{"id":22350,"date":"2025-09-20T10:32:22","date_gmt":"2025-09-20T08:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/33822-01\/"},"modified":"2025-09-20T10:32:22","modified_gmt":"2025-09-20T08:32:22","slug":"33822-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/33822-01\/","title":{"rendered":"Weiterbildung von polnischen Fachkr\u00e4ften zur Restaurierung umweltgesch\u00e4digter Glasmalereien und nachhaltige Ma\u00dfnahmen zur Rettung gef\u00e4hrdeter Farbverglasungen von hohem Wert"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das DBU-Projekt hat die Fortbildung polnischer Fachkr\u00e4fte zur Sanierung umweltgesch\u00e4digter Glasmalereien zum Inhalt und ist eng verzahnt mit praktischen Arbeiten zum Schutz der durch Umwelteinfl\u00fcsse gesch\u00e4digten Glasmalereien in drei Kirchen in Polen. Zur Untersuchung des Bestandes, der Entwicklung von Restaurierungskonzepten und der \u00dcberpr\u00fcfung der Wirksamkeit der Ma\u00dfnahmen sind naturwissenschaftliche Vor- und Begleituntersuchungen notwendig, die in Kooperation mit der Universit\u00e4t Bamberg durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Bearbeitung des Projektes umfasste naturwissenschaftliche Untersuchungen, praktische Sanierungen an den umweltgesch\u00e4digten Glasmalereien und Ma\u00dfnahmen zur Weiterbildung. Die Arbeitsschritte umfassen den Ausbau der Glasmalereifenster, Sicherungs- und Sanierungsarbeiten, den Einbau der Schutzverglasungen und der restaurierten Originale sowie Klimamessungen \u00fcber einen Zeitraum von 12 Monaten. Die Schadensph\u00e4nomene sowohl an der Farbverglasung des Mittelalters als auch an der Blankverglasung des 18.\/19. Jh. wurden mit naturwissenschaftlichen Methoden (Lichtmikroskopie und Rasterelektronenmikroskopie) untersucht. Mit Hilfe des Structured-Light-Scanning (SLS) wurden ausgew\u00e4hlte Glasmalereifelder detailgetreu dreidimensional erfasst. Ziel dieses ber\u00fchrungslosen 3D-Scans ist es, sowohl Sch\u00e4den als auch die Ver\u00e4nderung der Oberfl\u00e4che durch die Abnahme von Schmutz und Korrosionsschichten zu dokumentieren. Daher erfolgten die 3D-Scans jeweils vor und nach der Restaurierung. Mit Hilfe thermographischer Analysen (IR-Thermographie) erfolgten qualitative Untersuchungen von W\u00e4rmemustern und thermischen Anomalien durch den Einbau der Au\u00dfenschutzverglasung an ausgew\u00e4hlten Fenstern.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Gegenstand der Bearbeitung waren Glasmalereien in drei Kirchen in Polen. Im Chorraum der Dorfkirche von Koszweko (Klein K\u00fcssow) befinden sich f\u00fcnf Fenster, davon enthalten drei (nII, nIII, sIII) mittelalterliche Wappenscheiben der Familie von K\u00fcssow aus dem 15. Jh. Die Liebfrauen Kirche in Legnica (Liegnitz) besitzt einen umfangreichen Bestand von 14 Glasmalereifenstern, die zu Beginn des 20. Jh. von bekannten deutschen Werkst\u00e4tten hergestellt wurden. Die Fenster nX und sIX wurden f\u00fcr das Projekt ausgew\u00e4hlt. Eines der bedeutendsten Ausstattungsst\u00fccke der katholischen Pfarrkirche in Oswiecim (Auschwitz) ist die Glasmalerei mit der Darstellung des heiligen M\u00e4rtyrers Andreas Bobola (1591 \u0096 1657), die nach einem Entwurf des Auschwitzer K\u00fcnstler Adam Giebu?towski im Jahre 1940 von der bekannten Glasmalereiwerkstatt M\u00fcller in Quedlinburg hergestellt wurde. F\u00fcr alle drei Objekte stellt die nach den Richtlinien des CVMA zu installierende Au\u00dfenschutzverglasung die wichtigste Konservierungsma\u00dfnahme f\u00fcr einen nachhaltigen Schutz der Originalsubstanz dar. Die Wirksamkeit der Schutzverglasungen wurde mit Hilfe von Klimamessungen an unterschiedlichen Positionen des Fensters (innen, im Spalt und au\u00dfen) \u00fcberpr\u00fcft. Die Messungen dauerten jeweils 12 Monate. Zum Einsatz kam die auch schon in