{"id":22464,"date":"2023-07-13T15:21:35","date_gmt":"2023-07-13T13:21:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18967-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:37","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:37","slug":"18967-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18967-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Konservierung des stark umweltgesch\u00e4digten kupfergetriebenen Reiterstandbildes Kurf\u00fcrst Friedrich August I. in Dresden (Sachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das als Goldener Reiter bekannt gewordene Reiterstandbild des Kurf\u00fcrsten Friedrich August I., auch August der Starke genannt, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Dresdens und muss dringend saniert werden. Bei ersten Untersuchungen vor Ort wurden verschiedene Sch\u00e4den, haupts\u00e4chlich Korrosionserscheinungen im Innern des Pferdes sowie auf der Oberfl\u00e4che des Standbildes festgestellt. Am Postament sind Sch\u00e4den durch Witterungseinfl\u00fcsse, Salzausbl\u00fchungen und mechanische Sch\u00e4den erkennbar. Bei den Restaurierungsarbeiten an der Oberfl\u00e4che und der statischen Sicherung ist so viel als m\u00f6glich vom Original (so auch die Feuervergoldung) zu erhalten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr eine gesamtheitliche Restaurierung war es notwendig, vor Ort das Reiterstandbild in einzelne Figurenteile fachgerecht zu demontieren und in eine Restaurierungswerkstatt zu transportieren. Aufgabe der Restauratoren war es bisher, eine Restaurierungskonzeption und einen Ma\u00dfnahmeplan f\u00fcr die Restaurierung und modellhafte Konservierung des stark umweltgesch\u00e4digten, kupfergetriebenen Reiterstandbildes zu erstellen. Kritisch erwiesen sich an den Hinterbeinen die Bereiche der beiden Unterschenkel bis \u00fcber die Ferse, welche vollst\u00e4ndig mit Blei ausgegossen sind. Durch Kondensatbildung korrodierte die in der Bleiumh\u00fcllung befindliche eiserne Armierung mit einem festgestellten Substanzverlust von 20 &#8211; 25 %, was die Standsicherheit der Figur beeinflussen kann. Es wird vorgeschlagen, diese beiden Beinbereiche im Inneren mit neuem Material zu best\u00fccken. Zur Dimensionierung des neuen St\u00fctzger\u00fcstes aus Edelstahl sind noch statische Untersuchungen und konstruktive L\u00f6sungen zur Ableitung von Kondenswasser erforderlich. Die \u00fcbrigen originalen St\u00fctzger\u00fcstteile sind zu demontieren, zu reinigen, mit einem langzeitwirkenden Korrosionsschutz zu versehen und mit etwas Abstand zur Kupferhaut wieder zu montieren. Fehlstellen, die auf mechanische Beanspruchung bzw. Korrosion zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, sollen \u00fcberwiegend hinterl\u00f6tet werden, einschlie\u00dflich der entsprechenden vor- und nachbereitenden Arbeiten. Um der inneren Korrosion vorzubeugen, sollen an ausgew\u00e4hlten Stellen Bohrungen zum Kon-denswasserabfluss gesetzt werden. Nach der Korrosionsschutzbehandlung der Kupferau\u00dfenhaut soll die Gro\u00dfplastik wieder auf den Sockel montiert werden und danach mit einer Doppelvergoldung versehen werden. Parallel zu den Metallarbeiten ist das Steinpostament zu entsalzen, zu reinigen und Instandzusetzen. Nach der Sandsteinkonservierung werden die Schriftz\u00fcge vergoldet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Restaurierung des Reiterstandbildes war nach der Erfassung, Auswertung und Dokumentation des Iststandes (Analyse der Sch\u00e4den, Darstellung des Zustandes, Kartierung) im Wesentlichen von der L\u00f6sung und Realisierung zweier Schwerpunkte bestimmt. Der eine Schwerpunkt bestand in der Wiederherstellung der Standsicherheit des Reiterstandbildes. Dabei wurden Untersuchungen des im Inneren des Reiters befindlichen St\u00fctzger\u00fcstes notwendig. Der zweite Schwerpunkt bestand in der Konzipierung und Durchf\u00fchrung einer effektiven Technologie zur Wiederherstellung der Oberfl\u00e4che von Ross und Reiter. Zur Realisierung der Standsicherheit war der Zustand des St\u00fctzger\u00fcstes und vorrangig die in den Hinterbeinen des Rosses befindliche Eisenarmierung entscheidend. Zu diesem Zweck wurde das in den Hinterbeinen befindliche Blei ausgeschmolzen,  St\u00fctzger\u00fcst einschlie\u00dflich Eisenarmierung von der Kup-ferhaut gel\u00f6st und der Zustand begutachtet. Die visuelle Pr\u00fcfung ergab, dass die Eisenarmierung als tra-gendes Teil wegen der durchgehenden Verbleiung im Wesentlichen noch gut erhalten war. Die st\u00e4rkste Querschnittsverengung wurde direkt \u00fcber dem urspr\u00fcnglichen Verbleiungsniveau festgestellt und vom Statiker nicht als kritisch bewertet. Die an diversen Teilen des St\u00fctzger\u00fcstes durchgef\u00fchrte Spektralana-lyse ergab einen Fe-Anteil zwischen 98,1% und  99,7%. Alle Proben waren bedingt schwei\u00dfbar und wurden, soweit eine ann\u00e4hernde Bestimmung m\u00f6glich war, der Stahlsorte S235 JR zugeordnet. Auf Grund der Ergebnisse beschloss man, das originale St\u00fctzger\u00fcst weitgehend zu erhalten. Das St\u00fctzger\u00fcst wurde elektrolytisch behandelt und diverse Fl\u00e4chen mit Bleimennige beschichtet. Die tragenden Eisen in den Hinterbeinen sind mit einer reversiblen