{"id":23033,"date":"2023-07-13T15:22:18","date_gmt":"2023-07-13T13:22:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19973-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:18","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:18","slug":"19973-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19973-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Fl\u00e4chenputz- und Mauerwerkskonservierung der umweltgesch\u00e4digten romanischen Kirche St. Wenzel in Halle-Radewell unter Wiederaufnahme historischer Handwerkstechniken (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Dorfkirche Radewell zeigt sich als ein in h\u00f6chstem Ma\u00dfe umweltgesch\u00e4digtes Objekt. Daf\u00fcr verantwortlich scheinen zum einen die bis Anfang der 1990-er Jahre vorherrschende erhebliche Luftverschmutzung der Region und die damit verbundene Schadstoffimmission in das aufgrund jahrzehntelan-ger Vernachl\u00e4ssigung ungesch\u00fctzte (putzdefekte) Sandsteinmauerwerk. Eine weitere Beeintr\u00e4chtigung des Kirchengeb\u00e4udes wurde in langzeiteinwirkenden Setzungserscheinungen des Baugrundes und damit verbundenen Gef\u00fcgest\u00f6rungen des Mauerwerkes vermutet. Ziel war, durch \u00f6kologische und im Aussterben begriffene traditionelle Verfahren und Techniken des Bauens die Au\u00dfenh\u00fclle des Kirchengeb\u00e4udes zu sichern, zu konservieren und wieder  herzustellen. Dabei sollten historisch befundete, als \u00fcberaus dauerhaft bewertete trocken gel\u00f6schte Sandkalkm\u00f6rtel nachgestellt werden. Ihre Applikation und Modifikation sollte sich dabei durch eine sehr einfache, reine Kalkm\u00f6rtelrezeptur auszeichnen, die minimale Quantit\u00e4ten an verschiedenen Zuschlagsstoffen und Bindmitteln sowie keine Zus\u00e4tze enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Kirchengeb\u00e4ude wurde durch Voruntersuchungen detailliert erfasst. In Auswertung der Untersuchungsergebnisse wurden in Zusammenarbeit aller Kooperationspartner Verfahren und Materialien zur Umsetzung der o. g. Zielsetzungen festgelegt und entsprechend ausgef\u00fchrt. Folgender Ablauf: Materialuntersuchungen Stein, Putz, M\u00f6rtel; Salzanalysen; Feuchtemessungen, Restauratorische Auswertung und Dokumentation; Rissmessungen in Abh\u00e4ngigkeit von Wetterverh\u00e4ltnissen und Baugrund, Bau-grunduntersuchung am Turm; empirische Herstellung von trockengel\u00f6schten Handmischungen und entsprechenden Putzprobeachsen und R\u00fcckstellproben; Beurteilung des Abbindeverhaltens und der Materialeigenschaften, Vergleich mit eingelagerten R\u00fcckstellproben; Festlegung des Vorzugsm\u00f6rtels; Rissverpressung; Ausf\u00fchrung des Fl\u00e4chenputzes bei gleichzeitiger Konservierung des historischen Mauerwerks;<br \/>\nDurchf\u00fchrung begleitender notwendiger und vorbereitender Ma\u00dfnahmen (Ger\u00fcststellungen, Mauerwerkssicherung und -erg\u00e4nzung, Fenster etc.)<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zu Beginn wurden notwendige Voruntersuchungen an der vorhandenen Bausubstanz der Bauh\u00fclle durchgef\u00fchrt (siehe Punkt 3.1), um mit Hilfe der gewonnenen Ergebnisse die gew\u00fcnschten Versuchsrezepturen (sowohl in Handarbeit vor Ort trocken gel\u00f6schte Sandkalkm\u00f6rtel als auch zum Vergleich g\u00e4ngige Sandkalkmischungen mit Kalkhydrat sowie Zusatz von Wei\u00dfzement), Probefl\u00e4chen an der S\u00fcdfassade des Kirchenschiffes und die entsprechenden R\u00fcckstell(langzeit)proben herstellen zu k\u00f6nnen (siehe Punkt 3.2).<br \/>\nNach Auswertung der Untersuchungsergebnisse wurde festgestellt, dass der in Resten vorhandene j\u00fcngste Fl\u00e4chenputz von Turm und Schiff f\u00fcr eine Konservierung nicht in Frage kommen kann (siehe Punkt 3.1.3). Die Putzfragmente mussten abgenommen werden.<br \/>\nDie im Sp\u00e4tsommer 2002 hergestellten verschiedenen Probefl\u00e4chen wurden nach einer mehrmonatigen Standzeit \u00fcber die Wintermonate anschlie\u00dfend auf ihre technologischen Eigenschaften hin naturwissenschaftlich (siehe Punkt 3.3) und augenscheinlich \u00fcberpr\u00fcft und daraufhin in gemeinsamer Abstimmung aller Beteiligten aufgrund der festgestellten zufriedenstellenden Eigenschaften eine trocken gel\u00f6schte Sandkalkmischung mit geringem Pigmentzuschlag aber ohne Zus\u00e4tze als Vorzugsrezeptur f\u00fcr den Fl\u00e4-chenputzm\u00f6rtel festgelegt.<br \/>\nDer geplanten eigenverantwortlichen Trockenl\u00f6schung des Branntkalkes vor Ort und Applikation des eingestellten trocken gel\u00f6schten Sandkalkm\u00f6rtels stand damit nichts mehr im Wege.