{"id":23069,"date":"2025-06-25T10:32:14","date_gmt":"2025-06-25T08:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18383-02\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:17","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:17","slug":"18383-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18383-02\/","title":{"rendered":"Kooperative Ans\u00e4tze des Naturschutzes in FFH- und Vogelschutzgebieten (Hauptphase)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Meldungen der nach europ\u00e4ischem Naturschutzrecht erforderlichen FFH- und Vogelschutzgebiete durch die deutschen Bundesl\u00e4nder haben zu gravierenden Konflikten zwischen Landnutzern und Kommunen sowie den zust\u00e4ndigen Naturschutzbeh\u00f6rden gef\u00fchrt. Ursache ist die erhebliche Fl\u00e4chenrelevanz der EU-Schutzgebiete, die auch in der so genannten Normal-Landschaft etabliert werden, sowie ein sehr stark \u00fcber EU-Vorgaben gepr\u00e4gtes Verfahren, das regionalen Akteuren wenig Verhandlungs- und Gestaltungsspielraum l\u00e4sst. Um nun nach erfolgter Gebietsmeldung die anspruchsvollen Ziele der FFH- und Vogelschutzrichtlinie vor Ort umzusetzen, sind dringend Strategien zu entwickeln. Im Projekt wird gepr\u00fcft, wie die EU-Vorgaben bez\u00fcglich einer naturschutzorientierten Entwicklung dieser Gebiete in Kooperation mit den Betroffenen vor Ort umgesetzt werden k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich scheint ein rein top-down orientierter Naturschutzansatz, der in den einzelnn Regionen weder auf Verst\u00e4ndnis noch auf Zustimmung und aktive Unterst\u00fctzung st\u00f6\u00dft, auch zum erreichen von naturschutzfachlichen Zielen v\u00f6llig ungeeignet. Dabei geht das Projekt davon aus, dass einer qualifizierten Kommunikation in den FFH- und Vogelschutzgebieten eine Schl\u00fcsselfunktion zukommt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn zwei sehr unterschiedlich strukturierten FFH- und Vogelschutzgebieten der Mittleren Oder in Ostbrandenburg und der Region Bellheimer Wald mit Queichtal in Rheinland-Pfalz wird exemplarisch eine kooperative Umsetzung der Ziele und Ma\u00dfnahmen in den FFH- und Vogelschutzgebieten gepr\u00fcft. Dabei \u00fcbernehmen vor Ort etablierte Landschaftspflegeverb\u00e4nde in Abstimmung mit den f\u00fcr Natura 2000 zust\u00e4ndigen Naturschutzbeh\u00f6rden eine begleitende Moderation des Natura 2000-Prozesses sowie eine kooperative Umsetzung von erforderlichen Ma\u00dfnahmen. Weitere acht bis zehn gr\u00f6\u00dfere Naturschutzprojekte, die ihren Schwerpunkt im Bereich der kooperativen Umsetzung von Natura 2000 haben, werden in das Gesamtvorhaben als Partner integriert. Dabei sollen, basierend auf sehr unterschiedlichen Ausgangslagen in den Regionen bundesweit \u00fcbertragbare L\u00f6sungsans\u00e4tze erarbeitet werden, wie Strategien f\u00fcr eine akzeptanzorientierte Umsetzung aussehen k\u00f6nnen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie der Prozess der Schutzgebietsentwicklung in Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren umgesetzt werden kann. \u00dcber den DVL findet sowohl eine Qualifizierung und Vernetzung der wichtigsten Personen in den Projekten sowie eine begleitende \u00fcberregionale \u00d6ffentlichkeits- und Informationsarbeit statt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Untersuchung der akzeptanzsteigernden Ma\u00dfnahmen ergab &#8211; auch in Anbetracht der ganz unterschiedlichen Ausgangssituationen und Konfliktlagen bei den Projektpartnern und den assoziierten Partnern &#8211; sieben Erfolgsfaktoren f\u00fcr eine nachhaltige Umsetzung von Natura 2000. Diese Erfolgsfaktoren sind:<\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 1: Rahmenbedingungen f\u00fcr Natura 2000 gestalten<br \/>\nNatura 2000-Gebiete machen 14% der Landesfl\u00e4che in Deutschland aus. Eine Umsetzung der erforderlichen Ma\u00dfnahmen in Kooperation mit Land- und Forstwirtschaft kann auf dieser Fl\u00e4che