{"id":22730,"date":"2024-11-27T10:36:31","date_gmt":"2024-11-27T09:36:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19374-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:33","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:33","slug":"19374-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19374-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Vernetzung und Weiterbildung zur Verbreitung denkmalpflegerisch und \u00f6kologisch nachhaltiger Wiederverwendung historischer Baustoffe am Denkmalpflege-Werkhof Steinfurt"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Denkmalpflege-Werkhof Steinfurt hat die Aufgabe, intakte historische Baustoffe aus Sanierungen und Abbr\u00fcchen zu bergen, f\u00fcr die Restaurierung an anderen Geb\u00e4uden und Baudenkmalen aufzubereiten und wieder zur Verf\u00fcgung zu stellen. Hierbei kommt sowohl \u00f6kologischen als auch denkmalpflegerischen Belangen gro\u00dfe Bedeutung zu. Die Wiederverwendung ist der stofflichen Wiederverwertung insofern \u00f6kologisch \u00fcberlegen, als in den Aufbereitungsprozess keine neuen Prim\u00e4renergien einflie\u00dfen m\u00fcssen. Zudem unterbleibt eine zus\u00e4tzliche Inanspruchnahme von endlichen Rohstoffreserven (Steine, Tone, Sand etc.). Daneben steht auch eine Entlastung knappen Deponieraums von Abbruchschutt durch die Vorab-Bergung der wiederverwendbaren Teile. Zum Umweltaspekt kommt die kulturhistorische Bedeutung der regionalen Hauslandschaften und ihrer spezifischen Baumaterialien, deren durch Verschlei\u00df und Nutzungs\u00e4nderungen fortschreitender Verlust durch gezielten Einbau von aus gleichem historischen Zusammenhang stammenden Ersatzteilen gegen\u00fcber der Einbringung von Neubaustoffen verlangsamt werden kann. Ein sozialer Aspekt wohnt der arbeitsintensiven Materialaufbereitung inne. Hier k\u00f6nnen Langzeitarbeitslose und Menschen mit geringer Qualifikation sinnbringend eingesetzt und in der praktischen Anwendung denkmalgerechter, historischer Handwerks- und Bautechniken fortgebildet werden. F\u00fcr eine nachhaltige Verbreitung und Verankerung des Wiederverwendungsgedankens im Bau- und Restaurierungsbereich sowie der breiten \u00d6ffentlichkeit ist eine umfassendes Informations- und Fortbildungsengagement notwendig, dessen Konzeption und Umsetzung Ziel dieses Projektes ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn enger Abstimmung und Kooperation mit den Denkmalpflegeh\u00f6fen in Liepen (Mecklenburg-Vorpommern) und Gernewitz (Th\u00fcringen) soll ein Netzwerk geschaffen werden, das einerseits breite Information und Zugriff auf die Materialbest\u00e4nde via Internet erm\u00f6glicht, andererseits als Kompetenz- und Beratungszentrum dem Denkmalbesitzer und Handwerker Hilfestellung im Umgang mit historischer Bausubstanz und Baumaterialien leisten kann. Hierzu sollen auch Fortbildungen und Seminare angeboten werden, die Synergiepotentiale zwischen bew\u00e4hrten Techniken des restaurierenden Denkmalpflegehandwerks und den Anforderungen \u00f6kologischen Bauens (z. B. im Bereich Lehmbau) aufzeigen. Die pr\u00e4zise Dokumentation der einzelnen historischen Materialbefunde sowie der spezifischen Auf- und Abbautechniken und die Sammlung materialkundlicher Informationen als Grundlage f\u00fcr die weitere Verbrei-tung der Wiederverwendung von historischen Baumaterialien ist als Erfahrungsschatz besonders wich-tig. Eine \u00fcberregionale Zusammenarbeit ist auch grenz\u00fcberschreitend im Rahmen der EUREGIO mit den Niederlanden geplant.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen der Projektzielstellungen wurden im Projektverlauf mehrere Projektbausteine konzipiert und realisiert. Neben dem Baustein \u00d6ffentlichkeitsarbeit ist die Optimierung der Wiederverwendungspraxis historischer Baustoffe und die Vermittlung praxisnahen Wissens an unterschiedliche Zielgruppen umgesetzt worden. Die engagierte Arbeit des Denkmalpflege-Werkhofes seit 1990 konnte durch Beteiligungen an mehreren Fachmessen (Altbau 2001 in Hamm, Denkmal 2002 in Leipzig), eine aktive Medien- und Pressearbeit (Presseberichte in Tageszeitungen und Fachzeitschriften, Rundfunk- und TV-Beitr\u00e4ge) sowie zahlreiche Veranstaltungen am Werkhof und anderen Orten erheblich weiter kommuniziert werden. Der Umschlag an historischen Materialien hat sich daraufhin im F\u00f6rderzeitraum auch nahezu verdoppelt, insbesondere zahlreich vorhandene Lagerbest\u00e4nde konnten durch die regional und \u00fcberregional gestiegene Bekanntheit der Idee einer Wiederverwendung historischer Baustoffe und damit direkt verbunden auch der Institution des Denkmalpflege-Werkhofes Steinfurt als Kompetenzzentrum