{"id":22719,"date":"2023-07-13T15:21:53","date_gmt":"2023-07-13T13:21:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19357-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:54","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:54","slug":"19357-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19357-01\/","title":{"rendered":"Bergbaufolgelandschaften &#8211; Chancen zur Integration von Wildnisgebieten in die Kulturlandschaft am Beispiel der Goitzsche"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Ansatz, Fl\u00e4chen bewusst, v\u00f6llig und langfristig ihrer nat\u00fcrlichen Entwicklung zu \u00fcberlassen (Prozessschutz) ist bislang nur in wenigen Kernzonen von Nationalparken und Naturschutzgebieten verwirklicht worden. Erstmalig soll dies nun vergleichsweise gro\u00dffl\u00e4chig in der anthropogen entstandenen Bergbaufolgelandschaft (BFL) realisiert werden. Hierzu erfolgt eine Auswahl und Sicherung geeigneter Gebiete im ehemaligen Tagebau Goitzsche. Daraus resultiert die Notwendigkeit der Erstellung von Konzeptionen, die die Interessen des Naturschutzes untereinander und diese wiederum mit konkurrierenden Nutzungsabsichten bereits fr\u00fchzeitig in Einklang bringen, ohne dass substanzielle Abstriche an den naturschutzfachlichen Zielstellungen notwendig werden. Hauptaufgabe des Forschungsprojektes ist somit die wissenschaftliche Absicherung und Pr\u00e4zisierung bei der Gebietsauswahl, die L\u00f6sung ggf. auftreten-der naturschutzinterner Zielkonflikte und das Aufzeigen von M\u00f6glichkeiten wie Wildnisgebiete m\u00f6glichst konfliktarm in die umgebende Kulturlandschaft integriert werden k\u00f6nnen. So sollen z. B. mit Hilfe einer gezielten Besucherlenkung und -information einerseits sensible Bereiche vor negativen St\u00f6reinwirkungen gesch\u00fctzt, andererseits aber die Besonderheiten der Landschaft besser erlebbar gemacht wer-den.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAbiotik und biotische Ausstattung werden \u00fcber bereits vorhandene Daten (aus vorangegangenen Forschungsprojekten etc.) und (erg\u00e4nzend) durch eigene Erhebungen ermittelt. Auf dieser Grundlage werden bzw. wurden geeignete Fl\u00e4chen ausgew\u00e4hlt und durch Ankauf gesichert. Die zu erwartende Entwicklung der dortigen Artengef\u00fcge und Biotope bei Verwirklichung eines uneingeschr\u00e4nkten Prozessschutzes wird durch eine Prognose aufgezeigt. Eine Bewertung des aktuellen und prognostizierten Zustandes liefert Erkenntnisse \u00fcber eventuelle naturschutzinterne Zielkonflikte, die diskutiert und unter Beachtung verschiedener Belange (z. B. Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis) gegeneinander abgewogen werden. Auf der Grundlage der Analyse erfolgt die Ableitung eines naturschutzfachlichen, r\u00e4umlich teils differenzierten Leitbildes. Externe Nutzungsinteressen, die dem Leitbild entgegenstehen, werden aufgezeigt, entsprechende L\u00f6sungsans\u00e4tze zur Konfliktvermeidung und -minimierung konzeptionell erarbeitet. Dieser Prozess findet unter st\u00e4ndiger Beteiligung der regionalen Akteure statt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Insgesamt wurden \u00fcber 1.250 ha Tagebaufolgelandschaft durch Kauf gesichert. Das ist mehr als das dreifache der urspr\u00fcnglich im Antrag vorgesehenen Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe. Neben den Restlochseen, die sich derzeit \u00fcberwiegend durch geringe Reifegrade auszeichnen (Vegetationsarmut), sind aktuell vor allem  Silbergras-Pionier- und diverse, teils noch l\u00fcckige Gras- und Krautfluren charakteristische Biotoptypen dieser Gebiete. Ferner kommen lokal bereits Pionierw\u00e4lder in nennenswertem Umfang vor; auf Restfl\u00e4-chen von unverritztem Gel\u00e4nde sind dar\u00fcber hinaus Fragmente mesophiler Laubw\u00e4lder als Zeugen der vorbergbaulichen Landschaft vorhanden. Werden die Fl\u00e4chen der weitgehend ungest\u00f6rten Entwicklung \u00fcberlassen, ist davon auszugehen, dass langfristig l\u00fcckige Kieferntrockenw\u00e4lder bzw. mesophile und\/oder bodensaure Eichenw\u00e4lder das Landschaftsbild bestimmen. Bez\u00fcglich der Restlochseen ist das zunehmende Aufkommen einer reich strukturierten Verlandungsvegetation anzunehmen. F\u00fcr h\u00f6here Pflanzen und exemplarische Tiergruppen wurden der Ist-Bestand und die voraussichtliche k\u00fcnftige Entwicklung des Artengef\u00fcges ermittelt. Eine Bewertung dieser Befunde ergab, dass bei uneingeschr\u00e4nkter Verwirklichung des Prozessschutzes grunds\u00e4tzlich, abgesehen von lokal auftretenden Sonderf\u00e4llen, kein Verlust an naturschutzfachlich begr\u00fcndeter Schutzw\u00fcrdigkeit zu erwarten ist. Dar\u00fcber hinaus stellt der weitgehend anthropogen unbeeinflusste Ablauf nat\u00fcrlicher Entwicklungen einen