{"id":22880,"date":"2025-09-09T10:32:02","date_gmt":"2025-09-09T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19659-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:05","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:05","slug":"19659-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19659-01\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Sicherung der Biodiversit\u00e4t in bewirtschafteten Gr\u00fcnlandgebieten Norddeutschlands am Beispiel der Wiesenv\u00f6gel in der Stollhammer Wisch (Landkreis Wesermarsch, Niedersachsen) &#8211; einem Gebiet mit gesamtstaatlicher Bedeutung f\u00fcr den Artenschutz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass des Vorhabens ist die Abnahme der Artenmannigfaltigkeit in norddeutschen Feuchtgr\u00fcnlandgebieten. Sie zeigt sich besonders drastisch am Beispiel sogenannter Wiesenvogelarten (z. B. Kiebitz, Uferschnepfe), die in den vergangenen 50 Jahren erhebliche Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen hatten. Bisherige Ergebnisse lassen vermuten, dass der Reproduktionserfolg nicht ausreicht, bestehende Populationen zu erhalten. Die geplante Untersuchung setzt hier an: Sie geht \u00fcber die bisherigen Monitoringprogramme hinaus und untersucht die Kausalfaktoren f\u00fcr den niedrigen Bruterfolg. Ziel ist es, auf der Basis gewonnener Ergebnisse mit den Landwirten vor Ort, nachhaltige Bewirtschaftungssysteme zu entwickeln, die den Wiesenv\u00f6geln ein langfristiges \u00dcberleben sichern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenInsgesamt werden 4 Gr\u00fcnlandgebiete untersucht, die sich wie folgt in der Bewirtschaftung unterscheiden: a) konventionell, b) konventionell mit Gelegeschutz, c) Bewirtschaftung im Sinne des Wiesenvogelschutzes, d) wie c) aber zus\u00e4tzlich mit Wiedervern\u00e4ssung. Im Fr\u00fchjahr 2002 sollen durch Nestkontrollen und Einsatz von Thermologgern und Kameras Gelegeverluste und ihre Verursachung gekl\u00e4rt werden. In die gleiche Richtung zielt die anschlie\u00dfende Besenderung von Kiebitz- und Uferschnepfenk\u00fcken. Nur so kann ein realistisches Bild \u00fcber den Bruterfolg ermittelt werden. Parallel soll die Nahrungssituation beider Limikolen und ihrer K\u00fcken beleuchtet werden. Dazu sind Fallenf\u00e4nge vorgesehen, die im Anschluss an die Brutsaison ausgewertet werden. Neben diesen Untersuchungen sollen in 2002 erste Mikroanalysen der Brut- und Nahrungshabitate (z. B. Ermittlung der Vegetationsh\u00f6hen, Stocherwiderst\u00e4nde etc.) erfolgen, die in den kommenden Jahren noch intensiviert werden. Die gefundenen Ergebnisse werden in Expertengespr\u00e4chen den Kooperationspartnern und Landwirten vorgestellt. Der Projektablauf in den Folgejahren ist \u00e4hnlich, kann aber durch vorangegangene Befunde und die Expertengespr\u00e4che modifiziert werden (z. B. Ausz\u00e4unung von Gelegen bei hohem Pr\u00e4dationsdruck).