{"id":22254,"date":"2024-11-27T10:36:27","date_gmt":"2024-11-27T09:36:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18595-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:27","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:27","slug":"18595-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18595-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung \u00f6kologischer Regulierungsverfahren f\u00fcr den Erbsenwickler (Cydia nigricana) in Saat- und Gem\u00fcseerbsen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Erbsenwickler, Cydia nigricana (Lepidoptera, Tortricidae), hat sich in den letzten Jahren zum Problemsch\u00e4dling in K\u00f6rnererbsen entwickelt. Aufgrund stetig gestiegener Leguminosenanteile in landwirtschaftlichen Fruchtfolgen ist der Befallsdruck in den letzten Jahren drastisch angestiegen. F\u00fcr die kommenden Jahre ist zu erwarten, dass das C. nigricana- Schadgebiet insgesamt eine weitere deutliche Ausweitung erfahren wird. Aufgrund des hohen Erbsenwicklerbefalls ist in vielen Regionen der \u00f6kologische Saat- und Gem\u00fcseerbsenanbau nicht mehr m\u00f6glich. Die Vermehrer \u00f6kologisch erzeugter Saaterbsen sind vom Erbsenwickler besonders betroffen. Einmal stehen dem \u00f6kologischen Anbau derzeit keinerlei wirksame Regulierungsverfahren (-Pr\u00e4parate) zur Verf\u00fcgung, zugleich sind aber im Saatgutbereich die Qualit\u00e4tsanforderungen ebenso hoch wie f\u00fcr konventionelle Ware Durch erh\u00f6hten Wicklerbefall beeintr\u00e4chtigte Keimf\u00e4higkeit, Triebkraft und Saatgutreinheit (sich festsetzenden Unkrautsamen in angefressenen Erbsen) bedeuten ein deutlich erh\u00f6htes Produktionsrisiko. Der geringe Selbstversorgungsgrad mit systemkonformem Saatgut nach EU-VO 092\/91 ab 2004, unterstreicht den bestehenden Handlungsbedarf, die vorhandene Produktionshemmnisse in diesem Sektor zu reduzieren.<br \/>\nDas Projekt hat zum Ziel, wirksame Regulierungsverfahren f\u00fcr diesen Kardinalsch\u00e4dling zu entwickeln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Wesentlichen sollen drei f\u00fcr die Praxiseinf\u00fchrung aussichtsreiche Ansatzpunkte aufgegriffen werden.<br \/>\n1.\tAnalog der etablierten Vorgehensweise im Obst- und Weinbau soll das C. nigricana- Sexualpheromon zur Paarungsst\u00f6rung eingesetzt werden (sog. Verwirrungs-Technik). Die Synthese und Formulierung des Pheromons erfolgt durch den Kooperationspartner Trifolio. Die Feldversuche unter Praxisbedingungen finden hierbei in Zusammenarbeit mit der Brede GbR und Versuchsfl\u00e4chen der Universit\u00e4t Kasselstatt.<br \/>\n2.\tEin gegen den Apfelwickler wirksames Granulosevirus- Pr\u00e4parat mit g\u00fcltiger Zulassung im Obstbau zeigt auch gegen\u00fcber dem naheverwandten Erbsenwickler hohe Wirkungsgrade und soll nun auf Saat- und Gem\u00fcseerbsenfl\u00e4chen zur Anwendung kommen.<br \/>\n3.\tFlankierend sollen befallsmindernde Effekte kulturtechnischer Ma\u00dfnahmen, insbesondere Erbsengemen-ge mit Gerste als St\u00fctzfrucht, untersucht werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1.