{"id":22118,"date":"2023-09-17T10:32:01","date_gmt":"2023-09-17T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17400-10\/"},"modified":"2023-09-17T10:32:04","modified_gmt":"2023-09-17T08:32:04","slug":"17400-10","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17400-10\/","title":{"rendered":"Demonstration umweltgerechter Ver- und Entsorgungssysteme f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Berg- und Schutzh\u00fctten am Beispiel der Brunnenkopf-H\u00e4user auf 1.602 m \u00fc. NN  in den Ammergauer Alpen\/Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Brunnenkopfh\u00e4user liegen im bayerischen Naturschutzgebiet Ammergebirge. Sie werden seit 1920 von der Sektion Bergland des Deutschen Alpenvereins betreut und bewirtschaftet. Die DAV-Unterkunftsh\u00fctte (Kategorie I) ist w\u00e4hrend der Saisonmonate (Mai-Oktober) aufgrund ihrer attraktiven Lage (Naherholungsgebiet, Fernwanderwege) extrem stark frequentiert. Um bei dem stetig wachsenden Besucheraufkommen einen umweltgerechten H\u00fcttenbetrieb aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen und gleichzeitig den beh\u00f6rdlich geforderten Auflagen gerecht zu werden, wurden umfangreiche Umbau- und Erweiterungsma\u00dfnahmen im Bereich der Abwasserentsorgung sowie der Energie- und Wasserversorgung notwendig.<br \/>\nZiel des Projektes war es, unter den schwierigen gegebenen Voraussetzungen (Lage im Naturschutzgebiet, hohe Besucherzahlen, kein Strom, extrem wenig Wasser) eine ganzheitliche Ver- und Entsorgungsl\u00f6sung f\u00fcr den sensiblen H\u00fcttenstandort zu finden und umweltgerecht umzusetzen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen der Sanierung der sanit\u00e4ren Anlagen wurde das ehemalige Plumpsklo durch eine neue Toilettenanlage, bestehend aus drei Komposttoiletten und einem Urinal, ersetzt. Die anfallenden Abw\u00e4sser (Sickerwasser der Komposttoiletten, Urin, Abw\u00e4sser aus der K\u00fcche und den Waschgelegenheiten) werden in einer neu errichteten biologischen Kl\u00e4ranlage abgereinigt. Die Abwasserbehandlungsanlage besteht aus Sammel- und Beschickungssch\u00e4chten, zwei seriell beschickten und vertikal durchstr\u00f6mten Bodenfiltersystemen (Pflanzenbeete) mit Rezirkulationseinheit und einem Ablauf- und Kontrollschacht. Die Pflanzenbeete wurden einige H\u00f6henmeter unterhalb der H\u00fctte in einem S\u00fcdwest exponierten Hanggel\u00e4nde terrassenf\u00f6rmig angelegt und durch ingenieurbiologische Ma\u00dfnahmen gesichert. Die Energieversorgung der H\u00fctte erfolgt durch eine Photovoltaikanlage. Die alte bestehende Anlage wurde, um den Erfordernissen einer zeitgem\u00e4\u00dfen H\u00fcttenbewirtschaftung gerecht zu werden, modernisiert und erweitert. Das bestehende alte Dieselaggregat ersetzte man durch einen umweltfreundlichen, mit pflanzen\u00f6lbetriebenen Stromerzeuger der Firma KW-Energietechnik, der zur Abdeckung etwaiger Verbrauchsspitzen bzw. als Backup-System eingesetzt wird.<br \/>\nIm Bereich der Wasserversorgung wurde das Verteilungssystem innerhalb der H\u00fctte angepasst und erneuert, die Trink- und Brauchwasserreserve um 1.000 l erweitert und die Wasserbehandlungsanlagen (Filteranlagen, UV-Desinfektionsanlage) auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.