{"id":22471,"date":"2025-12-22T10:32:02","date_gmt":"2025-12-22T09:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18986-01\/"},"modified":"2025-12-22T10:32:05","modified_gmt":"2025-12-22T09:32:05","slug":"18986-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18986-01\/","title":{"rendered":"Integrativer Anbau von \u00c4sungsfl\u00e4chen &#8211; Modell zur Erh\u00f6hung der \u00f6kologischen Bedeutung von Wild\u00e4ckern und Wildwiesen durch gelenkte F\u00f6rderung wildwachsender \u00c4sungs- und Deckungspflanzen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei den im Rahmen jagdlicher Hege angelegten Wild\u00e4ckern und Wildwiesen in Niedersachsen kommt es bei aller Vielfalt der Anbaupraxis in zahlreichen F\u00e4llen zu vermeidbarer Umweltbelastung und bedenklicher Standortwahl. Das Ziel besteht darin, auf \u00c4sungsfl\u00e4chen eine artenreiche Segetalvegetati-on\/Gr\u00fcnlandnarbe zu f\u00f6rdern, die eine den angebauten Pflanzen vergleichbare Funktion f\u00fcr die Hege \u00fcbernimmt und extensive Anbauformen automatisch erfordert. Im Projekt sollen Empfehlungen zur integrativen Bewirtschaftung von \u00c4sungsfl\u00e4chen erarbeitet, modellhaft getestet und landesweit verbreitet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie fehlenden \u00f6konomischen Zw\u00e4nge auf \u00c4sungsfl\u00e4chen er\u00f6ffnen in besonderem Ma\u00df die Option einer dem Standortcharakter angepassten Bewirtschaftung. Postuliert wird (1), dass ein bestimmter Anteil wildwachsender Pflanzenarten neben den Kulturfr\u00fcchten eine mindestens gleichwertige Funktion und Bedeutung im Hinblick auf die Nahrungs- und Habitatbed\u00fcrfnisse des Wildes besitzt sowie (2), dass sich Segetalflora und Gr\u00fcnlandnarbe in markanter Weise von jener der Wirtschafts\u00e4cker und -wiesen unterscheiden (Wildacker: variable Fruchtfolgen, Misch-Einsaat. Wildwiese: ganzj\u00e4hrige, ungeregelte und gemischte Beweidung, Standort am\/im Wald). Im Projekt sollen die Vegetation, der Verbiss durch Wild sowie der Mineralstoffgehalt von Pflanze und Boden auf \u00c4sungsfl\u00e4chen dokumentiert werden, die die aktuelle Bewirtschaftungspraxis in verschiedenen Naturr\u00e4umen Niedersachsens widerspiegeln. In der zweiten Projektphase werden erste Anbauempfehlungen abgeleitet und auf 30 Modellfl\u00e4chen getestet. Zusammen mit den empirischen Erfahrungen der Revierinhaber l\u00e4sst sich dann ein konsensf\u00e4higes Konzept zur Anlage integrativ angebauter \u00c4sungsfl\u00e4chen entwickeln. Dieses Konzept soll in der dritten Projektphase von den Kooperationspartnern verabschiedet und durch gemeinsame \u00d6ffentlichkeitsarbeit den Kommunen, Naturschutz- und Landwirtschaftsverb\u00e4nden vorgestellt werden. Dar\u00fcber hinaus wird auf die niedersach-senweit organisierte Verbandsarbeit der J\u00e4ger zur\u00fcckgegriffen, damit die Anbauempfehlungen auch die einzelnen Revierinhaber und -p\u00e4chter erreichen. Auf diese Weise kann das Konzept auf breiter Basis zur Umsetzung gelangen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>(Projektphase  Wild\u00e4cker)<br \/>\nUm die Frage nach dem \u00f6kologischen Nutzen einj\u00e4hriger Wild\u00e4cker der Feldflur zu kl\u00e4ren, wurden im ersten Projektjahr auf 68 Standorten im Tief- und Bergland Niedersachsens w\u00e4hrend der Vegetationsperiode 2002 die Ansaaten und Pflanzenarten erfasst. Jeder Wildacker unterliegt einer individuellen Anbaupraxis; jeder zweite (darunter 26 Stillegungsfl\u00e4chen) besitzt eine andere Einsaat. Das Spektrum der wildwachsenden Pflanzenarten vermittelt zwischen Ackerwildkraut-Gesellschaften und Ruderalen Beifu\u00dffluren und ist durch hohe Bauwerte Mehrj\u00e4hriger gekennzeichnet. Die Artenzahl variiert von 12 &#8211; 63; im Mittel rund 40, im Diepholz-Nienburger Raum 24 Arten. 