{"id":22577,"date":"2023-07-13T15:21:45","date_gmt":"2023-07-13T13:21:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19157-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:46","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:46","slug":"19157-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19157-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Instandsetzung des Kirchendaches unter besonderer Beachtung der Fledermauswochenstuben der Pfarrkirche in Gehofen (Th\u00fcringen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Eine Vielzahl von Gemeinden steht vor der Aufgabe, Kirchen zu erhalten und gleichzeitig die Zerst\u00f6rung des Lebensraumes von Flederm\u00e4usen als Folge umfassender Sanierung zu verhindern. Besonders schwer wiegt der Konflikt, wenn wie am Bsp. der Kirche Gehofen, ein Gro\u00dfteil der Sch\u00e4den an der Dachkonstruktion auf Besiedlung durch Flederm\u00e4use zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Notwendigkeit, beiden Problempunkten gerecht zu werden, erm\u00f6glicht erstmals eine komplexe Betrachtung der Anforderungen sowohl an die Erhaltung einer Fledermauswochenstube als auch an die Sanierung eines Kirchendaches, erm\u00f6glicht die B\u00fcndelung der Fachkenntnisse aller am Projekt Beteiligten aus dem Bereich Natur- und Denkmalschutz f\u00fcr die modellhafte Umsetzung einer fledermausgerechten Sanierung hist. Dachst\u00fchle und -deckungen u. deren Instandhaltung.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden-\tVerwendung\/ Entwicklung einer harns\u00e4urebest\u00e4ndigen, wasserdampfdurchl\u00e4ssigen, hochrei\u00dffesten und gesundheitlich unbedenklichen Unterspannbahn mit geringstem Gleitwiderstand zum Schutz aller umliegenden Holzbauteile insbesondere der Deckenschalung vor eindringender N\u00e4sse aus den unzug\u00e4nglichen Bereichen des Zwischenraumes<br \/>\n&#8211;\tDetaillierteste Bestandsaufnahme der von den Flederm\u00e4usen besiedelten Bereiche in der Zwischendecke als Grundlage f\u00fcr die Rekonstruktion &#8211; somit Gew\u00e4hrleistung unver\u00e4nderter raumklimatischer Bedingungen<br \/>\n&#8211;\tZimmermannsm\u00e4\u00dfige Instandsetzung der Dachkonstruktion durch Einbau ausschlie\u00dflich unbehandelter Holzbalken, Sparren, Holzschalungen etc. unter besonderer Beachtung der einzubauenden Holzqualit\u00e4t (Bohrkernproben), Holzfeuchtigkeit und  des konstruktiven Holzschutzes<br \/>\n&#8211;\tDauerhafte Dachabdichtung und somit Vermeidung eindringenden Niederschlagwassers in die Konstruktion und in Wochenstube durch Schieferung des Daches auf Bitumendachbahn mit regionaltypischen Schiefer<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung einer harns\u00e4urebest\u00e4ndigen Kotrinne mit Revisions\u00f6ffnungen zum Innenraum und Abfluss nach au\u00dfen in die Dachrinne, Einordnung in den Innenraum unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten<br \/>\n&#8211;\tSchaffung zus\u00e4tzlicher Ein- und Ausflug\u00f6ffnungen im Dachraum in Form von Gaupen auf der Nordseite, die \u00d6ffnungen entsprechen dem Mindestma\u00df f\u00fcr einen Fledermauszugang und verhindern das Eindringen anderer Vogelarten (Tauben)<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die nachfolgend aufgef\u00fchrten L\u00f6sungsans\u00e4tze ergaben sich aus der Spezifik der Aufgabe und unterstreichen die besonderen Anforderungen an die Instandsetzungsarbeiten:<br \/>\n\u00b7\tVerwendung (in Zusammenarbeit mit Firma Kl\u00f6ber) einer harns\u00e4urebest\u00e4ndigen, wasserdichten, wasserdampfdurchl\u00e4ssigen, hochrei\u00dffesten und gesundheitlich unbedenklichen Unterspannbahn mit geringem Gleitwiderstand zum Schutz aller umliegenden Holzbauteile insbesondere der Deckenschalung vor eindringender N\u00e4sse\/ Staun\u00e4sse aus den unzug\u00e4nglichen Bereichen des Zwischenraumes Deckenschalung &#8211; Dachschalung sowie unterhalb der