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20117-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:21","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:21","slug":"20117-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20117-01\/","title":{"rendered":"Bewahrung der national bedeutenden umweltgesch\u00e4digten Synagoge im W\u00f6rlitzer Gartenreich unter Anwendung regionaler Baustoffe und historischer Handwerkstechniken (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist die nachhaltige Beseitigung der durch Witterungs- und Umwelteinfl\u00fcsse entstandenen Sch\u00e4den am Bauwerk, verbunden mit der weitest gehenden Wiederherstellung des originalen bauzeitlichen Erscheinungsbildes, speziell der Oberfl\u00e4chen, durch Einsatz historischer Materialien und den zur Verarbeitung notwendigen handwerklichen Technologien. Das Geb\u00e4ude steht seit einigen Jahren leer und soll wieder eine Nutzung f\u00fcr Ausstellungszwecke erfahren. Bei den in diesem Zusammenhang durchgef\u00fchrten Untersuchungen der Bausubstanz wurden massive Durchfeuchtungen des Mauerwerks und erhebliche Salzkonzentrationen speziell in der Sockelzone festgestellt, welche die angestrebte Nutzung derzeit ausschlie\u00dfen. Der zementhaltige Au\u00dfenputz enth\u00e4lt, neben anderen Zuschlagstoffen, dolomitischen Kalk aus Sachsen mit Magnesiumanteilen. Diese sind hinsichtlich ehemals vorhandener erh\u00f6hter Umweltbelastungen durch das Kraftwerk Vockerode nach bisherigen Erkenntnissen empfindlich. Dies stellt eine m\u00f6gliche Ursache f\u00fcr Verluste bauzeitlicher Putze am Bauwerk dar.<br \/>\nZur Unterst\u00fctzung der Austrocknung wird eine Bauteiltemperierung installiert. Der Erfolg des Projektes wird durch verschiedene Messmethoden kontrolliert, die gleichzeitig der Weiterentwicklung der Eichung zerst\u00f6rungsfreier Untersuchungstechniken wie Mikrowellenfeuchtenmessung, Infrarot-Kamera und Ultraschallmessung dienen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenBei Opferputzen auf Kalkbasis besteht noch Forschungsbedarf vor allem hinsichtlich der Einlagerungskapazit\u00e4t f\u00fcr Salze in Abh\u00e4ngigkeit von der K\u00f6rnung der lokal anstehenden Sande. Zielstellung ist die Herstellung eines Putzes, der einen guten Salztransport vom Mauerwerk zur Putzoberfl\u00e4che erm\u00f6glicht und ein Porenvolumen >30% aufweist. Verschiedene M\u00f6rtelproben wurden auf Musterachsen angelegt. Chemische Analysen und Salzuntersuchungen f\u00fchrten zur Auswahl des am besten geeigneten Putzes. Dieser wird dann als Baustellenmischung mit handwerklichen Mitteln hergestellt und so verarbeitet, dass eine Oberfl\u00e4chenoptik erreicht wird, die dem historischen Erscheinungsbild entspricht. In dem noch feuchten Putz erfolgt die Herstellung der Farbbeschichtung entsprechend Befund unter Verwendung historischer handwerklicher Kalktechniken als freskale Farbfassungen aus pigmentiertem, mehr-j\u00e4hrig gelagertem Malerkalk aus der Hundisburger Baustoffmanufaktur.<br \/>\nParallel erfolgt auf der Innenseite des Mauerwerks die Installation einer elektrischen Wandteildirektheizung, um den Kapillarstrom im Wandbereich zu unterbrechen sowie zur Sicherstellung der Frostfreiheit im Innenraum. Zur Unterst\u00fctzung der derzeitigen Diskussion dieses Verfahrens erfolgt eine Raumklimaaufzeichnung mit Erfassung und Auswertung der entsprechenden Werte, insbesondere der Materialfeuchte und der Temperaturverteilung innerhalb der Wand, \u00fcber den Zeitraum von einem Jahr durch das IDK. (Mikrowellenfeuchtemessung und Ultraschallmessung)<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Besonders die Innenwandputze der Synagoge zeigten in der Vergangenheit Sch\u00e4den in Form von dunklen Bereichen und Salzausbl\u00fchungen, die auf hohe Mauerwerksfeuchte zur\u00fcckzuf\u00fchren waren. Deshalb wurde der zerst\u00f6rte Putz im unteren Bereich beidseitig entfernt und durch einen Kompressenputz ersetzt. Dieser Kompressenputz wurde nach zwei Jahren im Zuge dieser Ma\u00dfnahme durch nachgestellten histor. Kalkputz ersetzt.