{"id":22941,"date":"2023-07-13T15:22:11","date_gmt":"2023-07-13T13:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19801-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:13","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:13","slug":"19801-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19801-01\/","title":{"rendered":"ZWIPERO, ein wettergest\u00fctztes Prognosemodell f\u00fcr Falschen Mehltau an Zwiebeln: Modell\u00fcberpr\u00fcfung, Bek\u00e4mpfungskonzept und Praxiseinf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Falsche Mehltau, verursacht durch den Pilz Peronospora destructor, ist die wichtigste Blattkrankheit an Zwiebeln. Da sehr hohe wirtschaftliche Sch\u00e4den m\u00f6glich sind, werden derzeit intensive Spritzfolgen zur Bek\u00e4mpfung dieser Krankheit durchgef\u00fchrt. Mit dem vom Deutschen Wetterdienst entwickelten Prognosemodell ZWIPERO steht ein in Sommertrockenzwiebeln \u00fcberpr\u00fcftes Simulationsmodell f\u00fcr die Berechnungen des witterungsbedingten Sporulations- und Infektionsrisiko f\u00fcr Falschen Mehltau zur Ver-f\u00fcgung. Das Prognosemodell kann eine wichtige Hilfestellung bieten, um den Fungizideinsatz auf Zeiten mit tats\u00e4chlichem und hohem Befallsrisiko zu beschr\u00e4nkt und die Umwelt durch verminderten Pflanzenschutzmitteleinsatz zu entlastet.<br \/>\nDie ZWIPERO Prognose basiert auf berechneten Bestandsklimadaten aus dem Modell AMBETI des DWD, in das Standort spezifische Bedingungen eingehen. F\u00fcr die Bestandesklimaberechnungen werden Daten von Standardwetterstationen verwendet, sodass die Voraussetzungen f\u00fcr eine kosteng\u00fcnstige und breite Bereitstellung der Prognose f\u00fcr alle gro\u00dfen Zwiebelanbauregionen in Deutschland gegeben sind. F\u00fcr die Nutzung der ZWIPERO Prognose fehlten bisher jedoch sowohl Entscheidungsregeln f\u00fcr den Fungizideinsatz unter spezifischen Anbaubedingungen als auch eine technische L\u00f6sung f\u00fcr den schnellen Datenzugriff. Zielsetzung dieses Vorhabens war deshalb unter verschiedenen Anbaubedingungen (z. B. Inokulumpotential f\u00fcr Falschen Mehltau in der Region, Sortenwahl) Kontrollstrategien zu pr\u00fcfen und daraus entsprechende Entscheidungsregeln abzuleiten sowie die technischen Voraussetzungen f\u00fcr die Bereitstellung der Prognosemeldungen zu schaffen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Ziele wurden in folgenden Arbeitsschritten und mit folgenden Methoden angestrebt:<br \/>\n1.\tMonitoring des Befalls im Feld am Versuchsstandort<br \/>\n2.\tFeldversuche zur sortenspezifischen Anf\u00e4lligkeit von Zwiebeln f\u00fcr Falschen Mehltau<br \/>\n3.\tFeldversuche am Versuchsstandort und in Praxisbetrieben zur \u00dcberpr\u00fcfung von Prognose basierten Behandlungsstrategien und Aufstellen von Entscheidungsregeln<br \/>\n4.\tDatenerhebung zur Optimierung der Modelle AMBETI und ZWIPERO f\u00fcr die automatisierte Bereitstellung der Prognose.<br \/>\n5.\tErstellung eines Konzeptes und Implementierung der ZWIPERO Prognose in die Internet gest\u00fctzte Informationsplattform ISIP (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion) und Erprobung des Datentransfers.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Modell ZWIPERO erm\u00f6glichte eine Prognose des Befallsauftretens von Peronospora destrutor an Zwiebeln. Voraussetzung war die Einbeziehung es Inokulumangebots in der Region (2003: mittelhoch, 2004 gering) in die Bewertung der im Modell abgebildeten witterungsbedingten Infektionsrisiken (2003: nur anf\u00e4nglich hoch, 2004 anf\u00e4nglich gering, sp\u00e4ter mittel). Feldbeobachtungen und Prognosewerte stimmten sehr gut \u00fcberein. Allerdings lassen Vergleichsmessungen mit einer Bestandswetterstation er-kennen, dass das Befallsrisiko in der unteren Bestandsh\u00e4lfte in den Prognoseberechnungen (basierend auf simulierten Bestandsklimadaten) unterbewertet wird w\u00e4hrend der Hauptwachstumsphase. Dies ist bei der Interpretation der Prognosewerte zu bedenken, insbesondere wenn weitere das Infektionsrisiko verst\u00e4rkende Standortfaktoren, wie eine gesch\u00fctzte Lage der Anbaufl\u00e4che, hinzukommen.