{"id":22256,"date":"2023-07-13T15:21:20","date_gmt":"2023-07-13T13:21:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18597-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:21","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:21","slug":"18597-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18597-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Konservierung umweltgesch\u00e4digter national bedeutender Grabdenkm\u00e4ler auf dem Alten Katholischen Friedhof in Dresden (deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Wissenschaftlich fundierte Konservierung kulturhistorisch wertvoller Grabmale polnischer Emigranten des 18. und 19. Jahrhunderts durch polnische und deutsche Restauratoren als Beispiel eines l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Erfahrungsaustausches zur Behebung von Umweltsch\u00e4den an Naturstein und zur F\u00f6rderung des v\u00f6lkerverbindenden Kulturaustausches. Das Vorhaben wurde angeregt vom polnischen Konsulat aufgrund des Interesses der polnischen \u00d6ffentlichkeit an der Erhaltung der wichtigen Dokumente f\u00fcr die Geschichte beider L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tAbstimmung und Diskussion mit den polnischen und deutschen Restauratoren zu den konkreten Erhaltungsstrategien und Konservierungsmethoden der einzelnen Grabsteine (Erfahrungsaustausch).<br \/>\n2.\tSubstanzielle Erhaltung der wichtigsten Grabmale in gemeinsamer Arbeit von polnischen und deutschen Restauratoren unter Anwendung innovativer Konservierungsverfahren, die in anderen DBU &#8211; Projekten entwickelt und gepr\u00fcft wurden.<br \/>\n3.\tBekanntmachung eines interessanten Kapitels deutsch &#8211; polnischer Geschichte. Im Rahmen eines deutsch &#8211; polnischen Symposiums zum Abschluss der Arbeiten soll zugleich der Umweltschutzgedanke in seiner Einheit von nat\u00fcrlicher und bebauter Umwelt \u00fcber die L\u00e4ndergrenzen transponiert werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es wurden 24 Grabmale restauriert. \u00dcberwiegend handelte es sich um stark umweltgesch\u00e4digte Grabmale aus Cottaer Sandstein, dar\u00fcber hinaus aus Granit und Marmor, teils mit Schmuckelementen aus Metall. Hauptschadensursache waren Rauchgase, und bei den Sandsteinen diffusionsdichte \u00d6lfarbanstriche aus fr\u00fcherer Zeit.<br \/>\nZiel der Ma\u00dfnahmen war die konservierende Substanzerhaltung. Auf umfangreiche Erg\u00e4nzungen sollte bewusst verzichtet werden. Es erfolgten Reinigungen, Algizidbehandlungen und Teilabnahmen der losen \u00d6lfarbfassung. Eine konsequente Abnahme der Farbfassung wurde nicht angestrebt, da einige nachgewiesene Wei\u00df-Gold- Fassungen zum Originalbestand geh\u00f6ren. Bei den meisten Sandsteingrabmalen erfolgte eine Kompressenentsalzung. In einem Fall kam es dabei zu Braunverf\u00e4rbungen der Oberfl\u00e4che, die durch wiederholte Kompressenauflagen mit destilliertem Wasser beseitigt werden konnte. Die Substanzfestigung und Sicherung von Schalen und Schuppen erfolgte bei den Sandsteinen mit Kiesels\u00e4ureester und Kiesels\u00e4ureester gebundenen M\u00f6rteln im Modulsystem der Firma Remmers. F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Erg\u00e4nzungen wurden konfektionierte mineralische Antragm\u00f6rtel und Natursteinvierungen eingesetzt. Es erfolgten Retuschen und bei den Sandsteinen eine Hydrophobierung. Bei einer f\u00fcr den Friedhof sehr wirksamen Sandsteinfigur fiel aufgrund des \u00e4u\u00dferst desolaten Zustandes die Entscheidung f\u00fcr eine Acrylharzvolltr\u00e4nkung. Die flankierenden restauratorischen Ma\u00dfnahmen wurden im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Potsdam durchgef\u00fchrt. Hauptthema der Diplomarbeit war die Optimierung einer mineralischen Rissverklebung mit Zementsuspensionen in Vorbereitung der Acrylharzvolltr\u00e4nkung. Zwei Sarkophaggrabmale zeigten so starke Sch\u00e4den, dass ihre Erhaltung einen Grenzfall der Konservierung darstellte. In dem einheitlichen Friedhofsensemble sollte jedoch bewusst auf Kopien verzichtet werden. Es wurde daher versucht, lediglich die wesentlichen Umrisse und Formlinien zu erg\u00e4nzen. Das \u00e4sthetische Ergebnis wird aufgrund der Schwere der Sch\u00e4den immer diskussionsw\u00fcrdig bleiben. Von jedem Grabmal existiert im Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen  eine ausf\u00fchrliche Dokumentation. Bei der Sandsteinkonservierung haben die polnischen Restauratoren in Deutschland entwickelte Methoden und Erfahrungen \u00fcbernommen.<br \/>\nBei den anderen Steinmaterialien und den Metallelementen kamen auch in Polen \u00fcbliche Technologien zum Einsatz. Da die Acrylharzvolltr\u00e4nkung den polnischen Restauratoren unbekannt war, erfolgte eine gemeinsame Besichtigung der Anlage bei Bamberg mit einer ausgiebigen Fachdiskussion. Dar\u00fcber hinaus gab es Arbeitsbesuche und Fachgespr\u00e4che bei den deutschen Restauratoren und vor den Objekten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Restaurierungsarbeiten wurden durch ein Team des polnischen Fernsehens begleitet. Im Sommer 2002 war das Projekt Gegenstand der Aktion Jugend recherchiert Umwelt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In gemeinsamer Arbeit von deutschen und polnischen Restauratoren ist es gelungen 24 der wichtigsten und am st\u00e4rksten durch Umwelteinfl\u00fcsse gesch\u00e4digten Grabmale zu konservieren. Die dabei eingesetzten Methoden entsprechen dem neusten wissenschaftlich begr\u00fcndeten Erkenntnisstand. Das Projekt stellt einen wesentlichen Beitrag zur V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und dem Verst\u00e4ndnis zum gemeinsamen kulturellem Erbe dar. Ingesamt muss aber auch eingesch\u00e4tzt werden, dass die verwaltungsjuristischen, finanztechnischen und sprachlichen Schwierigkeiten unerwartet hoch waren. Ein zwangloser Erfahrungsaustausch zwischen den deutschen und polnischen Restauratoren durch die direkte gemeinsame Arbeit konnte dadurch nur sehr eingeschr\u00e4nkt zustande kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Wissenschaftlich fundierte Konservierung kulturhistorisch wertvoller Grabmale polnischer Emigranten des 18. und 19. Jahrhunderts durch polnische und deutsche Restauratoren als Beispiel eines l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Erfahrungsaustausches zur Behebung von Umweltsch\u00e4den an Naturstein und zur F\u00f6rderung des v\u00f6lkerverbindenden Kulturaustausches. 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