<br \/>\nI<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die geplanten Bauma\u00dfnahmen wurden gr\u00f6\u00dftenteils in den Sommermonaten der Jahre 2005\/2006 umgesetzt; Restarbeiten folgten in den Jahren 2007\/2008. Erste Erfahrungen mit den neu installierten Komposttoiletten und der nachgeschalteten neu errichteten biologischen Kl\u00e4ranlage (Pflanzenbeete) konnten ab Sommer 2006 gesammelt werden.<br \/>\nEs zeigte sich, dass die Komposttoiletten von Beginn an sehr gut funktionierten und eine wesentliche Verbesserung zum urspr\u00fcnglichen Zustand darstellen. Durch eine st\u00e4ndige (Zwangs-)Entl\u00fcftung der Kompostbeh\u00e4lter wird die Geruchsbel\u00e4stigung in den Toiletten auf ein Minimum reduziert. Optional ist eine zus\u00e4tzliche aktive Entl\u00fcftung \u00fcber integrierte Ventilatoren m\u00f6glich. Voraussetzung f\u00fcr einen weitgehend geruchsfreien Betrieb des Systems ist die regelm\u00e4\u00dfige, bei starker Frequentierung der Anlage auch t\u00e4gliche Pflege des Inhaltes der Kompostbeh\u00e4lter (Aufgabe von Strukturmittel, Durchmengung, Umschichtung etc.) um optimale Kompostierbedingungen zu schaffen.<br \/>\nDie Abreinigung der Abw\u00e4sser aus Toiletten- und K\u00fcchenbetrieb erfolgt \u00fcber zwei nachgeschaltete Pflanzenbeete (Bodenfilter), deren einwandfreie Funktion durch eine regelm\u00e4\u00dfige Beprobung an mehreren Kontrollsch\u00e4chten \u00fcberwacht wird. Da sich in den ersten Monaten nach Inbetriebnahme zeigte, dass es durch die K\u00fcchenabw\u00e4sser zu nicht unerheblichen Fettablagerungen in den Einlaufsch\u00e4chten kam, wurde im Zulauf der Anlage ein Fettabscheider nachger\u00fcstet, um einen st\u00f6renden Fetteintrag in den ersten, grobk\u00f6rnigen Bodenfilter zu verhindern. Der zweite, mit feink\u00f6rnigerem Material verf\u00fcllte Bodenfilter neigte anf\u00e4nglich zur oberfl\u00e4chlichen Pf\u00fctzenbildung, was durch eine Freilegung der Drainageleitung und erneutem Einbau mit homogenisiertem Filtermaterial (Bl\u00e4htonkugeln\/Dolomit-Gesteinsbruch) relativ leicht behoben werden konnte. Obwohl die Abw\u00e4sser z. T. sehr hohe CSB-Belastungen im Einlauf aufweisen, erreicht die Kl\u00e4ranlage eine ausgezeichnete Reinigungsleistung mit sehr guten Ablaufwerten. Abgesehen von einer regelm\u00e4\u00dfigen Sichtkontrolle und turnusm\u00e4\u00dfigen Probenahme bedarf die Anlage keines gr\u00f6\u00dferen Pflegeaufwandes.<br \/>\nDie Erweiterung und Modernisierung der Photovoltaikanlage (neue Kollektoren, Wechselrichter, Batterien etc.) erm\u00f6glicht nun eine stabile Stromversorgung und einen weitgehend st\u00f6rungsfreien Betrieb der elektrischen Verbraucher. Der pflanzen\u00f6lbetriebene Stromerzeuger zur Abdeckung der Spitzenlasten \u00fcberzeugt neben seiner Zuverl\u00e4ssigkeit vor allem durch seine Laufruhe sowie geringe Emissionen.<br \/>\nZur Behandlung des Trinkwassers wurde in der Sommersaison 2007 eine moderne UV-Desinfektionsanlage mit vorgeschalteter Mikrofiltration in Betrieb genommen. Optimierungsbedarf besteht hier allerdings noch bei der Filteranlage, da aufgrund der relativ hohen Schwebstofffracht des quellseitigen Wasserzulaufs die Vorfilter eine nur sehr geringe Standzeit haben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>An mehreren Schau- und Infotafeln im Umfeld der H\u00fctte (Infotafel \u00fcber Wasserversorgung am Waschh\u00e4uschen, Schautafel \u00fcber Funktionsweise der Komposttoiletten an der Toilettenanlage, Infotafel an den Pflanzenbeeten der Kl\u00e4ranlage) erhalten die H\u00fcttenbesucher Informationen \u00fcber die vorhandenen umweltgerechten Ver- und Entsorgungssysteme. Erg\u00e4nzend wurde ein Faltblatt erstellt, das in der H\u00fctte ausliegt. Wie sich bereits w\u00e4hrend der Bauphase gezeigt hatte, ist das Publikumsinteresse sehr gro\u00df.