{"id":22760,"date":"2023-07-13T15:21:56","date_gmt":"2023-07-13T13:21:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19428-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:58","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:58","slug":"19428-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19428-01\/","title":{"rendered":"Biotop-Verbund in intensiv genutzten Agrarlandschaften &#8211; M\u00f6glichkeiten, Grenzen und Perspektiven (Dachprojekt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Bedeutung von Strukturelementen f\u00fcr die Lebensraumfunktion von Agrarlandschaften ist naturwissenschaftlich hinreichend erwiesen. Mit unterschiedlichen Instrumenten und Projekten wird versucht, diese zu erhalten bzw. in intensiv genutzten Ackerbauregionen wieder zu erh\u00f6hen. Ziel des Vorhabens ist es, Ans\u00e4tze f\u00fcr einen Biotopverbund in intensiv genutzten Agrarlandschaften zu f\u00f6rdern, indem gesellschaftliche, politische und administrative Optionen daf\u00fcr erfasst und gepr\u00fcft und, wenn m\u00f6glich, ausgeweitet und zu einem realistischen Rahmen f\u00fcr eine produktionsbegleitende Umsetzung einer Biotop-Vernetzung auch in Ackerb\u00f6rden zusammengef\u00fcgt werden. Das Vorhaben ist in engem Zusammenhang mit f\u00fcnf Modellprojekten in intensiv genutzten Agrarlandschaften zu sehen und bildet sozusagen ein inhaltliches und organisatorisches Dach, in dem die Modellfunktion der Einzelprojekte \u00fcberregional vernetzt und gest\u00e4rkt werden und die transregionale Zusammenarbeit gef\u00f6rdert wird (Dachprojekt)<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie geplanten Arbeiten um die o.a. Zielsetzung zu erreichen lassen sich vier Bereichen zuordnen<br \/>\n1.\tNetzwerk Regionalprojekte: Einrichtung einer Schnittstelle, die die Organisation des Verbundes der unabh\u00e4ngigen Regionalprojekte erm\u00f6glicht, den Austausch f\u00f6rdert und optimiert und die Au\u00dfen-wirkung erh\u00f6ht.<br \/>\n2.\tUntersuchung von F\u00f6rderinstrumenten f\u00fcr die Einrichtung von Strukturelementen und einem Biotop-Verbund: Erfassung, Pr\u00fcfung und Aktualisierung bestehender M\u00f6glichkeiten auf verschiedenen Ebe-nen, bspw. EU, Bund, L\u00e4nder und Regionen. Zusammentragen der Ergebnisse zu den festgestellten Effekten (Ziele, Kosten, Administrierbarkeit, Akzeptanz).<br \/>\n3.\tFlexibilisierung der Instrumente: Ans\u00e4tze f\u00fcr Flexibilisierungen bestehender F\u00f6rderinstrumente mit positiver Wirkung f\u00fcr einen Biotop-Verbund werden erarbeitet und auf ihre Realisierbarkeit \u00fcberpr\u00fcft. Das gilt insbesondere hinsichtlich rechtlicher Aspekte.<br \/>\n4.\tHandlungsleitfaden: Die in dem Vorhaben erarbeiteten Ergebnisse und die Erfahrungen aus den Regionalprojekten, Anforderungen und Hemmnisse f\u00fcr konkrete Projekte und Perspektiven f\u00fcr Biotop-Verbund-Aktivit\u00e4ten in der agrarisch genutzten Landschaft werden in einem Leitfaden zusammengestellt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1.\tEin Netzwerk von f\u00fcnf Aktionsprojekten wurde f\u00fcr einen verbesserten Informationsaustausch begr\u00fcndet. Hierf\u00fcr wurde der Begriff Lebensraum B\u00f6rde etabliert. Das Dachprojekt hat einen Flyer zum Netzwerk erarbeitet, der die folgenden Jahre von allen Projekten eingesetzt wurde. Au\u00dferdem wurden regelm\u00e4\u00dfige Treffen und gemeinsame j\u00e4hrliche Statusseminare geplant und vorbereitet. Bei den Statusseminaren war ein weiteres Projekt &#8211; Lebensraum Brache &#8211; beteiligt. Die jeweils zweit\u00e4tgigen Statusseminare wurden 2003 und 2004 durchgef\u00fchrt, in 2005 durch das Projekt Lebensraum Brache. Die Kommunikation mit den Projekten diente dazu, einen Ideen- und Ma\u00dfnahmenaustausch zwischen den Aktionsprojekten anzuregen und gemeinsame Aktivit\u00e4ten zu initiieren.<br \/>\n2.