nur gelingen, wenn qualifizierte F\u00f6rderprogramme und eine entsprechende Mittelausstattung &#8211; wie im Health Check der EU-Agrarpolitik gefordert &#8211; vorliegen. Auch andere Rahmenbedingungen m\u00fcssen umgestaltet werden. Dies gilt aktuell z. B. f\u00fcr das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das zu massiven Konflikten zwischen Natura 2000 und dem Anbau von Mais f\u00fchrt. <\/p>\n<p>Hoheitlich oder freiwillig &#8211; der Mix machts<br \/>\nEin hoheitlicher Rahmen ist sinnvoll und notwendig. So ist das Brutgebiet einer Vogelart in einer stark frequentierten Region nur wirksam zu sch\u00fctzen, wenn Besucher \u00fcber Ge- und Verbote gelenkt werden.<br \/>\nAndererseits kann speziell in der Land- und Forstwirtschaft \u00fcber Kooperation oft mehr erreicht werden. Eine aktive Bewirtschaftung von Fl\u00e4chen etwa kann im deutschen Rechtssystem \u00fcber Gebote nicht auferlegt werden. Im Regelfall sollten Land- und Forstwirte \u00fcber attraktiven Vertragsnaturschutz f\u00fcr Natura 2000 motiviert werden.<\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 2: Die Regionen aktiv beteiligen<br \/>\nDie Betroffenen nehmen Natura 2000 bisher h\u00e4ufig als ein System wahr, das ihnen \u00fcbergest\u00fclpt wurde. Dies wirkt in die Umsetzung hinein und erfordert besondere Anstrengungen, um regionale Akteure ins Boot zu holen und Natura 2000 auch zu ihrem Thema zu machen. Beteiligung ist dabei kein Selbstzweck. Der europ\u00e4ische Ansatz von Natura 2000 braucht eine starke regionale Verankerung. Nur wenn B\u00fcrgermeister, Landwirte und Touristiker hinter Natura 2000 stehen, ist ein langfristiger Erfolg m\u00f6glich. In Schleswig-Holstein setzt der DVL diese Erkenntnis um und gr\u00fcndet gezielt in Natura 2000-Brennpunkten Lokale Aktionen aus Natursch\u00fctzern, Landwirten, Kommunen und Touristikern.<\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 3: Gebietsbetreuer &#8211; Natura 2000 ein Gesicht geben<br \/>\nMit Natura 2000 ist der Naturschutz in der Normal-Landschaft angelangt. Die Komplexit\u00e4t der Aufgaben erfordert aus Sicht des DVL, vor allem bei gr\u00f6\u00dferen Natura 2000-Gebieten, Gebietsbetreuer, die m\u00f6glichst in regionale Strukturen eingebettet sein sollten. Sie k\u00f6nnen die Verwaltungen entlasten, damit Zeit f\u00fcr die hoheitlichen Kernaufgaben bleibt. Sie vermitteln zwischen europ\u00e4ischen Richtlinien und regionalen Interessen und k\u00f6nnen zum Motor f\u00fcr Natura 2000 werden. <\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 4: Managementpl\u00e4ne &#8211; klare Ziele f\u00fcr Natura 2000<br \/>\nWo erforderlich, sollten Managementpl\u00e4ne in enger Kooperation mit allen Betroffenen erarbeitet werden. Der Umfang der erforderlichen Erfassungen sollte auf wesentliche Parameter beschr\u00e4nkt werden. Erforderliche Ma\u00dfnahmen, deren Finanzierung und die wesentlichen Akteure f\u00fcr die Umsetzung sind bereits im Planungsprozess festzulegen. Auch wenn die EU-Richtlinien die Ziele von Natura 2000 festlegen, sollten die Spielr\u00e4ume f\u00fcr erforderliche Ma\u00dfnahmen intensiv genutzt werden.<\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 5: Qualifizierte Beratung f\u00fcr den Gesamtbetrieb<br \/>\nNatura 2000 &#8211; was hei\u00dft das f\u00fcr meinen Betrieb? fragen sich verunsicherte Landwirte und Waldbesitzer. Hier entsch\u00e4rft eine betriebsbezogene Naturschutzberatung die Situation. In Sachsen erprobte der DVL 2006\/07 die Einzelfl\u00e4chenberatung in Natura 2000-Gebieten. Wesentliche Erkenntnisse:<br \/>\n\tDie Landwirte reagierten \u00fcberwiegend positiv auf das Beratungsangebot und konnten gezielt zu Vertragsnaturschutzma\u00dfnahmen beraten werden.<br \/>\n\tDie derzeit angebotenen Agrarumweltma\u00dfnahmen reichen teilweise noch nicht aus, um Managementpl\u00e4ne auf freiwilliger Basis umzusetzen.