<br \/>\nDie Zielstellung, eine m\u00f6glichst hohe Salzeinlagerungskapazit\u00e4t und gleichzeitig geringen Diffusionswiderstand zu erzielen, wurde durch die Beimengung von Kies der K\u00f6rnung 2-4 mm in den Unterputz erreicht. Mittels Beimengung von geringen Anteilen Quarzsand in den so d\u00fcnn wie m\u00f6glich gehaltenen Oberputz konnte eine h\u00f6chst m\u00f6gliche Oberfl\u00e4chengl\u00e4tte erreicht werden. Ein dauerhafter Nachschub von Salzen aus dem darunter liegenden Erdreich wird durch eine elektrisch betriebene Bauteiltemperierung, die Innenseitig im Sockelbereich des Mauerwerkes angeordnet wurde, unterbunden. Dazu wurden im Bereich des abgenommenen Kompressenputzes Heizdr\u00e4hte etwa 2 cm tief in die Lagerfugen versenkt und satt mit M\u00f6rtel umschlossen. Die Steuerung kann 3 horizontal \u00fcbereinander angeordnete Heizkreise getrennt voneinander regeln. Durch die Strahlungsw\u00e4rme der Wandtemperierung wird trotz fehlender W\u00e4rmed\u00e4mmung die Frostfreiheit des Geb\u00e4udes erreicht.<br \/>\nMessungen hinsichtlich der Mauerwerksfeuchte und Salzkonzentration erfolgen durch das IDK derzeit mittels Datenlogger st\u00e4ndig. Die Daten werden regelm\u00e4\u00dfig abgelesen und ausgewertet. Eine Auswertung der Ergebnisse des derzeitigen Zustandes liegt noch nicht vor.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In der Synagoge wurde eine Ausstellung installiert, deren Ausstellungskatalog einen Beitrag \u00fcber die Sanierungsarbeiten enth\u00e4lt. Im Zusammenhang mit der Er\u00f6ffnung der Synagoge im November 2003 berichtete ebenfalls die Tagespresse.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit der angewendeten Putztechnologie konnte die vom Bauherren geforderte Oberfl\u00e4cheng\u00fcte erreicht werden. Die Herstellung des Putzes stellte kein technologisches Problem dar. Hinsichtlich Ermittlung der richtigen Mischungsverh\u00e4ltnisse bedarf es einiger Versuche, soweit nicht schon entsprechende Erfahrungen vorliegen. Die derzeit auftretenden Feuchtigkeitsbilder sprechen daf\u00fcr, dass sich bereits Salze im Putz angereichert haben. Entsprechende bauhygrische Untersuchungen sind f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr vorgesehen, da sich die zu erwartenden Ver\u00e4nderungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum abspielen und innerhalb weniger Wochen noch nicht eindeutig darstellen. Sie sind zeitlich so koordiniert, dass sie jahreszeitlich mit den Ausgangsmessungen \u00fcbereinstimmen, um bessere Auswertungsm\u00f6glichkeiten zu bieten und witterungsbedingte Einflussfaktoren besser zu erfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes ist die nachhaltige Beseitigung der durch Witterungs- und Umwelteinfl\u00fcsse entstandenen Sch\u00e4den am Bauwerk, verbunden mit der weitest gehenden Wiederherstellung des originalen bauzeitlichen Erscheinungsbildes, speziell der Oberfl\u00e4chen, durch Einsatz historischer Materialien und den zur Verarbeitung notwendigen handwerklichen Technologien. 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