{"id":22550,"date":"2025-10-21T10:32:02","date_gmt":"2025-10-21T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19120-01\/"},"modified":"2025-10-21T10:32:05","modified_gmt":"2025-10-21T08:32:05","slug":"19120-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19120-01\/","title":{"rendered":"Identifizierung und Ausweisung grenz\u00fcberschreitender Feuchtgebiets-Korridore zur Wiedervernetzung von Otter-Lebensr\u00e4umen in Deutschland mit benachbarten Vorkommen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde offensichtlich, dass der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) in weiten Bereichen Europas selten geworden oder g\u00e4nzlich verschwunden war. Vorausgegangen war eine Entwicklung, bei der urspr\u00fcnglich gro\u00dfr\u00e4umige und zusammenh\u00e4ngende Verbreitungsareale und Populationen schrittweise in immer kleinere, fragmentierte, und zuweilen isolierte Verbreitungsgebiete und Populationen zersplitterten. Um diese Entwicklung umzukehren, initiierte die Aktion Fischotterschutz e.V. in Kooperation mit der IUCN\/SSC Otter Specialist Group das Projekt Otter Habitat Netzwerk Europa (OHNE).<br \/>\nZiel des Projektes ist es, R\u00e4ume zu identifizieren, welche &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung der begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen des Naturschutzes &#8211; die besten Voraussetzungen f\u00fcr die Umsetzung von Schutz- und Entwicklungsma\u00dfnahmen bieten, und die als Ausgangspunkt und Verbindung dienen k\u00f6nnen, um das Verbreitungsgebiet des Otters in Mitteleuropa zu erweitern und wieder zu vernetzen, indem die gro\u00dfr\u00e4umigen Gebiete, in denen derzeit keine Otter vorkommen, \u00fcberwunden bzw. wiederbesiedelt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUnter Verwendung von Satelliten- und anderen digitalen umweltbezogenen Daten wurde eine Raumbewertungsmethode entwickelt, um mittels eines Geographischen Informations Systems (GIS) priorit\u00e4re R\u00e4ume f\u00fcr den Otterschutz und Suchr\u00e4ume f\u00fcr potentielle Verbindungskorridore zu ermitteln. Diese Bewertung bezieht sich nicht auf die Biotopebene, sondern auf die Ebene von (Landschafts-) R\u00e4umen.<br \/>\nDie Bewertung erfolgte auf zwei geographischen Ebenen. Auf der europ\u00e4ischen Ebene wurden priorit\u00e4re R\u00e4ume f\u00fcr die L\u00e4nder Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Deutschland, D\u00e4nemark, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Ungarn, \u00d6sterreich und Italien bestimmt. Auf der nationalen Ebene wurden Suchr\u00e4ume f\u00fcr Verbindungskorridore f\u00fcr Deutschland identifiziert.<br \/>\nDas Bewertungskriterium stellt das raumbezogene Konfliktpotential dar, durch das die M\u00f6glichkeiten des Otters zur Wiederbesiedlung eines Raumes (nicht eines kleinr\u00e4umigen Habitats!) beeinflusst werden.<br \/>\nAls Bezugseinheit f\u00fcr die Bewertung des Konfliktpotentials der 7 f\u00fcr Europa bzw. 9 f\u00fcr Deutschland verarbeiteten Parameter diente das 10&#215;10 km UTM Gitternetz, das auch die Grundlage des Informations Systems Otter Spuren (ISOS) bildet, \u00fcber das die Verbreitung des Otters dokumentiert wird. F\u00fcr Europa wurden 34.122 und f\u00fcr Deutschland 3.645 derartiger 10&#215;10 km UTM Gitternetzquadrate bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Als Ergebnis der Raumbewertung auf europ\u00e4ischer Ebene wird offensichtlich, dass die Gebirgsz\u00fcge der Pyren\u00e4en und der Alpen eine nat\u00fcrliche Barriere darstellen, und dass der nord\u00f6stliche Teil Frankreichs, der gr\u00f6\u00dfte Teil Belgiens, ein riesiger Bereich Deutschlands, der n\u00f6rdliche Teil der Tschechischen Repu-blik, und einige kleinere Teile des s\u00fcdlichen Polens, des nord\u00f6stlichen \u00d6sterreichs bzw. der westlichen Slowakei ein weites Areal eines hohen oder sehr hohen Konfliktpotentials bilden.<br \/>\nPriorit\u00e4re R\u00e4ume eines sehr geringen oder geringen Konfliktpotentials sind angesiedelt im westlichen und n\u00f6rdlichen Teil der Iberischen Halbinsel, an der Westk\u00fcste, in der Region des Massif Central und am westlichen Fu\u00df der Alpen in Frankreich, in Teilen der Niederlande, im n\u00f6rdlichen D\u00e4nemark, und in einem G\u00fcrtel vom nord\u00f6stlichen Deutschland \u00fcber das n\u00f6rdliche und \u00f6stliche Polen hinauf bis nach Litauen und Lettland. Einige weitere priorit\u00e4re R\u00e4ume sind sichtbar in den \u00f6stlichen und zentralen Teilen der Slowakei, im \u00f6stlichen und s\u00fcdwestlichen Ungarn, im mittleren Teil \u00d6sterreichs, im s\u00fcdlichen Teil der Tschechischen Republik, sowie am n\u00f6rdlichen und s\u00fcdlichen Fu\u00df der Alpen und in Teilen Italiens.