{"id":22221,"date":"2024-11-27T10:36:27","date_gmt":"2024-11-27T09:36:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18525-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:27","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:27","slug":"18525-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18525-01\/","title":{"rendered":"Erprobung und Weiterentwicklung von Konservierungs- und Reinigungsverfahren an Bleiruten und Eisenhalterungen umweltgesch\u00e4digter wertvoller Glasmalereien am Beispiel der Quedlinburger Johanniskirche (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anla\u00df zur Durchf\u00fchrung des Projektes waren die starken Umweltsch\u00e4den an einem noch vollst\u00e4ndigen Bestand historischer Glasmalereien aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert, der zusammen mit den anderen Ausstattungsst\u00fccken der Kirche aus der Bauzeit ein inzwischen selten gewordenes Ensemble bildet. Ziel ist es, neben der Sanierung der Umweltsch\u00e4den, Untersuchungen durchzuf\u00fchren, um Verfahrensweisen zu entwickeln, korrodierte Metallteile der Halterungen und Verbleiungsnetze der Glasmalereien zu behandeln und zu konservieren. Die Ma\u00dfnahmen sollen als Modell f\u00fcr weitere Objekte in entsprechender Differenzierung nach den \u00f6rtlichen Gegebenheiten zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAnlass f\u00fcr das Projekt waren schwere Umweltsch\u00e4den an den Glasmalereien, ihr drohender Verlust und die Tatsache, dass es sich hier um einen noch vollst\u00e4ndig erhaltenen, originalen Bestand aus der Bauzeit der Kirche handelt. Er nimmt einen wesentlichen Stellenplatz innerhalb der ebenfalls noch bewahrten \u00fcbrigen Ausstattung der Kirche von 1905\/06 ein.<br \/>\nNeben der Errichtung einer isothermischen Schutzverglasung und Sanierung der Glasmalereisch\u00e4den wurden von einer Fachrestauratorin &#8211; Frau Ilona Berkei, Zeuthen &#8211; vor allen Dingen auch der Aufbau und der Erhaltungszustand der auf den Farbgl\u00e4sern des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts angelegten Malschichten untersucht. Die Ergebnisse sind in die ausf\u00fchrliche Dokumentation des Bestandes eingeflossen. Die Glasmalereien mit ihren Halterungssystemen boten weiterhin Gelegenheit, Modelluntersuchungen zur Durchf\u00fchrung von Feinstrahlreinigungen bei Blei- und Metallteilen vorzunehmen. Die dazu vorliegenden Empfehlungen sollten je nach den Ergebnissen modifiziert oder best\u00e4tigt werden.<br \/>\nIn den naturwissenschaftlich-technischen Untersuchungen wurde versucht, mit Hilfe der Feinstrahltechnik die Bruchstellen an den Bleiruten vor dem L\u00f6ten zu reinigen. Dabei zeigte sich, dass die traditionellen Reinigungsmethoden effektiver sind. Dagegen war der Versuch der Oberfl\u00e4chenreinigung sowohl an den Bleiruten als auch vor allem an Eisenhalterungen erfolgreich. Die notwendigen Optimierungen der Verfahrensparameter wurden vorgenommen. Die Qualit\u00e4t des Reinigungsergebnisses wurde mit mikroskopischen und oberfl\u00e4chenprofilometrischen Messungen beurteilt. Empfehlungen f\u00fcr die praktische Anwendung konnten abgeleitet werden.<br \/>\nBei der fachlichen Konsultation von Herrn Oberkonservator Martin Mach (Bayrisches Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege) stellte sich heraus, dass die f\u00fcr Zinkguss, Bronze und \u00e4hnliche Materialien geltenden Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten und Ergebnisse von Versuchen zum Einsatz der Feinstrahltechnik nur von bedingter Relevanz f\u00fcr die Eisenhalterungen und Bleie sind. Dennoch wurden die dort gewonnenen Erkenntnisse bei der Formulierung der Empfehlungen im Projekt ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurden die Erfahrungen der Metallrestaurierungswerkstatt Betina Ro\u00df GmbH Hamburg und Berlin ebenfalls durch Konsultation ermittelt und ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In der innerhalb des Projektes ver\u00f6ffentlichten Brosch\u00fcre Glasmalereien in der Quedlinburger Johanniskirche werden die Ergebnisse ausf\u00fchrlich in den Beitr\u00e4gen der Restaurierungswerkstatt Ilona Berkei und der BAM behandelt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In der vorgenannten Brosch\u00fcre haben alle Projektbeteiligten einen Beitrag zur Dokumentation des Projektes geleistet. Mit den zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln konnten 180 Exemplare dieser Brosch\u00fcre gedruckt werden. Sie sollen allen interessierten Werkst\u00e4tten, Denkmal\u00e4mtern und Eigent\u00fcmern von relevanten Objekten zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Zum Abschluss des Projektes fand am 06. November 2002 ein Abschlussgespr\u00e4ch in der Johanniskirche statt, in dem der Werdegang des Projektes dargestellt wurde und allen Beteiligten sowie F\u00f6rderern des Projektes Dank f\u00fcr das hervorragende Ergebnis ausgesprochen wurde. An dem Gespr\u00e4ch waren zwei regionale Zeitungen beteiligt (Wochenspiegel und Mitteldeutsche Zeitung), die eine Ver\u00f6ffentlichung in n\u00e4herer Zukunft zugesichert haben.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Au\u00dfer des erfolgreichen Abschlusses der restauratorischen Behandlung und ausf\u00fchrlichen Dokumentation des Glasmalereibestandes mit speziellen Untersuchungen der vorgefundenen Malschichten ist als Fazit festzustellen, dass die Feinstrahltechnik sowohl f\u00fcr Arbeiten am Blei als auch f\u00fcr solche an den Eisenhalterungen effektiv eingesetzt werden kann. Gegen\u00fcber den \u00fcblicherweise verwendeten Reinigungsmethoden ist eine bessere Qualit\u00e4t des Reinigungsergebnisses zu erwarten. Die Kosten sind allerdings allgemein h\u00f6her zu veranschlagen, so dass in jedem Einzelfall \u00fcber eine Anwendung entschieden werden muss. Als Strahlgut d\u00fcrfte die von uns verwendete Schlacke den Anforderungen in den meisten F\u00e4llen vollkommen gen\u00fcgen. Die Verwendung von Korund ist ebenso m\u00f6glich, jedoch muss hier mit h\u00f6heren Kosten gerechnet werden. In jedem Fall muss eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Entsorgung des anfallenden Strahlgutes vor Ort gefunden werden. Als Erg\u00e4nzung zum vorhandenen Ger\u00e4tebestand ist die kosteng\u00fcnstige Investition jeder Restaurierungswerkstatt f\u00fcr Arbeiten an den Metallteilen der Glasmalereien zu empfehlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anla\u00df zur Durchf\u00fchrung des Projektes waren die starken Umweltsch\u00e4den an einem noch vollst\u00e4ndigen Bestand historischer Glasmalereien aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert, der zusammen mit den anderen Ausstattungsst\u00fccken der Kirche aus der Bauzeit ein inzwischen selten gewordenes Ensemble bildet. 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