{"id":22152,"date":"2024-11-27T10:36:23","date_gmt":"2024-11-27T09:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18355-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:24","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:24","slug":"18355-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18355-01\/","title":{"rendered":"Freiland-Tankz\u00fcchtung von Nordsee-Makroalgen auf Sylt f\u00fcr den Nahrungsbereich"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Ziel war die Entwicklung eines umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Verfahrens zur Produktion lebenmittelsauberer Biomasse von Nordsee-Makroalgen f\u00fcr den Nahrungsbereich. Hauptzielarten sind die Rotalge Palmaria palmata und die Braunalge Laminaria saccharina, in kleinerem Stil die Rotalge Chondrus crispus. Diese Arten werden in Frankreich als Nahrungsmittel genutzt, mit Ausbreitungstendenz nach Deutschland. Die Freilandproduktion von Makroalgen in Meerwassertanks schont S\u00fc\u00dfwasserreserven, vermeidet das Sammeln der Algenbiomasse in der Natur und schont damit die untermeerischen Algenbest\u00e4nde, die Lebensraum f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige Tierwelt darstellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Makroalgenkultur wurde auf dem Experimentiergel\u00e4nde der Wattenmeerstation Sylt durchgef\u00fchrt, mit der Hauptmenge der Algentanks in zwei Gew\u00e4chsh\u00e4usern mit automatisch aufrollbaren Plastikfolien-Seitenw\u00e4nden f\u00fcr den Sommerbetrieb, so dass der Meerwind durch die Gew\u00e4chsh\u00e4user streicht und die Algentanks k\u00fchlt. Im Winter sorgten Gew\u00e4chshaus-Heizgebl\u00e4se f\u00fcr minimale Wassertemperaturen von ca. 5\u00b0C in den Algentanks. Die Algenz\u00fcchtung erfolgte in sprudelnd bel\u00fcfteten Meerwassertanks von 2 m Durchmesser und 2 m3 Meerwasserinhalt, bei einer Algendichte von 8 kg Algenfrischgewicht pro Quadratmeter beleuchteter Tankfl\u00e4che, mit einer Wassertiefe von 80 cm und t\u00e4glichem Meerwasserwechsel. Als Neuentwicklung wurde auch ein 6 m-Durchmesser-Tank mit 20 m3 Meerwasserinhalt eingesetzt. Die hohe Algendichte vermeidet Fremdalgen in der Kultur, erfordert jedoch eine gro\u00dfe Biomasse als Ausgangsmaterial (Inokulum), die im Upscaling der Tankgr\u00f6\u00dfen anzuz\u00fcchten ist und nicht katastrophenartig verloren gehen darf. Der Algenertrag pro Quadratmeter besonnter Tankfl\u00e4che wurde von Woche zu Woche messend verfolgt, bei einem freilaufenden Temperaturbereich von 5-22\u00b0C. Zur Vermeidung produktionssch\u00e4dlicher Extremtemperaturen wurden zeitweise h\u00f6here Wassertemperaturen im Sommer durch Meerwasserk\u00fchlung abgefangen. Bei allen Arten wurde in automatischen Jalousietanks gepr\u00fcft, ob die Wachstumsaktivit\u00e4t durch Dauer-Langtag oder Dauerkurztag jahreszeitlich aktiviert werden kann und welche Photoperiode f\u00fcr hohe Produktivit\u00e4t optimal ist.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im ersten Projektjahr wurde die Kulturtechnik f\u00fcr Palmaria palmata und Laminaria saccharina in 2 m-Durchmesser-Rundtanks aus PE mit je 20 kg Algenbiomasse FG (Frischgewicht) in Gew\u00e4chsh\u00e4usern der Wattenmeerstation Sylt optimiert. Die im Tank durch Pre\u00dfluft sprudelnd bel\u00fcftete und rotierende Al-genbiomasse wurde mit einer Biomassendichte von ca. 8 kg m-2 Wasseroberfl\u00e4che gez\u00fcchtet. Wenig bew\u00e4hrt hat sich bisher die Kultivierung der Rotalge Chondrus crispus in den Sylter Algentanks, und zwar wegen geringer Wachstumsrate und Produktivit\u00e4t. Im zweiten Projektjahr wurde die Kulturtechnik f\u00fcr diese Algenarten weiter optimiert, und als erh\u00f6hte Wertsch\u00f6pfung f\u00fcr die Verwertbarkeit der Rotalge Palmaria wurde mit der Zucht der makroalgivoren Meeresschnecke Abalone Haliotis tuberculata (europ\u00e4ische Abalone) begonnen, die am besten mit frischer Palmaria als Futter gedeiht. Die Gehalte an Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen in den Algen wurden erneut wie im Vorjahr analysiert und liegen weit unter den WHO-Tagesgrenzwerten, selbst wenn man 1 kg Frischalgen t\u00e4glich essen w\u00fcrde. Es gibt auch keinen nachweisbaren Gehalt an Organochlorpestiziden und Organophosphorpestiziden in den gez\u00fcchteten Algen. Im dritten Projektjahr wurde zur Steigerung der \u00d6konomie der Algenz\u00fcchtung zum ersten Mal ein 6 m-Durchmesser- Gro\u00dftank eingesetzt, die Filterung