{"id":22103,"date":"2023-07-13T15:31:18","date_gmt":"2023-07-13T13:31:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/33326-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:31:19","modified_gmt":"2023-07-13T13:31:19","slug":"33326-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/33326-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Erprobung von Methoden zur Konservierung umweltgesch\u00e4digter, historisch wertvoller Putz- und Steinoberfl\u00e4chen sowie zur Mauerwerksert\u00fcchtigung unter dauerfeuchten Bedingungen und mikrobiellen Belastungen an der Mikwe in Worms"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Am Beispiel der Mikwe in Worms, gemeinsam mit anderen Beispielen des j\u00fcdischen Kulturerbes (SchUM-St\u00e4dte) auf der Tentativliste zur Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe, sollten innovative und modellhafte M\u00f6glichkeiten zur Wahrung eines in sehr komplexer Weise und extremem Ausma\u00df gesch\u00e4digten Kulturdenkmals entwickelt und erprobt werden. Ziel war die Entwicklung eines Ma\u00dfnahmenkonzeptes zur restauratorischen Sicherung des Bauwerks in enger Verzahnung mit den Ergebnissen mikrobiologischer und raumklimatischer Untersuchungen und unter Ber\u00fccksichtigung der M\u00f6glichkeit zur weiteren sporadischen rituellen Nutzung des Bades. Verschiedene Einzelma\u00dfnahmen wurden zun\u00e4chst in kleinen Musterfl\u00e4chen und anschlie\u00dfend in einer gr\u00f6\u00dferen Musterachse erprobt. Die Entwicklung einer Methodik zur statischen Sicherung wurde vor Projektbeginn aus dem Projekt ausgegliedert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEin besonderes Merkmal der Wormser Mikwe ist die Tatsache, dass hier einige Reste der bauzeitlichen Putze einschlie\u00dflich ihrer dekorativen Elemente (Putzritzungen, Spuren von Farbfassungen) erhalten sind. Zur Konservierung der Putzreste in der feuchten Raumschale der Mikwe wurden sowohl konventionelle als auch neue Festigungsmittel auf Basis von Kiesels\u00e4ureester (KSE) erprobt.<br \/>\nAlle Baustoffe der Wandoberfl\u00e4chen sind in unterschiedlichem Ausma\u00df durch bausch\u00e4dliche Salze be-lastet. Zur Konservierung der umweltgesch\u00e4digten Sandsteine wurden Ma\u00dfnahmen zur Salzreduktion mittels Kompressen und zur Festigung mittels KSE erprobt. Zur Reinigung der gipsbelasteten Putzoberfl\u00e4chen wurden verschiedene Laserger\u00e4te getestet.<br \/>\nDie Wandoberfl\u00e4chen sind auch von einem intensiven mikrobiellen Bewuchs befallen. Dieser wurde intensiv untersucht und es wurden verschiedene Versuche zur Reduzierung des Befalls durchgef\u00fchrt. Zu nennen sind die Anwendung der Photokatalyse bei UV-A-Beleuchtung, eine Raumbeleuchtung mit speziellen Wellenl\u00e4ngen und die Bestrahlung mit UV-C zur Grunddesinfektion.<br \/>\nZur Beurteilung der raumklimatischen Bedingungen wurden Raumklimamessungen durchgef\u00fchrt. Vergleichende Messungen wurden in den Mikwen Friedberg, Speyer und in reduziertem Umfang auch in Andernach vorgenommen, da in diesen Mikwen das Raumklima durch ganz unterschiedliche bauliche Ma\u00dfnahmen beeinflusst wird. Zeitweilig wurde die Gittert\u00fcr der Wormser Mikwe durch eine dichte Baut\u00fcr ersetzt und die Ver\u00e4nderung des Raumklimas sowie der mikrobiellen Belastung kontrolliert.