{"id":23052,"date":"2023-07-13T15:22:21","date_gmt":"2023-07-13T13:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20136-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:22","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:22","slug":"20136-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20136-01\/","title":{"rendered":"Untersuchungen der Vorgehensweisen bei Kanalreinigungen mit Hochdrucksp\u00fclverfahren und Erarbeitung von Empfehlungen zur Vermeidung von Sch\u00e4den am Kanal"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Abwasserkan\u00e4le werden zum \u00fcberwiegenden Teil mit Hochdruck gereinigt. Dabei wird der Hochdruckwasserschlauch nebst einer D\u00fcse durch die R\u00fcckstosswirkung der D\u00fcsenstrahlen in das Abwasserrohr hineingezogen. Wird dann der Schlauch wieder zur\u00fcckgezogen, wird gleichzeitig Sp\u00fclgut zum Schacht geschwemmt und kann dort abgesaugt werden. Oft dringt dabei der Schlauch mit teils relativ hoher Geschwindigkeit vor. Die D\u00fcse kann zudem von der Sohle abheben und es passiert aus den unterschiedlichsten Situationen heraus, dass die D\u00fcse z. B. gegen einen Hausanschlussstutzen prallt. Bei einem D\u00fcsengewicht von typisch 10 kg kann dies zu Besch\u00e4digungen am Rohr f\u00fchren. Bei gesch\u00e4tzten 5.000 -7.000 Fahrzeugen in Deutschland und nur einem Schaden pro Fahrzeug und Jahr sowie durchschnittlichen Kosten pro Schaden von 2.500,- \u0080 kann man sich den hohen Ressourcenaufwand f\u00fcr die Schadensbeseitigung vorstellen. Das Projekt sollte eine Unterscheidung zwischen sachgem\u00e4\u00dfer und unsachgem\u00e4\u00dfer Vorgehensweise bei der Hochdruckreinigung aufzeigen und damit dazu beitragen, zuk\u00fcnftig Sch\u00e4den zu vermeiden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEin Versuchsstand bestehend aus einer Vorlauf- und einer Teststrecke wurde auf dem Bauhof in G\u00f6ttingen aufgebaut. Mit diesem wurden praxisnahe Verh\u00e4ltnisse nachgebildet. In die Teststrecke wurden verschiedene Rohrtypen eingebaut und ein Kraftmesssensor installiert. Mit einem Hochdrucksp\u00fclwagen wurden unter Verwendung unterschiedlicher Dr\u00fccke und D\u00fcsen etc. Crashtests an den Rohrsegmenten vorgenommen. Neben der direkten Kraftmessung wurden die Befunde fotographisch dokumentiert. Die gemessenen Kr\u00e4fte h\u00e4ngen nur von der D\u00fcsengeschwindigkeit und deren Gewicht ab. Mit den vielerorts verwendeten Bomben- oder Mehrzweckd\u00fcsen mit Gewichten von 3,8 kg bzw. 12,8 kg wurden Kr\u00e4fte von teils weit \u00fcber 20 Tonnen gemessen. Mit gr\u00f6\u00dferen, noch leistungsst\u00e4rkeren Fahrzeugen d\u00fcrften nochmals deutlich h\u00f6here Kr\u00e4fte m\u00f6glich sein. Verschiedene Situationen treten bei der Kanalreinigung &#8211; wenn auch selten &#8211; auf. Diese wurden im Projekt in geeigneter Weise simuliert.<br \/>\n1. Mit geeigneten Vorrichtungen wurden die D\u00fcsen in Hausanschl\u00fcsse geleitet und so deren Sto\u00dfwirkung ermittelt. 2. Es wurden so genannte H\u00fcpfversuche gemacht. Eine ca. 2 cm hohe Schwelle zwischen zwei Rohrsegmenten verursachte ein Abheben der D\u00fcse von der Sohle. Bei hinreichender Vorschubgeschwindigkeit der D\u00fcse schlug diese dann gegen den Rohrscheitel. 3. Bei den H\u00fcpfversuchen f\u00e4llt die D\u00fcse nach einer mehr oder weniger langen Strecke wieder auf die Rohrsohle. 4. In die Versuchsstrecke wurde ein Rohrbogen eingebaut und die Sto\u00dfwirkung der D\u00fcse untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse f\u00fcr die verschiedenen Rohrmaterialien k\u00f6nnen wie folgt zusammengefasst werden. Betonrohre mit kleinen Querschnitten, z. B. DN 200, und mit geringer Materialst\u00e4rke, z. B. 3 cm, werden bei einem Sto\u00df einer D\u00fcse in einen Hausanschluss leicht zerbrochen. Gr\u00f6\u00dfere Rohre mit gr\u00f6\u00dferer Materialst\u00e4rke werden hingegen kaum gesch\u00e4digt. Steinzeugrohre sind spr\u00f6de. Hier wurden die meisten Sch\u00e4den registriert. St\u00f6\u00dfe gegen Hausanschl\u00fcsse oder bei H\u00fcpfversuchen verursachten schon bei geringen D\u00fcsen-Vorschubgeschwindigkeiten Scherbenbruch. Ebenso bei Steinzeug-Eins\u00e4tzen f\u00fcr Betonrohre. Die insbesondere in privaten Rohrleitungen verwendeten so genannten KG-Rohre sind ebenfalls leicht zu