{"id":22595,"date":"2023-07-13T15:21:45","date_gmt":"2023-07-13T13:21:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19177-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:46","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:46","slug":"19177-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19177-01\/","title":{"rendered":"Modellprojekt: Wiederherstellung der Flie\u00dff\u00e4higkeit des umweltgesch\u00e4digten Parkgrabens Sanssouci durch die Anwendung einer innovativen und landschaftsschonenden Schlammsedimentation mittels Carbo-Oxygen-Injektion (Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Ziel des Vorhabens besteht in der Praxiserprobung eines umweltschonenden Verfahrens zur Schlammsedimentation f\u00fcr langsam flie\u00dfende und stehende Gew\u00e4sser, insbesondere im Bereich denkmalgesch\u00fctzter Parkanlagen. Die \u00fcber Jahre angewachsene Schlammschicht soll mit der vorgeschlagenen Technologie soweit sedimentiert werden, dass die Flie\u00dff\u00e4higkeit und damit der nat\u00fcrliche Selbstreinigungsrhythmus des Parkgrabens wieder hergestellt wird. Normalerweise w\u00fcrde eine Technologie des Schlammausbaggerns (mit Trockenlegung oder im Saugverfahren) angewandt, was erfahrungsgem\u00e4\u00df erhebliche Landschaftssch\u00e4den nach sich zieht. Gleichzeitig w\u00fcrden ca. 20.000 m\u00b3 teilweise kontaminierter Schlamm zur Deponie anfallen. Die Arbeiten erfolgen von Katamaranbooten aus.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie im Vorhaben angewandte Technologie setzt sich f\u00fcr den 2 km langen Parkgraben aus mehreren Teilschritten zusammen:<br \/>\n1.\tGrobr\u00e4umung des Gew\u00e4ssers mit einer vorn am Boot angebrachten 1,5 m breiten Gabel<br \/>\n2.\tEinleiten von reinem Sauerstoff in die Schlammschicht zur Anregung der Oxidationsprozesse und der aeroben Mikroorganismen<br \/>\n3.\tDurchf\u00fchrung der Carbo-Oxygen-Injektion\u00d2, wobei verst\u00e4rkt Sauerstoff \u00fcber Kohlegranulat (l\u00e4ngerfristige Depots) im Schlamm eingelagert werden<br \/>\nDas Vorhaben ist in zwei Phasen eingeteilt, da zuerst ein Testabschnitt bearbeitet werden soll (2001). Die Testphase wird von der Uni Potsdam untersuchungstechnisch begleitet. Das BLAD, der Bereich Gartendenkmalpflege der SPSG, die Untere Naturschutz- und Untere Wasserschutzbeh\u00f6rde wurde zur Beratung herangezogen.<br \/>\nNach Auswertung der Untersuchungsergebnisse und positiver Bewertung durch das beratende Fachkollegium wird 2002 der gr\u00f6\u00dfte Teil des Parkgrabens bearbeitet und damit eine umfangreiche Entschlammung l\u00e4ngerfristig vermieden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In der Testphase zeigte sich, dass die Grobr\u00e4umung die M\u00e4chtigkeit der Schlammschicht im Parkgraben um durchschnittlich 25 bis 30 cm verringerte (etwa \u00bc der Schlammschicht). Die Grobr\u00e4umung bedingte ein Durchpfl\u00fcgen zumindest der oberen H\u00e4lfte der Schlammschicht, was nachweislich zum Entweichen von Faulgasen und zu aeroben Bedingungen wie in einem schnell flie\u00dfenden Bach f\u00fchrte. Die Carbo-Oxygen-Injektion erbrachte eine vor\u00fcbergehende Sauerstoffanreicherung im Schlamm, die aber keine bzw. nicht messbare Auswirkungen auf die Schlammm\u00e4chtigkeit hatte. Die Ursache daf\u00fcr liegt in der Zusammensetzung des Schlammes, der nachweislich zu gro\u00dfen Teilen aus Sand, Humus (nicht um-setzbar) und Laub\/kleinen \u00c4sten (schwer umsetzbar) besteht. Weitere biologische Untersuchungen (Studienarbeit der BTU Cottbus zum Laubabbau von Schwarzerlenlaub) ergaben, dass die Sauerstoff-versorgung, insbesondere unter den Laubschichtungen, die sich jeden Herbst ansammeln, im Vergleich zu nat\u00fcrlichen B\u00e4chen gering war und wesentliche Vertreter von laubfragmentierenden Bioz\u00f6nosen fehlten. Deren Anregung und Zuwachs w\u00e4re nur unter der Bedingung einer Dauerbel\u00fcftung und ggf. bio-chemischer Anregung m\u00f6glich. Zu dieser Problematik wurde ein biotechnologischer Laborversuch veranlasst, dessen Ergebnisse jedoch nicht \u00fcberzeugen konnten. Das Verh\u00e4ltnis von Aufwand und Nutzen blieb nach Expertenmeinung so fragw\u00fcrdig, dass diese Variante verworfen wurde.