{"id":22387,"date":"2024-11-27T10:36:27","date_gmt":"2024-11-27T09:36:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18877-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:29","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:29","slug":"18877-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18877-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung neuer Ans\u00e4tze f\u00fcr ein befalls- und schadensbezogenes Entscheidungsmodell bei der Sclerotinia-Bek\u00e4mpfung im Winterraps"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Wei\u00dfst\u00e4ngeligkeit, hervorgerufen durch Sclerotinia sclerotiorum, stellt die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit im deutschen Rapsanbau dar. Da die Symptome dieser Krankheit h\u00e4ufig jedoch erst nach dem letztm\u00f6glichen Bek\u00e4mpfungstermin auftreten, sind prophylaktische Fungizidapplikationen in der Praxis \u00fcblich. Durch die Erarbeitung einer wirtschaftlichen Schadensschwelle und die Eingliederung der Schadensschwelle in das in einem Parallelprojekt entwickelte Entscheidungsmodell SkleroPro wurde ein Werkzeug f\u00fcr die integrierte Bek\u00e4mpfung der Wei\u00dfst\u00e4ngeligkeit im Winterraps entwickelt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn dreij\u00e4hrigen Feldversuchen wurde der Einfluss der Parameter Sorte, Infektionstermin, Aussaattermin sowie Bestandesdichte auf die Schadwirkung von S. sclerotiorum untersucht. Alle Versuche wurden mit einer Hybrid- und einer Liniensorte angelegt. Mit Hilfe k\u00fcnstlicher Einzelpflanzeninokulationen (Zahnstochermethode) wurden Befallsh\u00e4ufigkeiten von 0% bis 70% in den Parzellen eingestellt. In einem ersten Versuch wurde die Schadwirkung einer fr\u00fchen Inokulation (BBCH 61-65) mit der einer sp\u00e4ten Infektion (BBCH 71) verglichen. In einem zweiten Versuch wurde der Unterschied zwischen zwei Aussaatterminen (ein f\u00fcr die Region G\u00f6ttingen fr\u00fcher Termin (10.-15.08.) und ein normaler Termin (20.-25.08.)) und zwei Bestandesdichten (50 bzw. 60 Pfl\/m\u00b2 gegen\u00fcber 35 bzw.45 Pfl\/m\u00b2) auf die Schadwirkung von Sclerotinia untersucht. Zu BBCH 67-69 wurden Befallsh\u00e4ufigkeiten von 0 &#8211; 50 % eingestellt. In einem dritten Versuch wurde durch mechanische Reduzierung der Bestandesdichte (0-70 %) das Kompensationspotential von Winterraps untersucht. Von allen Parzellen werden bei der Ernte die Ertragsdaten erfasst und in Beziehung zu den eingestellten Befallsgr\u00f6\u00dfen gesetzt.<br \/>\nNeben den Feldversuchen wurde die Wirtschaftlichkeit von Fungizidma\u00dfnahmen gegen S. sclerotiorum anhand von Daten aus den offiziellen Feldversuchen der Pflanzenschutzdienste der L\u00e4nder analysiert.<br \/>\nAus den Ergebnissen der Feldversuche und der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurde eine Schadensschwelle f\u00fcr S. sclerotiorum entwickelt, die anschlie\u00dfend in das Prognosemodell SkleroPro integriert wurde.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In den dreij\u00e4hrigen Feldversuchen konnten mehrere Faktoren, die einen Einfluss auf die Schadwirkung von S. sclerotiorum an Winterraps haben, identifiziert und quantifiziert werden. Die Ergebnisse der Ver-suche haben gezeigt, dass die Anf\u00e4lligkeit der Pflanzen f\u00fcr S. sclerotiorum abh\u00e4ngig von der Sorte und dem Zeitpunkt der Infektion ist. Die Hybride \u0082Talent zeigte eine geringere Anf\u00e4lligkeit als die Liniensorte \u0082Prince, die Hybride \u0082Maja zeigte eine noch h\u00f6here Anf\u00e4lligkeit als \u0082Prince. Mit zunehmender Pflanzenentwicklung war ein tendenzieller Anstieg in der Anf\u00e4lligkeit zu beobachten. Die Ertragswirkung von fr\u00fchen Inokulationen w\u00e4hrend der Bl\u00fcte (BBCH 61-65) und sp\u00e4teren Inokulationen zum Zeitpunkt der Schotenbildung (BBCH 71) zeigten, dass Infektionen w\u00e4hrend der Bl\u00fcte eine st\u00e4rkere Ertragsminderung verursachten als Sp\u00e4tinfektionen. Bei einer fr\u00fchen Infektion reagierte die Liniensorte st\u00e4rker als die Hybridsorte, bei der sp\u00e4ten Inokulation zeigte die Hybridsorte eine etwas st\u00e4rkere Ertragswirkung. Infektionen w\u00e4hrend der Bl\u00fcte haben einen st\u00e4rkeren Einfluss auf den Ertrag, da zu diesem Zeitpunkt die Grundlagen f\u00fcr die Ertragsbildung gebildet werden. Zu Beginn der Schotenbildung sind viele Ertragsparameter bereits festgelegt, so dass das Schadpotential geringer ist. Aus den Untersuchungen zum Einfluss der agronomischen Parameter Aussaattermin und Bestandesdichte lie\u00dfen sich keine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten \u00fcber die Abh\u00e4ngigkeit