{"id":22689,"date":"2023-07-13T15:21:53","date_gmt":"2023-07-13T13:21:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19311-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:53","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:53","slug":"19311-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19311-01\/","title":{"rendered":"Besucherkonzept K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>F\u00fcr den unter Naturschutz gestellten ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide wurde ein zwischen den Konfliktparteien abgestimmtes Tourismuskonzept entwickelt. Mit Hilfe eines Moderationsprozesses wurden die vorhandenen Konflikte transparent dargestellt und alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Informationsstand gebracht. Dabei wurden die Ideen der Beteiligten miteingebracht und im Einvernehmen mit den Interessengruppen weiterentwickelt.<br \/>\nMit der Durchf\u00fchrung des Projektes K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide wurden zwei Ziele verfolgt: Zum einen sollte gemeinsam mit den verschiedenen Anspruchsgruppen ein Besucherlenkungskonzept erarbeitet werden und zum anderen wurde der gesamte Prozess mit Methoden des Konfliktmanagements begleitet, um daraus allgemeing\u00fcltige Erkenntnisse f\u00fcr \u00e4hnlich gelagerte Konversionsfl\u00e4chen abzuleiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer erste Arbeitsschwerpunkt beinhaltet die gemeinsame Erarbeitung des Besucherlenkungskonzepts unter Einbeziehung bereits vorhandener Planungen und Konzepte. Im zweiten Arbeitsschwerpunkt wurden die Konfliktsituationen und Konfliktfelder, die individuellen Ziele und W\u00fcnsche der Anspruchsgruppen w\u00e4hrend des Moderationsprozesses f\u00fcr das Besucherlenkungskonzept protokolliert und dokumentiert.<br \/>\nIm Einzelnen waren dies: Analyse und Beschreibung der Konfliktsituation und Konfliktfelder; Identifizierung der verschiedenen Konfliktparteien (Naturschutzvereine, touristische Leistungstr\u00e4ger u. a.); Entwicklungen von Konfliktl\u00f6sungswegen (Ziele, Strategien, Ma\u00dfnahmen); Bildung von speziellen Projekt- und Lenkungsgruppen; Moderation von Workshops; Wissenschaftliche Begleitung des Moderationsprozesses (durch die Universit\u00e4t Paderborn).<br \/>\nKonkret kamen dabei folgende Methoden zum Einsatz: Desk Research; Experteninterviews bzw. Einzelgespr\u00e4che mit den Interessengruppen; moderierte Workshops; Gruppengespr\u00e4che, pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che mit Leistungstr\u00e4gern; Vor-Ort-Begehung sowie eine Exkursion in dem Nationalpark Hainich mit den beteiligten Akteuren.<br \/>\nEntsprechend der Zielsetzung des Projektes liegen zwei Abschlussberichte vor:<br \/>\n1.\tDas Besucherlenkungskonzept f\u00fcr die K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide<br \/>\n2.\tDie Dokumentation der Konfliktsituation und Prozessabl\u00e4ufe.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Folgende vier Grundpositionen der Akteure zeichneten sich zu Beginn des Konfliktes ab: Durchquerung des Gebietes &#8211; auch der Entwicklungs- und Pflegezone &#8211; f\u00fcr sanfte Nutzungsformen wie Rad fahren und Wandern; Wunsch nach \u00d6ffnung der alten Verbindungsstrassen; individuelle Nutzung des NSG nur in Randzone m\u00f6glich, generelles Betretungsverbot der Kernzonen f\u00fcr Individualbesucher; Teil\u00f6ffnung imagestarker Bereiche wie die K\u00f6nigsh\u00f6he, ansonsten Randnutzung. Als Ursachen f\u00fcr die Konflikte sind zu nennen: Unzureichender Informationsaustausch und fehlende Abstimmung zwischen den Hauptakteuren durch Kompetenzzersplitterung; Differenzen bei der Einsch\u00e4tzung der naturschutzfachlichen Wertigkeit des NSG; Uneinigkeit beim Pflege- und Entwicklungskonzept f\u00fcr das NSG; Unklarheiten \u00fcber die Dimensionen und M\u00f6glichkeiten der touristischen Entwicklung; Gewohnheitsrechte; Organisationsstruktur und Ziele f\u00fcr die weitere Entwicklung des NSG sind nicht eindeutig definiert;<br \/>\nKernergebnis des im Rahmen von Workshops erarbeiteten Besucherlenkungskonzepts ist eine konsequente Ausrichtung der Tourismusentwicklung der K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide und der umliegenden Gemeinden auf naturnahen Aktivtourismus (z. B. Rad fahren und Wandern), Umweltbildung und P\u00e4dagogik sowie Landurlaub. \u00dcber die grunds\u00e4tzliche Ausrichtung konnte Konsens bei den Beteiligten erzielt werden. Wichtige Erkenntnisse wurden aus der Bereisung des Nationalparks Hainich gewonnen. Die Beteiligten haben erfahren, welches die wichtigsten Erfolgsfaktoren des Nationalparks sind und zwar: ein einheitliches Management, aktive Gemeinden, ein Informationszentrum (als Leuchtturm), eine qualitativ hochwertige Gastronomie sowie eine intelligente Wegef\u00fchrung und Besucherlenkung. Die Begleitung des Moderationsprozesses, der sich im Kern mit der potentiellen touristischen Erschlie\u00dfung einer unter