{"id":22940,"date":"2023-07-14T10:32:59","date_gmt":"2023-07-14T08:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19798-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:33:01","modified_gmt":"2023-07-14T08:33:01","slug":"19798-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19798-01\/","title":{"rendered":"Grundlagenerarbeitung und Koordination zur Sicherung gro\u00dffl\u00e4chiger Naturgebiete unter besonderer Ber\u00fccksichtigung ehemals milit\u00e4risch genutzter Fl\u00e4chen (Schutz gro\u00dffl\u00e4chiger Naturgebiete)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Gro\u00dfe und unzerschnittene Lebensr\u00e4ume sind f\u00fcr das \u00dcberleben vieler bedrohter Arten unabdingbar. Zahlreiche der naturschutzfachlich wertvollen Fl\u00e4chen befinden sich gegenw\u00e4rtig noch im Eigentum von Bund und L\u00e4ndern. Sie sollen in den n\u00e4chsten Jahren privatisiert werden. Neben den BVVG-Fl\u00e4chen handelt es sich dabei um milit\u00e4risch genutzte Fl\u00e4chen und um Sanierungsfl\u00e4chen des ostdeutschen Braunkohlebergbaus. Die Umweltstiftungen und -verb\u00e4nde sind prinzipiell bereit, sich am dauerhaften Schutz der zum Verkauf anstehenden Fl\u00e4chen zu beteiligen. Um die begrenzten finanziellen Ressourcen der Stiftungen und Verb\u00e4nde besser einsetzen zu k\u00f6nnen, ist einerseits eine fachlich fundierte Zusammenstellung aller Daten gro\u00dfer Naturgebiete und andererseits ein regelm\u00e4\u00dfiger Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren (Verb\u00e4nde, Stiftungen, Politik, Verwaltung) erforderlich.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tErstellung einer Datenbank zum naturschutzfachlichen Wert von Milit\u00e4rfl\u00e4chen<br \/>\nIm Rahmen einer umfangreichen Recherche auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene wurde eine umfassende Datenbank zu allen naturschutzrelevanten Milit\u00e4rfl\u00e4chen in Deutschland erstellt. Grundlage bildete eine Anfang der 90er Jahre durch den Deutschen Rat f\u00fcr Landespflege ver\u00f6ffentlichte Liste sowie eine Vorstudie der Naturstiftung David. Nach einer zentralen Recherche wurden in jedem Bundesland Werkvertr\u00e4ge f\u00fcr eine Regionalrecherche vergeben. Dabei wurden insbesondere Angaben zur Naturausstattung, zum Naturschutzwert, zum Konfliktpotential, zu den Altlasten und zu den Eigentumsverh\u00e4ltnissen recherchiert. Die recherchierten Informationen wurden abschlie\u00dfend zusammengefasst, angeglichen und z. T. in ArcView-GIS visualisiert. Die Ergebnisse wurden einer breiten Fach\u00f6ffentlichkeit vorgestellt.<br \/>\n2.\tKoordination zwischen Umweltstiftungen und Umweltverb\u00e4ndenF\u00fcr das Themenfeld naturschutzrelevante Milit\u00e4rfl\u00e4chen sorgt die Naturstiftung David als Schnittstelle zwischen Umweltverb\u00e4nden und Umweltstiftungen f\u00fcr einen regelm\u00e4\u00dfigen Informationsaustausch und damit f\u00fcr einen effizienteren Umgang mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Bei der Koordination arbeitet die Stiftung eng mit der DNR-Steuerungsgruppe Fl\u00e4chenmanagement und dem Bundesverband Deutscher Stiftungen zusammen. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden werden Informationsveranstaltungen organisiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit dem (vorl\u00e4ufigen) Projektende im Mai 2004 kann eine umfassende Datenbank zu naturschutzrelevanten Milit\u00e4rfl\u00e4chen in Deutschland vorgelegt werden. Dabei wurden sowohl ungenutzte als auch noch aktiv be\u00fcbte Milit\u00e4rfl\u00e4chen ber\u00fccksichtigt. Insgesamt wurden bisher bundesweit 627 Gebiete mit einer Gesamtfl\u00e4che von rund 635.000 als naturschutzrelevant in die Datenbank aufgenommen. 106 Milit\u00e4rfl\u00e4chen sind gr\u00f6\u00dfer als 1.000 Hektar. 13 Fl\u00e4chen (davon 10 genutzt und 3 ungenutzt) weisen sogar einen Fl\u00e4chenumfang von deutlich \u00fcber 10.000 Hektar auf und sind damit ein besonders wichtiger Baustein f\u00fcr die langfristige Sicherung des nationalen Naturerbes. Das Land mit den meisten ungenutzten Milit\u00e4rfl\u00e4chen ist Brandenburg (142.000 ha von 272.000 ha ehemaliger Milit\u00e4rfl\u00e4chen bundesweit). Deutlich \u00fcber drei Viertel aller milit\u00e4risch nicht mehr genutzten Fl\u00e4chen liegen in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Bei den aktiven Milit\u00e4rfl\u00e4chen gibt es hingegen eine wesentlich ausgeglichenere Verteilung \u00fcber alle Bundesl\u00e4n-der. Die fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig meisten aktiv genutzten Fl\u00e4chen liegen in Niedersachsen und Bayern. \u00dcber 50 Prozent aller in der Recherche als naturschutzrelevant eingestuften Gebiete haben einen offiziellen Schutzstatus als Naturschutzgebiet, NATURA-2000-Gebiet oder als Nationalpark bzw. Biosph\u00e4renreservat. Rund 50 Prozent aller aktiven Milit\u00e4rfl\u00e4chen sind durch die Bundesl\u00e4nder als NATURA-2000-Gebiet vorgeschlagen worden. Ein Gro\u00dfteil der nicht mehr milit\u00e4risch genutzten Gebiete befindet sich noch im Eigentum der Finanzverwaltungen von Bund und L\u00e4ndern. Rund 1\/5 der naturschutzrelevanten ehemaligen Milit\u00e4rfl\u00e4chen konnten bisher durch Naturschutzorganisationen bzw. Naturschutzverwaltungen der Bundesl\u00e4nder langfristig f\u00fcr den Naturschutz gesichert werden. F\u00fcr viele wertvolle Fl\u00e4chen steht eine solche Sicherung noch aus &#8211; hier ergibt sich ein gro\u00dfer Handlungsbedarf. Ein Teilerfolg des Projekts und der daraus resultierenden Lobbyarbeit ist es, dass solche L\u00f6sungsans\u00e4tze im rot-gr\u00fcnen Koalitionsvertrag vom September 2003 ausdr\u00fccklich gefordert werden. Nun kommt es darauf an, diese Absichts-erkl\u00e4rung in die Praxis umzusetzen. In einem ersten Schritt wurde deshalb begonnen, ein Netzwerk aus interessierten Organisationen und Einzelpersonen aufzubauen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00dcber die Zwischenergebnisse des Projekts wurde und wird regelm\u00e4\u00dfig den in der DNR-Steuerungsgruppe Fl\u00e4chenmanagement vereinten Naturschutzorganisationen berichtet. Im Rahmen einer Veranstaltung des Umweltinstituts Offenbach zum Thema Altlasten wurde das Projekt im M\u00e4rz 2003 vorgestellt. Der S\u00fcdwestrundfunk brachte am 3. Juni 2003 einen Bericht \u00fcber das Thema und stellte dabei das Projekt vor. Das Naturschutzinstitut Dresden ver\u00f6ffentlichte als Ergebnisse der Regionalrecherche in Sachsen im Januar 2004 ein Informationsheft unter dem Titel Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze in Sachsen. Das Berlin-Brandenburger-Naturmagazin widmete dem Thema im Mai 2004 ein Schwerpunktheft &#8211; hier wurde das Projekt entsprechend vorgestellt. Zur Abschluss-Pr\u00e4sentation des Projekts im Mai 2004 in Potsdam wurde eine allgemeine Informationsbrosch\u00fcre zum Thema Naturgebiete: Naturschutz &#038; Milit\u00e4r sowie eine (vorl\u00e4ufige) Projektdokumentation ver\u00f6ffentlicht. In einem Beitrag des Deutschlandradios wurde das Projekt Ende Mai 2004 ebenfalls vorgestellt. Geplant ist eine Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse au\u00dferdem in den Daten zur Natur des Bundesamts f\u00fcr Naturschutz.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das geplante Vorgehen im Rahmen des Projekts hat sich sehr bew\u00e4hrt. Da der Kernpunkt des Projekts die Recherche bereits vorhandener Informationen war, bestand die Gefahr, dass diese Daten nicht zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Zwar hat es bei der Datenbereitstellung einigen Zeitverzug gegeben, jedoch gab es am Ende keine Probleme, die Daten von Verwaltungen und Verb\u00e4nden zu erhalten. Mit der Datenbank und dem durch die Naturstiftung David initiierten Informationsnetzwerk Milit\u00e4rfl\u00e4chen wird es gelingen, f\u00fcr den Naturschutz besonders wichtige Fl\u00e4chen langfristig zu sichern. Ein erstes positives Beispiel ist der von der Naturstiftung David hergestellte Kontakt zwischen NRW-Stiftung und Bundeswehr. Die NRW-Stiftung plant eine rund 500 ha gro\u00dfe und f\u00fcr den Naturschutz wertvolle Fl\u00e4che sofort nach der Aufgabe der milit\u00e4rischen Nutzung im Jahr 2005 eigentumsrechtlich zu sichern. An anderer Stelle konnten durch die Naturstiftung David regionale Informationsnetzwerke ins Leben gerufen werden &#8211; so in Schleswig-Holstein und Brandenburg. Die Naturstiftung David wird sich im Rahmen ihrer finanziellen M\u00f6glichkeiten weiterhin mit dem Thema naturschutzrelevanter Milit\u00e4rfl\u00e4chen besch\u00e4ftigen. Die im Rahmen des DBU-Projekts erstellte Datenbank bietet daf\u00fcr eine wertvolle Grundlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Gro\u00dfe und unzerschnittene Lebensr\u00e4ume sind f\u00fcr das \u00dcberleben vieler bedrohter Arten unabdingbar. Zahlreiche der naturschutzfachlich wertvollen Fl\u00e4chen befinden sich gegenw\u00e4rtig noch im Eigentum von Bund und L\u00e4ndern. Sie sollen in den n\u00e4chsten Jahren privatisiert werden. 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