Ummantelung aus Edelstahl versehen worden, welches ein Kanalsystem zur Ableitung von Kondenswasser enth\u00e4lt und bei Bedarf zur endoskopischen Untersuchung des Innenraumes genutzt werden kann. Gleichzeitig erfolgte eine Verst\u00e4rkung im Fersenbereich der Hinterbeine, indem zur weiteren Stabilisierung \u00fcber den dort befindlichen Teil der Eisenarmierung eine Art Schuh angebracht ist. Anschlie\u00dfend wurden die Hinterbeine des Pferdes wieder mit Blei vergossen, wobei besonders auf ein lunkerfreies Einflie\u00dfen zu achten war. Die Befestigung des Reiterstandbildes mit dem steintechnischen Teil des Denkmales erfolgte unter Beibehaltung des Prinzips der bew\u00e4hrten Flanschverbindung. Die Flanschbefestigung wurde vom Statiker neu dimensioniert, Flanschplatten und Verbindungselemente in Edelstahl ausgef\u00fchrt. Die Entscheidung zur Wiederherstellung der Oberfl\u00e4che des Reiterstandbildes zum Schutz vor sch\u00e4dlichen Umweltbelastungen und zur Wahrung des Symbolwertes des Denkmals fiel nach Analyse und umfangreicher Diskussion zu Gunsten der \u00d6lvergoldung. Es wurde einvernehmlich festgelegt, dass die Neuvergoldung wegen der erforderlichen Reversibilit\u00e4t und der Vertr\u00e4glichkeit mit den Resten von Altbeschichtungen in klassischer Manier mit Anlege\u00f6l auf \u00f6lgebundenem Mennigegrund aufgebracht werden soll. Die \u00d6lvergoldung erfolgte als Einfachvergoldung unter Verwendung eines besonders starken Blattgoldes (80g \/1000 Blatt). Die vorhandene \u00d6lvergoldung einschlie\u00dflich die Vorbehandlungsbeschichtung wurde mit einem l\u00f6sungsmit-telhaltigen Abbeizer entfernt,  danach die Oberfl\u00e4che neutralisiert und getrocknet. Risse und analoge Fehlstellen in der Kupferoberfl\u00e4che sind durch Hinterl\u00f6ten und anschlie\u00dfendem Vernieten mit Kupferblech unter Einsatz von Kupferniete instandgesetzt worden. Die Reparatur von Sch\u00e4den aus Korrosion oder das Ausbessern von herstellungsbedingten d\u00fcnnen Stellen wurde durch Hinterl\u00f6ten der Fehlstellen mit Weichlot und Kupferblech erreicht. Danach erfolgte die erste Beschichtung der Kupferoberfl\u00e4che mit Bleimennige sowie der Zusammenbau der einzelnen Teile vor Ort. Anschlie\u00dfend wurde nach entsprechender Trocknung der zweite und dritte Bleimennigeanstrich aufgebracht. Nach Freigabe dieser Anstriche durch beauftragte Vertreter des  Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen  war als letzter Anstrich vor der \u00d6lvergoldung eine bew\u00e4hrte Ocker -\u00d6lfarbenbeschichtung aufzubringen, die als Haftvermittler f\u00fcr die folgende Vergoldung mit Blattgold dient. Bei der anschlie\u00dfenden \u00d6lvergoldung wurden ca. 500 Gramm Blattgold ben\u00f6tigt. Die aufgebrachte Goldbeschichtung wird eine Standzeit von 30 bis 40 Jahren haben. Es ist vorgesehen, die Oberfl\u00e4che mindestens einmal im Jahr zu kontrollieren und dabei kleinere Sch\u00e4den vor Ort auszubessern. Gleichzeitig wird auch eine Inspektion des Innenraumes mittels Endoskop durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projektvorhaben wird als Publikation in Brosch\u00fcrenform ver\u00f6ffentlicht. Eine im Bereich des Denkmals angebrachte Informationstafel gibt Auskunft \u00fcber die 2001 bis 2003 durchgef\u00fchrten Restaurierung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit einem internationalen Fachbeirat, Fachleuten des Denkmalschutzes und der Metallrestaurierung sowie mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ist es gelungen, das stark umweltgesch\u00e4digte kupfergetriebene Reiterstandbild modellhaft zu konservieren und die Standsicherheit wiederherzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das als Goldener Reiter bekannt gewordene Reiterstandbild des Kurf\u00fcrsten Friedrich August I., auch August der Starke genannt, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Dresdens und muss dringend saniert werden. Bei ersten Untersuchungen vor Ort wurden verschiedene Sch\u00e4den, haupts\u00e4chlich Korrosionserscheinungen im Innern des Pferdes sowie auf der Oberfl\u00e4che des Standbildes festgestellt. Am [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2425,68,53],"class_list":["post-22464","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-kulturgueter","tag-sachsen","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"18967\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-18967.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"63.911,49","dbu_projektdatenbank_firma":"Landeshauptstadt DresdenLiegenschaftsamt","dbu_projektdatenbank_strasse":"Dr. K\u00fclz-Ring 19","dbu_projektdatenbank_plz_str":"01067","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Dresden","dbu_projektdatenbank_p_von":"2001-11-07 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2003-11-07 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"0351\/4882590","dbu_projektdatenbank_inet":"www.dresden.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Sachsen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"96","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35467,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22464\/revisions\/35467"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}