{"id":22244,"date":"2023-07-13T15:19:30","date_gmt":"2023-07-13T13:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/16002-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:33","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:33","slug":"16002-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/16002-01\/","title":{"rendered":"Umweltvertr\u00e4gliche Restn\u00e4hrstoffverwertung aus Biogasanlagen als Torfersatzstoffe im Gartenbau"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Aufgrund der angespannten Energiesituation im Gartenbau gewinnt der Einsatz regenerativer Energien zunehmend an Bedeutung. In diesem Zusammenhang stellt sich der Betrieb von Biogasanlagen, die vorrangig mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden, als besonders zukunftstr\u00e4chtig dar. Allerdings ist die umweltvertr\u00e4gliche Verwertung der in Form einer n\u00e4hrstoffreichen Suspension verbleibenden G\u00e4rreste im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft noch nicht vollst\u00e4ndig gel\u00f6st. Dies gilt vor allem f\u00fcr die feste Phase. Im Rahmen dieses Vorhabens sollen daher deren Einsatzm\u00f6glichkeiten als Komponente in Blumenerden und Kultursubstraten untersucht werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt beginnt mit einer Laborphase, die der Ermittlung der chemischen, biologischen und physikalischen Eigenschaften von separierten festen G\u00e4rresten aus Biogasanlagen, die mit unterschiedlichen Inputstoffen (verschiedene Feldfr\u00fcchte, G\u00fclle etc.) betrieben wurden, diente. Das Untersuchungsprogramm umfasst im Wesentlichen au\u00dfer den Gehalten an N\u00e4hrstoffen, Kalk, Schwermetallen und Ballastsalzen den pH-Wert, die N-Stabilisierung, die Luft- und Wasserkapazit\u00e4t sowie das Vorhandensein von wachstumshemmenden Stoffen, Unkr\u00e4utern und pathogenen Keimen. Hierbei erfolgte die Analyse sowohl in nicht aufbereiteter Form als auch nach Kompostierung, z. T. mit verschiedenen Strukturmaterialien in unterschiedlicher Menge. Daran schlossen sich pflanzenbauliche Exaktversuche an der FH Weihenstephan und am Gartenbauzentrum Straelen sowie sp\u00e4ter auch ein Praxisversuch in Haushalten an. Bei diesen Untersuchungen kommen verschiedene gartenbauliche Kulturen, die sich in ihrer Salz- und Phosphatempfindlichkeit sowie N\u00e4hrstoffbed\u00fcrftigkeit unterscheiden, zum Einsatz. Besonderes Augenmerk richtete sich auf die m\u00f6glichen volumenm\u00e4\u00dfigen Anteile im Substrat sowie auf die Kombinierbarkeit mit anderen Torfersatzstoffen wie z.B. Holzfaser, Rindenhumus und Kokosfaser. Auf Basis der erzielten Ergebnisse  wurde \u00fcberpr\u00fcft, inwieweit die von der Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost festgelegten Grenzwerte f\u00fcr Substratkompost auf kompostierte G\u00e4rreste \u00fcbertragbar sind, um f\u00fcr Biogasanlagenbetreiber und Substrathersteller Planungs- und Entscheidungssicherheit zu schaffen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>\u00a2\tFrische G\u00e4rreste eignen sich nicht als Substratkomponente. Es besteht die Gefahr von Pflanzensch\u00e4den, wobei als wesentliche Ursache wachstumshemmende Stoffe in Betracht kommen.<\/p>\n<p>\u00a2\tEine Kompostierung \u00fcber etwa zwei Monate beseitigt etwaige wachstumshemmende Stoffe. Der Zusatz von strukturgebenden Stoffen wie Holzh\u00e4cksel oder Flachssch\u00e4ben zur Beschleunigung der rotte ist in der Regel nicht erforderlich. Diese Materialien sind nur bei Co-Verg\u00e4rung von H\u00e4hnchenmist vorteilhaft, um anaerobe Zonen im Rottegut infolge Klumpenbildung zu vermeiden.<\/p>\n<p>\u00a2\tG\u00e4rreste aus Biogasanlagen, in denen tierische Inputstoffe wie G\u00fclle oder H\u00e4hnchenmist mit vergoren werden, zeichnen sich vor allem durch sehr hohe P2O5-Gehalte aus. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sie in Abh\u00e4ngigkeit von den Ausgangsmaterialien viel Cu, Zn und Mg sowie eventuell auch nennenswerte Mengen an Na, Cl, Fe und Mn aufweisen.