<br \/>\nDas auf Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Falschen Mehltau gepr\u00fcfte Sortenspektrum (Sommerzwiebeln) konnte deutlich in zwei Gruppen geteilt werden, die sich im Befallsverlauf unterschieden. F\u00fcr die Umsetzung der ZWIPERO Prognose wurde das Befallsvorkommen in der Region (Inokulumpotential), die ZWIPERO Ausgabewerte Erstinfektionsrisiko, Sporulationsrisiko und Infektionsrisiko und die Sortenanf\u00e4lligkeit in ein Entscheidungssystem integriert. Die \u00dcberpr\u00fcfung im Feld zeigte, dass das Erstinfektionsrisiko und damit der Be-handlungsbeginn eindeutig in der Prognose angezeigt und die Terminierung der Folgebehandlungen durch die Prognose erleichtert wird. F\u00fcr die Umsetzung der Prognose in eine Behandlungsstrategie m\u00fcssen vor allem das Inokulumpotential f\u00fcr Falschen Mehltau in der Region und die zeitliche Verteilung des witterungsbedingtes Infektionsrisikos w\u00e4hrend der Kulturdauer im Zusammenhang interpretiert werden. Eine sortenspezifische Kontrollstrategie nach Prognose konnte aus den Feldergebnissen der zwei Ver-suchsjahre nicht abschlie\u00dfend abgeleitet werden. Fungizidapplikationen konnten reduziert werden sowohl durch die exakte Terminierung des Behandlungsbeginns als auch der Abschlussbehandlungen in den sp\u00e4t abreifenden Zwiebelsorten. Dies best\u00e4tigte sich in den Feldversuchen am Standort Schifferstadt, vor allem aber auch in Praxisschl\u00e4gen, in denen eine vergleichbare Anzahl (2003) oder weniger Behandlungen (2004) bezogen auf die betriebs\u00fcbliche Routine mit gleichem Bek\u00e4mpfungsergebnis durchgef\u00fchrt wurden.<br \/>\nF\u00fcr die Automatisierung der ZWIPERO Prognose wurden zwei den AMBETI &#8211; Bestandsklimaberechungen vorgeschalteten Subroutinen (Bestandsentwicklung und Beregnung) f\u00fcr Sommerzwiebeln auf der Basis von Felddaten bzw. der klimatischen Wasserbilanz entwickelt. Die konzeptionelle (Berechnungen f\u00fcr Musterschl\u00e4ge in den wichtigsten Zwiebelanbauregionen) und technische Infrastruktur f\u00fcr den Daten-transfer wurde erstellt und die ZWIPERO Prognose unter die Internetplattform ISIP (ISIP e.V., Bad Kreuznach) implementiert. Ein Testlauf in der Wintersaison 2004\/05 mit drei Standorten (Wetterstationen) verlief erfolgreich. In der Saison 2005 k\u00f6nnen Beratung und Praxis bundesweit die ZWIPERO Prog-nose t\u00e4glich aktuell unter dem Link http:\/\/zwso.isip.info abrufen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des hier dargestellten Projektes wurden in insgesamt dreizehn Vortr\u00e4gen vor Vertretern aus Praxis, Beratung oder Wissenschaft pr\u00e4sentiert und in zwei Postern dargestellt. Zur Einf\u00fchrung der ZWIPERO Prognose in die Praxis wurden vier Beitr\u00e4ge in Praxiszeitschriften publiziert. Auf Anfragen wurden w\u00e4hrend der Versuchslaufzeiten Feldbegehungen in Gruppen oder f\u00fcr einzelne Anbauer durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das wettergest\u00fctzte Prognosemodell ZWIPERO f\u00fcr Falschen Mehltau an Zwiebeln wurde in ein Entscheidungssystem mit den Komponenten Befall in der Region (Inokulumpotential), Prognoseberechnungen und Sortenanf\u00e4lligkeit integriert. Die Einzelkomponenten wurden entsprechend erfasst, gepr\u00fcft und gewichtet und in Feldversuchen in Kontrollstrategien umgesetzt. Erste Entscheidungsregeln f\u00fcr den Fungizideinsatz nach ZWIPERO Prognose wurden abgeleitet. In Praxisversuchen wurde hiernach eine Reduzierung der Fungizidapplikationen m\u00f6glich. Die ZWIPERO Prognose steht unter der Internetplattform ISIP bundesweit zur Verf\u00fcgung. Hiermit wird erstmals ein Prognosemodell f\u00fcr Schadpilze in Gem\u00fcsekulturen der Praxis bereit gestellt. Die Projektziele wurden bis auf kleinere Abstriche in der Projektlaufzeit er-reicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Falsche Mehltau, verursacht durch den Pilz Peronospora destructor, ist die wichtigste Blattkrankheit an Zwiebeln. Da sehr hohe wirtschaftliche Sch\u00e4den m\u00f6glich sind, werden derzeit intensive Spritzfolgen zur Bek\u00e4mpfung dieser Krankheit durchgef\u00fchrt. 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