\tPaarungsst\u00f6rung mit Pheromon: Im Durchschnitt der Fl\u00e4chenpaare lie\u00df sich ein um 31% reduzierter Befall in den Pheromonbehandlungen feststellen. Innerhalb der K\u00e4fige in pheromonbehandelten Fl\u00e4chen 2005, 2006 war jedoch ein deutlich h\u00f6herer Wirkungsgrad von durchschnittlich 78% Befallsmindeung festzustellen. D-vac- und K\u00e4scherf\u00e4nge adulter Wickler in Transekten von den Vorjahreserbsen zu der Erbsenfl\u00e4che wiesen einen hohen Anteil begatteter Weibchen auf. Die geringeren Wirkungsgrade im Feld im Vergleich zu den K\u00e4figen, zusammen mit dem Nachweis von Anteilen bereits begatteter Weibchen auch au\u00dferhalb von Erbsenfl\u00e4chen, insbes. Feldrandvegetation, deuteten darauf hin, dass offenbar ein Zuflug begatteter Weibchen von au\u00dfen in die Fl\u00e4chen vorlag und so zu der vorliegenden Wirkungsminderung gef\u00fchrt hat. Insbesondere die Wegrainvegetation wies  hohe relative Wicklerdichten auf, was auch als ein Pendeln von Wicklern zwischen Feldrand und Erbsenfl\u00e4che interpretiert werden kann, womit sich ein Teil der Wicklerpopulation, offenbar je nach Windrichtung, dem kontinuierlichen Pheromoneinfluss entziehen konnte.<br \/>\n2.\tGranulosevirus: In den zwei Feldversuchsjahren konnten weder f\u00fcr die getesteten verschiedenen Formulierungen, noch die verschiedenen Dosierungen signifikante Befallsunterschiede in Pfl\u00fcckproben zur Gr\u00fcnreife, bzw. Erntedruschproben nachgewiesen werden. Auch weitergehende Analysen der Altersstruktur der jew. Larvenstadien lie\u00dfen in den Behandlungen keine signifikante Unterrepr\u00e4sentation eines Larvenstadiums oder Wachstumsverz\u00f6gerungen als Indikator f\u00fcr CpGV-wirkung erkennen.<br \/>\n3.\tGemengeanbau: Die im ersten Versuchsjahr zun\u00e4chst festgestellte befallssenkende Gemengewirkung war auf einen Blockeffekt zur\u00fcckzuf\u00fchren. Eine Befallsminderung lie\u00df sich in beiden Folgejahren nach der ge\u00e4nderten, von der Befallsrichtung unabh\u00e4ngig auswertbaren, Versuchsanodnung (Gemengekreuz) nicht mehr reproduzieren. Somit weist der Gemengeanbau von K\u00f6rnererbsen hinsichtlich Erbsenwickler kein nutzbares, befallssenkendes Potential auf.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Abschlussworkshop bei der Frosta-AG (Elbtalgem\u00fcse) in Lommatzsch am 11.01.2007: Praktiker- und Beraterveranstaltung Pflanzenschutzprobleme beim \u00f6kologischen Anbau von Industriegem\u00fcseerbsen mit Vortrag A. Balasus: Aktuelle Ergebnisse zur Bek\u00e4mpfung des Erbsenwicklers im \u00d6ko-Anbau durch Einsatz von Granuloseviren und Verwirrungstechnik und anschliessender Diskussion mit den der Projektbeteiligten des DBU-Projektes, Vertretern der S\u00e4chsischen Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft, des \u00d6koring Niedersachsen e.V. und Betriebsleitern im Gem\u00fcseerbsen-Vertragsanbau in der Region Lommatzscher Pflege. <\/p>\n<p>Tagungsbeitr\u00e4ge\/Pr\u00e4sentation<br \/>\n&#8211;\tSaucke, H.; Balasus, A.; Kratt, A. (2007): Untersuchungen zur Paarungsst\u00f6rung des Erbsenwick-lers (Cydia nigricana) mit Sexualpheromon. 9. Wissenschaftstagung \u00d6kologischer Landbau 20.03.07-23.03.07 Stuttgart Hohenheim<br \/>\n&#8211;\tBalasus, A.; Kleespies, R. G., Kingsbury, A.; Saucke, H. (2007): Pr\u00fcfung des Apfelwicklergranulo-sevirus CpGV zur Regulierung des Erbsenwicklers Cydia nigricana F. in K\u00f6rnererbsen. 