{"id":22543,"date":"2023-07-29T10:32:02","date_gmt":"2023-07-29T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19109-01\/"},"modified":"2023-07-29T10:32:04","modified_gmt":"2023-07-29T08:32:04","slug":"19109-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19109-01\/","title":{"rendered":"Erh\u00f6hung der Biodiversit\u00e4t in einer intensiv genutzten B\u00f6rdelandschaft Westfalens mit Hilfe von extensivierten Ackerstreifen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Gegenstand und Ziel des Projekts war die \u00f6kologische Anreicherung der \u00fcberwiegend intensiv ackerbaulich genutzten Hellwegb\u00f6rde im Kreis Soest durch extensivierte Ackerstreifen. Selten gewordene und typische Tier- und Pflanzenarten sollen gem\u00e4\u00df ihrem Vorkommen r\u00e4umlich differenziert gef\u00f6rdert und allgemein die Biodiversit\u00e4t erh\u00f6ht werden. Modellhaft sollen L\u00f6sungswege aufgezeigt werden, wie Naturschutzma\u00dfnahmen in einem Ackerbaugebiet umgesetzt und betrieblich sinnvoll integriert werden k\u00f6nnen. Die bestehenden Ackerextensivierungsprogramme des Landes NRW sollen hierdurch optimiert werden, um die Verbreitung und Akzeptanz neuer Naturschutz-Ma\u00dfnahmen landesweit zu verbessern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas zwischen Lippe und Ruhr bzw. M\u00f6hne gelegene Projektgebiet ist ca. 930 km\u00b2 gro\u00df. In den vier Vertragsjahren 2002\/03 bis 2005\/06 wurden den Landwirten sieben verschiedene streifenf\u00f6rmige Extensivierungs-Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Ackerfl\u00e4chen angeboten. Die sieben Typen extensivierte Ackerstreifen waren: 1. Extensiviertes Getreide im doppelten Reihenabstand; 2. Brache (im M\u00e4rz eine Bodenbearbeitung); 3. Wildkrauteinsaat (jeweils ca. 20 Wild- und Kulturarten); 4. \u00dcberj\u00e4hriges Getreide, nachfolgend extensiver Sommergetreideanbau; 5. \u00dcberj\u00e4hriges Getreide, nachfolgend Schwarzbrache; 6. \u00dcberj\u00e4hrige Wildkr\u00e4u-ter, nachfolgend Schwarzbrache; 7. \u00dcberj\u00e4hrige Wildkr\u00e4uter- Fortf\u00fchrung. F\u00fcr alle extensivierten Ackerstreifen galten der Verzicht von D\u00fcnger, Bioziden, mechanischer Beikrautregulierung sowie Abstandsauflagen zu Siedlungen, W\u00e4ldern, Stra\u00dfen. F\u00fcr die Einwerbung von Vertr\u00e4gen mit Landwirten waren pers\u00f6nliche Beratungsgespr\u00e4che in Verbindung mit Informationen in einem Projektfaltblatt und im Pflanzenbaufax der Landwirtschaftskammer besonders effektiv. Die Auswirkungen der extensivierten Ackerstreifen wurden im Rahmen von Effizienzkontrollen von Herbst 2002 bis Januar 2006 gepr\u00fcft. Ackerwildkr\u00e4uter, Schwebfliegen, Tagfalter, Heuschrecken, Laufk\u00e4fer, V\u00f6gel sowie der Feldhase wurden sowohl in den extensivierten Ackerstreifen als auch in nah gelegenen Referenzfl\u00e4chen im konventionell angebauten Getreide erfasst. Die Auswirkungen auf Best\u00e4nde einiger Vogelarten konnten auch gro\u00dffl\u00e4chig von 2002 bis 2005 untersucht werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Insgesamt legten 79 Landwirte im Projektgebiet 491 Ackerstreifen an, die im Durchschnitt etwa 0,4 ha gro\u00df waren. Am h\u00e4ufigsten wurden Getreidestreifen der Typen 1 und 4 mit 49 % gew\u00e4hlt, gefolgt von Wildkrautstreifen der Typen 3 und 7 mit 38 % und Brachestreifen der Typen 2 und 5 mit 13 % (Typ 6 wurde nicht realisiert). Die Fl\u00e4che der Vertragsfl\u00e4chen konnte wie geplant von anfangs 23 ha kontinuierlich auf 70 ha im vierten Jahr gesteigert werden.<br \/>\nIn den Untersuchungsfl\u00e4chen s\u00e4mtlicher Streifentypen wurden im Mittel &#8211; zum Teil sehr starke &#8211; Steigerungen der Arten- bzw. Individuenzahlen im Vergleich zu den Referenzfl\u00e4chen nachgewiesen, wobei es je nach Organismengruppe, Streifentyp und Jahreszeit Differenzierungen gab. Positive Wirkungen wurden auch bei den meisten Zielvogelarten des Projektes wie Feldlerche, Rebhuhn, Kiebitz und Goldammer festgestellt. Alle Streifentypen wurden naturschutzfachlich als gut bis sehr gut bewertet. Bei den gro\u00dffl\u00e4chig untersuchten Vogelarten (Kiebitz, Grauammer, Rastv\u00f6gel) waren bei einem Fl\u00e4chenanteil der extensivierten Ackerstreifen von weniger als 1 % an den untersuchten R\u00e4umen keine positiven Auswirkungen der Ma\u00dfnahmen auf die Vogelbest\u00e4nde nachweisbar.