{"id":22302,"date":"2024-11-27T10:36:27","date_gmt":"2024-11-27T09:36:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18708-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:28","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:28","slug":"18708-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18708-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Revitalisierung des Neuwerkgartens als Teil der Gottorfer Parkanlagen unter den Gesichtspunkten von Naturschutz und Gartendenkmalpflege"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Barockgarten von Schlo\u00df Gottorf ist in seiner 350j\u00e4hrigen Geschichte nie \u00fcberbaut worden. Nach einer kurzen Bl\u00fctezeit begann jedoch bereits im 18. Jahrhundert sein Niedergang, im 19. Jahrhundert wurde er gro\u00dffl\u00e4chig \u00fcbersch\u00fcttet. Hierdurch ergab sich die Chance, den zu seiner Entstehungszeit im 17. Jahrhundert europaweit ber\u00fchmten Terrassengarten wiedererstehen zu lassen. Ausgangspunkte der Revitalisierung waren neben der reichen Quellenlage, die Ergebnisse gartenarch\u00e4ologischer Untersuchun-gen. Schriftliche sowie bildliche Quellen und arch\u00e4ologische Befunde wurden in eine Planung \u00fcberf\u00fchrt. Daneben galt es, die botanischen Besonderheiten des Gartenareals, das Vorkommen von mehr als zwanzig Arten sogenannter Stinzenpflanzen zu erhalten und im Globusgarten &#8211; dem am Fu\u00df der Terrassenanlage gelegenen Parterrebereich &#8211; in die Bepflanzung einzubeziehen. Bei der gesamten Ma\u00dfnahme galt es, Anforderungen des Naturschutzes sowie der Denkmalpflege gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Restitution des Barockgartens von Schlo\u00df Gottorf ist ein vielschichtiges Projekt, bei dem es zahlreiche Aspekte zu beachten gilt. Da in dem fr\u00fchbarocken Garten eine vielger\u00fchmte Pflanzenvielfalt herrschte, die im 17. Jahrhundert im sogenannten Gottorfer Codex festgehalten worden war, stand am Beginn der Restitutionsbem\u00fchungen eine Kartierung einstiger Kulturpflanzen des Gartens. Hierdurch wurde festgestellt, wo und in welchem Umfang sich die sogenannten Stinzenpflanzen erhalten haben und ob und in welchem Umfang diese Pflanzen durch die Wiederherstellung des Gartens gef\u00e4hrdet w\u00fcrden und daher transloziert werden mussten bzw. in die neue Gartenanlage einbezogen werden konnten. Dieser Kartierung folgte die Freilegung der in der Nachkriegszeit aufgeforsteten drei von f\u00fcnf Gartenterrassen sowie arch\u00e4ologische Untersuchungen: Bodenradar und Ergrabung des Areals. Die arch\u00e4ologischen Untersuchungen dienten der Erforschung des barocken Gartens sowie der Verifizierung bzw. Falsifizierung des umfangreichen Quellenmaterials in Schrift und Bild. Parallel zu diesen Ma\u00dfnahmen entstand die Planung der Gartenarchitektur, wobei einerseits die Kartierungs- und Grabungsergebnisse und andererseits die historischen Inventare und Pl\u00e4ne, besonders der sogenannte Dallin-Plan, den Rahmen der Planung ab-steckten. Alle planerischen Ma\u00dfnahmen wurden mit dem Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege, den zust\u00e4ndi-gen Naturschutzbeh\u00f6rden sowie einem wissenschaftlichen Beirat abgestimmt, so dass ein hohes Ma\u00df fachlicher Begleitung bez\u00fcglich der Aspekte von Denkmal- und Naturschutz gew\u00e4hrleistet war. Der Gar-ten wurde in zwei Bauabschnitten revitalisiert, die der historischen Genese folgen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse einer Stinzenpflanzenkartierung durch das Botanische Institut der Universit\u00e4t Kiel legten die Entschluss nahe, bestimmte Populationen zu translozieren, um auch denen Bestand \u00fcber die Gartenbauphase hinaus nachhaltig zu sichern. Solcherlei Ma\u00dfnahmen erweckten jedoch in der Bev\u00f6lkerung, die der Verpflanzung ausgew\u00e4hlter Populationen anfangs beiwohnte, unstillbare Begehrlichkeiten, die den Bestand einzelner Arten gef\u00e4hrdeten. Daher hat man sich &#8211; nach ersten schmerzhaften Erfahrungen &#8211; entschlossen, alle bestandserhaltenden Ma\u00dfnahmen unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit durchzuf\u00fchren. Statt im nat\u00fcrlichen Umfeld werden heute in einem rekonstruierten Parterrebereich des Neuwerk-Gartens die Stinzenpflanzen den Gartenbesuchern pr\u00e4sentiert, stets unter der Obhut eines G\u00e4rtners.