{"id":22944,"date":"2023-07-13T15:22:11","date_gmt":"2023-07-13T13:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19814-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:13","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:13","slug":"19814-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19814-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Erarbeitung eines Leitfadens zu Schadstoffbelastungen in Museen einschlie\u00dflich systematischer Analysen an national wertvollen Best\u00e4nden des Landesmuseums Hannover (Niedersachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der bekannten Innenraumproblematik haben kulturelle Einrichtungen eine Sonderstellung. Einerseits gilt es, f\u00fcr Mitarbeiter und Besucher ein gesundes Raumklima zu schaffen, andererseits m\u00fcssen Exponate ggf. chemisch vor Besch\u00e4digungen gesch\u00fctzt werden. Eine andere Frage gilt der m\u00f6glichen Langzeitgef\u00e4hrdung von Exponaten durch Emissionen organischer Verbindungen aus Baustoffen. Weitere Probleme kann der Einbau von Klimaanlagen verursachen. Restauratoren m\u00fcssen in der Regel mit Chemikalien hantieren, sind sich aber des Gef\u00e4hrdungspotentials w\u00e4hrend der Behandlung von Expona-ten und der nachtr\u00e4glichen Abgabe dieser Stoffe an die Umgebung oft wenig bewusst. Es wurde daher die Notwendigkeit erkannt, im Rahmen eines Forschungsvorhabens und in enger Zusammenarbeit mit Museen systematische Untersuchungen durchzuf\u00fchren. Weiterhin besteht Bedarf, mit den Ergebnissen des Vorhabens einen Leitfaden zu Schadstoffbelastungen in Museen zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Vorhaben werden die Konzentrationen von fl\u00fcchtigen und semifl\u00fcchtigen organischen Verbindungen (VOC\/SVOC) in der Luft von Ausstellungsr\u00e4umen und -vitrinen mittels aktiver und passiver Probenahme untersucht. F\u00fcr die Charakterisierung des Konzentrations-Zeit-Verhaltens von VOCs sind kontinuierliche Messungen des Gesamtgehaltes (TVOC) mittels eines Photoakustikdetektors \u00fcber mehrere Tage vorgesehen. Besondere Emissionsquellen werden durch Messungen mit einer Emissionszelle vor Ort identifiziert und ihr Einfluss auf die Innenluftqualit\u00e4t charakterisiert. Erg\u00e4nzend werden die klimatischen Parame-ter (Temperatur, Feuchte, Luftwechsel, Luftgeschwindigkeit) erfasst. Dar\u00fcber hinaus werden selektive Materialuntersuchungen an Exponaten im Labor und an Staubproben vorgenommen. Bei dieser Auswahl sind nicht nur emissionsreiche Quellen von Bedeutung. Im Hinblick auf eine sch\u00e4digende Langzeitwir-kung sind auch Quellen zu betrachten, die eine scheinbar niedrige Freisetzungsrate aufweisen. Die Pla-nung der Messungen und Auswahl der Messobjekte erfolgt in Absprache mit Vertretern des Nieders\u00e4ch-sischen Landesmuseums Hannover, wobei auch auf die Ergebnisse von ersten Begehungen zur\u00fcckge-griffen wird. Mit Hilfe der erhobenen Daten und unter Ber\u00fccksichtigung von Ergebnissen fr\u00fcherer nationa-ler und internationaler Forschungsvorhaben wird ein Leitfaden erarbeitet. Dieser soll Museen, Bibliotheken und Archive in die Lage versetzen, Mitarbeiter, Besucher und Exponate effektiv zu sch\u00fctzen und gleichzeitig durch sinnvolle Auswahl von Materialien und entsprechende Vorgaben die Freisetzung geruch-relevanter und\/oder toxischer organischer Verbindungen zu minimieren. Auch die Hersteller von Museumseinrichtungen k\u00f6nnen sich an diesem Leitfaden bez\u00fcglich ihrer Produkte orientieren.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Anhand der in der Innenraumluft und im Hausstaub nachgewiesenen organischen und anorganischen Verbindungen l\u00e4sst sich ein Zusammenhang zu dem jeweiligen Sammlungsgebiet und den hier eingesetzten Konservierungs- und Restaurierungsmaterialien sowie zu den umgebenden Bauprodukten ableiten. Damit sind R\u00fcckschl\u00fcsse auf Verpackungs- bzw. Baumaterialien von Depotr\u00e4umen und Aufbewahrungsvorrichtungen sowie auf fr\u00fcher eingesetzte Produkte zur Pr\u00e4vention bzw. Konservierung der Expo-nate m\u00f6glich.<br \/>\nDie detektierten Raumluftkonzentrationen stehen allgemein in Abh\u00e4ngigkeit vom jeweiligen Raumvolumen, den zur Verf\u00fcgung stehenden L\u00fcftungsm\u00f6glichkeiten, dem Beladungsverh\u00e4ltnis sowie den aufbewahrten Objektgattungen und den verwendeten Reinigungsprodukten. Es kommt daher insbesondere in Vitrinen und Dioramen sowie in Depotr\u00e4umen zum Aufkonzentrieren von Schadstoffen. Eine Ausnahme in den Untersuchungen bildeten organische S\u00e4uren, die aufgrund der unterschiedlichen Ausstattung in den Ausstellungsr\u00e4umen in h\u00f6heren Konzentrationen als in den Magazinen nachgewiesen wurden.