und Materialquelle in Westfalen, mobilisiert und fachgerecht abgegeben werden. Dadurch konnten in wachsendem Umfang Ressourcenschonung durch Vermeidung von Neu- und Ersatzproduktion sowie die Einsparung von Bauschutt- bzw. Abfallmengen und damit unmittelbar verbunden auch die Schonung von Deponieraum erreicht werden. Der Denkmalpflege-Werkhof ist mittlerweile als kompetenter Ansprechpartner rund um das Sortiment historischer Baustoffe aller Art bei Hausbesitzern, aber auch Denkmalpflegern, Handwerkern und Unternehmen in ganz Nordrhein-Westfalen, dem s\u00fcdwestlichen Niedersachen und den \u00f6stlichen Niederlanden gesch\u00e4tzt. Das dem Werkhof dadurch regelm\u00e4\u00dfig zukommende Angebot an m\u00f6glichen zu bergenden Materialien \u00fcbersteigt die realen Bergekapazit\u00e4ten, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Qualifizierungsma\u00dfnahmen der Gesellschaft f\u00fcr Arbeits- und Bildungsf\u00f6rderung (GAB) realisiert werden k\u00f6nnen, bei weitem. Dies erm\u00f6glicht andererseits aber eine Auswahl und Schwerpunktsetzung bei der Materialbergung. Um die Idee der baulichen Wiederverwendung historischer Baustoffe auch praxisnah zu demonstrieren und zu verbreiten, wurden entsprechende Handwerkstechniken an zahlreiche langzeitarbeitslose Teilnehmer von Qualifizierungsma\u00dfnahmen sowie junge Menschen in der Berufsfindungsphase vermittelt. Daneben wurden zahlreiche Vortragsveranstaltungen und F\u00fchrungen am Werkhof angeboten, u.a. f\u00fcr Fachbeh\u00f6rden und vielerlei Institutionen des \u00f6ffentlichen Lebens. Die Lagerung und Pr\u00e4sentation der geborgenen Materialien konnte professionalisiert und rationalisiert werden. Die Einf\u00fchrung von genormten Transportboxen zur Reduzierung manueller Ladet\u00e4tigkeiten sei hier beispielhaft genannt. \u00dcber eine Internet-Homepage kann sich der Interessent \u00fcber die Arbeit des Werkhofes, die angebotenen Materialien und ausgew\u00e4hlte Lagerbest\u00e4nde rund um die Uhr und umfassend informieren. Daneben wurden die regul\u00e4ren \u00d6ffnungszeiten auch auf Samstage ausgeweitet, um dem Kundenwunsch nach Information und Beratung in ruhigerer Atmosph\u00e4re zu entsprechen. Integriert in die Arbeit des Werkhofes wurde der Bereich des \u00f6kologischen Bauens, der den Zielsetzungen der Wiederverwendung historischer Baustoffe sehr nahe steht. Hierzu sei eine beispielhafte praktische Umsetzung altbaunaher und zugleich \u00f6kologischer Lehmbauweisen im Innenausbau eines historischen Fachwerkhauses genannt, die im Rahmen einer GAB-Qualifizierung stattfindet. Verschiedene historische und \u00f6kologische Baumaterialien sowie Verarbeitungstechniken wurden in diesem Geb\u00e4ude erprobt und demonstriert. Die Zusammenarbeit mit dem Mecklenburgisch-Vorpommerschen Denkmalpflegehof in Liepen und dem Denkmalhof Gernewitz\/Th\u00fcringen konnte gefestigt und vertieft werden. Neben dem regelm\u00e4\u00dfigen fachlichen Austausch zu Material- und Bergungspraxis ist die gemeinsame Ausrichtung der Messebeteiligung in Leipzig zu nennen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Diese war integraler Bestandteil des Projektes und ist unter dem obigen Stichpunkt mit dargestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Ziel des Projektes, die Verbreitung und Vernetzung der Wiederverwendung historischer Baustoffe, konnte im Aktionsraum des Denkmalpflege-Werkhofes, und im Verbund mit den Partnern auch dar\u00fcber hinaus, voll erreicht werden. Die Zahl von Anfragen, Besuchen und Teilnehmern an Veranstaltungen und Qualifizierungen ist erheblich gestiegen, in der Folge ist auch der Materialumschlag historischer Baustoffe stark angewachsen. Umweltbelastungen, Ressourceninanspruchnahme und Abf\u00e4lle konnten somit vermieden, Besch\u00e4ftigungs- und handwerkliche Qualifizierungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Langzeitarbeitslose im Gegenzug unterst\u00fctzt werden. Begrenzt wird die Idee der Wiederverwendung einer noch gr\u00f6\u00dferen Menge historischer Baustoffe derzeit durch die sich mit zunehmender Entfernung stark verschlechternde Transport\u00f6ko- und Aufwandsbilanz. Ein Netzwerk zahlreicher dezentraler Materiallager vor Ort mit einer zentralen Meldestelle k\u00f6nnte hier Abhilfe schaffen und weitere Potenziale erschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Denkmalpflege-Werkhof Steinfurt hat die Aufgabe, intakte historische Baustoffe aus Sanierungen und Abbr\u00fcchen zu bergen, f\u00fcr die Restaurierung an anderen Geb\u00e4uden und Baudenkmalen aufzubereiten und wieder zur Verf\u00fcgung zu stellen. 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