<br \/>\nEin weiterer Schwerpunkt waren Untersuchungen zu Praktikabilit\u00e4t und Akzeptanz der Ma\u00dfnahmen bei den Landwirten. Zwei Telefonbefragungen von Landwirten ergaben, dass bestimmte Ackerstreifentypen bevorzugt wurden. Wichtige Kriterien waren f\u00fcr die Bewirtschafter u. a. der bef\u00fcrchtete Befall mit Problemkr\u00e4utern, die Integrierbarkeit der Ma\u00dfnahmen in den Betriebsablauf und die Entsch\u00e4digungsh\u00f6he. Die zusammenfassende Bewertung der Streifentypen aus landwirtschaftlicher Sicht ergab f\u00fcr die Getreide- und Wildkrautstreifen eine gute bis sehr gute, f\u00fcr die Brachestreifen nur eine m\u00e4\u00dfig gute bis schlechte Bewertung. Die Befragungsergebnisse und eigene Beobachtungen f\u00fchrten zu leichten Modifikationen der extensivierten Ackerstreifen, z. B. wurde die urspr\u00fcngliche Obergrenze der Streifenbreiten von 15 m erh\u00f6ht oder die Wildkrautmischung in Anpassung an K\u00f6rner fressende Singv\u00f6gel ver\u00e4ndert.<br \/>\nDie Ergebnisse des Projektes wurden in einem breiten Kreis kommuniziert und waren auch eine wichtige Grundlage f\u00fcr Extensivierungs-Ma\u00dfnahmen im Rahmen der Hellwegb\u00f6rde-Vereinbarung (Schutz der Wiesenweihe und anderer Offenlandarten im Kreis Soest innerhalb des inzwischen ausgewiesenen EU-Vogelschutzgebietes Hellwegb\u00f6rde).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Teilnahme an j\u00e4hrlichen Verbund-Workshops diente der Darstellung und Diskussion der Ergebnisse und dem Informationsaustausch. Mit gleicher Zielsetzung wurden Fachtagungen und vergleichbare Projekte besucht und fachkundige Referenten eingeladen. F\u00fcr die Vertragseinwerbung wurden vielf\u00e4ltige Kommunikationsmittel eingesetzt: u. a. Presseartikel, Vortr\u00e4ge auf Hegerings- bzw. Landwirte-Versammlungen (mehr als 30), Exkursionen, Gestaltung von Radiosendungen und Erstellung einer eigenen Website. Dar\u00fcber hinaus wurden die Projektergebnisse auch \u00fcberregional auf mehreren Fachtagungen und den DLG-Feldtagen vorgestellt. N\u00e4heres zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit findet sich im ausf\u00fchrlichen Anhangsteil des Abschlussberichtes.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt konnte wie geplant durchgef\u00fchrt werden. Die Umsetzung der Projektes zusammen mit den Landwirten und Kooperationspartnern war erfolgreich. Aus den Ergebnissen und Erfahrungen des Projektes wurden Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Neugestaltung bzw. Erweiterung der Angebote der Agrarumweltma\u00dfnah-men und des Vertragsnaturschutzes in Nordrhein-Westfalen abgeleitet. Drei Vertragsvarianten f\u00fcr jeweils f\u00fcnfj\u00e4hrige Vertragslaufzeiten wurden dem Umweltministerium von NRW vorgeschlagen. Bei der Auswahl der Streifentypen war eine m\u00f6glichst hohe \u00f6kologische Effizienz in Verbindung mit einer ausreichenden landwirtschaftlichen Praktikabilit\u00e4t von ausschlaggebender Bedeutung. Zus\u00e4tzlich wurden Vorschl\u00e4ge f\u00fcr sinnvolle Streifenbreiten bzw. -fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfen, f\u00fcr praktikable Abstandsauflagen aus vogelkundlicher Sicht und f\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung von Vorbelastungen mit Problemkr\u00e4utern gemacht. Auch wurde die Produktion von authochtonem Saatgut f\u00fcr Wildkrautfl\u00e4chen angeregt. Die Einbeziehung von einigen Streifentypen, z. B. dem Getreidestreifen im doppelten Reihenabstand, in die Vertragsnaturschutzpakete wurde vom Umweltministerium f\u00fcr die F\u00f6rderperiode 2007 bis 2015 in Aussicht gestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Gegenstand und Ziel des Projekts war die \u00f6kologische Anreicherung der \u00fcberwiegend intensiv ackerbaulich genutzten Hellwegb\u00f6rde im Kreis Soest durch extensivierte Ackerstreifen. Selten gewordene und typische Tier- und Pflanzenarten sollen gem\u00e4\u00df ihrem Vorkommen r\u00e4umlich differenziert gef\u00f6rdert und allgemein die Biodiversit\u00e4t erh\u00f6ht werden. 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