<\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 6: In der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr Natura 2000 begeistern<br \/>\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr den Naturschutz muss f\u00fcr alle Aktiven unter dem Motto Tue Gutes und rede dar\u00fcber stehen. Der Erhalt der Artenvielfalt in Europa ist ein zentrales Ziel der EU, das sich alle Mitglieds-staaten nur dann mit Leben f\u00fcllen k\u00f6nnen, wenn sich B\u00fcrger daf\u00fcr pers\u00f6nlich engagieren. Doch Engagement braucht Information! F\u00fcr eine breite \u00d6ffentlichkeitsarbeit l\u00e4sst sich die europ\u00e4ische Dimension von Natura 2000 bestens nutzen. <\/p>\n<p>Erfolgsfaktor 7: Natura 2000 zum Job-Motor machen<br \/>\nNatura 2000 kann Arbeitspl\u00e4tze in l\u00e4ndlichen Regionen sichern und neue schaffen. Agrarumweltprogramme etwa helfen Landwirten auf Grenzertragsstandorten. Urlauber wollen attraktive Landschaften als Reiseziel, deren Erhalt ist die Basis f\u00fcr den Tourismus. Wird Natura 2000 mit wirtschaftlichen M\u00f6glichkei-ten und nicht prim\u00e4r mit Restriktionen verbunden, kann die Akzeptanz wesentlich verbessert werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projekts wurden praxisorientiert aufbereitet und in einem Leitfaden Natura 2000 &#8211; Lebensraum f\u00fcr Mensch und Natur: Leitfaden zur Umsetzung ver\u00f6ffentlicht. Der Leitfaden ist beim DVL f\u00fcr eine Schutzgeb\u00fchr von 5,00 \u0080 erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge zu den im Rahmen des Projekts veranstalteten Tagungen k\u00f6nnen von der DVL-Homepage heruntergeladen werden. Dies sind:<br \/>\n1.\tManagementplanung f\u00fcr Natura 2000 in Bonn<br \/>\n2.\tWorkshop Akzeptanzstrategien und Mediation im Naturschutz in Leipzig<br \/>\n3.\tLIFE+ -Tagung in Bonn<br \/>\n4.\tAbschlusstagung Natura 2000 &#8211; in Europa eingebunden, vor Ort aktiv im Rahmen des Deutschen Landschaftspflegetages 2007 in Landau\/Pfalz<br \/>\n5.\tNatura 2000 &#8211; Chance f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum im Rahmen des Zukunftsforums L\u00e4ndliche Entwicklung des BMELV auf der Internationalen Gr\u00fcnen Woche 2008 in Berlin<\/p>\n<p>Auf der DVL-Homepage ist eine Projektseite verlinkt unter dem Stichwort Natura 2000.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Natura 2000 ist ein Meilenstein auf dem europ\u00e4ischen Weg in eine tragf\u00e4hige Zukunft. Es ist das wichtigste Instrument, um die nat\u00fcrliche Vielfalt zu erhalten. Wir hoffen, deutlich gemacht zu haben, dass hierzu die bisherigen Strategien des Naturschutzes um wichtige neue Inhalte und Aspekte erg\u00e4nzt wer-den m\u00fcssen. Partnerschaften zwischen Akteuren auf regionaler Ebene m\u00fcssen gelebt und nicht nur verk\u00fcndet werden. Natura 2000 gilt es bei Finanzverhandlungen und in den Medien sowie im Bildungswesen breit zu verankern.<\/p>\n<p>Die Bedeutung von Natura 2000 wird auch wegen des Klimawandels zunehmen, der die Bl\u00fctezeiten von Pflanzen, das Zugverhalten der V\u00f6gel und ganz allgemein die Lebensm\u00f6glichkeiten von Arten ver\u00e4ndert. Der Klimawandel ist ein wesentlicher, zus\u00e4tzlicher Stressfaktor f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t in Europa. Natura 2000 vernetzt Lebensr\u00e4ume europaweit. Damit wird der Biotopverbund zwischen den Natura 2000-Gebieten in Zukunft an Bedeutung deutlich gewinnen. Und selbstverst\u00e4ndlich gilt: Wirksamer Klimaschutz ist wichtig f\u00fcr den Naturschutz. Je mehr wir die Klimaver\u00e4nderung begrenzen k\u00f6nnen, desto besser sind die Chancen, die Artenvielfalt Europas mit Hilfe von Natura 2000 zu sichern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Meldungen der nach europ\u00e4ischem Naturschutzrecht erforderlichen FFH- und Vogelschutzgebiete durch die deutschen Bundesl\u00e4nder haben zu gravierenden Konflikten zwischen Landnutzern und Kommunen sowie den zust\u00e4ndigen Naturschutzbeh\u00f6rden gef\u00fchrt. 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