<br \/>\nAllerdings werden nicht nur Erkl\u00e4rungen zur Funktion der technischen Einrichtungen gegeben, sondern es wird auch auf die Schwierigkeiten eingegangen, die der sensible H\u00fcttenstandort im Naturschutzgebiet unter den gegebenen Bedingungen (wenig Strom, sehr wenig Wasser) mit sich bringt. So soll der H\u00fcttenbesucher u.a. auch f\u00fcr Themen wie M\u00fcllproblematik oder die schwierige Wasserversorgung der H\u00fctte sensibilisiert werden (Thema: Wasser sparen).<br \/>\nVorstellung der Projekt-Ergebnisse im Zentrum f\u00fcr Umwelt und Kultur (ZUK) Benediktbeuern am 29.02.2008; Informationen auf der Internet-Homepage der Sektion Bergland; F\u00fchrungen vor Ort im Rahmen von Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich feststellen, dass alle Umbau- und Sanierungsma\u00dfnahmen planungsgem\u00e4\u00df umgesetzt werden konnten und sich nach einer gewissen Anlaufphase im praktischen Betrieb bestens bew\u00e4hrt haben. Zwar hat sich in manchen Bereichen der Pflegeaufwand f\u00fcr den H\u00fcttenbetreiber z. B. durch die notwendige regelm\u00e4\u00dfige Wartung der Komposttoiletten erh\u00f6ht, dem gegen\u00fcber steht jedoch die wesentlich verbesserte, umweltgerechte Entsorgung der Abw\u00e4sser und nicht zuletzt der gestiegene Komfort f\u00fcr die H\u00fcttenbesucher.<br \/>\nDas Projektziel, f\u00fcr den sensiblen H\u00fcttenstandort eine umwelt- aber auch praxisgerechte Ver- und Entsorgungsl\u00f6sung zu finden und umzusetzen, wurde erreicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Brunnenkopfh\u00e4user liegen im bayerischen Naturschutzgebiet Ammergebirge. Sie werden seit 1920 von der Sektion Bergland des Deutschen Alpenvereins betreut und bewirtschaftet. Die DAV-Unterkunftsh\u00fctte (Kategorie I) ist w\u00e4hrend der Saisonmonate (Mai-Oktober) aufgrund ihrer attraktiven Lage (Naherholungsgebiet, Fernwanderwege) extrem stark frequentiert. Um bei dem stetig wachsenden Besucheraufkommen einen umweltgerechten H\u00fcttenbetrieb aufrecht erhalten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[57,47,51,52,53],"class_list":["post-22118","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-bayern","tag-klimaschutz","tag-ressourcenschonung","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"17400\/10","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"67.217,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Deutscher Alpenverein (DAV) e. V.\nSektion Bergland","dbu_projektdatenbank_strasse":"Kyreinstr. 6","dbu_projektdatenbank_plz_str":"81371","dbu_projektdatenbank_ort_str":"M\u00fcnchen","dbu_projektdatenbank_p_von":"2004-01-23 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2006-01-23 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"0177-4419310","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Bayern","dbu_projektdatenbank_foerderber":"35","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-17400_10.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35121,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22118\/revisions\/35121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}