<br \/>\nAus (west- und mittel-) europ\u00e4ischer Sicht sind dieses die R\u00e4ume gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr den Schutz von Kernzonen oder die Entwicklung von Verbindungsr\u00e4umen f\u00fcr den Otter.<br \/>\nVon den 3.645 Bezugseinheiten f\u00fcr Deutschland, die bewertet wurden, wiesen 37,7 % ein hohes bis sehr hohes Konfliktpotential auf, w\u00e4hrend nur 23,4 % mit einem geringen bis sehr geringen Konfliktpotential bewertet wurden. Die letzteren R\u00e4ume sind \u00fcberwiegend im n\u00f6rdlichen Teil Deutschlands kon-zentriert, wohingegen im zentralen und insbesondere im westlichen Teil eine Konzentration hohen Konfliktpotentials offensichtlich ist.<br \/>\nDrei Kerngebiete wurden f\u00fcr Deutschland definiert, welche die haupts\u00e4chlichen Ausgangspopulationen f\u00fcr den angestrebten Wiederbesiedlungsprozess beherbergen. Ausgehend von diesen Kerngebieten und einigen angrenzenden Populationen in den benachbarten L\u00e4ndern D\u00e4nemark, Tschechische Republik und \u00d6sterreich wurden 13 Ausgangsgebiete f\u00fcr den erwarteten Ausbreitungsprozess nach Westen definiert. An der Westgrenze Deutschlands wurden 7 Zielgebiete bestimmt, von denen erwartet wird, dass sie eine Chance f\u00fcr eine Wiedervernetzung der deutschen Otterpopulation mit den verbliebenen Populationen in den westlichen Nachbarl\u00e4ndern bieten.<br \/>\nZwischen diesen Ausgangsgebieten und Zielgebieten wurden per GIS zahlreiche potentielle Verbindungen berechnet, darauf abzielend, die k\u00fcrzeste, mit dem geringsten Grad an Konfliktpotential belastete Verbindung zu bestimmen. F\u00fcr die sich aus diesem Prozess ergebenden Suchr\u00e4ume wurden die Gew\u00e4sser ermittelt, die potentiell als Bestandteil von Verbindungskorridoren dienen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>REUTHER, C., KREKEMEYER, A., VOWINKEL, C.-J. (2001)The project Otter Habitat Network Europe (OHNE) &#8211; Method and Progress of an attempt to prepare a spacious standard of assessment for potential otter habitats. Wiss. Mitt. Nieder\u00f6sterr. Landesmuseum 14: 51-67.<br \/>\nREUTHER, C., DOLCH, D., DREWS, A., EHLERS, M., HEIDEMANN, G., KLAUS, S., MAU, H., SELL-HEIM, P., TEUBNER, J., TEUBNER, J., W\u00d6LFEL, L. (2002): Fischotterschutz in Deutschland &#8211; Grundlagen f\u00fcr einen nationalen Artenschutzplan. &#8211; Habitat Nr. 14, Aktion Fischotterschutz e.V., Hankensb\u00fcttel, 160 S.<br \/>\nREUTHER, C. (GIS-Bearbeitung: KREKEMEYER, A.) (2004). Auf dem Weg zu einem Otter Habitat Netzwerk Europa (OHNE). Habitat Nr. 15, Aktion Fischotterschutz e.V., Hankensb\u00fcttel, 308 S. &#038; CD-ROM<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das angestrebte Projektziel wurde innerhalb des geplanten Zeit- und Kostenrahmens erreicht. Auf der Basis der Ergebnisse ist nunmehr geplant (und bereits begonnen worden) die Gew\u00e4sser in den Suchr\u00e4umen auf der (lokalen) Habitatebene zu untersuchen und zu bewerten und damit zu ermitteln,<br \/>\n&#8211;\twelche Gew\u00e4sser die besten Voraussetzungen bieten Bestandteil des angestrebten Habitat-Netzwerkes zu werden,<br \/>\n&#8211;\two die besten Voraussetzungen bestehen, um Ma\u00dfnahmen zum Schutz oder zur Erweiterung des Otterverbreitungsgebietes mit dem geringsten Aufwand innerhalb der k\u00fcrzesten Zeit umzusetzen, und<br \/>\n&#8211;\twelche konkreten Ma\u00dfnahmen zur Erhaltung oder zur Verbesserung der Habitate erforderlich sind.<br \/>\nParallel zu diesem umsetzungsorientierten Ansatz ist in Fortsetzung des Projektes eine Weiterentwicklung und Verbesserung der Bewertungsmethodik und eine Einbeziehung der Faktoren Zeit und Popula-tionsentwicklung in das Vorhersagemodell geplant. Zum letzteren Aspekt wurde der Evaluierungspro-zess f\u00fcr das Projekt bereits durch regelm\u00e4\u00dfige Verbreitungserhebungen mit einer standardisierten Methode begonnen. Erste, ganz vorl\u00e4ufige Ergebnisse scheinen die Vorhersagen der Raumbewertung zu best\u00e4tigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde offensichtlich, dass der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) in weiten Bereichen Europas selten geworden oder g\u00e4nzlich verschwunden war. Vorausgegangen war eine Entwicklung, bei der urspr\u00fcnglich gro\u00dfr\u00e4umige und zusammenh\u00e4ngende Verbreitungsareale und Populationen schrittweise in immer kleinere, fragmentierte, und zuweilen isolierte Verbreitungsgebiete und Populationen zersplitterten. 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