<br \/>\nDie Grobr\u00e4umung mit den Katamaranbooten wurde von allen Beteiligten als so erfolgreich, umwelt- und denkmalschonend eingesch\u00e4tzt, dass in der zweiten Projektphase eine Grobr\u00e4umung der \u00fcbrigen Parkgrabenbereiche (au\u00dfer Friedensteich) durchgef\u00fchrt wurde. Als Hauptursache f\u00fcr die sich akkumulierende Schlammschicht wurde der j\u00e4hrliche Laubeintrag identifiziert, so dass eine Flie\u00dff\u00e4higkeit des Parkgrabens bei Wiederholung der Grobr\u00e4umung in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden gew\u00e4hrleistet bleibt. Die Kos-ten einer Grobr\u00e4umung betragen nur etwa 5% der Kosten einer Totalber\u00e4umung, allerdings muss eine Grobr\u00e4umung in regelm\u00e4\u00dfigen mehrj\u00e4hrigen Abst\u00e4nden als Instandhaltungsma\u00dfnahme weitergef\u00fchrt werden.<br \/>\nDie Totalber\u00e4umung des Parkgrabens durch Ausbaggern wird mit einer regelm\u00e4\u00dfigen Grobr\u00e4umung langfristig aufgeschoben. Eine R\u00e4umung der \u00fcber Jahrzehnte angewachsenen Sand- und Humusschichten scheint aber weiterhin unausweichlich, da die Entw\u00e4sserungszufl\u00fcsse aus Font\u00e4nen- und Dachentw\u00e4sserungen st\u00e4ndig von dem hohen Sedimentstand an den Grabenr\u00e4ndern zugesetzt werden. Nach wie vor muss nach einem umweltgerechten Verfahren gesucht werden, dass dem Schutzstatus und der Dimension solcher Wasseranlagen entspricht. Die Grobr\u00e4umung als Instandhaltungsma\u00dfnahme betrifft auch die Bereiche nach einer Totalber\u00e4umung, da der Laubeintrag j\u00e4hrlich erfolgt und das Laub nachweislich nicht umgesetzt wird.<br \/>\nTrotz der nicht erfolgreichen Schlammsedimentation mittels Carbo-Oxygen-Injektion muss die Grobr\u00e4umung als ein wichtiger und empfehlenswerter Teilerfolg angesehen werden, bei dem keine Sch\u00e4den an den denkmalgesch\u00fctzten Anlagen, der Flora und Fauna zu verzeichnen waren und keine umfangreiche, ger\u00e4uschintensive Baustelle den Besucherverkehr beeintr\u00e4chtigte. Die konventionell Ber\u00e4umung h\u00e4tte umfangreiche Nebenwirkungen verursacht, deren rekonstruktiver und regenerativer Aufwand erheblich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Bauschild und Informationen in regionaler Presse und Fernsehen mit gro\u00dfem Interesse der ParkbesucherVerwertung der Ergebnisse an der Universit\u00e4t Potsdam, Institut f\u00fcr Biochemie und Biologie im Rahmen einer laufenden ForschungsarbeitMultiplikation durch den regionalen Naturschutzbeirat und das BLDAM, durch beratende Mitarbeit der BTU Cottbus und des Leibnizinstitut f\u00fcr Gew\u00e4sser\u00f6kologie und Binnenfischerei Berlin (IGB)Ver\u00f6ffentlichung in der Hericare-Datenbank<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die 1. Projektphase (Teststrecke) zeigte im Positiven, welchen wesentlichen Effekt die Grobr\u00e4umung hat, besteht doch der gr\u00f6\u00dfte Teil des organischen Eintrags aus schwer abbaubaren (ligninhaltigen) Sub-stanzen wie Laub und Holzteilen, die durch die Grobr\u00e4umung einfach und landschaftsschonend zu beseitigen sind. Die zum ersten Mal bei dem angewandten Verfahren umfassend durchgef\u00fchrten biochemischen Untersuchungen des Sediments und des Porenwassers, lieferten auch erstmals verl\u00e4ssliche Ergebnisse und verwiesen gleichzeitig auf Begleiterscheinungen wie Sedimentumschichtungen, Ablagerungen durch Str\u00f6mung, Einbringen von Luft allein durch die Grobr\u00e4umung.<br \/>\nUnter Abw\u00e4gung der bekannten mechanischen Verfahren, neuer biotechnologischer Verfahren und der Einholung verschiedenster Expertenmeinungen ist die Grobr\u00e4umung nach der Technologie der Fa. Schunke \u00d6kolomie ist die bisher einzige L\u00f6sung, die den Parkgraben entlastet und bei regelm\u00e4\u00dfigem Einsatz die Flie\u00dff\u00e4higkeit erh\u00e4lt. Die Verwendung von Uferfiltratwasser statt Havelwasser im System w\u00fcrde vermutlich die Algenbildung auch im Parkgraben reduzieren, jedoch ist die Algenbildung keine repr\u00e4sentative Ursache f\u00fcr die Verschlammung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Ziel des Vorhabens besteht in der Praxiserprobung eines umweltschonenden Verfahrens zur Schlammsedimentation f\u00fcr langsam flie\u00dfende und stehende Gew\u00e4sser, insbesondere im Bereich denkmalgesch\u00fctzter Parkanlagen. Die \u00fcber Jahre angewachsene Schlammschicht soll mit der vorgeschlagenen Technologie soweit sedimentiert werden, dass die Flie\u00dff\u00e4higkeit und damit der nat\u00fcrliche Selbstreinigungsrhythmus des Parkgrabens wieder hergestellt wird. 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