<\/p>\n<p>\u00a2\tDie pflanzenbauliche Eignung kompostierter G\u00e4rreste ist im Falle hoher P2O5-Gehalte erheblich eingeschr\u00e4nkt. Bei Anzucht von gegen\u00fcber Phosphat empfindlichen Pflanzen wie Scaevola oder Sutera in Substraten mit phosphatreichen G\u00e4rrestkomposten kommt es an den Bl\u00e4ttern zu Nekrosen und\/oder Eisenmangelchlorosen, wenn die P2O5-Eintr\u00e4ge \u00fcber 500 mg\/l (CAL-l\u00f6slich) liegen und damit h\u00f6her sind als diejenigen, die sich aus den von der Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost festgelegten Grenzwerten f\u00fcr Substratkomposte ergeben. Dadurch sind phosphatreiche G\u00e4rrestkomposte h\u00e4ufig lediglich in geringen Anteilen unter 10 Vol.-% in Anzuchtsubstraten einsetzbar. Zur Kennzeichnung des pflanzenverf\u00fcgbaren Phosphats sind die Wasser- und CAT-Extraktion besser geeignet als der Auszug mit CAL.<\/p>\n<p>\u00a2\tIn Blumenerden lassen sich G\u00e4rrestkomposte mit hohen P2O5-Gehalten problemloser einsetzen als in Anzuchtsubstraten. Bei gemischten Balkonkastenbepflanzungen traten auch bei Verwendung P-sensibler Pflanzenarten keine Beeintr\u00e4chtigungen in der Entwicklung auf, wenn der am Salzgehalt ausgerichtete Anteil G\u00e4rrestkompost 16 bis 40 Vol.-% betrug. Dabei ist es unerheblich, ob als Mischungspartner Torf oder weitere Torfersatzstoffe mit vernachl\u00e4ssigbaren P2O5-Vorr\u00e4ten (Cocopeat, Holzfaser, Holzh\u00e4cksel oder Xylit) verwendet werden.<\/p>\n<p>\u00a2\tDie negativen Wirkungen hoher P2O5-Gehalte in Anzuchtsubstraten mit kompostierten G\u00e4rresten k\u00f6nnen durch Zuschlagstoffe abgemildert werden. Die st\u00e4rksten positiven Effekte wurden durch COMPALOX und Fe-Sulfat erzielt. Beide Substanzen verringern durch Ausf\u00e4llung und\/oder Sorption die Gehalte an l\u00f6slichem Phosphat im Substrat und damit die Gefahr von Pflanzensch\u00e4den infolge P-\u00dcberschuss. Fe-Sulfat hat in diesem Zusammenhang allerdings den Nachteil, dass die zus\u00e4tzliche pH-senkende Wirkung durch h\u00f6here Kalkgaben kompensiert werden muss und dass die Salzgehalte im Substrat auf h\u00f6herem Niveau liegen. Vermiculite und Ton zeigten im Vergleich zu COMPALOX und Fe-Sulfat keine bzw. nur eine geringe Wirkung.<\/p>\n<p>\u00a2\tDer N-Haushalt von G\u00e4rresten ist relativ instabil. W\u00e4hrend frische Materialien zur Immobilisierung von Stickstoff neigen, setzen kompostierte Produkte vielfach pflanzenbaulich relevante N-Mengen frei.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>SCHMITZ, H.-J. und MEINKEN, E., 2005: Kompostierte G\u00e4rreste im Substrat. Taspo Magazin 5, Nr. 9, 34-35<br \/>\nSCHMITZ, H.-J., 2006: Kompostierte NawaRo-G\u00e4rreste als Zuschlag zu Blumenerden f\u00fcr gemischte Balkonkastenbepflanzung gut geeignet. Versuch im deutschen Gartenbau\/Zierpflanzenbau, 18. Jahrgang, 12<br \/>\nSCHMITZ, H.-J., 2006: Hohe P2O5-Gehalte in Anzuchtsubstraten mit kompostierten NawaRo-G\u00e4rresten k\u00f6nnen durch Zuschlagstoffe abgepuffert werden. Versuche im deutschen Gartenbau\/Zierpflanzenbau, 18. Jahrgang., 100<br \/>\nSCHMITZ, H.-J. und MEINKEN, E.: Composts from residues of anaerobically treated reneweable resources and their suitability in growing media. Acta Horticulturae, im Druck<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Frische G\u00e4rreste aus nachwachsenden Rohstoffen sind im Gartenbau als Substratzuschlag nicht geeignet. Nachkompostiert lassen sie sich jedoch gut als Substratzuschlagstoff verwenden, sofern der P2O5-Gehalt aufgrund Verwendung tierischer Ausgangsstoffe bei der Verg\u00e4rung nicht zu hoch ist. Halten die Komposte die Grenzwerte der Bundesg\u00fctegemeinschaft f\u00fcr Substratkompost ein, wachsen die Pflanzen in Substratmischungen mit bis zu 40 Vol.-% G\u00e4rrestkompost genau so gut wie in herk\u00f6mmlichen praxis\u00fcblichen Substraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Aufgrund der angespannten Energiesituation im Gartenbau gewinnt der Einsatz regenerativer Energien zunehmend an Bedeutung. In diesem Zusammenhang stellt sich der Betrieb von Biogasanlagen, die vorrangig mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden, als besonders zukunftstr\u00e4chtig dar. 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