{"id":22845,"date":"2023-08-10T10:32:01","date_gmt":"2023-08-10T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19586-01\/"},"modified":"2023-08-10T10:32:03","modified_gmt":"2023-08-10T08:32:03","slug":"19586-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19586-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Untersuchungen zu Bestandteilen und Umweltsch\u00e4den von eingef\u00e4rbten Edelputzen auf der Basis von Romanzement und Entwicklung eines Konservierungskonzeptes am Beispiel der ehemaligen Siemens-Villa in Berlin (Schloss Biesdorf)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zielsetzung: Analyse des 136 Jahre alten, eingef\u00e4rbten Edelputzes auf der Basis von Romanzementen, sowie die bisherige Sch\u00e4digung durch Umwelteinfl\u00fcsse. Ferner eine Strategie zur Restaurierung (Erg\u00e4nzung) sowie Konservierung des historischen Putzes.<br \/>\nAnlass: Die denkmalgerechte Restaurierung der Fassaden von Schloss Biesdorf<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Analyse zur Erfassung und Quantifizierung der Bestandteile des Edelputzes (Art des Bindemittels, Bindemittelanteil, Zuschlagstoffe, Sieblinien und Rotf\u00e4rbung), sowie die Feststellung der bauphysikalischen Kennwerte. Dazu wurden an ausgew\u00e4hlten, verschiedenen Fassadenbereichen umfangreiche Proben entnommen und wie folgt laboranalytisch untersucht.<br \/>\nM\u00f6rtelzusammensetzung mittels chemischer und physikalischer Trennung und Quantifizierung (R\u00f6ntgenfluoreszenzanalyse RFA, Salzs\u00e4ure, Waschen, Mahlen, Sieben, Schwingm\u00fchle, Wiegen etc.).Bindemittelanalyse mittels Thermogravimetrieanalyse (TGA), R\u00f6ntgendiffraktometrie, Rasterelektronenmikroskopie, und Polarisationsmikroskopie. Die Mineralzusammensetzung mittels R\u00f6ntgenphasenanalyse, Baufeuchtebestimmung mittels Darr-Methode, Salzgehalt mittels Hach-Spektralphotometer, \u00d6lzus\u00e4tze mittels Schaumtest und UV-Fluoreszenz-Mikroskopie, Wasseraufnahme mittels Karstenschen Pr\u00fcfr\u00f6hrchen, Biegezug- und Druckfestigkeit nach DIN 1164, statische E-Modul nach DIN 1048 T.5, Abrei\u00dffestigkeit nach DIN ISO 4624.<br \/>\n2. Die Umweltbelastung auf den Putz konnte zum Vergleich an zwei datierbaren Putzbereichen, die 1887 und 1906 durch Bauma\u00dfnahmen eingeschlossen wurden, mittels rasterelektronenmikroskopischer (REM) Untersuchung und energiedispersive R\u00f6ntgenspektroskopie (DER) analysiert werden.<br \/>\n3. Ein Konservierungskonzept und die Nachstellung einer M\u00f6rtelmischung aus o.g. Ergebnissen der Analyse und durch Anlegen von zahlreichen Putzproben und laboranalytischer Untersuchungen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Analyse des historischen Putzes ergab eine M\u00f6rtelmischung, die in ihren Bestandteilen im wesentlichen aus Romanzement, Wei\u00dfkalkhydrat, Hochofenschlacke, H\u00e4matit (Roteisenstein) und Sand besteht. Der Bindemittelanteil liegt bei hohen 30%. Die gewollte Rotf\u00e4rbung r\u00fchrt aus der eisenoxidhaltigen Hochofenschlacke und dem H\u00e4matit. Zus\u00e4tzlich konnte in Teilbereichen eine Oberfl\u00e4chenbehandlung mit \u00d6l nachgewiesen werden. Der Putz weist umfassend Betonqualit\u00e4ten auf und \u00fcbersteigt in sei-nen Kennwerten die Anforderungen an heutige Au\u00dfenputze.<br \/>\nNach umfangreicher Literaturrecherche sind die Einzelkomponenten zur Bauzeit bekannt, aber es konnte keine Erw\u00e4hnung zu dieser M\u00f6rtelmischung gefunden werden, ebenso wenig ein Vergleichsob-jekt in der Region mit einem M\u00f6rtel dieser Art.<br \/>\nDie vorliegende M\u00f6rtelmischung war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Experiment bzw. eine Eigenentwicklung und man muss den Putz aus aktuellem Wissenstand als einzigartigen Bestand im weiten Berliner Raum einstufen.<br \/>\nDer Originalputz und -stuck ist an den verbliebenen Fassadenfl\u00e4chen zu \u00fcber 80% erhalten.