<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Verlauf der Untersuchung blieb bei gemeinsamer Betrachtung aller Untersuchungsteilfl\u00e4chen die Gesamtzahl der Brutpaare bei Uferschnepfen konstant, w\u00e4hrend bei Kiebitzen eine leichte Zunahme beobachtet wurde. Die Entwicklung der einzelnen Teilgebiete unterschied sich jedoch erheblich: In den kon-ventionell bewirtschafteten Teilgebieten gingen die Brutbest\u00e4nde beider Arten drastisch zur\u00fcck, was in der Kontrollfl\u00e4che ohne Gelegeschutz sogar zu einer Aufgabe des Brutgebietes f\u00fchrte. Deutliche Be-standszunahmen beider Arten konnten im wiedervern\u00e4ssten Teilgebiet beobachtet werden. Ein Schlupferfolg lie\u00df sich in der konventionellen Kontrollfl\u00e4che (ohne Gelegemarkierung) nicht feststellen. Konventionelle Bewirtschaftung bedeutet aber nicht zwangsl\u00e4ufig Gelegeverluste: durch Markierung der Gelege konnten in einem konventionell bewirtschafteten Teilgebiet Schlupferfolge bei Kiebitz und Uferschnepfe erreicht werden, die sich nicht signifikant von den Vertragsnaturschutzfl\u00e4chen unterschieden. Erhebliche Unterschiede traten jedoch zwischen den Untersuchungsjahren auf: im Jahr 2001 wurde ein sehr gerin-ger Schlupferfolg (ca. 13 %) bei beiden Arten festgestellt, der in den darauffolgenden Jahren deutlich anstieg (Kiebitz 50-65 %, Uferschnepfe 36-55 %). Gelegeverluste wurden sowohl durch landwirtschaftliche Einfl\u00fcsse als auch durch Pr\u00e4datoren verursacht, wobei Pr\u00e4dationsverluste in allen Jahren deutlich \u00fcberwogen. Insbesondere im Jahr 2001 lag das t\u00e4gliche Pr\u00e4dationsrisiko mit rd. 5 % bei beiden Arten au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch. Mittels Thermologgern konnte im Verlauf der Studie gezeigt werden, dass die Mehrzahl der Gelegeverluste durch Raubs\u00e4uger verursacht wurde: in 70 % der F\u00e4lle gingen die Gelege in Dunkelheit oder D\u00e4mmerung verloren. Die landwirtschaftlich bedingten geringf\u00fcgigen Gelegeverluste gingen ausschlie\u00dflich auf Viehtritt zur\u00fcck. H\u00e4ufungen der Verluste durch Viehtritt traten im wiedervern\u00e4ssten Vertragsnaturschutzgebiet auf. Urs\u00e4chlich d\u00fcrfte hier die Beweidung durch hochmobile Tiere (junge Pferde) in Kombination mit einer Reduzierung der Fl\u00e4che durch \u00dcberstauung sein. Die K\u00fcken\u00fcberlebensrate wurde mittels terrestrischer Radiotelemetrie ermittelt. Dabei variierten das t\u00e4gliche Pr\u00e4dationsrisiko sowie die identifizierten Pr\u00e4datoren erheblich zwischen den einzelnen Untersuchungsjahren. Als K\u00fckenpr\u00e4datoren wurden insgesamt 12 Vogel- und S\u00e4ugetierarten nachgewiesen, wobei die Verluste durch V\u00f6gel \u00fcberwogen. Weitere K\u00fckenverluste traten durch Kaltwettereinbr\u00fcche (insbesondere in Verbindung mit Niederschl\u00e4gen) sowie durch sog. Gr\u00fcppen auf. Diese steilwandige Entw\u00e4sserungsrinnen, konnten die K\u00fcken aufgrund des steilen Profils nicht verlassen und ertranken. Gemeinsam mit den Landwirten wurde ein Konzept zur k\u00fckenfreundlichen Gr\u00fcppe entwickelt, Verluste daraufhin: Null (Hauptmerkmal: Erneuerungszeitpunkt im Herbst statt Fr\u00fchjahr, dadurch Entsch\u00e4rfung der Ufer bis zum Fr\u00fchjahr; alternativ: flachere Profile fr\u00e4sen). Der Reproduktionserfolg des Kiebitzes lag in 3 der 4 Untersuchungsjahre (knapp) oberhalb des f\u00fcr stabile Populationen ben\u00f6tigten Wertes von 0,8 fl\u00fcggen K\u00fcken pro Brutpaar. Gleiches gilt f\u00fcr die Uferschnepfe, die jedoch auch im Jahr 2002 nur ein unzureichendes Reproduktionserfolg erzielte.