{"id":22801,"date":"2023-07-14T10:32:59","date_gmt":"2023-07-14T08:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19503-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:32:59","modified_gmt":"2023-07-14T08:32:59","slug":"19503-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19503-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Konzeptentwicklung zum Erhalt einer durch Waldwirtschaft gef\u00e4hrdeten vor- und fr\u00fchgeschichtlichen Befestigungsanlage in Kooperation von Denkmalschutz und Forstwirtschaft am Beispiel der Schnippenburg (Niedersachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In der Regel wird f\u00e4lschlicherweise angenommen, dass arch\u00e4ologische Denkmale in Waldgebieten weitgehend vor anthropogener Zerst\u00f6rung gesch\u00fctzt seien, was in ein Kommunikationsdefizit zwischen Arch\u00e4ologen und Forstwirten m\u00fcndet. Die Sch\u00e4den durch mangelnde Waldpflege zum einen und falsche Forsttechnik zum anderen sind immens. Im Rahmen des Projektes soll am Beispiel der Schnippenburg bei Ostercappeln, Ldkr. Osnabr\u00fcck, eine besonders schwer zu sch\u00fctzende Denkmalgruppe (vorgeschichtliche Burganlage als Fl\u00e4chendenkmal) auf ihre Gef\u00e4hrdung hin untersucht werden. Den Anlass gaben die Ergebnisse einer ersten Prospektion im Jahr 2001, die ein einzigartiges Fundspektrum des 3. u. 2. Jh. v. Chr. erbrachte und viele Fragen bez\u00fcglich der Gef\u00e4hrdung des Denkmals aufwarfen. Ziel ist die Entwicklung eines Schutzkonzeptes in Kooperation von Arch\u00e4ologie und Forstwirtschaft.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs soll zun\u00e4chst durch umfangreiche Prospektionsarbeiten die tats\u00e4chlich zu sch\u00fctzende Fl\u00e4che des Denkmals ermittelt werden. Die im Rahmen der Prospektion aufgenommenen Schadensbilder werden durch gezielte Sondierungen und Gel\u00e4ndeaufnahmen vervollst\u00e4ndigt. Im Zusammenhang mit dieser Dokumentation erfolgt eine Waldbestandsaufnahme, die alle grundlegenden Voraussetzungen und Erfordernisse im Untersuchungsgebiet aus forstwirtschaftlicher Sicht darstellt. Anschlie\u00dfend werden unter Ber\u00fccksichtigung der neuen Erkenntnisse zu den denkmalpflegerischen Anforderungen verschiedene M\u00f6glichkeiten diskutiert und im Gel\u00e4nde erprobt, die sowohl eine wirtschaftliche als auch die erforderliche gezielte pflegerische Durchforstung im Bereich des Fl\u00e4chendenkmals erm\u00f6glichen. Dabei sind speziell die modernen Erntemaschinen auf ihre Denkmalvertr\u00e4glichkeit hin zu pr\u00fcfen. Desgleichen muss in diesem Rahmen erprobt werden, welche Vorraussetzungen von Seiten der Denkmalpflege geschaffen werden m\u00fcssen, um abschlie\u00dfend ein Trassensystem f\u00fcr die Forstwirtschaft im Bereich des Denkmals freigeben zu k\u00f6nnen. Das zu entwickelnde Schutzmodell soll auf \u00e4hnliche Denkmalgruppen \u00fcbertragbar sein.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen der Modellstudie wurden eingangs die typischen Schadensbilder auf dem Denkmal im Zusammenhang mit der Lage im Wald und frostwirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten analysiert. Dabei konnte gezeigt werden, dass sich die forstrelevanten Sch\u00e4den auf folgende Bereiche einschr\u00e4nken lassen: Befahrungssch\u00e4den, Wegebau, Sturmsch\u00e4den\/Windwurf, mangelnde Bestandspflege, Neuanpflanzungen, standortungeeigneter Bewuchs, \u00dcberbestockung. Sch\u00e4den durch Wild sind in diesem Zusammenhang weitest-gehend zu vernachl\u00e4ssigen.<br \/>\nAls wichtigste Voraussetzung f\u00fcr einen effektiven Denkmalschutz im Wald ist eine optimale Kooperation zwischen den betroffenen Partnern (Denkmalpflege, Fortwirtschaft und Waldbesitzer) anzusehen. Hier gibt es ein gro\u00dfes Defizit bez\u00fcglich etablierter Formen der Zusammenarbeit. Wege zur Optimierung des Datentransfers sowie zur Ber\u00fccksichtigung denkmalpflegerischer Belange im Rahmen der forstfachlichen Fortbildung wurden im Rahmen der Studie erarbeitet und aufgezeigt.