vorherigen Projekten verwendete ALMEMO-Messtechnik und an zwei Fenstern (nX, sIX) in Liegnitz zus\u00e4tzlich das Custos Aeris-Messsystem. Beide Systeme lieferten zuverl\u00e4ssig Messwerte, die in unterschiedlicher Art und Weise ausgewertet wurden. Das Custos Aeris-Messsystem wird sich in Zukunft f\u00fcr die Klimamessungen zur \u00dcberpr\u00fcfung der Wirksamkeit von Au\u00dfenschutzverglasungen etablieren. Es ist leicht zu installieren und l\u00e4sst sich mit hoher Zuverl\u00e4ssigkeit betreiben. In der vorhandenen Web-Anwendung liefert es zahlreiche Diagramme zur Auswertung der Messergebnisse. Die Absch\u00e4tzung des thermodynamischen Risikos erm\u00f6glicht auch den Vergleich unterschiedlicher Objekte, allerdings sollte in jedem Einzelfall auch die Glaszusammensetzung der Originalverglasung ber\u00fccksichtigt werden, denn mittelalterliche Gl\u00e4ser und Gl\u00e4ser des 19. Jh. zeigen ein deutlich unterschiedliches Korrosionsverhalten.<br \/>\nInnerhalb des Forschungsprojektes konnte weiterhin gezeigt werden, dass die dreidimensionale Dokumentation historischer Glasscheiben mit einem handels\u00fcblichen Structured Light Scanner m\u00f6glich ist. Diese Methode kann gezielt an repr\u00e4sentativen Einzelfenstern durchgef\u00fchrt werden, um aussagekr\u00e4ftige Ergebnisse f\u00fcr ein Monitoring der Oberfl\u00e4chenver\u00e4nderungen zu erzielen. Weiterhin wurden Messungen an den Fenstern der Liebfrauenkirche in Liegnitz als thermographische Analyse durchgef\u00fchrt, wobei der Schwerpunkt auf der Untersuchung von W\u00e4rmemustern und thermischen Anomalien lag.<br \/>\nDie Weiterbildungsma\u00dfnahmen erfolgten sowohl f\u00fcr polnische Denkmalpfleger als auch f\u00fcr Restauratoren und den im Projekt beteiligten Glasmalerei-Werkst\u00e4tten. Die Ma\u00dfnahmen wurden in den Werkst\u00e4tten oder vor Ort an den Objekten durchgef\u00fchrt. Dabei wurden die beteiligten Restauratoren und Denkmalpfleger in Koszewko, Liegnitz und Auschwitz durch die im Projekt t\u00e4tigen Experten zu den M\u00f6glichkeiten eines nachhalten Schutzes der historischen Verglasungen informiert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Teilergebnisse des Vorhabens wurden auf drei wissenschaftlichen Tagungen und in Zeitschriften bzw. online ver\u00f6ffentlicht. Die Abnahme der Arbeiten in den jeweiligen Objekten durch die \u00f6rtliche Denkmalpflege erfolgte in Anwesenheit der regionalen Presse, Rundfunk und Fernsehmedien. In allen drei Objekten wurden Hinweistafeln angebracht, die in deutscher und polnischer Sprache die Geldgeber f\u00fcr diese Vorhaben benennen und mit den jeweiligen Logos auf die F\u00f6rderinstitutionen verweisen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Naturwissenschaftliche Untersuchungen an historischen Glasmalereifenstern und praktische Sanierungs- und Erhaltungsma\u00dfnahmen bis hin zum Einbau der Au\u00dfenschutzverglasung waren eng miteinander verzahnt und der erfolgreiche Abschluss des Vorhabens nur durch die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Denkmalpflegern, Restauratoren und Eigent\u00fcmer m\u00f6glich. Bei regelm\u00e4\u00dfigen Treffen in der Restaurierungswerkstatt erfolgte ein intensiver Meinungsaustausch, so dass die bestm\u00f6gliche L\u00f6sung f\u00fcr das Restaurierungsobjekt gefunden wurde. Hierbei war auch der Weiterbildungsaufenthalt des polnischen Restaurators in der Werkstatt des K\u00f6lner Domes von besonderer Bedeutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das DBU-Projekt hat die Fortbildung polnischer Fachkr\u00e4fte zur Sanierung umweltgesch\u00e4digter Glasmalereien zum Inhalt und ist eng verzahnt mit praktischen Arbeiten zum Schutz der durch Umwelteinfl\u00fcsse gesch\u00e4digten Glasmalereien in drei Kirchen in Polen. 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