<br \/>\nAufgrund seiner enormen G\u00fcte sind die typischen Sch\u00e4den durch Umweltbelastung an Putzen vernachl\u00e4ssigbar gering. Schad- und Fehlstellen an der Putzfassade stammen fast ausschlie\u00dflich aus Umbauma\u00dfnahmen und den Folgen der Brandsch\u00e4den und der darauffolgenden Arbeiten. Ferner gibt es Schadstellen in Bereichen defekter Regenentw\u00e4sserungsleitungen. Die in einigen Bereichen festgestellten Salzbelastungen von Chloriden und Nitraten liegen unterhalb der in den WTA-Merkbl\u00e4ttern festge-legten Mengen, die als Schadsalzgehalt einzustufen sind. Erh\u00f6hte Sulfatbelastungen waren lediglich im Mauerziegel, an vier Bereichen, die jahrelanger Durchfeuchtung ausgesetzt waren,  feststellbar.<br \/>\nPutztypische Verwitterungssch\u00e4den aus Schwefeldioxidbelastungen in der Luft sind an diesem Putz nicht aufgetreten.<br \/>\nDa die Schwefeldioxidbelastung als Hauptursache der Putzzerst\u00f6rung in den letzten 14 Jahren stark zur\u00fcckgegangen ist und diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren zu erwarten ist, ist eine Konservierung des Putzes im eigentlichen Sinn nicht erforderlich.<br \/>\nDa die Bestandteile wie Romanzement und Hochofenschlacke des Originalsm\u00f6rtels in der verwendeten Form nicht mehr vorhanden sind, wurden zur Nachstellung des Putzm\u00f6rtels mehrere M\u00f6rtelmischungen mit den n\u00e4chstliegenden Bindemitteln, hochhydraulischer Kalk und Hochofenzement, angelegt und im Labor untersucht. Die besten und dem Originalputz am ehesten entsprechenden Ergebnisse, konnten mit einer Mischung aus Hochofenzement (CEM III\/B\/HS\/NA\/NW n. DIN EN 197-1) als Bindemittel, eine Mischung aus zwei Sanden (Sand 0-2mm n DIN 4226 und Grubensand) als Zuschlag und Methylzellulose als Zusatzmittel erreicht werden. F\u00fcr Formgussarbeiten wurde die Methylzellulose durch die Verwendung von Wei\u00dfkalkhydrat ausgetauscht. Die eigenwillige F\u00e4rbung des Putzes wurde durch einen Zusatz von zementbest\u00e4ndigen Eisenoxiden erreicht.<br \/>\nAu\u00dferhalb der Laboruntersuchungen wurden Vorort Putzproben f\u00fcr Kleinstausbesserungen, sowie Angleich- und Filzm\u00f6rtel angelegt. Es wurden Eigenmischungen und auf dem Baumarkt erh\u00e4ltliche Filzm\u00f6rtel verwendet. Hierbei wurden die besten Ergebnisse mit einem auf dem Baustoffmarkt erh\u00e4ltlichen, dispersionsgebundenen Filzm\u00f6rtel auf Romankalkbasis erzielt.<br \/>\nEs sei erw\u00e4hnt, dass es wichtig war f\u00fcr den Nachstellungsm\u00f6rtel m\u00f6glichst Baustoffe zu verwenden, die auf dem Baustoffmarkt normal erh\u00e4ltlich sind, um eine qualit\u00e4tsgleichbleibende Restaurierung der Fassade, die sich \u00fcber den Zeitraum von 4 Jahren erstrecken soll, gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Magisterstudium Denkmalpflege TU &#8211; Berlin, SS 2004, Vorlesung Sanierungstechnologien<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Den Baumeistern der Zeit ist mit ihrer M\u00f6rtelmischung teilweise gewollt, teilweise unbewusst ein Putz gelungen, der auch nach 136 Jahren Standzeit in seiner Form und G\u00fcte beinahe unnachahmlichen Be-stand aufweist. Selbst die starken Umweltbelastungen, insbesondere durch Schwefeldioxid, sind nahezu spurlos an ihm vor\u00fcbergegangen. Eine spezielle Konservierung ist f\u00fcr diesen Putz nicht erforderlich.Eine exakte Nachstellung war aufgrund der heute in dieser Form nicht mehr vorhandenen Baustoffe nicht m\u00f6glich. Es lie\u00df sich jedoch eine M\u00f6rtelmischung aus Hochofenzement und Zuschlag aus zwei verschiedenen Sanden, sowie als Zusatzmittel Methylzellulose f\u00fcr Putz- und Zugarbeiten mit \u00e4u\u00dferst zu-friedenstellenden Ergebnissen entwickeln. Die F\u00e4rbung erreicht man durch Zusatz von Eisenoxidgelb und Carputh Mortuum. F\u00fcr Formg\u00fcsse wird Wei\u00dfkalkhydrat statt Methylzellulose zugegeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zielsetzung: Analyse des 136 Jahre alten, eingef\u00e4rbten Edelputzes auf der Basis von Romanzementen, sowie die bisherige Sch\u00e4digung durch Umwelteinfl\u00fcsse. 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