{"id":22438,"date":"2023-07-14T10:32:54","date_gmt":"2023-07-14T08:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18940-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:32:56","modified_gmt":"2023-07-14T08:32:56","slug":"18940-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18940-01\/","title":{"rendered":"Mikrobielle, nicht-chemische Bek\u00e4mpfungsstrategie von Verticillium an Erdbeere f\u00fcr den Erwerbsanbau auf diluvialen Standorten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ausgangspunkt sind die politischen Vorgaben von EU und Bundesregierung, durch das Verbot bzw. die Beschr\u00e4nkung des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln die Umweltbelastung durch Stoffeintr\u00e4ge zu vermindern. Speziell bei der Bek\u00e4mpfung der Verticillium-Welke im Erdbeeranbau gibt es durch das seit 2001 geltende Anwendungsverbot keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel.<br \/>\nBodenb\u00fcrtige Bakterien der Arten Pseudomonas und Streptomyces wurden in Gef\u00e4\u00df- und Freilandversuchen als Antagonisten von Verticillium nachgewiesen (Universit\u00e4t Rostock, Fa. Sourcon Padena AG), die auf ihre Wirksamkeit gegen bodenb\u00fcrtige Verticillium-Populationen verschiedener Regionen mit er-werbsm\u00e4\u00dfigem Erdbeeranbau gepr\u00fcft werden. Daraus werden Empfehlungen zum umweltgerechten An-bau von Erdbeeren in verschiedenen Anbauregionen abgeleitet.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDurch die Universit\u00e4t Rostock wurden verschiedene antagonistisch wirksame Bakterienst\u00e4mme selektiert und patentiert, die in praxisnahen Exaktversuchen (Landesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Landwirtschaft) auf ihre Wirksamkeit gegen bodenb\u00fcrtige Verticillium-Populationen aus Praxisschl\u00e4gen und Pilzst\u00e4mmen des Institutes f\u00fcr Obstz\u00fcchtung Dresden-Pillnitz (Bundesanstalt f\u00fcr Z\u00fcchtungsforschung an Kulturpflanzen) als Standard gepr\u00fcft werden. Zwei aktuell bzw. in naher Zukunft kommerziell verf\u00fcgbare Pr\u00e4parate, eines mit einem Pseudomonas-Antagonisten und ein zweites in Kombination mit einem Pflanzen-Resistenz-Induktor (Fa. Sourcon Padena AG), werden parallel vergleichend untersucht. Diese Parzellenversuche werden durch Klimakammer-Versuche mit aktuellem Mikroklima erg\u00e4nzt (ZALF M\u00fcncheberg). Durch dieses erdfreie Pflanzentestsystem mit den pilzfrei vermehrten Erdbeeren (Meristemvermehrung) k\u00f6nnen die Freilandergebnisse bez\u00fcglich der Verticillium-Antagonist- Wechselbeziehung interpretiert werden. Aus der geographischen Verteilung der dominanten Pilzrassen entlang eines Transektes durch Nordostdeutschland werden in Zusammenarbeit mit den Praxispartnern regionalspezifische Bek\u00e4mpfungsempfehlungen abgeleitet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der Einsatz antagonistisch wirksamer Bakterienpr\u00e4parate in wiederholten Parzellen-Exaktversuchen zeigte kurzfristig positive Wirkungen auf die Jugendentwicklung der Erdbeerpflanzen. Wie aus Klimakammerversuchen abgeleitet werden konnte, ist die Wirkung dieser Pr\u00e4parate stark vom jeweiligen Verticillium-Stamm abh\u00e4ngig.<br \/>\nDeshalb wurden M\u00f6glichkeiten zur mikrobiellen Vorpr\u00e4gung des Standortes und zur F\u00fchrung des Erdbeerbestandes als flankierende Ma\u00dfnahmen zur Unterdr\u00fcckung der Verticillium-Welke analysiert. Bestimmte Kombinationen sind f\u00fcr den Erdbeeranbau und die Unterdr\u00fcckung von Welke-Erscheinungen positiv.