<br \/>\nZur Vergleichszwecken wurden die Mikwen von Friedberg, Speyer, Offenburg, Andernach und Erfurt besucht. Die dort zuletzt durchgef\u00fchrten baulichen Ma\u00dfnahmen der letzten Jahrzehnte wurden recherchiert und in die Bewertung des angetroffenen Zustands einbezogen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes konnten die wenigen noch vorhandenen Putzreste im Rahmen einer Musterachse<br \/>\nkonserviert werden. Zur Putzfestigung wurde Nanokalk verwendet. Das parallel erprobte Produkt<br \/>\nauf Basis einer KSE-Mikroemulsion (s. Projekt 28983\/01), brachte an einer kleinen Musterfl\u00e4che vergleichbare Ergebnisse, wurde aber wegen der aufw\u00e4ndigen Herstellung und begrenzten Haltbarkeit bei<br \/>\nder gr\u00f6\u00dferen Musterachse nicht ber\u00fccksichtigt. Anb\u00f6schungen von Putzkanten wurden mit einem baustellengemischten Kalkm\u00f6rtel vorgenommen. Die Reinigung der Putzoberfl\u00e4chen mit dem Laserverfahren<br \/>\nbrachte ein in \u00e4sthetischer Hinsicht zufriedenstellendes Ergebnis. Allerdings verbleibt dabei ein Teil<br \/>\nder Gipsbelastung im Putz, sodass mittelfristig weitere Ma\u00dfnahmen notwendig werden. Die Analyse bausch\u00e4dlicher Salze weist auf vielf\u00e4ltige Salzquellen hin: Die Einwirkung von Luftschadstoffen<br \/>\n(Gipskrusten), die fr\u00fchere Zweckentfremdung als Abwasserschacht (Nitrate), ungeeignete Reparaturm\u00f6rtel und \u0096betone fr\u00fcherer Instandsetzungsma\u00dfnahmen (Natriumsulfat). Die daraus resultierende,<br \/>\nkomplexe, r\u00e4umlich variierende, anthropogene Schadsalzbelastung ist \u00e4u\u00dferst problematisch, da sie auf \u00c4nderungen des Raumklimas mit sch\u00e4digenden Kristallisations- und L\u00f6sungsprozessen reagiert, wie<br \/>\nthermodynamische Modellierungen zeigten (Programm RUNSALT\/ECOS). Versuche zur Reduktion der Salzbelastung in Sandsteinen lieferten unbefriedigende Ergebnisse. Urs\u00e4chlich ist die ge\u00e4nderte Zusammensetzung der Kompressen, aus denen der Zelluloseanteil entfernt wurde, um eine Schimmelbildung<br \/>\nim feuchten und mikrobiell kontaminierten Milieu der Mikwe zu vermeiden. Mikrobiologische Untersuchungen zeigten, dass Gr\u00fcnalgen und Cyanobakterien verantwortlich f\u00fcr die<br \/>\nstarke Vergr\u00fcnung der dem Licht ausgesetzten Fl\u00e4chen sind. Hinzu kommt starker Schimmelbefall. Die<br \/>\nBelastung der Raumluft durch Luftkeime lag zu Projektbeginn auf lufthygienisch unbedenklichem Niveau. Ein zeitweiliges Schlie\u00dfen des Eingangs f\u00fchrte jedoch zu einem starken Anstieg der Luftkeimbelastung,<br \/>\nweshalb die tempor\u00e4r eingebaute, dichte Baut\u00fcr wieder durch die urspr\u00fcngliche Gittert\u00fcr ersetzt wurde.<br \/>\nVersuche zur Reduzierung des Gr\u00fcnbewuchses mittels Photokatalyse waren teilweise erfolgreich. Mit<br \/>\nstark verd\u00fcnnten Mischungen aus Anatas und Kiesels\u00e4ureester konnte photokatalytisch aktives Titandioxid auf Steinoberfl\u00e4chen aufgebracht werden, ohne augenf\u00e4llige Farbver\u00e4nderungen zu bewirken. Die<br \/>\nphotokatalytische Reaktion wurde durch n\u00e4chtliche Bestrahlung mit UV-A Strahlung angeregt. In den<br \/>\nmeisten Testfl\u00e4chen wurde aufgrund zu geringer Strahlungsleistung kein signifikanter Effekt erzielt. Bei<br \/>\nkurzen Abst\u00e4nden zwischen Lampe und Steinoberfl\u00e4che war das Verfahren jedoch sehr wirkungsvoll. F\u00fcr eine effektive Anwendung m\u00fcsste die Strahlungsleistung deutlich erh\u00f6ht werden.