40% der Wild\u00e4cker beherbergen mindestens eine von 17 Arten der Roten Liste. Dabei sind individuenreiche Populationen die Ausnahme und nur auf Standorten mit langer Ackernutzung zu finden. Die quantitative Erfassung der von Rehwild und Feldhase verbissenen Pflanzenarten (Individuenzahl) sowie die Feststellung der pflanzenartspezifischen \u00c4sungs-pr\u00e4ferenz (Anteil \u00c4cker, wo Art be\u00e4st im Verh\u00e4ltnis zur Zahl, wo Art auftrat) ergab 23 Kultur- und 67 Wildpflanzenarten. S\u00fc\u00dfgr\u00e4ser, aromatische und niederliegende Pflanzenarten werden weniger angenommen; hochw\u00fcchsige, milchsaftf\u00fchrende und saftige bevorzugt. Die wildwachsende Flora der Wild\u00e4cker erf\u00fcllt damit eine obligate Funktion im sommerlichem Nahrungsspektrum. Durch die regelm\u00e4\u00dfige Bestellung ackerf\u00e4higer Grenzertragsstandorte mit Feldfr\u00fcchten tragen Wild\u00e4cker zum Schutz erhaltenswerter Segetalvegetation bei, deren Restitution in F\u00e4llen kleiner Populationsgr\u00f6\u00dfen der beteiligten Arten dringend geboten ist. Im letzten Jahr der Projektlaufzeit wurden Wildwiesen bearbeitet. Als Referenzstandorte dienten 20 \u00c4sungsfl\u00e4chen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Um die aktuelle Bedeutung besonders alter Fl\u00e4chen (> 5 Jahre) f\u00fcr Wildtiere und -pflanzen nachzuweisen,  wurden Pflanzenarten, Bodenparameter und Be\u00e4sungsintensit\u00e4t erhoben. \u00dcber 80% aller untersuchten Fl\u00e4chen beherbergen mindestens eine gef\u00e4hrdete Pflanzenart. Die \u00fcberdurchschnittlich hohe Artenvielfalt wurde verursacht durch ein Nebeneinander verschiedener Pflanzengesellschaften. Im Gegensatz zu Wirtschaftgr\u00fcnland sind f\u00fcr Wildwiesen auch einj\u00e4hrige Ackerpflanzen typisch. Diese Arten profitieren von regelm\u00e4\u00dfiger Bodenverwundung, verursacht durch den Tritt des Wildes und vor allem das W\u00fchlen der Wildschweine. Die Be-\u00e4sungsintensit\u00e4t war dort besonders hoch, wo krautige Arten dominierten und die Stickstoffversorgung des Bodens gering war.<br \/>\n(Projektphase Wildwiesen)<br \/>\nIm letzten Jahr der Projektlaufzeit wurden Wildwiesen bearbeitet. Als Referenzstandorte dienten 20 \u00c4sungsfl\u00e4chen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Etablierung beliebter Futterpflanzen f\u00fcr das Rotwild bildet das Leitbild bei Entscheidungen \u00fcber Umbruch, Zwischeneinsaat oder D\u00fcngung als Ma\u00dfnahmen ordnungsgem\u00e4\u00dfen Waldbaus (\u00a7 11\/2 NWaldLG). Die Pflege der \u00c4sungsfl\u00e4chen wird Lohnunternehmern (Landwirten) \u00fcbertragen, die dabei ihre eigenen Maschinen einsetzen. Nicht selten ist ein hoher Aufwand n\u00f6tig (z.B. aufgew\u00fchlte Stellen durch Wildschweine, abgefallene \u00c4ste etc.), so dass im Rahmen des knappen Budgets zahlreiche Fl\u00e4chen selten oder nur partiell bearbeitet werden. Unter diesen Bedingungen entwickelte sich \u00fcber die Jahre ein weites Spektrum unterschiedlicher Auspr\u00e4gungen von \u00c4sungsfl\u00e4chen. Dazu z\u00e4hlen einj\u00e4hrige Ackerkulturen, mehrj\u00e4hrige Brachen sowie &#8211; mit Ausnahme von Nasswiesen &#8211; alle nur denkbaren Auspr\u00e4gungen von Gr\u00fcnland (Mager- und Fettwiese, Trockenrasen). Um die aktuelle Bedeutung besonders alter Fl\u00e4chen (> 5 Jahre) f\u00fcr Wildtiere und -pflanzen nachzuweisen, wurden Pflanzenarten, Bodenparameter und Be\u00e4sungsintensit\u00e4t erhoben. \u00dcber 80% aller untersuch-ten Fl\u00e4chen beherbergen mindestens eine gef\u00e4hrdete Pflanzenart. Die \u00fcberdurchschnittlich hohe Arten-vielfalt wurde verursacht durch ein Nebeneinander verschiedener Pflanzengesellschaften. Im Gegensatz zu Wirtschaftgr\u00fcnland sind f\u00fcr Wildwiesen auch einj\u00e4hrige Ackerpflanzen typisch. Diese Arten profitieren von regelm\u00e4\u00dfiger Bodenverwundung, verursacht durch den Tritt des Wildes und vor allem das W\u00fchlen der Wildschweine. Die