<br \/>\nAls prim\u00e4re Emissionsquellen von Formaldehyd, organischen S\u00e4uren und bicyclischen Terpenen erwiesen sich neben H\u00f6lzern und Holzwerkstoffen auch Pr\u00e4parate zoologischer Sammlungen durch den Einsatz von Formaldehyd und Ameisens\u00e4ure als Konservierungs- bzw. Pr\u00e4parationsmittel. In Pr\u00fcfkammeruntersuchungen von ausgew\u00e4hlten Exponaten lag Essigs\u00e4ure als Hauptkomponente vor. Biozide konnten insbesondere in den natur- und v\u00f6lkerkundlichen Sammlungen detektiert werden. In der Raumluft einiger Depotr\u00e4ume wurden Lindan, Naphthalin, 1,4-Dichlorbenzol, Kampfer, Camphen und Benzaldehyd nachgewiesen. In Staubproben wurden Halb- und Schwermetalle, wie Blei, Chrom, Kupfer und Zink, detektiert. Die Werte der Altstaubproben waren allgemein h\u00f6her als die der Frischstaubproben. Der Nach-weis von Chlorid und Arsen im Altstaub einiger Magazine weist auf die fr\u00fchere Verwendung von chlorid-haltigen Produkten und Arsenverbindungen hin. Materialproben aus Dioramen und von Tierpr\u00e4paraten zeigten signifikante Konzentrationen von Arsen, PCP, DDT, chlorierten Naphthalinen, Methoxychlor und Lindan. Diese Chemikalien wurden in der Vergangenheit im Rahmen pr\u00e4ventiver Konservierungsma\u00dfnahmen kontinuierlich \u00fcber Jahrzehnte hinweg eingesetzt und kommen, in den meisten F\u00e4llen aufgrund ihrer Toxizit\u00e4t, heute gr\u00f6\u00dftenteils nicht mehr zur Anwendung. Die Lokaldosisleistungen als radioaktiv geltender Mineralien wurden bestimmt und Empfehlungen zum Umgang mit dem Sammlungsgut erarbeitet. Eine erh\u00f6hte Strahlenexposition ist unter Einhaltung geeigneter Schutzma\u00dfnahmen nicht gegeben. Bau-produkte und Ausstattungsmaterialien zeigen oft kurz nach ihrem Einbringen in Innenr\u00e4ume erh\u00f6hte E-missionsraten, die sich unter wohnhygienischen Bedingungen mit der Zeit verringern. L\u00fcftungsma\u00dfnahmen sind in musealen Innenr\u00e4umen aufgrund der hohen Anforderungen an ein konstantes Raumklima allerdings kaum m\u00f6glich, so dass eine hohe Luftbelastung zwangsl\u00e4ufig \u00fcber einen weitaus l\u00e4ngeren Zeitraum anhalten wird, wie sich in Museumsdepots nach einer grundlegenden Renovierung zeigte. Be-schl\u00e4ge auf den Innenseiten von Gem\u00e4ldeverglasungen konnten im Wesentlichen auf langkettige Fetts\u00e4uren zur\u00fcckgef\u00fchrt werden (sog. Fogging-Effekt).<br \/>\nDie gemessenen Konzentrationen geben allgemein keinen Hinweis auf eine erh\u00f6hte Gef\u00e4hrdung der menschlichen Gesundheit. Eine Ausnahme bildet ein Depotraum, der mit lackierten Holzeinbauten aus-gestattet ist und selten bel\u00fcftet wird. Durch \u00dcberschreiten der Richtwerte von Formaldehyd und bicyclischen Terpenen in der Raumluft, sollte sich das Museumspersonal nicht f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in dem Raum aufhalten. Aufgrund der bekannten Auswirkungen von organischen S\u00e4uren auf Exponate sind angesichts der ebenfalls erh\u00f6hten S\u00e4urewerte Sanierungsma\u00dfnahmen anzuraten. Gleiches gilt f\u00fcr eine mit Holzwerkstoffen ausgestattete Vitrine.<br \/>\nDie Bewertung der detektierten Verbindungen in Hinblick auf ihr Sch\u00e4digungspotential auf Sammlungsgut erfolgte durch Vergleich mit internationalen Studien. Derzeit postulierte Richtwertforderungen und -konzepte, wie die NOAEL-\/LOAED-Werte des Canadian Conservation Institute (CCI), Canada, wurden diskutiert. Sch\u00e4digende Auswirkungen auf Sammlungsgut k\u00f6nnen nach dem bisherigen Stand der For-schung nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere bei ungehindertem Kontakt zwischen Objektoberfl\u00e4-che und Raumluft bzw. Staubablagerungen sind Wechselwirkungen denkbar.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Teilergebnisse wurden auf Tagungen pr\u00e4sentiert und in (inter-) nationalen Fachzeitschriften publiziert (siehe gesonderte Anlage). Als Projektergebnis wurde ein Leitfaden erstellt (Schadstoffe in Museen &#8211; Raumluft, Baustoffe, Exponate), der \u00fcber das Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die umfassenden Raumluft- und Hausstaubanalysen in Ausstellungs- und Depotr\u00e4umen sowie in Vitrinen und Dioramen lieferten wichtige Erkenntnisse \u00fcber Belastungen mit Bioziden und \u00fcber die Emissionsquellen verschiedenster chemischer Verbindungen in museal genutzten Innenr\u00e4umen. Aussagen \u00fcber Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit konnten getroffen werden. F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung eines m\u00f6glichen Sch\u00e4digungspotentials auf Sammlungsgut sind weiterf\u00fchrende Untersuchungen notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bez\u00fcglich der bekannten Innenraumproblematik haben kulturelle Einrichtungen eine Sonderstellung. Einerseits gilt es, f\u00fcr Mitarbeiter und Besucher ein gesundes Raumklima zu schaffen, andererseits m\u00fcssen Exponate ggf. chemisch vor Besch\u00e4digungen gesch\u00fctzt werden. Eine andere Frage gilt der m\u00f6glichen Langzeitgef\u00e4hrdung von Exponaten durch Emissionen organischer Verbindungen aus Baustoffen. 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