<br \/>\nDer zweite Teil der Studie besch\u00e4ftigte sich mit der Habitatwahl adulter Kiebitze und Uferschnepfen sowie deren K\u00fcken in der Stollhammer Wisch. Die Habitatanalyse zeigt, dass Kiebitze und Uferschnepfen sowohl bei der Nistplatzwahl als auch bei der Jungenaufzucht unterschiedliche, teilweise sogar gegens\u00e4tzliche Anspr\u00fcche an ihr Habitat stellen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Regional: regelm\u00e4\u00dfiger Runder Tisch mit Teilnehmern der Bezirksregierung, Landkreis, Landvolkverband, Kreisj\u00e4gerschaft, Naturschutzverb\u00e4nde sowie die involvierten Landwirte und Jagdrevierp\u00e4chter; j\u00e4hrliches Treffen mit Darstellung der Ergebnisse; Zusammenarbeit mit Schulen (Wiesenvogel-AG); Exkursionen f\u00fcr B\u00fcrger und Schulklassen in das Projektgebiet (Kooperation Umweltstation Iffens);<br \/>\n\u00dcberregional: j\u00e4hrliche Expertengespr\u00e4che bei der Bez.-Reg. Weser-Ems; moderiertes internationales Expertengespr\u00e4ch, Umweltstation Iffens; Publikationen in wiss. Fachzeitschriften (teilw. international); Teilnahme an div. wiss. Fachtagungen (teilw. int.); Organisation von drei int. Wiesenvogeltagungen; Berichterstattung durch \u00fcberregionale Medien (Zeitschrift Natur + Kosmos, NDR-Fernsehen Nordsee-Report).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Den unterschiedlichen Habitatanspr\u00fcchen von Kiebitz und Uferschnepfe kann nur eine Mosaikbewirtschaftung in einem ad\u00e4quaten Ma\u00dfstab gerecht werden. Dabei k\u00f6nnen landwirtschaftlich bedingte Verluste durch eine angepasste Bewirtschaftung minimiert werden. Au\u00dferhalb festgesetzter Schutzgebiete sind Ma\u00dfnahmen zum Wiesenvogelschutz nur in Zusammenarbeit mit den Fl\u00e4chenbesitzern und -bewirtschaftern sinnvoll und erfolgreich. Dazu ist eine gut organisierte \u00d6ffentlichkeitsarbeit essentiell. Im Rahmen dieser Studie konnten verschiedene Erfolge durch das regelm\u00e4\u00dfige Zusammenkommen und Absprachen aller Beteiligten am Runden Tisch erzielt werden.In der vorliegenden Studie war Pr\u00e4dation die Hauptursache f\u00fcr Gelege- und K\u00fckenverluste, die in einem Untersuchungsjahr sogar zu einem deutlich unzureichenden Reproduktionserfolg f\u00fchrte. Deshalb stellt sich die Frage, wie mit diesem Problem umgegangen werden soll. Da die Pr\u00e4dationsrate r\u00e4umlich wie zeitlich stark schwankt, k\u00f6nnen L\u00f6sungen nur auf lokaler Ebene gefunden werden. Dabei ist zun\u00e4chst zu kl\u00e4ren, ob die Pr\u00e4dationsrate tats\u00e4chlich den Brutbestand gef\u00e4hrdet. Wenn ja, sind weitere Erkenntnisse zu Art und H\u00e4ufigkeit beteiligter Pr\u00e4datoren unerl\u00e4sslich. Nur mit gesicherten harten Daten lassen sich wirkungsvolle Aktionspl\u00e4ne aufstellen. Diese k\u00f6nnen sowohl habitatsteuernde Ma\u00dfnahmen als auch (bei stark anpassungsf\u00e4higen Arten) ein Pr\u00e4datorenmanagement umfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass des Vorhabens ist die Abnahme der Artenmannigfaltigkeit in norddeutschen Feuchtgr\u00fcnlandgebieten. Sie zeigt sich besonders drastisch am Beispiel sogenannter Wiesenvogelarten (z. B. Kiebitz, Uferschnepfe), die in den vergangenen 50 Jahren erhebliche Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen hatten. Bisherige Ergebnisse lassen vermuten, dass der Reproduktionserfolg nicht ausreicht, bestehende Populationen zu erhalten. 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