{"id":22353,"date":"2024-11-27T10:42:23","date_gmt":"2024-11-27T09:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/32894-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:42:24","modified_gmt":"2024-11-27T09:42:24","slug":"32894-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/32894-01\/","title":{"rendered":"Freier Pendelraum f\u00fcr deutsche Flie\u00dfgew\u00e4sser"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Naturnahe Fl\u00fcsse und Auen sind wertvolle Bestandteile in unserer Landschaft und erf\u00fcllen zahlreiche<br \/>\nFunktionen f\u00fcr Umwelt und Menschen (Brunotte et al. 2009, Walter et al. 2015). Sie bilden wichtige<br \/>\nR\u00fcckhalter\u00e4ume f\u00fcr Hochwasser, filtern und reinigen das Wasser in den Aueb\u00f6den und verbessern<br \/>\ndadurch die Trinkwasserversorgung. Vor allem vern\u00e4sste Standorte und Moore in Auen aber auch die<br \/>\nAuw\u00e4lder binden Treibhausgase und tragen dadurch zum Klimaschutz bei. Durch die gestaltende Kraft<br \/>\ndes Wassers und den Wechsel von trockenen und feuchten Perioden herrscht in naturnahen Auen eine<br \/>\ngro\u00dfe Habitatvielfalt, die eine hohe Anzahl angepasster Pflanzen- und Tierarten beherbergen. Fl\u00fcsse<br \/>\ndurchziehen wie Adern verschiedene Landschaften und bilden dadurch verbindende Korridore. Dies<br \/>\nist wichtiger Bestandteil f\u00fcr einen bundesweiten Biotopverbund und dar\u00fcber hinaus sind einige Teil<br \/>\ndes europaweiten Netzwerks aus Schutzgebieten, Natura 2000 (Scholz et al. 2012, Fischer et al. 2019).<br \/>\nJedoch wurde sp\u00e4testens durch den Auenzustandsbericht zur Erfassung und Bewertung von Flussauen<br \/>\nin Deutschland aus dem Jahr 2009 (Brunotte et al. 2009) der insgesamt schlechte Zustand der<br \/>\ndeutschen Flie\u00dfgew\u00e4sser und Auen nachgewiesen. Die zugrundeliegenden Untersuchungen zeigten,<br \/>\ndass dies vor allem durch zwei Faktoren bedingt ist: fehlender Raum f\u00fcr Fl\u00fcsse und eine starke<br \/>\nVer\u00e4nderung durch menschliche Eingriffe (Brunotte et al. 2009, Schneider et al. 2017).<br \/>\nVon den ehemals rund 15.000 km2 Auenfl\u00e4che in Deutschland wurden zwei Drittel von den Fl\u00fcssen<br \/>\ndurch Deichbau abgetrennt bzw. stehen als R\u00fcckhalteraum bei Hochwasser oder als Lebensraum f\u00fcr Pflanzen und Tiere nicht mehr zur Verf\u00fcgung. Zudem wurden die bestehenden Gew\u00e4sser und Auen<br \/>\ndurch menschliche Aktivit\u00e4ten ver\u00e4ndert und sind heute funktional stark eingeschr\u00e4nkt (Brunotte et<br \/>\nal. 2009). Neben Eingriffen wie Deichbau und Stauregulierungen hemmt der Gew\u00e4sserausbau mit<br \/>\nfl\u00e4chenhaftem Uferverbau, einer monotonen Linienf\u00fchrung, Wasserausleitungen und weiteren<br \/>\nAbflussregulierungen die nat\u00fcrliche Dynamik des Fluss-Aue-Systems. Dazu geh\u00f6ren sowohl die<br \/>\ncharakteristischen schwankenden Wasserst\u00e4nde (Hydrodynamik) als auch die Entwicklung und<br \/>\nGestaltung der Strukturen im Gew\u00e4sserbett und \u0096umfeld (Morphodynamik). Die Konnektivit\u00e4t im<br \/>\nL\u00e4ngsverlauf des Flusses als auch zwischen Fluss und Aue ist dadurch stark beeintr\u00e4chtigt. Dadurch<br \/>\nverlieren typische Auenhabitate ihre charakteristischen Standortbedingungen und teilweise werden<br \/>\nauentypische Arten durch einwandernden Arten aus der Umgebung und invasiven Neophyten und<br \/>\nNeozoen verdr\u00e4ngt. Mehr als 75 % aller Gew\u00e4sser- und Auenbiotoptypen in Deutschland sind<br \/>\ngef\u00e4hrdet, was zu einer dramatischen Reduzierung der Biodiversit\u00e4t f\u00fchrt (Ellwanger et al. 2012).<br \/>\nDavon sind beispielsweise gro\u00dffl\u00e4chig die Hartholzauw\u00e4lder betroffen, von denen heute nur noch weniger als 1 % der urspr\u00fcnglichen Ausdehnung vorhanden ist (Brunotte et al. 2009).<br \/>\nInsgesamt werden von den verbliebenen rezenten Auen in Deutschland nur noch 10 % als naturnah<br \/>\nmit geringen Ver\u00e4nderungen bewertet; ein Drittel der Fl\u00e4chen werden intensiv als Acker-, Siedlungs-,<br \/>\nVerkehrs- und Gewerbefl\u00e4chen genutzt. In den Altauen (vom Fluss abgetrennte Bereiche der<br \/>\nmorphologischen Aue) wird etwa die H\u00e4lfte der Fl\u00e4chen von \u00c4ckern bedeckt (Brunotte et al. 2009).<br \/>\nDies f\u00fchrt zu stofflichen Belastungen der Gew\u00e4sser und Aueb\u00f6den durch Schad- und N\u00e4hrstoffe aus<br \/>\nD\u00fcngemittel und Pestiziden.<br \/>\nIm Jahr 2000 wurde in Europa die Wasserrahmenrichtlinie verabschiedet (Richtlinie 2000\/60\/EG).<br \/>\nDiese fordert von den europ\u00e4ischen Mitgliedsstaaten, dass die Gew\u00e4sser bis zum Jahr 2027 mindestens<br \/>\neinen guten \u00f6kologischen Zustand aufweisen. Derzeit erreichen nicht einmal 7 % der deutschen Fl\u00fcsse<br \/>\ndieses Ziel (V\u00f6lker et al. 2016). Um die \u00f6kologisch wichtigen Funktionen und die wertvollen<br \/>\n\u00d6kosystemleistungen der Flussauen zu erhalten, ist eine \u00c4nderung der bestehenden Einschr\u00e4nkungen<br \/>\nund Nutzungen notwendig. Daher m\u00fcssen rasch kosteng\u00fcnstige und praxisorientierte L\u00f6sungsans\u00e4tze<br \/>\ngefunden werden, die sich auf Flie\u00dfgew\u00e4sser unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe und Flusstyps \u00fcbertragen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Naturnahe Fl\u00fcsse und Auen sind wertvolle Bestandteile in unserer Landschaft und erf\u00fcllen zahlreiche Funktionen f\u00fcr Umwelt und Menschen (Brunotte et al. 2009, Walter et al. 2015). Sie bilden wichtige R\u00fcckhalter\u00e4ume f\u00fcr Hochwasser, filtern und reinigen das Wasser in den Aueb\u00f6den und verbessern dadurch die Trinkwasserversorgung. 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