<br \/>\nBei der arch\u00e4ologischen Untersuchung des Gartens wurden die Grenzen bestimmter Methoden deutlich: Der Versuch, das gesamte Gartengebiet mittels Erdradar nach aussichtsreichen Grabungsstellen zu durchforsten, muss als gescheitert betrachtet werden. Nicht erwartete Aufsch\u00fcttungen des Gartens von teilweise mehr als 1 Meter aus dem 19. Jahrhundert sowie eine Verschwenkung der Mittelachse um wenige Grad, f\u00fchrten dazu, dass nach dieser Untersuchungsmethode keinerlei Funde aus der Entstehungs- und Bl\u00fctezeit des Gartens zu erwarten gewesen w\u00e4ren.<br \/>\nTrotz dieses eindeutigen Ergebnisses wurden im Garten traditionelle Sondagen durchgef\u00fchrt: Suchgr\u00e4ben wurden an Stellen angelegt, die durch historische Quellen belegt, erfolgversprechend schienen. Hierdurch konnten nicht nur die historischen H\u00f6henverh\u00e4ltnisse rekonstruiert werden &#8211; was eine erhebliche Vermehrung der urspr\u00fcnglich vorgesehenen Erdarbeiten nach sich zog &#8211; sondern auch die Reste der einstmals aufwendigen Wasserachse ausgegraben werden. Nach einem verformungsgerechten Aufma\u00df der zutage getretenen Schichten wurde die jeweilige Fundsituation weiter untersucht, fotografiert und gezeichnet, wodurch die Geschichte der Ver\u00e4nderung, der R\u00fcckbau der Gartenanlage im 18. Jahrhundert dokumentiert wurde.<br \/>\nMit Hilfe der Grabungsergebnisse konnten jedoch nicht nur die historischen Niveaus der Terrassenanlage wieder rekonstruiert werden. Auch erm\u00f6glichten ergrabene Bezugspunkte in der Mittelachse, in Fundamentresten von Postamenten, Bassins und Kaskadenbecken einen Abgleich mit dem von Matthias Dallin um das Jahr 1700 gezeichneten Plan. Der Garten hat damit zum Ende der zweiten Bauphase sei-ne historischen Terrassenniveaus wieder erhalten. Die wassergebundenen Wege und die seitlichen Erschlie\u00dfungstreppen sind nach historischem Vorbild wieder angelegt.<br \/>\nIm Globusgarten und auf der ersten Terrasse finden sich Teile der \u00fcberlieferten Pflanzenvielfalt bzw. der aufwendigen Beetgestaltung. Der Bestand der Stinzenpflanzen wird sowohl im Garten als auch au\u00dferhalb des Gartenparterres gehegt und dadurch dauerhaft gesichert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde w\u00e4hrend der gesamten Laufzeit durch aktive Pressearbeit begleitet. Daneben wurde und wird in Vortr\u00e4gen, Gartenf\u00fchrungen und gesonderten Publikationen (u. a. Jahrbuch der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schlo\u00df Gottorf, Denkmal! Zeitschrift f\u00fcr Denkmalpflege in Schleswig Holstein, Arch\u00e4ologische Erforschung des Gottorfer Barockgartens, Schleswig 2006) auf die Projektergebnisse sowie die Vorgehensweise aufmerksam gemacht. Daneben wird auf der Homepage der Stiftung Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schlo\u00df Gottorf (www.schloss-gottorf.de) die Gartenwiederherstellung vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Laufe des mehrj\u00e4hrigen Planungsprozesses hat die Wiedergewinnung des historischen Gartens manche \u00fcberraschende Wendung genommen.  Es wurde deutlich, dass kein historischer Garten rekonstruiert werden kann, ohne zuvor das Areal gr\u00fcndlich und systematisch nach historischen Relikten zu untersu-chen. Was f\u00fcr die baulichen Reste der barocken Gartenanlage von Schlo\u00df Gottorf gilt, gilt auch f\u00fcr dessen pflanzliche Ausstattung, deren R\u00fcckgewinnung eine Aufgabe ist, die sich noch \u00fcber Jahre hinziehen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Barockgarten von Schlo\u00df Gottorf ist in seiner 350j\u00e4hrigen Geschichte nie \u00fcberbaut worden. Nach einer kurzen Bl\u00fctezeit begann jedoch bereits im 18. 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