{"id":22872,"date":"2023-07-13T15:22:07","date_gmt":"2023-07-13T13:22:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19646-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:08","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:08","slug":"19646-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19646-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Sicherung der Mauerkrone der umweltgesch\u00e4digten Nicolaikirche in Zerbst"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Oberstes Ziel des Vorhabens ist die Sicherung des stadtpr\u00e4genden Baudenkmals St. Nicolai in Zerbst.<br \/>\nIn der konkreten Ma\u00dfnahme wurde die durch umweltsch\u00e4digende Einfl\u00fcsse der letzten Jahre gesch\u00e4digte  Mauerkrone ausschlie\u00dflich mit historischem trockengel\u00f6schtem Kalkm\u00f6rtel instandgesetzt. Im Anschluss wurde ein Begr\u00fcnungsverfahren entwickelt, das ein Auftreten von Spannungsrissen an den sehr dicken und langen Mauern durch Temperaturunterschiede minimieren soll. Dieses bisher nicht in Deutschland praktizierte Verfahren soll modellhaft f\u00fcr \u00e4hnliche Aufgaben der Denkmalsicherung einsetzbar sein.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenBeginnend ab Pfeiler 17 bis Pfeiler 10 sowie bei den inneren Arkaden waren die Sch\u00e4den an Mauerfeldern und Fenstergew\u00e4nden festzustellen und zu beheben. Die regelm\u00e4\u00dfig auf beiden Seiten der Pfeiler insbesondere durch Temperatureinfl\u00fcsse auf die sehr breite Mauerkrone vorhandenen tiefen und breiten Risse waren zu verschlie\u00dfen. Gleichzeitig war die Mauerkrone neu herzustellen, vorwiegend durch Abtrag und Neuaufmauerung des zerrissenen und durchwurzelten Bereiches von etwa 70 cm H\u00f6he. Auf die bis zu 1,55m breite Mauerkrone ist mittig ein flacher abgetreppter Ziegeldamm gemauert worden, der f\u00fcr seitliche Stabilit\u00e4t der weiteren Schichten sorgt. Auf beiden Seiten wurden Netzstreifen aus verrottbarem organischen Material (Kokos) aufgelegt, die \u00fcberh\u00e4ngen und zum Schluss miteinander verkn\u00fcpft wurden. Dann wurden zwei Schichen mit Kies abgemagerten Lehms aufgetragen (gestampft), die magerere Schicht zuoberst. Im Anschluss erfolgte die Herstellung einer Begr\u00fcnungsschicht f\u00fcr die dauerhafte Sicherung der Mauerkrone, entwickelt unter Beteiligung der Fachhochschule Magdeburg &#8211; Stendal unter Nutzung existierender Erfahrungen in Deutschland, Irland und Schottland.<br \/>\nDie strukturelle und die vegetative Entwicklung der Begr\u00fcnungs-Deckschicht der Mauerkrone werden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum beobachtet und abschlie\u00dfend bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die geplante bzw. inzwischen realisierte Mauerkronensanierung einschlie\u00dflich der Verwendung trockengel\u00f6schter Kalkm\u00f6rtel stellt ein Feld von historisch bereits bekannten, aber wissenschaftlich nicht dokumentierten und daher seit langer Zeit nicht ausgef\u00fchrten Arbeiten dar. Sie entspricht nicht den heutigen Praktiken des Abschlusses von Mauerkronen (Beton-Balken, Blechabdeckung, Betonschlag, gemauerte Kronen mit Zementm\u00f6rtel), weswegen vor allem die Frage der Gew\u00e4hrleistung bei Fehlschl\u00e4gen prob-lematisch ist. Dennoch ist allen Beteiligten auch klar, dass die heute \u00fcblichen Ausf\u00fchrungen mit Betonringbalken oder zementhaltigen Ausm\u00f6rtelungen f\u00fcr eine derartige Ruinensicherung mit sehr langen und vor allem in der Krone extrem breiten freistehenden L\u00e4ngsw\u00e4nden ungeeignet sind und die geplante Mauerkronensicherung durch Begr\u00fcnung eine erfolgversprechende Alternative ist.Die Sanierung\/Wiederaufmauerung der Mauerkrone und des Ziegeldammes erfolgten daher mit historischem Kalkm\u00f6rtel, damit der Zustand des Mauerwerkes nicht ver\u00e4ndert und die durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse entstandenen Sch\u00e4den in schonender Weise saniert und der urspr\u00fcngliche Zustand des Mauerwerkes wieder hergestellt wird. Die Sanierung sowie die Analyse des Mauerwerkes haben gezeigt, dass bei Ruinenmauerwerk dieser Gr\u00f6ssenordnung die bekannten Probleme der Verwendung von Zementm\u00f6rtel durch den Einsatz historischer, trockengel\u00f6schter M\u00f6rtel weitgehend ausgeschlossen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAllerdings kommt dem Schutz der Krone als Wandabschluss eine besondere Bedeutung zu. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte am Lehrstuhl Baukonstruktion\/Bausanierung der Hochschule Magdeburg Stendal, begleitet durch den Inhaber des Lehrstuhles Prof. Kreuziger. Dabei wurden im Rahmen einer Diplomarbeit besonders folgende Probleme der Mauerbegr\u00fcnung betrachtet:<br \/>\n&#8211;\tArt und Ausf\u00fchrung der Mauerkronenbegr\u00fcnung<br \/>\n&#8211;\tWelche Pflanzen sind geeignet? Schutz der Pflanzen\/Samen vor V\u00f6geln<br \/>\n&#8211;\tDurchfeuchtung des Mauerwerks bzw. Feuchteschutz<br \/>\n&#8211;\tDurchfrieren der Oberschicht<br \/>\n&#8211; sch\u00e4dlich f\u00fcr Pflanzen oder Stabilit\u00e4t der Mauerkrone?<br \/>\n&#8211;\tK\u00f6nnen synthetische Materialien vermieden werden?<br \/>\n&#8211;\tIst die Dauerhaftigkeit der ganzen Ma\u00dfnahme gew\u00e4hrleistet?<br \/>\nEin Netz aus nat\u00fcrlichem Material (Kokos) soll die Oberschichten der Mauerbegr\u00fcnung bis zur Durchwurzelung zusammen halten. Es wird sehr schnell durch- und \u00fcberwachsen. Die Abmagerung des Lehmes der darunter befindlichen Schichten ist erforderlich, um der Rissbildung bei Trocknung durch die geringere Schrumpfung entgegen zu wirken. Feuchtigkeit soll m\u00f6glichst wenig eindringen, zumeist sofort seitlich abflie\u00dfen. Das in der Begr\u00fcnungsschicht ausdauernde Artenspektrum der Pflanzen l\u00e4sst sich nicht willk\u00fcrlich bestimmen, es stellt sich \u00fcber einige Jahre von selbst ein.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde von der Vorbereitung \u00fcber die Ausf\u00fchrung bis zum Abschluss und zur Auswertung durch die regionale Presse in vielen Artikeln dargestellt. In F\u00fchrungen durch den Verein sowie durch die Stadtinformation konnten die Teilnehmer, ortsans\u00e4ssige B\u00fcrger wie auch viele Touristen, mit der Problematik bekannt gemacht werden. Das Verfahren der Mauerkronensicherung wurde von der FHS Magdeburg-Stendal zum Gegenstand einer Diplomarbeit (Diplomand Dittwe) gemacht, sie wurde durch den VBI mit einem 3. Preis f\u00fcr Diplomarbeiten in Sachsen-Anhalt im Jahre 2002 gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Verfahren der Mauerbegr\u00fcnung ist nur f\u00fcr sehr dicke und sehr lange Mauern gedacht. Es verspricht einen besseren Schutz des harten Mauerwerks gegen\u00fcber extremen Hitzeschwankungen und Niederschl\u00e4gen. Beides ist im Trogverfahren mit Wannenausbildung (Namslauer\/Betzner) nicht zu erreichen.<br \/>\nDas Ziel der Ma\u00dfnahme wurde in vollem Umfange erreicht. Die vorgesehenen Abschnitte der Mauern des Baudenkmals konnten f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in ihrem Bestand gesichert werden.<br \/>\nF\u00fcr die Mauerkronensicherung ist ein Verfahren entwickelt worden, dass sowohl die Rissbildung infolge von Temperaturschwankungen vermindert als auch das Eindringen von Feuchtigkeit in den Mauerk\u00f6rper stark reduziert. Die Bew\u00e4hrung in der Praxis muss \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum erfolgen und festgestellt werden. Bei analogen Aufgabenstellungen und \u00e4hnlichen Bedingungen d\u00fcrfte diese Methode \u00fcbertragbar sein. Es gibt bereits zum jetzigen Zeitpunkt Interesse an den Ergebnissen dieses Modellprojektes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Oberstes Ziel des Vorhabens ist die Sicherung des stadtpr\u00e4genden Baudenkmals St. Nicolai in Zerbst. In der konkreten Ma\u00dfnahme wurde die durch umweltsch\u00e4digende Einfl\u00fcsse der letzten Jahre gesch\u00e4digte Mauerkrone ausschlie\u00dflich mit historischem trockengel\u00f6schtem Kalkm\u00f6rtel instandgesetzt. 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