Naturschutz stehenden Konversionsfl\u00e4che befasste, brachte im Einzelnen folgende Diskussionspunkte zutage, die sich auf \u00e4hnlich gelagerte F\u00e4lle \u00fcbertragen lassen: Nat\u00fcrliche Sukzession auf Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen und ihre dauerhafte touristische Attraktivit\u00e4t. Eine verst\u00e4rkte \u00d6ffentlichkeitsarbeit hinsichtlich Ziel und Aufgabe der Sukzession ist notwendig, um damit Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Vorgehen hervorzurufen. Die Gef\u00e4hrdung durch Munition als Instrument zur Durchsetzung des Naturschutzes. Wichtig hierbei ist, dass der Naturschutz und die f\u00fcr die Sicherheit zust\u00e4ndige Fachbeh\u00f6rden zusammenarbeiten, um nach au\u00dfen ein glaubw\u00fcrdiges und nachvollziehbares Bild abzugeben. Aufgabe von Gewohnheitsrechten. Nicht verstanden wird die Tatsache, dass nach Stilllegung des Truppen\u00fcbungsplatzes \u00fcber Jahrzehnte beibehaltene Gewohnheiten f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bzw. f\u00fcr Anwohner verboten sind. Hier gilt es Ausgleichsfl\u00e4chen zu schaffen bzw. auf \u00e4hnliche Angebote hinzuweisen und \u00dcberzeugungsarbeit mit echten Argumenten zu leisten. Privilegien f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Gruppen. Hier ist unbedingt mehr \u00d6ffentlichkeitsarbeit erforderlich, z. B. durch wiederholte \u00d6ffnung bzw. kostenlose F\u00fchrungen f\u00fcr die interessierte Bev\u00f6lkerung durch das Gebiet. Strenge Auslegung der Naturschutzverordnung. Ausgangspunkt f\u00fcr die kontroversen Diskussionen ist offensichtlich die recht strenge Auslegung der Naturschutzverordnung und der Polizeiverordnung, die zwar grunds\u00e4tzlich Gestaltungsspielr\u00e4ume f\u00fcr eine Nutzung zulassen; diese jedoch f\u00fcr die K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide nur in sehr begrenztem Umfang genutzt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Von Seiten der Moderatoren hat w\u00e4hrend der Bearbeitung keine Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit stattgefunden, da der Prozess dadurch nicht beeinflusst und der Eindruck einer Parteiergreifung f\u00fcr eine spezielle Interessensgruppe ausgeschlossen werden sollte. Dessen ungeachtet sind w\u00e4hrend der Projektlaufzeit verschiedene Artikel \u00fcber einzelne Ergebnisse in der \u00f6rtlichen Presse ver\u00f6ffentlicht worden. Das Besucherlenkungskonzept ist den Beteiligten in gedruckter Form \u00fcbergeben worden, so dass es den relevanten Personen und Institutionen als Grundlage f\u00fcr die konkrete Umsetzung der Ma\u00dfnahmen zur Verf\u00fcgung steht. Es ist vorgesehen, die Ergebnisse auf Fachkongressen einer breiteren \u00d6ffentlichkeit vorzustellen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die eingangs formulierten Ziele sind im Wesentlichen erreicht worden, da ein im Moderationsprozess und zwischen allen Beteiligten abgestimmtes Besucherlenkungskonzept f\u00fcr die K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide erarbeitet wurde und nun als Handlungsrahmen allen Beteiligten vorliegt. Die verh\u00e4rteten Fronten konnten aufgeweicht werden, indem ein Kompromiss erzielt wurde &#8211; n\u00e4mlich die symboltr\u00e4chtige K\u00f6nigsh\u00f6he f\u00fcr den Individualbesucher zu \u00f6ffnen (unter Beibehaltung verschiedener Einschr\u00e4nkungen). Angesichts einer hohen Frustration der Akteure vor Ort, die u. a. auf die Situation in der Region zur\u00fcckzuf\u00fchren ist (hohe Arbeitslosigkeit, keine oder wenig Zukunftsperspektiven, Krise der \u00f6rtlichen Wirtschaft, Stagnation und R\u00fcckgang der Einwohner), entsteht hier ein mentales Problem hinsichtlich der Art und Weise, wie mit dem vorhandenen   Potential umgegangen werden k\u00f6nnte. Es fehlt das Gesp\u00fcr, Profit aus einzelnen Projekten zu ziehen. Die Bearbeiter kommen zu dem Schluss, dass eine externe Begleitung bei der Umsetzung der erarbeiteten Vorschl\u00e4ge in Form eines sog. Coachings unbedingt notwendig ist, da ansonsten die Gefahr besteht, dass der begonnene und sehr m\u00fchsame Prozess abbricht. Wichtig w\u00e4re in der n\u00e4chsten Phase auch die Information und Einbindung der Bev\u00f6lkerung in bestimmte Projekte durch eine systematische und professionelle \u00d6ffentlichkeitsarbeit, um so die Ma\u00dfnahmen auf eine noch breitete Basis zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens F\u00fcr den unter Naturschutz gestellten ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz K\u00f6nigsbr\u00fccker Heide wurde ein zwischen den Konfliktparteien abgestimmtes Tourismuskonzept entwickelt. Mit Hilfe eines Moderationsprozesses wurden die vorhandenen Konflikte transparent dargestellt und alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Informationsstand gebracht. Dabei wurden die Ideen der Beteiligten miteingebracht und im Einvernehmen mit den Interessengruppen weiterentwickelt. 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