\tF\u00fcr betriebswirtschaftliche Berechnungen zur notwendigen Pr\u00e4mienh\u00f6he f\u00fcr die Anlage von Saumbiotopen hat das Dachprojekt vergleichbare Eckdaten erarbeitet und Kalkulationen auf dieser Basis durchgef\u00fchrt. Die notwendigen Kompensationszahlungen schwanken stark, u. a. in Abh\u00e4ngigkeit von den Opportunit\u00e4tskosten. In 6 benachbarten Landkreisen zu den Aktionsprojekten wurden Frageb\u00f6gen an alle dort ans\u00e4ssigen Landwirte versandt. Im Anschluss daran wurden die Naturschutzexperten der jeweiligen Regionen pers\u00f6nlich interviewt. Mit den gesammelten Daten konnten Bestimmungsfaktoren f\u00fcr Interesse, Teilnahme und Ablehnung von Biotopvernetzungsma\u00dfnahmen bei Landwirten und Natursch\u00fctzern sowie die pr\u00e4ferierte Ausgestaltung dieser Ma\u00dfnahmen analysiert werden. Die Landwirte in intensiv genutzten Agrarlandschaften brauchen einfache, risikoarme Ma\u00dfnahmen, um Erfahrungen mit Naturschutzfragen zu sammeln. Sie bevorzugen flexible Ma\u00dfnahmen mit \u00fcberschaubarer Laufzeit. Die Akzeptanz ist h\u00f6her, wenn sie die Ma\u00dfnahmen mit Auflagen im Pflanzenschutz verbinden k\u00f6nnen. Eine angemessene Pr\u00e4mienh\u00f6he und feststehende, kompetente Ansprechpartner in der Agrarbeh\u00f6rde erh\u00f6hen die Teilnahme. Vertreter der Naturschutzbeh\u00f6rden in den Regionen bevorzugen st\u00e4rker naturschutzfachlich ausgerichteten Ma\u00dfnahmeneigenschaften l\u00e4ngere vertragliche Bindungszeiten.<br \/>\n3.\tBasierend auf den Untersuchungen werden Flexibilisierungen vorgeschlagen: die Einbeziehung der Standortgunst (in Form der Ertragsmesszahl) in die Pr\u00e4mienkalkulation f\u00fchrt zu realistischeren Kompensationszahlungen. Eine flexiblere Vertragsdauer und Dauer am Standort (Stichwort: Rotationsprinzip) der Saumbiotope sollte angestrebt werden. Da die Akzeptanz bei Landwirten hoch ist, wenn Saumbiotope mit Abstandsauflagen im Pflanzenschutz kombiniert werden k\u00f6nnen, sollten diese Konzepte unbedingt verfolgt werden. Naturschutz- und Landwirtschaftsinteressen weisen auch Schnittmengen auf: Landwirte sehen die Notwendigkeit einer besseren Biotopvernetzung und Naturschutzexperten schlagen auch pragmatische Ma\u00dfnahmen vor. Anges\u00e4te Kulturpflanzenmischungen sind aus agrarischer und rechtlicher Sicht (Stichwort: gebietsfremde Arten) unproblematischer als die Ansaat von Wildpflanzen. Anges\u00e4te Bl\u00fchmischungen sollen aus agrarischer Sicht Ackerunkr\u00e4uter unterdr\u00fccken &#8211; aus natursch\u00fctzerischer Sicht ist dies bei Problemunkr\u00e4utern willkommen, bei selteneren, authochtonen Arten aber eher problematisch. Wenn bei artenreichen, anges\u00e4ten Wildkrautmischungen nur heimisches Saatgut eingesetzt werden soll, sind die Saatgutkosten hoch. F\u00fcr die Finanzierung von Vernetzungsma\u00dfnahmen k\u00f6nnen Instrumente aus der regionalen Naturschutzf\u00f6rderung, der Politik f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum und Ausgleichsgelder genutzt werden.<br \/>\n4.\tEin Handlungsleitfaden aus den Ergebnissen der Projekte wurde erarbeitet.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projekte beteiligten sich gemeinsam an den DLG-Feldtagen 2004 in Dummerstorf. Neben einer Feldparzelle mit verschiedenen Ansaatmischungen hat das Dachprojekt eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen des DLG-Forums organisiert. F\u00fcr die Feldtage 2006 in Hessen lag die wesentliche Vorbereitung beim Projekt Lebensraum Brache, die B\u00f6rde-Projekte beteiligten sich vor Ort mit Informationen und Postern. Auf der Gr\u00fcnen Woche im Januar 2006 wurde eine Podiumsdiskussion zu dem Schwerpunktthema im Rahmen des Erlebnisbauernhofes des Deutschen Bauernverbandes durchgef\u00fchrt.<br \/>\nIm Fr\u00fchjahr 2007 waren die f\u00fcnf Aktionsprojekte weitgehend abgeschlossen. Am 27.02.2007 hat das Dachprojekt deswegen die Abschlusstagung des Projektnetzwerks Lebensraum B\u00f6rde zusammen mit dem Projekt Lebensraum Brache in G\u00f6ttingen vorbereitet und durchgef\u00fchrt. Die Tagung war mit 68 Teilnehmern vor allem aus den Umsetzungsbereichen (Projekte, Verb\u00e4nde, Beh\u00f6rden) besucht.<br \/>\nIm Sommer 2005 wurde eine Webseite mit Informationen \u00fcber die Projekte und \u00fcber weiteres N\u00fctzliches zu dem Thema Acker als Lebensraum durch das Dachprojekt erstellt und ist seitdem freigeschaltet (www.acker-als-lebensraum.de).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit f\u00fcr strukturelle Ma\u00dfnahmen in diesen Landschaften wird von allen Seiten gesehen. Das Angebot pragmatischer Ma\u00dfnahmen, die auch agrarische Interessen ber\u00fccksichtigen, kann langfris-tig auch zu Verbesserungen der Naturschutz-Situation f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Bedeutung von Strukturelementen f\u00fcr die Lebensraumfunktion von Agrarlandschaften ist naturwissenschaftlich hinreichend erwiesen. 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