{"id":22294,"date":"2024-11-30T10:32:48","date_gmt":"2024-11-30T09:32:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18686-01\/"},"modified":"2024-11-30T10:32:49","modified_gmt":"2024-11-30T09:32:49","slug":"18686-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18686-01\/","title":{"rendered":"Analyse der Marmorverwitterung und Entwicklung eines modellhaften Konservierungskonzeptes f\u00fcr das umweltgesch\u00e4digte Markttor von Milet im Pergamon-Museum (Berlin) mittels innovativer Verfahren"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Markttor ist (ein einzigartiges arch\u00e4ologisches Baudenkmal n\u00f6rdlich der Alpen) in seiner Dimension und Bedeutung als Objekt im inneren eines Museums in Deutschland einzigartig. Um so besorgniserregender ist der aktuelle, bauliche Zustand. Der Erhalt dieses bedeutenden Bauwerks erfordert mindestens kurz- bis mittelfristig restauratorische Ma\u00dfnahmen, um einen fortschreitenden Verlust von Original-substanz aufhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVorrangiges Projektziel ist die modellhafte Schadensanalyse des umweltgesch\u00e4digten Markttores von Milet. Dieses einzigartige Objekt verlangt nicht zuletzt auch durch die einzigartige Konzeption beim Aufbau um 1929 und die kriegsbedingten Wirren nach sehr spezifischen Untersuchungsstrategien.<br \/>\nGrundlage ist zun\u00e4chst die 3D-Vermessung des Objektes mit dem Ziel alle Schadensph\u00e4nomene selektiv auch in Abh\u00e4ngigkeit von Objektbereichen, z.B. Originalteilen, die Expositionen, Bauphysik und lithologisch-strukturellen Vorzeichnungen aufzunehmen. Unbedingte Voraussetzung hierf\u00fcr ist eine detaillierte Materialcharakterisierung von langzeitexponierten Orgienalteilen, die aufgrund der o.g. eigenwilligen Strategie beim Aufbau des Tores in ungew\u00f6hnlich gro\u00dfer Quantit\u00e4t existieren. Dar\u00fcber hinaus sollen Modellversuche zur Materialvertr\u00e4glichkeit unter Laborbedingungen wie Marmor \/ Stahlarmierungen \/ Beton \/ Alterg\u00e4nzungen f\u00fcr ein optimales Sanierungskonzept sorgen. Die entsprechenden Umweltbedin-gungen sollen im Vorfeld durch Langzeitmonitoring erfasst werden. Alle dazu erforderlichen Untersuchungen werden interdisziplin\u00e4r von Geowissenschaftlern, Vermessungsingenieuren, Arch\u00e4ologen, Restauratoren und Kunsthistorikern realisiert.<br \/>\nDas Projekt ist der Zielsetzung entsprechend in zwei Phasen gegliedert: einem Vorprojekt (vorliegender Antrag), in dem die u. g. Messungen und Konservierungsversuche im Labor und vor Ort durchgef\u00fchrt werden, und einem Hauptprojekt, in dem die Erkenntnisumsetzung und Konservierung von S\u00e4ulen in die Architekturteile erfolgt.<br \/>\nZiel ist es am Ende der Untersuchungen der Museumsleitung Empfehlungen f\u00fcr ein m\u00f6glichst optimales Raumklima z. B. \u00fcber Luftschleusen geben zu k\u00f6nnen, um die zuk\u00fcnftige Degradation des Tores auf diesem Belastungspfad minimieren zu k\u00f6nnen.Folgende Projektschritte sollen im Vorprojekt durchgef\u00fchrt werden:<br \/>\n1.\tSchaffung einer Kartengrundlage und Vermessung des Objektes<br \/>\n2.\tLiteraturrecherche und Sichtung von Archivmaterial<br \/>\n3.\tKlimamessungen und Umweltbelastung<br \/>\n4.\tProbenkataster<br \/>\n5.\tSchadenskartierung<br \/>\n6.\tZerst\u00f6rungsfreie bis zerst\u00f6rungsarme Schadensanalyse<br \/>\n7.\tModellstudien<br \/>\n8.\tSchadensbewertung und Sanierungskonzept<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass das Markttor von Milet bei einer detaillierten Betrachtung sehr komplexe Schadensbilder aufweist. Neben der sehr eigenwilligen Aufbaustrategie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, die durch die statischen Bedenken zu massiven Eingriffen in alle Architekturteile gef\u00fchrt hatten, scheint der Luftminentreffer und die damit verbundene freie Bewitterung zu wesentlichen Schadensquantit\u00e4ten gef\u00fchrt zu haben. Die Restaurierungsma\u00dfnahmen nach dem 2. Weltkrieg haben zwar zu einer Sicherung des Bauwerkes gef\u00fchrt aber durch schlechtes Material und Restaurierungsfehler wesentlich zum schleichenden Verfall beigetragen. Die z. T. sehr auff\u00e4lligen strukturellen Sch\u00e4den gehen vermutlich auf Materialinkompatibilit\u00e4ten und statischen Zw\u00e4ngungen zur\u00fcck. Es ist auch anzunehmen, dass die innenliegende, nach erstem Anschein biegeweiche Stahlkonstruktion, durch Kriechen des Stahls sich verk\u00fcrzt und verdreht hat. Dadurch werden die vertikalen Eigenlasten nicht mehr \u00fcber das Skelett sondern u. U. au\u00dfermittig von den d\u00fcnneren Marmorschalen abgetragen was die beobachteten schalenartigen Abplatzungen erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Dies belegen die allgegenw\u00e4rtigen Risse und Abplatzungen. Sinterbildungen, Rostl\u00e4ufer und Salzausbl\u00fchungen h\u00e4ufig mit makroskopischen Rissen assoziiert, unterst\u00fctzen diese Befunde. Der mikrobiologische Befall scheint nicht kritisch. Der Marmor zeigt ebenfalls komplexe Schadensbilder, wobei hier kein deutlicher Unterschied zwischen den auskartierten Variet\u00e4ten deutlich wird. Indirekte, zerst\u00f6rungsfreie Untersuchungsverfahren, wie die Ultraschalltomographie, Georadar und die Widerstandsmessungen konnten zur Charakterisierung der entkernten Marmors\u00e4ulen erfolgreich eingesetzt werden. Das Raumklima scheint bei den bis momentan nachgewiesenen Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen nicht indikativ f\u00fcr die nachgewiesenen Schadenstypen.<br \/>\nWeiterf\u00fchrende mineralogische und baustoffkundliche Arbeiten wurden zur Analyse aller verwendeten Baustoffe eingesetzt und auf der Basis der gewonnenen Daten erfolgte die Entwicklung eines M\u00f6rtels der den Stoffeigenschaften eines Marmors weitestgehend entspricht. Die entwickelten M\u00f6rtel aus der Kombination von Puzzolanen, Wei\u00dfzement, definiert zusammengesetzten Zuschl\u00e4gen (Quarzsand, Kalksteinmehl) und chemischen Additiven sind kompatibel mit den Marmoren des Markttores von Milet. Ferner sind die M\u00f6rtel ausreichend alkalisch, um den Stahl vor Korrosion sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Die Verf\u00e4rbung des Dolomitmarmors ist durch Trocknung reversibel. Weder der Calciumhydroxidgehalt noch die verwendeten Zusatzmittel beschleunigen nach bisherigen Erkenntnissen den Zerfall des Marmors und sind auch in Verbindung mit Stahl einsetzbar. Die Vertr\u00e4glichkeit der entwickelten M\u00f6rtel mit den im Be-stand vorhanden Steinerg\u00e4nzungsstoffen gilt auf der Basis der durchgef\u00fchrten Untersuchungen als gesichert. Die entwickelten Favoritenm\u00f6rtel (Tabelle 2) optimal den geforderten physikalisch-mechanischen und den chemisch-mineralogischen Anforderungen angepasst worden und k\u00f6nnen am Markttor unbedenklich eingesetzt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse aus dem Projekt wurden in Folgenden Publikationen der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt:<br \/>\n\u00b7\tSiegesmund, S. &#038; Speiser, S., 2004: Hilfe f\u00fcr das Markttor von Milet. Magazin Naturstein, 3\/2004.<br \/>\n\u00b7\tSiegesmund, S., R\u00fcdrich, J. &#038; Speiser, S, 2004. Das Markttor von Milet. Magazin Restauro, 2\/2004.<br \/>\n\u00b7\tMiddendorf, B., Maack, V. &#038; Siegesmund S., 2004: Development of compatible mortars for the restoration of the Market Gate of Milet, Pergamon Museum Berlin, Germany. Proceedings 6th International Symposium on the Conservation of Monuments in the Mediterranean Basin\u00b7\tMiddendorf, B., Siegesmund, S., Maack, V., M\u00fcller, K. &#038; Ruedrich, J., 2004: The Market Gate of Milet of the Pergamon Museum Berlin &#8211; Deterioration Characteristics and Mortar Development for Restoration purposes. Proceedings 10th International congress on deterioration and conservation of stone, Stockholm.<br \/>\n\u00b7\tSiegesmund, S., Middendorf, B., Maack, V. &#038; R\u00fcdrich, J. (Vorabdruck): Das Markttor von Milet: Schadensbilder, Materialcharakteristika und Entwicklung von Restaurierm\u00f6rtel.<br \/>\n\u00b7\tRuedrich, J., Hertrich, M., Just, A., Siegesmund, S., Yaramanci U. &#038; Jacobs, F., 2004: Construction physics of the Market Gate of Miletus discoverd by non-destructive tools. Proceedings 10th International congress on deterioration and conservation of stone, Stockholm.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Markttor von Milet zeigt sehr multiple Schadensszenarien, die neben umweltbedingten Schadensquantit\u00e4ten wesentlich auf Materialunvertr\u00e4glichkeiten zur\u00fcckzuf\u00fchren sind und ihre Ursache in dem eigenwilligen Rekonstruktionsprinzip der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts haben. Mineralogische und gesteinstechnische Materialuntersuchungen, zerst\u00f6rungsfreie und zerst\u00f6rungsarme Materialdiagnose, Raumklimamessungen, Schadenskartierungen als auch M\u00f6rtelneuentwicklungen (mit Marmoreigenschaften) belegen einen dringenden Handlungsbedarf f\u00fcr restauratorische Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Markttor ist (ein einzigartiges arch\u00e4ologisches Baudenkmal n\u00f6rdlich der Alpen) in seiner Dimension und Bedeutung als Objekt im inneren eines Museums in Deutschland einzigartig. Um so besorgniserregender ist der aktuelle, bauliche Zustand. 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