sch\u00e4digen. Hausanschl\u00fcsse wurden m\u00fchelos auch bei geringen D\u00fcsengeschwindigkeiten zerst\u00f6rt. St\u00f6\u00dfe durch H\u00fcpfversuche hingegen waren ohne nachteilige Folgen. Rohrbogen mit 89\u00b0 k\u00f6nnen aber mit spitzen D\u00fcsenformen ebenfalls durch einen Sto\u00df zerst\u00f6rt werden. Au\u00dfer geringf\u00fcgigen Absch\u00fcrfun-gen und gelegentlicher Kerbenbildung konnten bei Rohre aus HDPE (Polyethylen) und PP (Polypropylen) keine Sch\u00e4den durch die hier durchgef\u00fchrten Sto\u00dfversuche verursacht werden. Auch Glasfaser verst\u00e4rkte Rohre sind relativ resistent gegen\u00fcber St\u00f6\u00dfen. Nur durch D\u00fcsenst\u00f6\u00dfe in einen Hausanschluss zeigten sich Risse im Laminat, die aber nicht durchg\u00e4ngig waren. Hier kann eindringendes Wasser m\u00f6glicherweise l\u00e4ngerfristig einen Schaden bewirken. Rohre aus (Eisen-)Guss mit Zementauskleidung wiesen au\u00dfer einigen Schleifspuren keine Sch\u00e4digungen durch die Sto\u00dfversuche auf.<br \/>\nEine Studie zur Effizienz der Hochdruckreinigung von Abwasserkan\u00e4len von 1984 in der Stadt Malm\u00f6 in Schweden hat gezeigt, dass f\u00fcr Kan\u00e4le mit kleinem Querschnitt bis DN 300 mm Sp\u00fclwassermengen von 200 Liter pro Minute v\u00f6llig ausreichen. Ebenso ist ein langsamer Vorschub der D\u00fcse der Reinigung f\u00f6rderlich.<br \/>\nMit jedem Rohrschaden sind auch umweltrelevante Aspekte verbunden. Neben dem entweder durch einen Rohrschaden versickernden Schmutzwasser und der damit m\u00f6glichen Gef\u00e4hrdung des Grundwas-sers oder dem Eindringen von Fremdwasser in das Leitungssystem und dem dadurch bedingten h\u00f6heren Ressourcenaufwand f\u00fcr die Abwasserreinigung, sind es die Ressourcenaufwendungen f\u00fcr die Behebung des Rohrschadens in Form von Material, Treibstoffen und Verkehr. Jeder vermiedene Rohrschaden tr\u00e4gt daher zu einer Entlastung der Umwelt bei. Dies kann durch geringe Vorschubgeschwindigkeiten der D\u00fcse bei der Kanalreinigung, m\u00f6glicherweise durch technische \u00c4nderungen an den Fahrzeugen festgelegt, und durch intensive, praxisnahe Schulung des Personals erreicht werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie werden als Fachartikel der Zeitschrift Korrespondenz Abwasser der ATV-DVWK zur Ver\u00f6ffentlichung angeboten. Den zust\u00e4ndigen Fachaussch\u00fcssen der ATV-DVWK wird die Studie ebenfalls zur Verf\u00fcgung gestellt. Der Bericht wurde des Weiteren dem Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zur Kenntnis gegeben. Das zust\u00e4ndige EU-Gremium f\u00fcr CEN\/TC 165 (DIN EN 14654), Vorsitzender Dr. R. Pecher, erh\u00e4lt ein Exemplar der Studie. Herr Dr. Lorenzen wird den Veranstaltern von Fachtagungen anbieten, dass der Autor der Studie hier\u00fcber einen Vortrag h\u00e4lt. Interessenten k\u00f6nnen die Ergebnisse auch direkt vom Autor beziehen. Eine Kurzfassung wird im Internet unter www.Aqua-Europe.com ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Kanalreinigung in Deutschland muss sich am Bestand der Kan\u00e4le orientieren. Diese sind vornehmlich Kan\u00e4le aus Beton, Steinzeug und insbesondere im privaten Hausanschlussbereich KG-Rohre. Hohe Vorschubgeschwindigkeiten der Reinigungsd\u00fcsen k\u00f6nnen Kan\u00e4le sch\u00e4digen und sind, wie im Projekt nachgewiesen wurde, f\u00fcr die Kanalreinigung auch nicht f\u00f6rderlich. Nach den Empfehlungen von Herrn Dr. Lorenzen sollten Fahrzeughersteller technische Vorrichtungen bei den Fahrzeugen vorsehen, die eine niedrige, dem Reinigungsprozess f\u00f6rderliche Vorschubgeschwindigkeit der D\u00fcse von maximal etwa 1 Meter pro Sekunde manipulationsfrei (also kein Freilauf o. \u00e4.) festlegen. Mitarbeiter im Bereich Kanalrei-nigung sollten sehr viel intensiver geschult werden. Diese Schulungen m\u00fcssen einen gro\u00dfen Praxisanteil haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Abwasserkan\u00e4le werden zum \u00fcberwiegenden Teil mit Hochdruck gereinigt. Dabei wird der Hochdruckwasserschlauch nebst einer D\u00fcse durch die R\u00fcckstosswirkung der D\u00fcsenstrahlen in das Abwasserrohr hineingezogen. Wird dann der Schlauch wieder zur\u00fcckgezogen, wird gleichzeitig Sp\u00fclgut zum Schacht geschwemmt und kann dort abgesaugt werden. 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