Be\u00e4sungsintensit\u00e4t war dort besonders hoch, wo krautige Arten dominierten und die Stickstoffversorgung des Bodens gering war. Das Kernproblem bestand darin, dass die Fl\u00e4chen nach Ma\u00dfgabe \u00e4u\u00dferer Kriterien (Betriebskosten, eiwei\u00dfreiche \u00c4sung) unterhalten werden, die mit den Stand-ortanspr\u00fcchen schutzw\u00fcrdiger Pflanzengesellschaften nicht notwendigerweise \u00fcbereinstimmen. Zwar wurden entsprechende Empfehlungen und Akutma\u00dfnahmen zur standortgerechten Bewirtschaftung er-arbeitet, jedoch erwies sich die Durchf\u00fchrung wegen der komplexen Situation im Revier als unbefriedigend, da es lediglich auf den Schutz von Einzelfl\u00e4chen hinauslief, ohne dass es gelang, die Funktion anderer \u00c4sungsfl\u00e4chen f\u00fcr eine Verbesserung der \u00c4sungsfl\u00e4chen generell auszunutzen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Insgesamt wurden zum Thema Wild\u00e4cker mehr als 20 Vortr\u00e4ge vor J\u00e4gerschaften und Hegeringen gehalten sowie zwei Brosch\u00fcren herausgegeben. Eine Fachpublikation in der Zeitschrift f\u00fcr Jagdwissenschaft [49 (2003), 161-190] liegt vor. Ferner erschien das Projekt im Landesjagdbericht Niedersachsen 2004.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Daten zur Bedeutung von Wild\u00e4ckern als Standort f\u00fcr Wildpflanzen und als \u00c4sungsfl\u00e4che f\u00fcr Haarwild liefern eine Basis, auf der Pflanzenartenschutz und Jagdliche Hege kooperieren k\u00f6nnen. Im Rahmen einer Kooperation bei der Anlage und Unterhaltung von Wild\u00e4ckern lie\u00df sich der Schaden von der Umwelt (nicht standortgem\u00e4\u00dfe Bewirtschaftung) abwenden und konnten ungenutzte Chancen (Restitution von Segetalflora) realisiert werden. Das Projekt fand eine unerwartet gro\u00dfe Unterst\u00fctzung bei den J\u00e4gern und bewirkte, dass die Mehrheit Wild\u00e4cker erstmals auch als Lebensraum f\u00fcr Pflanzenarten wahrgenommen hat und entsprechende Leitlinien zur standortgerechten D\u00fcngung und Einsaat umsetzt. Der Teil Wildwiesen erwies sich als derart komplex, dass die Bewirtschaftungsempfehlungen nur einen kleinen Teil des Notwendigen abdecken konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei den im Rahmen jagdlicher Hege angelegten Wild\u00e4ckern und Wildwiesen in Niedersachsen kommt es bei aller Vielfalt der Anbaupraxis in zahlreichen F\u00e4llen zu vermeidbarer Umweltbelastung und bedenklicher Standortwahl. Das Ziel besteht darin, auf \u00c4sungsfl\u00e4chen eine artenreiche Segetalvegetati-on\/Gr\u00fcnlandnarbe zu f\u00f6rdern, die eine den angebauten Pflanzen vergleichbare Funktion f\u00fcr die Hege \u00fcbernimmt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,50,64],"class_list":["post-22471","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-niedersachsen"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"18986\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-18986.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"101.643,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Universit\u00e4t HannoverInstitut f\u00fcr Botanik","dbu_projektdatenbank_strasse":"Herrenh\u00e4user Str. 2","dbu_projektdatenbank_plz_str":"30419","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Hannover","dbu_projektdatenbank_p_von":"2002-06-15 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2005-06-15 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"0511\/762-2633","dbu_projektdatenbank_inet":"sun1.rrzn.uni-hannover.de\/botanik","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Niedersachsen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"81","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22471","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35474,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22471\/revisions\/35474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}