Wert an sich dar, der nicht zuletzt auch von gr\u00f6\u00dftem wissenschaftlichen Interesse ist. Auf diesen Grundlagen erfolgte die Formulierung eines, teils r\u00e4umlich differenzierten Leitbildes, das im Wesentlichen dem Prozessschutzgedanken folgt. Im Hinblick auf die erw\u00e4hnten Sonderf\u00e4lle wurden ersteinrichtene Ma\u00dfnahmen vorgeschlagen (einmalige naturschutzfachlich begr\u00fcndete Eingriffe als Starthilfe f\u00fcr die weitere, leitbildgerechte Entwicklung). Nutzungsinteressen der Jagd, Forst- und Wasserwirtschaft, Fischerei und Erholungswesen stehen die erarbeiteten Zielvorstellungen des Naturschutzes in Teilen entgegen. In der Tagebaufolgelandschaft relevant ist au\u00dferdem die Intensit\u00e4t der bergbaulichen Sanierung als Nutzungsvoraussetzung. Bei den vier erstgenannten Nutzungsarten ist die Minimierung und L\u00f6sung von Konflikten oft bereits bei Aussch\u00f6pfung der rechtlichen Rahmenbedingungen m\u00f6glich, teils allerdings nur unter Anwendung von Sonderregelungen. Angestrebt (und auch erzielt) wurden immer einvernehmliche L\u00f6sungen, was eine intensive Kooperation aller Beteiligten voraussetzt. Als beispielgebend kann die ver-einbarte Jagdruhe gelten; entsprechendes wurde au\u00dferhalb von Schutzgebieten bisher nicht realisiert. Aus der Zusammenarbeit mit den Akteuren ergaben sich auch vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten der fr\u00fchzeitigen Einflussnahme auf noch durchzuf\u00fchrende nachbergbauliche Gestaltungen (verbliebene Ma\u00dfnahmen der Sanierung, des Wege- und Gew\u00e4sserausbaus). Bew\u00e4hrt hat sich au\u00dferdem das Konzept einer Kombination aus Umweltbildung und Besucherlenkung, um einerseits die Bev\u00f6lkerung an die Natur heranzuf\u00fchren (Akzeptanzgewinnung) und andererseits St\u00f6rungen auf den Fl\u00e4chen so gering wie m\u00f6glich zu halten (Durchsetzung von Tabuzonen). Verbleibende Handlungserfordernisse ergeben sich vor allem im Vollzug des Fl\u00e4chenschutzes sowie aus rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen des Grundeigent\u00fcmers (z. B. Verkehrssicherungspflicht, Gew\u00e4sserunterhaltung).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Inhalte, Aufgaben, Ziele und (Teil-)Ergebnisse des Projektes wurden auf sieben Fachtagungen vorgestellt. Hinzu kommen ca. 100 Vortr\u00e4ge bzw. Exkursionen f\u00fcr verschiedenste regionale Interessengruppen sowie die Teilnahme an mehreren Ausstellungen. Au\u00dferdem wird jeden Monat mindestens eine \u00f6f-fentliche Veranstaltung zum Thema Natur in der Goitzsche durchgef\u00fchrt. Zus\u00e4tzlich sind eigene Materialien zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit erstellt worden (eine viertelj\u00e4hrlich erscheinende vierseitige Zeitung, drei Faltbl\u00e4tter, ein Plakat, ein Kalender, eine Pr\u00e4sentations-CD und ein Film). Erschienen sind weiterhin drei Fachartikel, die Teilaspekte des Vorhabens ber\u00fchren. Vorgesehen sind dar\u00fcber hinaus eine allgemein verst\u00e4ndliche Brosch\u00fcre sowie eine abschlie\u00dfende wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber Inhalte und Ergebnisse des BUND-Projektes.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt befasst sich mit der Sicherung vergleichsweise gro\u00dffl\u00e4chiger Prozessschutzgebiete in der Bergbaufolgelandschaft und ihrer Integration in die umgebende Kulturlandschaft. Die Ergebnisse sind auch auf andere Gebiete \u00fcbertragbar. Fl\u00e4chenauswahl, Bewertung und detaillierte Zielfindung erfolgen anhand bereits vorhandener Daten, erg\u00e4nzt durch eigene Erhebungen. Die gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, dass Prozessschutz in der Tagebaufolgelandschaft eine fachlich geeignete und lohnende Zielstellung des Naturschutzes ist, und dass bei hinreichender Beteiligung aller Akteure, begleitet durch eine intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit, einvernehmliche L\u00f6sungen zur Einbettung von Naturentwicklungsgebieten in anthropogen \u00fcberpr\u00e4gte Landschaften m\u00f6glich sind, selbst wenn die betreffenden Fl\u00e4chen nicht in streng reglementierten staatlichen Schutzgebieten liegen. Gleichwohl kann der letztendliche Vollzugserfolg und die Best\u00e4ndigkeit des Vorhabens erst in entsprechend sp\u00e4teren Zeitr\u00e4umen beurteilt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Ansatz, Fl\u00e4chen bewusst, v\u00f6llig und langfristig ihrer nat\u00fcrlichen Entwicklung zu \u00fcberlassen (Prozessschutz) ist bislang nur in wenigen Kernzonen von Nationalparken und Naturschutzgebieten verwirklicht worden. Erstmalig soll dies nun vergleichsweise gro\u00dffl\u00e4chig in der anthropogen entstandenen Bergbaufolgelandschaft (BFL) realisiert werden. 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