9. Wissenschaftstagung \u00d6kologischer Landbau 20.03.07-23.03.07 Stuttgart Hohenheim<br \/>\n&#8211;\tBalasus, A.; Saucke, H. (2007): Einsatz des Apfelwicklergranulosevirus (CpGV) zur Reduzierung des Erbsenwicklers (Cydia nigricana F.), DGaaE Tagung Innsbruck 26.02.07-01.03.07<br \/>\n&#8211;\tBalasus, A.; Kratt, A.; Saucke, H. (2007): Untersuchungen zur Paarungsst\u00f6rung des Erbsenwicklers Cydia nigricana F. mit Sexualpheromon im Feldversuch. DGaaE Tagung Innsbruck 26.02.07-01.03.07<br \/>\n&#8211;\tBalasus, A.; Kratt, A.; Saucke, H. (2006): Untersuchungen zur Paarungsst\u00f6rung des Erbsenwicklers (Cydia nigricana F.) 55. Deutsche Pflanzenschutztagung 25.09.-28.09.06 G\u00f6ttingen<br \/>\n&#8211;\tSaucke, H., Balasus, A.; Schultz, B.; Brede, U.; Stange, K. (2004): Der Erbsenwickler (Cydia nigri-cana, Lep.: Tortricidae) als Qualit\u00e4tsrisiko in Gem\u00fcseerbsen, aktuelle Probleme und L\u00f6sungsstra-tegien. 54. Deutschen Pflanzenschutztagung 20.-23.09.2004 Hamburg<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Rahmen des DBU-Projektes wurden erstmals mehrj\u00e4hrige on-farm Versuche zur Verwirrungstechnik in verschiedenen Anbaukonstellationen durchgef\u00fchrt. Trotz einer reproduzierbaren Reduktion des Wicklerbefalls war der Effekt im Sinne einer angestrebten Markeinf\u00fchrung des sonst praxistauglichen Dispensertyps nicht wirksam genug. Dass von einer Weiterentwicklung der Methode derzeit abstand genommen wird, liegt an den Besonderheiten der Wicklerbiologie. Bedingt durch die Fruchtfolge, kommt es bei Erbsenwicklern bei Migrati-onsbewegungen auch au\u00dferhalb von Erbsenfl\u00e4chen bereits zu Paarungen, so dass ein Anteil begatteter Weibchen in die Fl\u00e4che einfliegt, was den Wirkungsgrad der Methode entsprechend schm\u00e4lert. Dieser Umstand war in der Fachliteratur nicht publiziert und wurde erst durch das Projekt im Zusammenhang mit Paarungsst\u00f6rung aufgegriffen und nun \u00f6ffentlich diskutiert. Auch bei der Granulosevirus-Option zeigte die sys-tematische Testung in 2 Versuchsjahren, flankiert von Halbfreiland und Gew\u00e4chshausversuchen, dass die z. T. in hohen Dosierungen eingesetzten Pr\u00e4parate keine nachweisbare Infekti\u00f6sit\u00e4t gegen\u00fcber dem Erbsenwickler haben. Dass sich ein Nischenmarkt f\u00fcr anwendungsfertige CpGV-Produkte im Anwendungsfeld Erbsen er\u00f6ffnet, ist auch hier nicht zu erwarten. Die Gemenge-Option erwies sich als weder befallssenkend, noch f\u00f6rdernd. Mit dem Projekt wurden alle derzeit aussichtsreichsten Regulierungsoptionen abgepr\u00fcft, mit dem Er-gebnis nicht hinreichender Wirksamkeit in der Praxis. Da das wirtschaftliche Risiko der Wicklerproblematik gerade in Gem\u00fcseerbsen unver\u00e4ndert hoch ist, werden die auf dem Abschlussworkshop diskutierten rein pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen, Schlagseparierung &#038; Fr\u00fchsaat, bei der Anbauplanung weiterhin h\u00f6chste Priorit\u00e4t haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Erbsenwickler, Cydia nigricana (Lepidoptera, Tortricidae), hat sich in den letzten Jahren zum Problemsch\u00e4dling in K\u00f6rnererbsen entwickelt. Aufgrund stetig gestiegener Leguminosenanteile in landwirtschaftlichen Fruchtfolgen ist der Befallsdruck in den letzten Jahren drastisch angestiegen. 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