<br \/>\nIm weiteren Verlauf der Gel\u00e4ndearbeiten wurde erstmals versucht f\u00fcr ein Fl\u00e4chendenkmal der Kategorie eisenzeitliche Burganlagen \u00fcber systematische Metallsondenprospektionen Informationen bez\u00fcglich der tats\u00e4chlichen Ausdehnung des Denkmals zu erzielen. Vielfach stehen n\u00e4mlich Zerst\u00f6rungen von Denkmalen in Waldgebieten in direktem Zusammenhang mit der im Zuge von arch\u00e4ologischen Landesaufnahmen erstellten Ersteinsch\u00e4tzung der Schutzfl\u00e4che, die sich in der Regel mangels vorhandener Daten an den obert\u00e4gig erhaltenen Denkmalstrukturen orientiert. F\u00fcr die Schnippenburg konnte gezeigt werden, dass die tats\u00e4chlich zu sch\u00fctzende Fl\u00e4che etwa 5 mal so gro\u00dfer ist als die obert\u00e4gig einsch\u00e4tzbaren Strukturen. Die im Rahmen der Studie vorgenommene Fl\u00e4chenprospektion basiert dabei auf einer eigens neu entwickelten Methodik, die als wegweisend f\u00fcr zuk\u00fcnftige Untersuchungen vergleichbarer Denkmal-gattungen angesehen werden darf.<br \/>\nBez\u00fcglich forstwirtschaftlicher Eingriffe im Bereich von Bodendenkmalen konnten umfassende Ergebnisse erarbeitet werden. Neben der Pr\u00fcfung verschiedener Holzernteverfahren auf ihre Denkmalvertr\u00e4glichkeit, wurden detaillierte Vorgaben f\u00fcr den Einsatz modernster Harvester und Forwarder erarbeitet. Dabei waren die Sicherung erhaltener Denkmalstrukturen sowie arch\u00e4ologische Vorarbeiten im Rahmen der erforderlichen Trassierungen von besonderer Bedeutung. Des weiteren standen nachhaltige M\u00f6glichkeiten der Denkmalerhaltung im Mittelpunkt der Untersuchungen. Hier wurden Grundlagen zur Bestandspflege und Bestandsumstrukturierung auf der Basis einer detaillierten Dokumentation der Ausgangslage (Baumarten, Standorte, B\u00f6den) sowie unter Ber\u00fccksichtigung der meist verbreiteten Baumarten erarbei-tet, die \u00fcberregional und denkmal\u00fcbergreifend zur Pflegeplanung eingesetzt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nEbenfalls wurden alternative Vorschl\u00e4ge aus dem Zwischenkolloquium aufgegriffen und bez\u00fcglich ihrer Anwendungsm\u00f6glichkeiten und Perspektiven untersucht. Dabei fiel ein Schwerpunkt der Diskussion auf die Option Fl\u00e4chendenkmale in Waldgebieten vollkommen freizustellen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Nach Ablauf des ersten Projektjahres wurden die Zwischenergebnisse in einem Fachkolloquium vorgestellt und eingehend diskutiert. Aus Anlass dieser Veranstaltung fand eine umfassende Pressearbeit satt. Die finalen Ergebnisse werden in einer Brosch\u00fcre als Handreichung f\u00fcr Denkmalpflege und Forstwirtschaft praxisbezogen zusammengefasst, gleichzeitig soll die Brosch\u00fcre bei verschiedenen Institutionen als Datei-Download zur Verf\u00fcgung stehen. Im Rahmen der Modellstudie sind mehrere Fachpublikationen ver\u00f6ffentlicht worden. In der f\u00fcr 2007 geplanten Ausstellung zum Ausgrabungsprojekt auf der Schnippen-burg, wird die Modellstudie der breiten \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Bei planvoller Kooperation zwischen Denkmalpflege und Forstwirtschaft kann durch moderne Holzernteverfahren unter Ber\u00fccksichtigung der im Rahmen vorliegender Studie erarbeiteten Leitlinien ein effektiver Denkmalschutz f\u00fcr Fl\u00e4chendenkmale in Waldgebieten gew\u00e4hrleistet werden. Die typischen Schadensbil-der durch Befahrung, Wegebau, Sturmsch\u00e4den, Neuanpflanzungen und mangelnde Waldpflege k\u00f6nnen so drastisch minimiert werden. In Staatsforsten sind die hierf\u00fcr erforderlichen rechtlichen Grundlagen prinzipiell vorhanden und m\u00fcssen mit Nachdruck umgesetzt werden. Obwohl, abh\u00e4ngig vom l\u00e4nderspezi-fischen Denkmalschutzgesetz, die Regelungen f\u00fcr Privatforste oft als unzureichend zu bezeichnen sind, lassen sich bei systematischer Planung denkmalpflegerisch vertretbare Forsteingriffe durchf\u00fchren, die nur sehr geringe wirtschaftliche Einbu\u00dfen f\u00fcr den Waldbesitzer nach sich ziehen. Hier ist die Denkmalpflege aufgefordert ggf. subventionierend einzugreifen bzw. bessere Rechtsgrundlagen zu schaffen oder die Denkmalpflege innerhalb der Waldschutzzertifizierungen zu positionieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In der Regel wird f\u00e4lschlicherweise angenommen, dass arch\u00e4ologische Denkmale in Waldgebieten weitgehend vor anthropogener Zerst\u00f6rung gesch\u00fctzt seien, was in ein Kommunikationsdefizit zwischen Arch\u00e4ologen und Forstwirten m\u00fcndet. Die Sch\u00e4den durch mangelnde Waldpflege zum einen und falsche Forsttechnik zum anderen sind immens. 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