<br \/>\nProbeweise wurde f\u00fcr die Beleuchtung zu Tageszeiten gr\u00fcnes Licht eingesetzt. Laborstudien belegen,<br \/>\ndass damit das Wachstum von Gr\u00fcnalgen vermindert, aber nicht vollst\u00e4ndig unterbunden werden kann.<br \/>\nTests zur Desinfektion von Wandoberfl\u00e4chen mit UV-C-Strahlung waren auf Sandstein erfolgreich, nicht<br \/>\naber auf Putzoberfl\u00e4chen mit starker Oberfl\u00e4chenmorphologie und offenporigem Gef\u00fcge.<br \/>\nAus dem mikrobiologischen Befall und den Salzbelastungen ergeben sich widerspr\u00fcchliche Anforderungen an das Raumklima. Zur Reduzierung der mikrobiellen Belastung w\u00e4ren trockenere Bedingungen<br \/>\nsinnvoll, zum Unterbindung der Salzkristallisation hingegen w\u00e4ren konstant hohe Luftfeuchten w\u00fcnschenswert.<br \/>\nDie vergleichenden Messungen der Raumklimata in den Mikwen Worms, Speyer und Friedberg<br \/>\nzeigten f\u00fcr Worms und Speyer \u00e4hnliche, aber f\u00fcr Speyer etwas g\u00fcnstigere Ergebnisse. Beide Mikwen<br \/>\nsind durch verwandte Konstruktionsweisen gepr\u00e4gt, in Speyer verhindert jedoch ein Schutzdach<br \/>\nden zus\u00e4tzlichen Eintrag von Niederschlagswasser. In Friedberg ist die Eingangst\u00fcr geschlossen und<br \/>\nder Luftaustausch \u00fcber den Lichtschacht stark reduziert. In der Folge herrschen hier nahezu konstante Klimaverh\u00e4ltnisse auf sehr hohem Feuchtigkeitsniveau. Die Vergr\u00fcnung ist hier auf die unmittelbare Umgebung<br \/>\nder Lampen begrenzt, eine nennenswerte Belastung durch Luftkeime liegt nicht vor. In Andernach<br \/>\nwird das Raumklima durch eine Be- und Entl\u00fcftungsanlage gepr\u00e4gt, die zur Reduzierung der CO2-Belastung eingebaut wurde. Eine L\u00fcftungsanlage k\u00f6nnte das Raumklima auch in Worms verbessern.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die wichtigsten Projektergebnisse wurden in Worms pr\u00e4sentiert. Eine Tagung des IFS war an das Fachpublikum adressiert, eine Abendveranstaltung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz<br \/>\nwandte sich an die \u00d6ffentlichkeit. Die Ergebnisse wurden in einem IFS-Bericht publiziert, der gleichzeitig<br \/>\nals Abschlussbericht fungiert. Eine Fachpublikation in englischer Sprache ist in Arbeit.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Projektziele konnten zum gro\u00dfen Teil erreicht werden. Im Rahmen von Musterfl\u00e4chen und einer gr\u00f6\u00dferen Musterachse konnten Methoden zur Reinigung und Konservierung der Reste historischer Bauzier<br \/>\nerfolgreich entwickelt und erprobt werden. Wichtige Aspekte zum Raumklima sowie zur mikrobiologischen<br \/>\nBelastung von Wandfl\u00e4chen und Raumluft wurden herausgearbeitet. Offene Fragen betreffen die Entfernung von Gr\u00fcnalgen von Putzoberfl\u00e4chen (Voraussetzung f\u00fcr Putzfestigung), die Optimierung der Entsalzungsma\u00dfnahmen und die Entwicklung einer technischen L\u00f6sung zur Regulierung des Raumklimas. Die Grundlagen hierf\u00fcr wurden im Rahmen des Projektes geschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Am Beispiel der Mikwe in Worms, gemeinsam mit anderen Beispielen des j\u00fcdischen Kulturerbes (SchUM-St\u00e4dte) auf der Tentativliste zur Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe, sollten innovative und modellhafte M\u00f6glichkeiten zur Wahrung eines in sehr komplexer Weise und extremem Ausma\u00df gesch\u00e4digten Kulturdenkmals entwickelt und erprobt werden. 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