der Schadwirkung von diesen Parametern ableiten. Aussaattermin, Bestandesdichte, Sorte und Jahr scheinen in starker Wechselwirkung zu stehen. Pflanzenverluste k\u00f6nnen von im Bestand bleibenden Rapspflanzen gew\u00f6hnlich \u00fcber die vermehrte Ausbildung von Seitentrieben kompensiert werden. Wie die Feldversuche zur Kompensation sp\u00e4ter Pflanzenverluste zum Zeitpunkt der Schotenbildung gezeigt haben, k\u00f6nnen diese Verluste auch zu einem sehr sp\u00e4ten Entwicklungsstadium zum Teil noch kompensiert werden. Die Ergebnisse dieses Versuches zeigten eine deutliche Zunahme des Tausendkorngewichts mit ansteigender Pflanzenreduktion, wodurch die prozentualen Ertragsverluste deutlich unter dem Prozentsatz der Pflanzenreduktion lagen. Mit steigenden Pflanzenverlusten konnte, vergleichbar zu anderen Untersuchungen (v. Tiedemann, unver\u00f6ffentlicht; Schlott, 2003), eine steigende Kompensation  beobachtet werden. Bei einer Pflanzenreduktion von 70 % wurde in beiden Sortentypen eine Kompensation von ca. 30 % erzielt.<br \/>\nF\u00fcr die Auswertung der Wirtschaftlichkeit von Fungizidma\u00dfnahmen gegen S. sclerotiorum stand ein Datensatz mit insgesamt 1036 Behandlungen in 163 Feldversuchen aus den Jahren 1991-2003 zur Verf\u00fcgung. Die mittlere Ertragsdifferenz einer Bl\u00fctenbehandlung betrug in diesem Zeitraum 2,41 dt\/ha (= 5,70 %). Der kostendeckende Mehrertrag f\u00fcr diesen Zeitraum betrug im Mittel 3,32 dt\/ha, so dass nur 33 % aller durchgef\u00fchrten Fungizidapplikationen wirtschaftlich waren.<br \/>\nAbleitend aus den Feldversuchen und der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurde eine Schadensschwelle f\u00fcr S. sclerotiorum entwickelt. Die zu tolerierende Befallsh\u00e4ufigkeit ist abh\u00e4ngig von der Ertragserwartung, dem kostendeckendem Mehrertrag (bestimmt durch die Gesamtkosten einer Fungizidapplikation), der Sorte und dem Zeitpunkt der Infektion. Mit steigender Ertragserwartung, und dadurch sinkendem kostendeckendem Mehrertrag (%), sinkt die zu tolerierende Befallsh\u00e4ufigkeit. Die Liniensorte reagiert st\u00e4rker auf einen Sclerotinia-Befall als die Hybridsorte, wodurch die deutlich geringere Schadensschwelle begr\u00fcndet liegt. Bei beiden Sortentypen (Hybride, Linie) ist die Schadensschwelle bei einer sp\u00e4ten Infektion (BBCH 71) um den Faktor 1,5 &#8211; 2,4 h\u00f6her als bei einer Infektion w\u00e4hrend der Bl\u00fcte. Bei einem kostendeckendem Mehrertrag von 3,2 dt\/ha und einer Ertragserwartung von 30-50 dt\/ha liegt die Schadensschwelle f\u00fcr eine fr\u00fche Infektion bei der Hybridsorte zwischen 25 und 13 %, bei der Liniensorte zwischen 16 und 5 % tolerierbaren Befall.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Projektes wurden in elf Vortr\u00e4gen, davon zwei internationalen Pr\u00e4sentationen, sowie drei Publikationen und einer Felddemonstration dem wissenschaftlichen Fachpublikum vorgestellt. Ein weiterer internationaler Vortrag sowie eine weitere Ver\u00f6ffentlichung in einer internationalen Fachzeit-schrift sind f\u00fcr dieses Jahr geplant.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Bl\u00fctenbehandlungen zur Bek\u00e4mpfung der Wei\u00dfst\u00e4ngeligkeit weist deutlich das gro\u00dfe Einsparungspotential bei einer solchen Behandlung auf. Wie die Feldversuche gezeigt haben, ist die Schadwirkung von S. sclerotiorum von dem Zeitpunkt der Infektion und der Sorte abh\u00e4ngig. Sp\u00e4tinfektionen f\u00fchren in vielen F\u00e4llen zu nicht bek\u00e4mpfungsw\u00fcrdigen Ertragseinbu\u00dfen. Durch agronomische Parameter (Aussaattermin und Bestandesdichte) l\u00e4sst sich die Schadwirkung jedoch nicht beeinflussen. Durch die aus den Ergebnissen der Feldversuche und der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung erbrachten Ergebnisse konnte eine Schadensschwelle entwickelt werden, die in das neue Entscheidungsmodell SkleroPro integriert wurde. Durch die Eingabeparameter Ertragserwartung, Mittelkosten, \u00dcberfahrtkosten und Rapspreis (zur Berechnung des kostendeckenden Mehrertrags) ist dem Anwender eine schlagspezifische Entscheidungshilfe f\u00fcr den integrierten Pflanzenschutz erm\u00f6glicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Wei\u00dfst\u00e4ngeligkeit, hervorgerufen durch Sclerotinia sclerotiorum, stellt die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit im deutschen Rapsanbau dar. Da die Symptome dieser Krankheit h\u00e4ufig jedoch erst nach dem letztm\u00f6glichen Bek\u00e4mpfungstermin auftreten, sind prophylaktische Fungizidapplikationen in der Praxis \u00fcblich. 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