<br \/>\nDie molekulargenetische Analyse von \u00fcber 400 Verticillium-Isolaten der Untersuchungsregion und der Parzelle M\u00fcncheberg zeigte auf, dass vitale und symptomatische Pflanzen durch Verticillium besiedelt sind. Der quantitative Anteil an spezifischen Subtypen und die Subtyp-Populationsstruktur sind die entscheidenden Faktoren, die die H\u00e4ufigkeit des Auftretens und das Ausma\u00df des Schadens beeinflussen. Deshalb wurden 30 ausgew\u00e4hlte Subtypen auf ihre Pathogenit\u00e4t und die Abh\u00e4ngigkeit der Schadensauspr\u00e4gung vom Klima untersucht. Hieraus ergab sich die in der Patentierung befindliche M\u00f6glichkeit, durch Beimpfung mit \u00f6kologisch reziproken Subtypen eine apathogen wirkende Verticillium-Population in der Pflanze zu etablieren. Wie nachgewiesen werden konnte, ist dieses Management der Bestandesvitalit\u00e4t unabh\u00e4ngig von Ertragsbildungsprozessen. F\u00fcr eine langanhaltende Bestandessicherheit ist die Kombination der flankierenden Ma\u00dfnahmen am Standort mit der Steuerung der Verticillium-Population in der Pflanze notwendig.<br \/>\nDie nachgewiesenen \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4nge und ihre Beeinflussbarkeit ist mindestens auf den diluvialen Standorten der Untersuchungsregion anwendbar. Eine Fortf\u00fchrung der Arbeiten insbesondere zur Pr\u00fcfung verschiedener Verticillium-Subtyp-Mixturen auch an anderen Sorten und zur Anwendung in weiteren Anbaugebieten ist w\u00fcnschenswert. So w\u00e4re eine \u00f6kologisch sehr vertr\u00e4gliches Anbauverfahren nicht nur der Sorte \u0082Elsanta bei hohem Ertragsniveau \u00fcberregional gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Versuchsparzelle wurde dem Berufsstand der Erwerbsanbauer im Land Brandenburg j\u00e4hrlich im Januar und Juli im Rahmen der Zentralen Obstbaufachtagung des Landes Brandenburg (Teilnehmer aus bis zu 80 Obstbaubetrieben der Region und aus 5-10 Obstbaubetrieben benachbarter Bundesl\u00e4nder) bzw. des Feldtages der Obstbau-Versuchsstation M\u00fcncheberg (LVLF) (Teilnehmer aus bis zu 25 Obstbaubetrieben und 60 sonstigen Interessenten wie Garten- und Landschaftsbaubetrieben) als Referat vor-gestellt. Dabei wurden Ziele und Versuchsansatz erl\u00e4utert, sowie die Zwischenergebnisse, ohne auf patentrelevante Details einzugehen. Dies wird planm\u00e4\u00dfig in den n\u00e4chsten Jahren fortgesetzt.<br \/>\nVersuchsansatz, Methodik und vorl\u00e4ufige Ergebnisse zur Korrelation zwischen Welkesymptomen und der Quantit\u00e4t der aus Erdbeer-Blattstielen isolierten Bakterien- und Pilze wurden vom 11. bis 17.08.2002 als Posterpr\u00e4sentation auf dem 7th International Mycological Congress in Oslo, Norwegen, und am 9.\/10.03.2005 auf dem Treffen des Arbeitskreises Biologische Bek\u00e4mpfung von Pflanzenkrankheiten, Biologische Bundesanstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft BBA Kleinmachnow, vorgestellt. Die Publikation der Ergebnisse in internationalen Fachzeitschriften ist geplant.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Projekt konnte die zielgerichtete Beeinflussung des dynamischen \u00d6kosystems Boden-Mikrohabitat\/Erdbeerpflanze zur nicht-chemischen Bek\u00e4mpfung der Verticillium-Welke durch Ma\u00dfnahmen zur Bodenbewirtschaftung, Vorkultur, mikrobiellen Vorpr\u00e4gung des Standortes und Steuerung der mikrobiellen Besiedlung aufgezeigt werden. Ein neuer Ansatz zur Bek\u00e4mpfung der Welke in der Erdbeerpflanze unter Nutzung spezifischer Subtypen von Verticillium befindet sich in der Patentierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ausgangspunkt sind die politischen Vorgaben von EU und Bundesregierung, durch das Verbot bzw. die Beschr\u00e4nkung des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln die Umweltbelastung durch Stoffeintr\u00e4ge zu vermindern. 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