des Meerwassers wurde mit Lamellenkl\u00e4rern verbessert, und es kam die besonders w\u00e4rmevertr\u00e4gliche Rotalge Solieria chordalis als gut kultivierbare Standardalge f\u00fcr die hei\u00dfen Sommermonate hinzu. Wirtschaftlich geeignet sind als Abalonefutter erstrangig Palmaria palmata, zweitrangig Solieria chordalis, als Lebensmittel (Meeresgem\u00fcse) f\u00fcr Restaurants vorwiegend die Braunalge Laminaria saccharina, und als Kosmetikindustrie-Rohstoff alle drei Algenarten. Ganzj\u00e4hrige Algenz\u00fcchtung im Gew\u00e4chshaus wurde bereits seit dem ersten Projektjahr unter Verwendung von Natriumdampf-Lampen in der lichtarmen Jahreszeit erm\u00f6glicht. Im Gew\u00e4chshaus lag die Produktivit\u00e4t von Palmaria palmata und Laminaria saccharina im Mittel bei 200 g Algenfrischgewicht m-2 Tag-1, was einer Verdoppelung der Algenbiomasse innerhalb von 6 Wo-chen entspricht. Der Jahres-Temperaturgang im Wasser bewegte sich zwischen 5 und 18\u00b0C, mit Notk\u00fchlung \u00fcber Meerwasserk\u00fchler im Hochsommer und Gew\u00e4chshausheizung im Winter. Die gesamte vorhandene Algenbiomasse betrug gegen Jahresende im 1. Projektjahr 160 kg Algenfrischgewicht, im 2. Projektjahr 280 kg, jeweils in zwei Gew\u00e4chsh\u00e4usern, und ca. 1 t im 3. Projektjahr, da eine Au\u00dfenstation mit 40 2 m-Durchmesser-Rundtanks zus\u00e4tzlich errichtet wurde.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Einem DPA-Bericht im August 2003 folgten zahlreiche Zeitungs-, Fernseh- und Rundfunkberichte \u00fcber die Algenfarm, und es kam zu vermehrten Nutzeranfragen, darunter auch nach g\u00f6\u00dferen Algenmengen, etwa f\u00fcr den Tierfutterbereich vor allem als nat\u00fcrlicher Mineralstoffzusatz. Zahlreiche Besuchergruppen haben die Algenfarm besichtigt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das vorhandene DBU-Projekt bereitete die Grundlage f\u00fcr kommerzielle, \u00f6kologisch sinnvolle Meeresalgenz\u00fcchtung in Deutschland, und eine F\u00fclle von Anwendungsm\u00f6glichkeiten kann nun erprobt werden. Als Ausblick ist im Jahr 2006 die Gr\u00fcndung einer Sylter Algen-Abalonefarm geplant mit Schwerpunkt in der integrierten, \u00f6kologischen Aquakultur, wobei die Algenkulturen N\u00e4hrstoffkl\u00e4rend in Poly-kultur mit marinen Tierkulturen wie Abalone (List\/Sylt in der Wattenmeerstation), Miesmuscheln (bei Fa. Royal-Frysk in Emmelsb\u00fcll-Horsb\u00fcll bei Nieb\u00fcll) und Austern (bei Fa. Dittmeyers Austernkompagnie in List\/Sylt) eingesetzt werden sollen. Mit gr\u00f6\u00dferen vorhandenen Algenmengen kann dann auch versucht werden, gr\u00f6\u00dfere Mengen an Meeresalgen als marines Tiefgefriergem\u00fcse und als Zusatz zu Tierfutter bekannt zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Ziel war die Entwicklung eines umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Verfahrens zur Produktion lebenmittelsauberer Biomasse von Nordsee-Makroalgen f\u00fcr den Nahrungsbereich. Hauptzielarten sind die Rotalge Palmaria palmata und die Braunalge Laminaria saccharina, in kleinerem Stil die Rotalge Chondrus crispus. Diese Arten werden in Frankreich als Nahrungsmittel genutzt, mit Ausbreitungstendenz nach Deutschland. Die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[47,2422,51,70,52,53],"class_list":["post-22152","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-klimaschutz","tag-landnutzung","tag-ressourcenschonung","tag-schleswig-holstein","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"18355\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-18355.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"99.659,48","dbu_projektdatenbank_firma":"Stiftung Alfred-Wegener-Institut f\u00fcr\nPolar- und Meeresforschung\nWattenmeerstation Sylt","dbu_projektdatenbank_strasse":"Hafenstr. 43","dbu_projektdatenbank_plz_str":"25992","dbu_projektdatenbank_ort_str":"List","dbu_projektdatenbank_p_von":"2002-01-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2004-12-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 12 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"04651\/956-142","dbu_projektdatenbank_inet":"www.awi-bremerhaven.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Schleswig-Holstein","dbu_projektdatenbank_foerderber":"36","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35155,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22152\/revisions\/35155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}