H\u00e4ngepl\u00e4tze im offenen Dachstuhl infolge Fledermausbesiedlung<br \/>\n\u00b7\tDetaillierte Bestandsaufnahme der von den Flederm\u00e4usen besiedelten Bereiche in der Zwischendecke als Grundlage f\u00fcr die Rekonstruktion &#8211; somit Gew\u00e4hrleistung unver\u00e4nderter raumklimatischer Bedingungen (u. a. abh\u00e4ngig vom Querschnitt der Zuluft\u00f6ffnungen an der Traufe, dem Querschnitt des Zwischenboden = Abstand zwischen den Schalungen)<br \/>\n\u00b7\tZimmermannsm\u00e4\u00dfige Instandsetzung der Dachkonstruktion durch Einbau ausschlie\u00dflich unbehandelter Holzbalken, Sparren, Holzschalungen etc. unter besonderer Beachtung der einzubauenden Holzqualit\u00e4t (Bohrkernproben), Holzfeuchtigkeit (gleichm\u00e4\u00dfig geringe Holzfeuchteverteilung von < 20% \u00fcber den gesamten Querschnitt) und  des konstruktiven Holzschutzes; bei der Sanierung der durch tierische oder pflanzliche Sch\u00e4dlinge befallenen Holzbauteile ebenfalls Verzicht auf chemischen Holzschutz - hier weitr\u00e4umige, zimmermannsm\u00e4\u00dfige Instandsetzung, ggf. Komplettaustausch\n\u00b7\tDauerhafte Dachabdichtung und somit Vermeidung eindringenden Niederschlagwassers in die Konstruktion und in die Wochenstube durch Vollschieferung der Dachfl\u00e4chen auf Bitumendachbahn mit Th\u00fcringer Schiefer und Verwendung von Kupfer - Haltefeststiften\n\u00b7\tEntwicklung einer harns\u00e4urebest\u00e4ndigen Kotrinne (Titanzinkblech) mit Revisions\u00f6ffnungen zum Innenraum und Abfluss nach au\u00dfen in die (harns\u00e4urebest\u00e4ndige) Dachrinne, Einbau in gestalterischer Form eines Innengesimses zwischen die sichtbaren Sparren und somit Einordnung in das Gestal-tungsprinzip des Innenraumes und dessen Restaurierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten\n\u00b7\tSchaffung zus\u00e4tzlicher Ein- und Ausflug\u00f6ffnungen im Dachraum in Form von Gaupen auf der Nordseite, die \u00d6ffnungen entsprechen dem Mindestma\u00df f\u00fcr einen Fledermauszugang und verhindern somit das Eindringen anderer Vogelarten (Tauben), gleichzeitig wird eine Regulierung der Stauhitze in den Sommermonaten erm\u00f6glicht \n\u00b7\tBeschr\u00e4nkung der Fledermauswochenstruben und Hangpl\u00e4tze auf die bislang bekannten Bereiche im Dachstuhl durch geeignete Absperrma\u00dfnahmen\n\u00b7\tBeachtung m\u00f6glicher Bauzeiten zum Schutz der Wochenstuben\n\u00b7\tProjektbeobachtung und Auswertung \u00fcber einen Zeitraum von ca. 5 Jahren durch die zust\u00e4ndige Naturschutzbeh\u00f6rde (m\u00f6gliche Ver\u00e4nderung im Verhalten der Tiere, Umfang der Wochenstube, Annahme der sanierten Bereiche)\nDie Arbeiten wurden im Fr\u00fchjahr 2002 begonnen und konnten planm\u00e4\u00dfig Ende 2003 abgeschlossen werden.\n\n\nFazit\n\nDie gesteckten Ziele aus denkmalfachlicher naturschutzfachlicher Sicht wurden erf\u00fcllt.\nDachkonstruktion und Dacheindeckung konnten nach denkmalpflegerischen Vorgaben und technischen Erfordernissen umfassend instandgesetzt werden.\nBereits in der Ruhephase im Sommer 2003, noch vor Beginn der Schieferarbeiten, konnten Quartierkontrollen eine Wiederbesiedlung der Wochenstuben nachweisen. Neben den Flederm\u00e4usen konnte eine Ansiedlung von Mauerseglern beobachtet werden. \nTrotz tiefgreifender Bauma\u00dfnahmen k\u00f6nnen die Quartiere als durch die Flederm\u00e4use wieder angenommen gewertet werden.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Eine Vielzahl von Gemeinden steht vor der Aufgabe, Kirchen zu erhalten und gleichzeitig die Zerst\u00f6rung des Lebensraumes von Flederm\u00e4usen als Folge umfassender Sanierung zu verhindern. Besonders schwer wiegt der Konflikt, wenn wie am Bsp. der Kirche Gehofen, ein Gro\u00dfteil der Sch\u00e4den an der Dachkonstruktion auf Besiedlung durch Flederm\u00e4use zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. 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