<br \/>\nIm Sinne des Projektes, historische Handwerkstechniken wieder aufzunehmen, folgte im Fr\u00fchjahr 2003 im Vorfeld des Fassadenputzes eine umfassende Fassadenreinigung rein konventioneller bzw. traditioneller Art mit ausschlie\u00dflich mechanischen Hilfsmitteln. W\u00e4hrend der Fassadenreinigung wurden bereits Mauerwerksbereiche im Gef\u00fcge gesichert und erg\u00e4nzt sowie bei Notwendigkeit in der Oberfl\u00e4che gefestigt. Reinigung und vorbereitende Sicherung zeigten einen hohen Zeitaufwand, da eine sensible und differenzierte Herangehensweise ausdr\u00fccklich im Vordergrund stand.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurden vor der Ausf\u00fchrung des Fl\u00e4chenputzes in Frage kommende Arbeitsg\u00e4nge empirisch geschult und m\u00f6gliche Putzoberfl\u00e4chen als Musterfl\u00e4chen appliziert.<br \/>\nDer hergestellte Fl\u00e4chenputz entspricht derzeit den Erwartungen der am Bau Beteiligten. Die in den Voruntersuchungen festgestellten Eigenschaften des verwendeten traditionellen Materials geben Hoffnung auf eine entsprechende Dauerhaftigkeit. Es wird eingesch\u00e4tzt, dass die verwendeten M\u00f6rtelrezepturen  geeignet erscheinen f\u00fcr restauratorische und konservatorische Fl\u00e4chenputz- und Fugarbeiten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das DBU-Vorhaben wurde unter Beteiligung einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Zahl von hiesigen Handwerkern bzw. interessierten Restauratoren durchgef\u00fchrt. W\u00e4hrend der gesamten Bauzeit fand ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den am Bau Beteiligten und interessierten Fachleuten aber auch Laien statt.<br \/>\nDas Kalktrockenl\u00f6schen wurde beispielhaft nach historischem Vorbild durchgef\u00fchrt. Die interessierte \u00d6ffentlichkeit war w\u00e4hrend der Bauma\u00dfnahmen ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht und nicht, wie am Bau \u00fcblich, ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das durchgef\u00fchrte DBU-Projekt konnte modellhaft die Mauerwerkskonservierung und Fl\u00e4chenputznachstellung mit einem reinen trockengel\u00f6schten Sandkalkm\u00f6rtel ohne Zus\u00e4tze sicherstellen. Dabei wurden physikomechanische und hygrische Eigenschaften befundeter historischer Putzm\u00f6rtel erfolgreich nachgestellt. Besonderer Stellenwert kam der eigenst\u00e4ndigen Entwicklung und Pr\u00fcfung dieser Sandkalkm\u00f6rtel zu. Dies gelang durch eine empirische Arbeitsweise nicht nur der ausf\u00fchrenden Handwerker sondern aller am Bau Beteiligten. Der experimentelle Charakter des Projektes war ma\u00dfgeblich f\u00fcr die erfolgreiche Ein-beziehung und Fortf\u00fchrung der am Kloster Heydau gewonnenen Erkenntnisse.<br \/>\nKenntnisstand und Umgang mit trockengel\u00f6schten traditionellen Sandkalkm\u00f6rteln konnten weiter vertieft werden. Gleichzeitig wurde eines der \u00e4ltesten Baudenkm\u00e4ler Halles vor dem entg\u00fcltigen Verfall bewahrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Dorfkirche Radewell zeigt sich als ein in h\u00f6chstem Ma\u00dfe umweltgesch\u00e4digtes Objekt. Daf\u00fcr verantwortlich scheinen zum einen die bis Anfang der 1990-er Jahre vorherrschende erhebliche Luftverschmutzung der Region und die damit verbundene Schadstoffimmission in das aufgrund jahrzehntelan-ger Vernachl\u00e4ssigung ungesch\u00fctzte (putzdefekte) Sandsteinmauerwerk. Eine weitere Beeintr\u00e4chtigung des Kirchengeb\u00e4udes wurde in langzeiteinwirkenden Setzungserscheinungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2425,69],"class_list":["post-23033","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-kulturgueter","tag-sachsen-anhalt"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"19973\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-19973.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"60.337,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Ev. Kirchengemeinde Radewell","dbu_projektdatenbank_strasse":"Regensburger Str. 111","dbu_projektdatenbank_plz_str":"06132","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Halle","dbu_projektdatenbank_p_von":"2002-08-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2003-08-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr","dbu_projektdatenbank_telefon":"0345\/7758254","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Sachsen-Anhalt","dbu_projektdatenbank_foerderber":"97","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23033","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23033\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36036,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23033\/revisions\/36036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}